Interview mit We Are Scientists
Interview mit Keith Murray und Chris Cain im Gloria Theater Köln am 24.3.08 Wir wollen mit so vielen Schlagzeugern spielen wie möglich. In so kurzer Zeit wie möglich.
We Are Scientists Am Ostermontag diesen Jahres traf ich die Mitglieder von We Are Scientists im Kölner Gloria Theater. Die beiden humorvollen Amerikaner unterhielten sich mit mir über Champagner, Syphilis, Hypnose, Alec Baldwin und unbekannte Insider-Bands. Da es kaum möglich war, ihnen eine nicht von Ironie belastete Information zu entlocken, fiel es auch mir schwer, gänzlich ernst zu bleiben.

Dosenmusik: Hey, einen schönen Ostermontag wünsche ich euch. Wie habt ihr das Wochenende verbracht?
Chris: Wir haben viel getrunken, um diese sehr geheime Zeit zu feiern. Das war eigentlich alles.
Keith: Und wir haben eine tolle Ostereier-Jagd veranstaltet.
Chris: Oh, ich vergaß!
Keith: Gestern haben wir Eier gefärbt und mit Wachsmalstiften tolle Designs darauf gemalt. Dann haben wir sie den ganzen Morgen herumgeworfen. Als unsere Crew und Bandmitglieder aufgewacht sind, mussten sie sie jagen.
Chris: Wir haben sie dazu gezwungen, sie zu jagen.
Keith: Ja. Also ein ganz gewöhnliches Wochenende zu Hause.
Dosenmusik: Es ist noch recht früh. Müsst ihr so viele Interviews in Deutschland geben?
Keith: Die haben uns nicht gesagt, wie viele Interviews es sind. Sie waren ziemlich vorsichtig mit der Auskunft.
Chris: Es sind wohl vier heute.
Keith: Vier? Verdammt!
Dosenmusik: Euer neues Album heißt "Brain Thrust Mastery". Könnt ihr etwas über den Titel sagen, abgesehen von dem "braintrust"-Wortspiel?
Chris: Wir hatten nichts Spezielles im Kopf.
Keith: Unsere Köpfe waren total leer. Wir haben einfach alles zugelassen, was uns in den Sinn gekommen ist. Für mich war es vergleichbar mit Süßigkeiten. Für Chris waren es wunderschöne Blumengemälde, wenn du weißt was ich meine.
Chris: Sehr viele Gemälde mit Blumen.
Dosenmusik: Gibt es denn nichts, was ihr mit den drei Schlagworten verbindet?
Chris: Jedes einzelne hat einen Sinn, aber zusammen bedeuten sie gar nichts. Das ist die Kraft der Sprache.
Dosenmusik: Auf dem Cover der CD seht ihr etwas mitgenommen aus. Zeigt das euren neuen Lifestyle?
Chris: Exakt. Das Leben ist toll.
Keith: Beachte nicht, was du gerade siehst. So sind wir eigentlich gar nicht. Wir tragen nur noch Anzüge und trinken Champagner.
Dosenmusik: Okay, genug der offensichtlichen Dinge. Kritiker sagen, dass der Sound wie der Powerpop aus den 80ern klingt. War es eure Absicht so "retro" zu werden?
Chris: Wir waren uns bewusst, dass da eine Retro-Qualität vorhanden ist. Wir nahmen ein paar Retro-Elemente der Songs aus der Ära, die wir mochten und kreierten einen neuen Sound daraus. Ich denke nicht, dass wir sehr erfolgreich damit waren.
Keith: Hätten wir ein bisschen mehr Geld gehabt, hätten wir exakt geklungen wie die 80er.
Dosenmusik: Ihr hättet die Anzügen und den Champagner nicht kaufen sollen.
Keith: Die Anzüge und der Champagner kommen zuerst!
Chris: Wir wussten immer, was höchste Priorität hat.
Dosenmusik: "With Love And Squalor" klang sehr fröhlich und schnell. Mit dem neuen Album zeigt ihr eine andere, etwas düstere Seite von euch. Seid ihr erwachsener geworden oder nachdenklicher?
Keith: Midlife Crisis!
Chris: Midlife wer? Vermutlich wollten wir einfach nicht mehr das machen, was wir auf dem letzten Album gezeigt haben. Wenn Leute mehr "With Love and Squalor" hören wollen, sollen sie "With Love and Squalor" in ihren CD-Player schieben.
Keith: Oder besser noch, eine neue Kopie von "With Love and Squalor" kaufen.
Chris: Wir wollten mal ein anderes Territorium erforschen. Auf dem nächsten gibt es vielleicht Jazz-Balladen. Oder traditionellen Bebop.
Dosenmusik: Ihr hattet also nicht vor, eure hyperaktiven "Nobody move..."-Fans loszuwerden?
Chris: Wir spielen immer noch "Nobody Move...", oder?
Keith: Wir flehe diese Fans an zu kommen! Sie kriegen was sie wollen.
Chris: Wir wollen die Sachen von dem neuen Album etwas schneller spielen. Die alten und die neuen Songs passen gut zusammen. Diesen großen Konflikt, den manche Leute daraus gemacht haben, gibt es gar nicht.
Dosenmusik: Was ist euer Lieblingssong auf dem neuen Album?
Chris: "Nobody Move, nobody get hurt."
Dosenmusik: Das ist nicht auf dem neuen Album.
Chris: Oh Fuck! Okay, Keith mag am liebsten "That's what counts", also der letzte. Meiner ist... vielleicht "Dinosaurs"?
Keith: Wir mögen das Ende des Albums.
Dosenmusik: Ja? Ich mag den Anfang.
Chris: Das ist, weil du nie das Ende gehört hast.
Keith: Du kamst nie bis zum Ende.
Dosenmusik: Stimmt, ich habe nach dem dritten Lied ausgeschaltet.
Keith: Du hattest es so verdammt leid.
Dosenmusik: Nein, natürlich nicht.
Chris: "After Hours" ist vielleicht der beste Song. Aber ich habe ihn satt. Nachdem wir ihn aufgenommen haben, mussten wir ihn uns etwa tausend Mal anhören.
Dosenmusik: "After Hours" ist auch eure erste Single. Zeigt der Videoclip dazu euer wahres Leben? Bist du, Chris, der glückliche Verlierer, der alle Frauen bekommt?
Chris: Der glückliche Verlierer? Eine gute Bezeichnung. Ich bin der lucky fucking Loser. Das ist so wahr. Ich fühl mich wirklich manchmal so.
Dosenmusik: Und du schlägst ihn ständig?
Keith: Die ganze Zeit. Bis zum Ende.
Chris: ...den verdammten Verlierer.
Dosenmusik: Wer ist die Frau im Video?
Chris: Was sie ist? Sie ist heiß.
Dosenmusik: Ja, klar, aber wer ist sie?
Keith: "What is she?"-"Hot!"-"And who is she?"-"Someone hot as hell!"
Chris: Sehr lustig. Ihr Name ist Katrina.
Keith: Sie ist eine Schauspielerin. Kennst du "30 Rock"? Das ist eine TV-Show die leider noch keinen Durchbruch außerhalb der USA geschafft hat.
Chris: Alec Baldwin und Tina Fey von "Saturday Nightlife" machen auch mit.
Keith: Du kennst das nicht oder?
Dosenmusik: Nein, aber Alec Baldwin...
Chris: ...hat bei "She's having a baby" und "Team America" mitgemacht.
Dosenmusik: Okay, was hat er mit Katrina zu tun?
Chris: Sie spielen in der gleichen TV-Show.
Keith: Wir wollten nur angeben, wie berühmt sie ist. Deswegen haben wir die ganzen Prominenten aufgezählt.
Dosenmusik: Verstehe. War euer ehemaliger Drummer Michael Tapper an den Aufnahmen zum neuen Album beteiligt?
Keith: Ja, er hat das meiste gespielt.
Dosenmusik: Was ist mit ihm passiert?
Keith: Das Unvorstellbare.
Chris: Wir wussten nicht, dass Syphilis immer noch aktuell ist. Als Michael Tapper mit Syphilis erschien, taten wir das einzig Sinnvolle: Wir stellten ihn in Los Angeles unter Quarantäne.
Dosenmusik: ...und was passierte wirklich mit ihm?
Keith Er ist in einem Haus irgendwo in L.A. mit seiner Freundin.
Dosenmusik: Sucht ihr nach einer Alternative für ihn, die ihn vollzeitig ersetzt oder seid ihr auch zu zweit zufrieden?
Chris: Darum kümmern wir uns nicht.
Keith: Da gibt es sicher Leute, die sich darüber Sorgen machen, aber das sind nicht wir.
Chris: Wir haben momentan einen tollen Kerl, der für uns Schlagzeug spielt. Wir machen uns keine Sorgen. Seit Michael weg ist ist es jedes Mal eine Freude, wenn wir mit einem neuen Drummer spielen.
Keith: Wir wollen mit so vielen Drummern spielen wie möglich. In so kurzer Zeit wie möglich.
Dosenmusik: Ich habe gelesen, dass ihr auch mit dem Schlagzeuger der Arctic Monkeys gespielt habt?
Keith: Das stimmt. Wir mussten ihn zwingen, zurück zu den Arctic Monkeys zu gehen. Wir sagten:"Geh zurück zu deinen Ehemännern, den Arctic Monkeys." Dann ging er.
Dosenmusik: Wo wir gerade über die Arctic Monkeys sprechen. Die hatten ihren Durchbruch, als sie noch sehr jung waren, ihr seid etwas älter...
Chris: Ich glaube du bist verwirrt.
Keith: Wir sind nicht viel älter...Sechs Jahre höchstens.
Dosenmusik: Ich streiche die Frage einfach und frage etwas anderes.
Keith: Gute Idee!
Dosenmusik: Ihr habt euch auf der Universität kennengelernt. Welche Studiengänge hattet ihr?
Keith: Ich habe Literatur studiert. Es war toll. Ich könnte sofort das Time-Magazin übernehmen. Sie brauchen mich nur zu fragen.
Chris: Ich habe Hypnose studiert. Und hypnotische Medizin.
Dosenmusik: Das kann man also studieren?
Chris: Ja. In Kombination mit Herminatic. Das ist die Philosophie der Hypnose.
Dosenmusik: Soso. Kannst du einen Trick zeigen?
Chris: Klar! Aber das klappt nicht mit einem Pendel oder so etwas, das ist ein Märchen. Du musst bestimmte Hypnotika nehmen, die deinem Gehirn helfen, an nichts zu denken. Wenn du hypnotisiert bist, kann ich dich dazu bringen, Sachen zu machen oder du erinnerst dich an Dinge, die du vergessen hast. Das ist gut für Leute, die Dramen erlebt haben.
Dosenmusik: Ich bin froh, dass ich das nicht habe.
Chris: Wie willst du dir da so sicher sein? Vielleicht weißt du es nur nicht mehr.
Keith: Ich erinnere mich an eine Menge verrückter Dinge, seit Chris mich mit Hypnose behandelt.
Dosenmusik: Wir sollten über etwas anderes reden. Ihr steckt sehr viel Arbeit in eure Webseite, andere Bands beschränken sich auf eine Myspace-Seite und...
Chris: Sie sind rechtlich auf eine Myspace-Seite beschränkt! Wir haben vor sechs Monaten eine offizielle Webseite angefordert. Du musst viel Zeit und Arbeit dafür aufwenden, du musst es wirklich wollen. Denk an Bands wie Belle and Sebastian. Die wollen es nicht. Oder die Cnallods. Diese Leute wollen es einfach nicht.
Dosenmusik: Diese Band gibt es nicht.
Chris: Es gibt die! Nimm dein Tape mit nach Hause und such im Internet. Die Cnallods. C-N-A-L-L-O-D oder vielleicht C-A-D-D-O-L oder B-N-I-L-L-A-D? Ich weiß es nicht. Aber sie existieren. Sie sind die Schwestern der berühmten Sängerin Enna. Die wirst du ja wohl kennen.
Dosenmusik: Ich kenne nur Enya, die beim Soundtrack zu den Herr der Ringe Filmen mitgemacht.
Chris: Ja? Da hat sie bestimmt auch mitgemacht. Sie macht einiges. Keith: Ich bin immer wieder darüber erstaunt, wie du dir diese Bandnamen ausdenken kannst.
Dosenmusik: Was ist mit den Katzen, die auf dem Cover eures ersten Albums waren, passiert?
Keith: Sie wurden umgebracht.
Chris: Wir haben sie ins Gefängnis gebracht.
Dosenmusik: Die Katzen?
Keith: Die auch.
Chris: Die Mörder.
Keith: Es gibt eine Menge Mörder in den Straßen.
Chris: Ganze Banden von Mördern.
Keith: Wir haben sie erschossen.
Chris: Die Katzen starben leider auch. "Du bist Geschichte... Geschichte... Geschichte. Miaaau!"
Dosenmusik: Hört sich so an, als ob ihr sehr tierlieb seid. Ihr habt auch eine Liste von Tieren als Einflüsse auf eurer Myspace-Seite angegeben.
Chris: Nur ein paar der Tiere. Wir finden unsere Einflüsse in Tieren. Wir haben aber nur die wichtigsten aufgeschrieben.
Dosenmusik: Was ist euer Lieblingstier?
Chris: Der Krebs.
Keith: Ja. Mit diesen Stacheln am Kopf.
Chris: Er hat so etwas Königliches. Er ist ganz bestimmt der König unter den Tieren. Denk nur an die Zepter! Oh, der Krebs!
Dosenmusik: Gut, ich höre nun besser auf...
Chris: Haben wir etwas falsches gesagt?
Dosenmusik: Nein, aber meine Zeit ist um. Ich danke euch für die nette Unterhaltung.
Keith: Wir danken dir!

Keith Murray - Gitarre, Gesang
Chris Cain - Bass

www.wearescientists.com

Autor: panic-at-my-disco | 01.04.2008
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