Interview mit Unearth
Interview mit Trevor Phipps bei der Never Say Die Tour in Wiesbaden am 29.11.2008 Über das Bekämpfen von Hangovern und wertvolles Vertrauen bei der Studioarbeit...
Unearth Dosenmusik: Hi Trevor, danke dafür, daß Du dir Zeit für uns nimmst. Wie läuft die Tour soweit?
Trevor Phipps: Heute ist der letzte Tag! Fast schon schade. Die Tour ist der Hammer, absolut grossartig. Viele ausverkaufte Shows, generell immer sehr gut besucht, die Läden sind voll. Jede Band bekommt gute Reaktionen vom Publikum, es geht schon recht früh gut ab. Eine der besten Touren in der letzten Zeit, definitiv.
Dosenmusik: Du sprichst über viele ausveraufte Shows, wie groß waren die bisherigen Hallen auf der Tour? Ähnlich wie der Schlachthof hier in Wiesbaden?
Trevor Phipps: Die Halle hier ist eine der grössten auf der Tour. Die kleinste Halle hatte Platz für 600 Leute, die Größte glaube ich für 2500. Aber wie schon gesagt, die Besucherzahlen waren super und überall wo wir gespielt haben, war eine tolle Stimmung, daher ist die Größe der Hallen auch nicht so wichtig.
Dosenmusik: An den Schlachthof habt ihr euch mittlerweile wohl gewöhnt, ihr seid ja nicht das erste Mal hier.
Trevor Phipps: Ja Mann, 2004 waren wir mit Sick of it all hier und 2006 mit Madball. Wir fühlen uns hier wie zuhause *grins*.
Dosenmusik: Das hört sich gut an. Bei der jetzigen Never Say Die Tour sind ja ne Menge Bands unterwegs, wie versteht ihr euch untereinander?
Trevor Phipps: Wir verstehen uns super. Das ist alles richtig freundschaftlich untereinander, sehr sehr angenehm und eine tolle Erfahrung.
Dosenmusik: Heute ist der letzte Tag der Tour, Zeit ein paar Stories auszupacken. Was gibt es für Geschichten über diese Tour zu erzählen?
Trevor Phipps: Prinzipiell ist es jeden Tag fast das Gleiche. Tagsüber eher ruhig und entspannt, die Jungs checken Ihren MySpace Account, surfen im Internet oder pokern wie die da drüben (zeigt zum Tisch in der Ecke, wo Mitglieder von Unearth und Despised Icon Texas Hold'em zocken).Direkt vor der Show relaxen wir und sammeln uns. Auf der Bühne geben wir dann richtig Gas und nach der Show wirds dann richtig wild. Da kann man jetzt keinen bestimmten Tag rauspicken, sondern es geht eigentlich jeden Tag partymässig zur Sache. Und dadurch, daß wir uns mit den anderen Bands auch untereinander so gut verstehen, haben wir hier einfach eine tolle Zeit zusammen.
Dosenmusik: Hört sich anstrenged an! Wie kommt ihr mit den zahlreichen Katern zurecht?
Trevor Phipps: Ach, das geht schon, wir haben da mittlerweile Erfahrung. Lange schlafen, viel Wasser trinken und Vitamine zu sich nehmen. Tagsüber dann noch ein wenig spazieren gehen und entspannen. Dann läuft die Maschine am Abend wieder.
Dosenmusik: Wart ihr heute auch spazieren?
Trevor Phipps: Ja, wir waren mal in der Stadt und haben uns ein paar Sachen angeschaut, schön habt ihr es hier.
Dosenmusik: Das hört man doch gerne. Lass uns mal über eure Show sprechen, wie sieht euer Set aus? Mehr neue Songs, mehr alte Songs?
Trevor Phipps: Wir spielen 45 Minuten und variieren das Ganze sehr gerne. Zwar haben wir eine Basis von Songs die wir auf jeden Fall spielen, aber wir werfen hier und da ganz gerne immer wieder was Neues in unsere Setliste. 3 Songs von dem neuen Album sind auf jeden Fall dabei. Meistens dann noch 3-4 Songs von The upcoming Storm und 2 von The Eyes of Fire. Und dann kommen halt noch Songs dazu, auf die wir just an dem Abend Lust haben.
Dosenmusik: Wie und nach welchen Kriterien entscheidet ihr das?
Trevor Phipps: In Zeiten des Internets mit Foren und Youtube ist es wichtig jeden Abend was besonderes zu machen und keine Routine aufkommen zu lassen. Wir mischen die Setlisten für uns und für die Fans, weil eine Unearth Show immer wieder eine Überraschung und etwas besonderes sein soll. Manchmal sieht es auch so aus, das wir nur wissen welche beiden Songs wir zu Beginn des Sets spielen. Der Rest läuft dann über Zuruf. Manchmal sage ich einen Song an, den die anderen Jungs dannhalt spielen müssen. Oder der Schlagzeuger und der Gitarrist denken sich einen aus und wir müssen dann mitmachen. Das läuft alles ganz spontan und funktioniert prima.
Dosenmusik: Klingt abenteuerlich, aber es scheint zu funtkionieren...
Trevor Phipps: Ja Mann, wir wollen, daß es fresh bleibt.
Dosenmusik: Mit dieser Tour promotet ihr euer neues Album, The March. Dabei habt ihr wieder mit Adam, dem Gitarristen von Killswitch Engage zusammengearbeitet. Wieso habt ihr wieder ihn als Produzenten gewählt, obwohl ihr doch bei der letzten Platte mit Terry Date zusammengearbeitet habt?
Trevor Phipps: Er kennt uns einfach in- und auswendig. Ich meine, er hat in 2003 für zwei Wochen Schlagzeug bei uns gespielt, er hat unsere EP "Endless" und das Album "The oncoming Storm" produziert, er weiss einfach wie wir ticken und arbeiten. Er weiss einfach wie unsere beste Performance aus uns herauszubekommen ist. Gleichermassen vertrauen wir seiner Meinung wie kaum jemand anderem und das ist für uns sehr wichtig.
Dosenmusik: War die Arbeit mit Terry Date (Produzent von Bands wie Pantera; hat das Album III: In The Eyes of Fire produziert) also nicht so fruchtbar, daß ihr wieder zurückgegangen seid?
Trevor Phipps: Nein, Nein, überhaupt nicht. Terry ist wirklich ein toller Mensch und er hat super gearbeitet. Es ist einfach so, daß es mit Adam noch besser ist und das Verständnis untereinander kaum zu toppen ist.
Dosenmusik: Dann lass uns doch über die Arbeit mit Adam reden. Gerade was die Gitarrenarbeit angeht, kann ich mir vorstellen, daß er eine große Hilfe ist, oder?
Trevor Phipps: Ja Mann, gerade was Harmonien und sowas angeht ist Adam unglaublich. Er hat ein sehr gutes Gehör und Gespür für bestimmte Tonfolgen die in bestimmten Momenten der Songs gut passen würden. Das hilft bei Feinjustierungen an bestimmten Riffs, ihm fällt da immer wieder was gutes ein. Es ist klar, daß es unsere Musik ist, die Riffs unserer Gitarristen, aber bei der Detailarbeit ist er eine große Hilfe. Aufgrund des Vertrauens, das wir in ihn haben, kann man ihn schon fast als sechstes Bandmitglied ansehen.
Dosenmusik: Wie sieht eure Arbeitsweise im Studio generell aus? Kommt ihr mit kompletten Songs ins Studio, oder habt ihr nur Grundgerüste und arbeitet und feilt an den Songs während der Aufnahme?
Trevor Phipps: Es fängt meistens mit den Gitarren an. Die Jungs schreiben Riffs, nehmen sie auf und schicken sie uns per Email. Wir sortieren dann zusammen die Riffs aus, die uns nicht gefallen und bringen Riffs die zusammenpassen zu einem ersten Gerüst. Unser Drummer denkt sich in der Zwischenzeit passende Beats aus, so daß wir die Songs im Proberaum dann fertig arrangieren. Das kann von Song zu Song zwei Wochen, oder auch zwei Monate dauern. Was den Gesang angeht komm ich erst richtig in die Stimmung für die Songs, wenn sie wirklich fertig sind. Ich schreibe dann die Texte und passe sie auf das vorhandene Material ab. Wenn dann alles fertig ist machen wir eine PreProduction bei der wir alle Songs demomässig aufnehmen. DIese Demos senden wir Adam zu, damit er sich schonmal ein Bild machen kann. Somit sind wir komplett vorbereitet wenn wir letztendlich ins Studio gehen.
Dosenmusik: Das bedeutet ihr verbringt garnicht so viel Zeit beim Aufnehmen der Platte?
Trevor Phipps: Ja, wir sind vorbereitet und haben so genug Zeit für technische Sachen und Details.
Dosenmusik: Wie viel Zeit habt ihr bei der letzten Aufnahme zu The March im Studio verbracht?
Trevor Phipps: Das waren 27 Tage. Wir gehen rein, arbeiten voll konzentriert bei 10 Stunden Tagen und sind somit schnell fertig.
Dosenmusik: Wenn man sich diese Tour jetzt mal anschaut: Beide Headliner, ihr und Parkway Drive wurdet beide von Adam produziert. Siehst Du irgendwelche Unterscheide oder Gemeinsamkeiten zwischen euch beiden Bands, die von der Arbeit mit ihm rühren könnten?
Trevor Phipps: Grundsätzlich sind wir schon recht verschieden. Aber grade was die Gitarren angeht, kann man hier und da den Input von Adam heraushören. Wir hatten ja schon das Thema Harmonien und Details. Vom Sound her hat Adam definitiv eine ähnliche Herangehensweise bei allen Bands, aber das macht ja einen Produzenten schliesslich aus. ABer von der grundsätzlichen Auslegung sehe ich uns grundverschieden zu Parkway Drive.
Dosenmusik: In welchen Punkten zum Beispiel?
Trevor Phipps: Wir sind definitiv mehr Metal würde ich sagen. Gerade unsere Gitarrenarbeit ist viel traditioneller.
Dosenmusik: Was ist mit den restlichen Bands hier auf der Tour? Trifft das deinen persönlichen Musikgeschmack?
Trevor Phipps: Auf jeden Fall, ich mag alle Bands hier auf diesem Billing. Am liebsten habe ich wohl Protest the Hero, weil die ihr ganz eigenes Ding machen. Gerade dem Bassisten zuzuschauen, er hat eine ganz besondere Aura auf der Bühne, das ist abgefahren. Der Sänger hat auch ein bischen was von einem Panther, so wie er auf der Bühne auf und ab geht. Whitechapel, Architects... Alles richtig gute Bands mit Killer Sets.
Dosenmusik: Verfolgst Du dieses Genre der Musik auch wenn Du daheim und nicht auf Tour bist? Oder hast Du dann erstmal genug von dem Krach und brauchst was ganz anderes?
Trevor Phipps: Ich brauche Metal. Immer und überall. Auch wenn ich daheim bin. Aber hier und da leg ich auch mal Frank Sinatra ein, das mag ich. Hier und da auch mal Björk. Aber wenn ich einen Tag keinen Metal höre merke ich, daß ich gestresst bin. Ich brauche den Ausgleich durch die Musik.
Dosenmusik: Jetzt seid ihr ja erstmal eine Zeit auf Tour, so daß das mit dieser Art von Stress bestimmt nicht eintreten wird.
Trevor Phipps: Ja Mann, auf jeden Fall. Morgen fliegen wir zurück in die Staaten, da haben wir ein paar Headliner Shows, dann gehts nach Kanada dann wieder nach England, Australien und Japan. Dann ist es schon wieder März...
Dosenmusik: Gibts schon Festivaldates?
Trevor Phipps: Die Gespräche laufen momentan, vielleicht kommt im Frühling auch nochmal eine Headliner Tour durch Europa, wir werden sehen. Aber ich denke wir werden 2009 mindestens zweimal wieder in Europa unterwegs sein. Also, erwartet uns zurück!
Dosenmusik: Jawohl, ich denke die deutschen Fans sehen euch immer wieder gerne. Trevor, ich danke dir für das Interview und wünsch dir und deinen Jungs viel Spass heute Abend und einen guten Abschluss der Tour!
Trevor Phipps: Kein Problem, ich wünsch euch auch viel Spass beim zuschauen! Bis zum nächsten Mal!

v: Trevor Phipps
g: Buz McGrath
g: Ken Susi
B: John „Slo“ Maggard
d: Derek Kerswill

www.unearth.tv

Autor: DasOZ | Januar '09
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