Interview mit Turbostaat
Interview mit Tobert und Marten am 23.11.2007 in Köln Ich habe das Gefühl, dass wir nach dem Machen dieser Platte einfachere Vorraussetzungen haben, wieder Lieder zu machen.
turbostaat Auf manche Dinge haben selbst die sympathischsten Bands keinen Einfluss, so wie den Stau, in den die Herren aus Husum gerieten, als sie sich auf den Weg zu ihrem Konzert mit den Beatsteaks in Köln machten. Dennoch fanden Tobert und Marten kurz vor ihrem Aufrtitt noch ein paar Minuten Zeit, um sich gut gelaunt unseren Fragen zu stellen.
Dosenmusik: Euer neues Video zu Haubentaucherwelpen läuft ja jetzt bei Mtv, und wurde bei Brand:Neu vorgestellt...
Tobert: Stimmt, hast du das gesehen? Ich nämlich nicht. Hat Patrice das wieder anmoderiert? Das war letztes mal...umwerfend.
Dosenmusik: Warum, wie hat er euch denn angesagt?
Tobert: Er hat sich Mühe gegeben in irgendeiner Art und Weise zusammenzufassen, was er da gerade gesehen hat, und das ist ihm halt einfach mal vor laufender Kamera nicht gelungen. Er hat gedacht das ist crazy, und das war es nicht.
Dosenmusik: Wer von euch hatte denn die Idee zu dem Video, oder kam die Idee vom Regisseur?
Marten: Jetzt fürs neue? Das war die Idee von Sharon Berkal gewesen, die das Video gedreht hat. Die hat das so auf den Tisch gehauen, "Hier, das ist meine Idee und das machen wir."
Dosenmusik: Wie war denn der Videodreh für euch, da man euch ja gar nicht so oft sieht, sondern eher die Story, die abläuft.
Tobert: Es war super. Wir sind nach Berlin gefahren, und das war ein relativer Akt weil wir, bzw. in dem Fall ich persönlich nach Berlin gefahren bin, und das war so ein gefahre... Wir sind morgens ins Studio und haben vor einem Blue-Screen zwei Stunden lang Gitarre gespielt ohne Pause, und sind dann wieder abgehauen. Und der Rest ist halt komplett Stop-Motion, Einzelbildaufnahmen die im Studio entstanden und geschnitten wurden, das war für uns total entspannt.
Marten: Das Video war glaube ich ein Stück Riesenarbeit, aber unser Anteil war gegen null.
Dosenmusik: Ihr habt auch in dem Video zu Harm Rochel keine großen Performance-Szenen, ist das etwas worauf ihr besonderen Wert legt, eher eine Geschichte mit den Videos zu erzählen?
Tobert: Ja, also wir haben da lange für gebraucht uns darauf zu einigen, weil das halt immer ein bisschen schwierig ist, aber dieses Video finde ich hat jetzt bewiesen: Man braucht nur ein geiles Video und keine hampelndenen Futzis mit Gitarren permanent in Videos damit es geil ist. Ich finde Sharon und die Leute, die es gemacht haben...also für mich ist das ein Meisterwerk. Vor allem, die haben ein Zeitfenster gehabt, und ein Budget mit dem das überhaupt nicht machbar war, nicht mal im Ansatz. Die haben echt Tag und Nacht daran gewerkelt und geschustert, weil die hatten was vor, die wollten was geiles machen. Ich finde uns da drin auch komplett.....wir sind da halt drin und das ist in Ordnung, aber ich finde alles andere da drin ist um Längen geiler, der absolute Hammer.
Dosenmusik: Ich habe gelesen, dass ihr ungern Sachen, welche die Band betreffen aus der Hand gebt. Ist das etwas, was ihr auch in Zukunft beibehalten wollt?
Tobert: Ja. Bei dem Video, um jetzt darauf mal zurückzugreifen, habe ich gerade das Gefühl das wir jemanden getroffen haben, der zwar vielleicht ganz anders drauf ist, und eine ganz andere Idee hat, aber das was Sharon gemacht hat finde ich schon ziemlich treffend für uns, das hat mich gewundert. Sie hat, als wir uns das erste mal getroffen haben, Sachen am Text rausgestellt, wo sie gesagt hat das will sie jetzt zeigen, wo ich echt gedacht habe wow. Das muss man ja aus der Hand geben, weil wir ja kein Musikvideo selber machen können, und da ist es sehr schön jemanden zu treffen der es so macht, wie wir es uns vorstellen.
Dosenmusik: Euer Album ist ja seit August auf dem Markt, habt ihr die Reaktionen, die es dazu gab bewusst mitverfolgt?
Marten: Man hat das schon teilweise mitbekommen, und auch mal bewusst geguckt und sich Reviews durchgelesen, und ich fand das bis jetzt alles okay.
Tobert: Hast du die Pressemappe schon gesehen?
Marten: Ne, welche Pressemappe?
Tobert: Die kommt demnächst noch komplett, es gibt eine Pressemappe, die macht die Plattenfirma immer für deren Statistik, Roland hat die von Anke gekriegt. Das ist so ein dickes Ding da sind alle Interviews und solche Sachen drin, die habe ich mir letztens einmal komplett durchgelesen. Am meisten habe ich mich darüber gefreut das doch eine Review in der Coupé war (lacht)
Marten: Echt?
Tobert: Ja, da steht irgendwie so "Wow, die Punk-Mukke von Turbostaat fetzt voll rein und ist eher was für...wenn man mal richtig Bock hat."(lacht) Ich hab das schon alles nachgelesen.
Dosenmusik: Was ist für euch die größte Veränderung von den Vorgängern "Flamingo" und "Schwan" zu "Vormann Leiss"?
Marten: Wir haben unglaublich viele Interviews gegeben und solche Sachen. Das haben wir vorher gar nicht gemacht. Da waren es alle paar Jahre mal eins, wenn es die Leute interessiert hat.
Tobert: Es gibt jetzt halt Leute die außerhalb an der Sache arbeiten.
Marten: So macht man halt jetzt die Woche vier bis fünf Interviews, das ist halt etwas, was wir vorher noch nicht gemacht haben.
Dosenmusik: Ist das denn etwas woran ihr euch schon gewöhnt habt?
Tobert: Ich hab mich da gerade daran gewöhnt (lacht)
Marten: Generell an Interviews schon, doch. Gestern sind wir zum Beispiel durch die Gegend gefahren in Berlin zu Radiostationen, und da zu reden war auch interessant, aber auch anstrengend.
Dosenmusik: Was würdet ihr denn sagen hat sich musikalisch bei euch geändert?
Tobert: Ich glaube sehr, sehr wenig.
Marten: Naja, wir haben diesmal gewissenhafter für die Platte geprobt könnte man sagen, auch ein bisschen versierter. Wir konnten ein bisschen besser mit unseren Instrumenten umgehen als bei den Vorgänger-Platten und hatten auch zum ersten mal jemanden, der die Produktion geführt hat.
Dosenmusik: Aber trotzdem habt ihr euch ja nichts sagen lassen, sprich, man hat nicht wirklich gemerkt, dass ihr zu einem Major Label gewechselt seid, denn da gehen viele Bands ja sehr große Kompromisse ein.
Tobert: Das ist auch ganz wichtig. Wir machen unser Ding, Turbostaat macht sein eigenes Ding. Und das, was Moses, unser Produzent, also als erster Produzent der mit uns zusammengearbeitet hat, für eine Idee hatte, hat wie mit Sharon die das Video gemacht hat, einfach gepasst. Er hat sich was ausgedacht was total hanebüchen klang, und dann total gut geworden ist. Er wollte keine hochbrillante, total ausgewählte, ortbare, sortierte Platte machen, wo man hätte sagen können "Ah, Turbostaat haben jetzt eine Major-Platte gemacht.", sondern er wollte das wir möglichst so klingen wie auf einem Live-Konzert. Das war sein Ansatz, und das hat er gut hingekriegt.
Marten: Die Plattenfirma wusste vorher das sie uns nicht so viel sagen kann.
Dosenmusik: Trotzdem wird vielen Bands nur durch den Wechsel zu einem größeren Label der Ausverkauf vorgeworfen. War das etwas, weswegen ihr Bedenken hattet, oder habt ihr da gar nicht drüber nachgedacht?
Marten: Da haben wir mit mehr gerechnet. Wir haben echt gedacht das wir beschimpft und bespuckt werden, und ein paar Leute haben sich natürlich aufgeregt, aber das waren jetzt nicht so viele wie erwartet.
Dosenmusik: Wie seid ihr eigentlich auf den Album-Titel "Vormann Leiss" gekommen?
Marten: Also der da (zeigt auf Tobert, der gerade dem Gitarristen Roland mit einer gerissenen Saite hilft) ist spazieren gegangen und hat dieses Rettungsschiff gesehen, hat uns das erzählt und wir haben ein Lied so genannt und dann fanden einige von uns, das es einen tollen Album-Titel abgeben würde.
Dosenmusik: Warum habt ihr euch eigentlich damals entschieden auf Deutsch zu singen?
Tobert: Die erste Band in der Marten und Jan gespielt haben liegt ja wirklich schon etwas zurück, und ich würde mal sagen das Marten, der die Texte schreibt, hat das was er da schon gemacht hat natürlicherweise und naturgemäß weitergemacht. Das stand bei uns nie zur Frage.
Dosenmusik: Was sind eure größten musikalischen Einflüsse?
Tobert: Alles. Als Band, als wir uns gegründet haben war es definitiv, wo wir uns auch alle drauf einigen konnte, die Hamburger Punk Schule. Angeschissen, Blumen am Arsch der Hölle, wir hatten aber auch immer schon Hardcore oder auch Indie oder Punk Bands die wir auch geil finden, aber jeder für sich auf andere Sachen. Wir sind uns da nicht sehr einig.
Dosenmusik: Was hört ihr denn aktuell?
Tobert: Roland und ich sind gerade richtig Fans der englischen Band Gallows geworden. Obwohl die einen totalen Schrei/Brüll/Hardcorestandard machen, aber ich find die genial. Ansonsten....andere neue Sachen...Wir sind altbacken was das angeht.
Dosenmusik: Was war bisher euer bestes und euer schlechtestes Erlebnis auf Tour?
Marten: Das schlechteste...na ja, könnte in der Schweiz sein. Wir sind einmal verhaftet worden und haben in einem Haus ohne Fenster im Winter geschlafen, das war das schlechteste.
Dosenmusik: Warum seid ihr denn verhaftet worden?
Marten: Schmuggel.
Tobert: Wenn du Merchandise mit in die Schweiz nimmst und das nicht anmeldest kriegst du richtig Ärger. Wir wurden da in die Zelle gesperrt und mussten da ein paar Stunden sitzen, und dann als wir in Prag gespielt haben war kein zugehöriger Veranstalter da und wir haben in so einem Abriss-Haus gepennt und das war auch nicht geil, ist aber zum Glück sehr lange her.
Dosenmusik: Gab es denn auch irgendwelche schönen Erlebnisse?
Tobert: Kurzzeitig das letzte beste Erlebnis waren glaube ich die letzten Tage auf dieser Tour abends. Wir haben uns einmal über die schlechtesten...ich sag jetzt mal Umstände um hier niemanden zu verunglimpfen unterhalten, haben alle zusammengesessen in einem Raum und uns echt weggelacht, weil jedem immer noch mal eingefallen ist was wo scheiße oder geil war. Und als wir die Platte angehört haben im Abhörstudio bei Moses, nachdem wir die eingespielt hatten. Weil so das grundsätzliche Gefühl war, wir hätte nichts auf die Reihe gekriegt und es dann zum ersten mal zu hören war ein tolles Gefühl. Die war auf einmal fertig.
Dosenmusik: Wie lange haben die Aufnahmen denn gedauert?
Tobert: Wir waren zwei Wochen in Berlin und wir haben aufgenommen...fünf Tage? Sechs Tage? Immer mal wieder. Am Anfang haben wir drei, vier Tag mit Soundcheck immer wieder die Platte durchgespielt, parallel wurde mal ein bisschen aufgenommen, nachher haben wir uns an zwei Liedern ein bisschen länger aufhängen müssen, wir hatten aber ganz viel frei, ganz viele Pausen. Aber insgesamt zwei Wochen.
Dosenmusik: Spielt ihr lieber in Clubs oder auf Festivals?
Tobert & Marten: Clubs.
Marten: Lieber gern kleine Clubs.
Tobert: Bitte voll, bitte laut.
Dosenmusik: Welcher eurer Songs repräsentiert euch am besten oder kommt am besten bei den Leuten an?
Marten: Vielleicht schon Haubentaucherwelpen.
Tobert: Von den neuen? Man soll ja die neuen nehmen, sonst würde man ja behaupten man sei früher besser gewesen. Haubentaucherwelpen.
Marten: Zum Beispiel. Oder Fugbaums?
Tobert: Ne, den finde ich nicht. Schalenka Hase! Alle! Alle die auf der Platte sind. Wenn die keinen repräsentativen Sound hätten, hätten wir die nicht draufgetan. Wir haben auch ein Lied rausgeschmissen weil es nicht so geil war.
Dosenmusik: Gibt es denn ein Lied von einem anderen Künstler, bei dem ihr euch ärgert das ihr es nicht geschrieben habt?
Marten: Like Ice in the Sunshine schon mal wegen den Tantiemen.
Tobert: Als ich das gehört habe, wo du schon gesagt hattest das es so beschissen ist, ich konnte es so gut nachvollziehen...Aber so, wirklich sehr sehr viele Lieder. Fürs persönliche Empfinden hätte ich gerne...
Marten: Come back and stay von Paul Young.
Tobert: Ne, das finde ich nicht so geil aber die Titelmelodie von Twin Peaks!
Dosenmusik: Was kommt für euch denn nach der Tour mit den Beatsteaks als nächstes? Ganz viele weitere Konzerte?
Marten: Ja, wir sind ja schon mittendrin mit dem "ganz viele Konzerte", wir spielen jetzt erst mal noch bis Weihnachten und dann, na ja, wir haben bis jetzt erst in den Grundzügen geplant was wir nächstes Jahr machen.
Tobert: Wir müssen jetzt erst mal organisieren wie wir wann und wo was machen.
Dosenmusik: Also nächstes Jahr erst mal touren und dann mit der neuen Platte anfangen.
Tobert: Genau, aber ich würde gerne schneller werden was das angeht.
Marten: Das würden wir alle gerne...
Dosenmusik: Woran liegt es denn, das es nicht so schnell geht wie ihr es gerne hättet?
Tobert: Das kann ich dir absolut nicht beantworten.
Marten: Das war ganz komisch eigentlich, die Zeit vor der Platte. Wir haben jahrelang nicht wirklich viel hingekriegt, weil auch einfach so viel anderer Scheiß anlag, zum Beispiel das wir kein Label hatten, die ganze Plattenfirmensuche...
Tobert: Es war ein sehr, sehr komische Zeit.
Marten: Da wurde noch mal alles neu geordnet und man musste sich neu finden.
Tobert: Ich habe das Gefühl, dass wir nach dem Machen dieser Platte einfachere Vorraussetzungen haben, wieder Lieder zu machen. Ich glaub das ist der Bock und das Interesse an etwas Neuem viel stärker als vorher, weil wir echt so lange an dieser Platte gearbeitet haben. Wir haben soviel geprobt, bis zur gnadenlosen, also meinerseits, bis zu gnadenlosen Selbstüberschätzung, und jetzt was neues machen...da haben wir glaube ich alle schon Bock drauf.
Dosenmusik: Dann viel Erfolg dabei und vielen Danke für das Interview!

Jan Windmeier - Gesang
Roland Santos - Gitarre
Marten Ebsen - Gitarre
Tobert Knopp - Bass
Peter Carstens - Schlagzeug

www.turbostaat.de

Autor: jerseydevil | 05.12.2007
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