Interview mit Thrice
Interview mit Gitarrist Teppei Teranishi im August in Münster "Ich glaube wir sind irgendwie verflucht".
thrice An einem regnerischen Tag im August trafen wir Teppei, seines Namens Gitarrist der Band Thrice, in Münster. Dort stand er uns Rede und Antwort zu Fragen über das neue Album, die für ihn damit verbundene Doppelbelastung und erzählte uns, warum die Band seiner Meinung nach verflucht ist.

Dosenmusik: Schön euch hier zu haben, es ist einiges passiert seitdem ihr das letzte Mal hier wart, unter anderem habt ihr zwei Konzeptalben ohne Produzenten rausgebracht- Wie kam es dazu und wie war diese Erfahrung für euch? Einfacher oder schwerer als bisher?
Teppei: Ich weiß gar nicht wirklich, ob es einfacher oder schwerer war, es war einfach nur sehr anders. Eigentlich sollte diese ganze Alchemy Index Sache eher so was wie ein Nebenprojekt werden, immer noch eine Thrice Sache, aber wir hatten es eigentlich nicht als unser Album geplant, sondern eher als merkwürdiges Nebenprojekt einer ganzen Band. Es sollte wesentlich abstrakter und weniger Songbezogen sein, aber als wir anfingen dafür zu schreiben haben wir gemerkt, dass da eigentlich ein paar richtig coole Songs dabei waren, und wir haben eh schon Knietief da drin gesteckt, darum dachten wir einfach, dass wir es doch zu unserem nächsten Album machen würden. Weil es aber eben nur ein Nebenprojekt sein sollte dachten wir, es wäre eigentlich ganz cool, wenn wir es komplett selbst machen würden. Ohne Produzent, wir haben es auch alles selbst aufgenommen, und nur weil es der eigentliche Plan war, haben wir es dann auch letztendlich so durchgezogen. Es war cool. Und ich denke im nachhinein, dass es gerade bei diesem Projekt gut war, dass wir keinen Produzenten hatten, da wir sonst viele der Dinge, die wir ausprobieren wollten, nicht hätten machen können. Das ganze Album ist von einer sehr experimentellen Natur, und da eine Stimme von außen zu haben, die versucht einen in den Sachen zu leiten, in denen man selbst rumprobiert, funktioniert einfach nicht.
Dosenmusik: War das Risiko, dass ihr damit ja eingegangen seid, euch während der Arbeit bewusst oder konntet ihr das komplett ausblenden? Man steckt ja manchmal so tief in den eigenen Sachen drin, dass man Fehler oder Probleme nicht bemerkt, die einem unbeteiligten Betrachter sofort auffallen würden.
Teppei: Ja, vollkommen. Dem stimme ich 100%tig zu. Wir sind aber an den Punkt gekommen, an dem uns das dann letztendlich egal war.
Dosenmusik: Ihr habt im Vergleich zu eurem letzten Album wieder eine sehr große Veränderung durchgemacht, glaubst du, dass es auch ohne den Plattenfirmenwechsel so gekommen wäre, oder wäre sonst ein völlig anderes Album entstanden?
Teppei: Ich würde sagen, das alles was wir tun, vollkommen organisch ist. Ich weiß, dass sehr viele Leute mittlerweile von uns erwarten, dass wir jedes mal etwas anderes machen, weil es bisher bei jedem Album so war, aber es ist ja nicht so, dass wir uns beim Schreiben von jedem Album zum Ziel setzten, die Band jedes Mal neu zu erfinden. Das ist einfach etwas, das passiert, eine natürliche Entwicklung der Band. Was nicht sehr viele Leute wissen ist, dass wir eigentlich auch immer noch bei Island waren, als wir das Album aufnahmen. Wir haben das Album sogar bei ihnen abgegeben, aber weil es so merkwürdig war, wussten sie nicht, was sie damit anfangen sollten. Sie sind immerhin ein Major Label und sind es gewöhnt, Marketing Strategien für die Massen zu entwickeln, deswegen waren sie da natürlich etwas überfordert. Das war gewissermaßen auch der Anfang der Trennung von ihnen.
Dosenmusik: Hast du ein Lieblingselement und wenn ja, kannst du mir sagen warum?
Teppei: Ich weiß nicht, es ist schwer zu sagen weil sie alle so unterschiedlich sind. Vielleicht aber Erde bei mir. Es kommt dem sehr nahe, was ich auch privat höre. Und weil ich derjenige war, der das Album überarbeitet hat , auch weil es das einfachste zum aufnehmen war. Es war so simpel und reduziert, weil es unser Ziel war, es so grob und organisch zu machen wie nur möglich, völlig unverarbeitet. Noch nicht einmal, weil es einfach ist das zu tun, denn das ist es überhaupt nicht, sondern weil es für mich einfach am zufriedenstellendsten ist. Am schwierigsten aufzunehmen fand ich Fire, weil es einfach so heavy ist und alles groß klingen sollte, das ist richtig schwierig.
Dosenmusik: Ihr habt privat alle die gleiche Musik gehört, als ihr angefangen habt, aber natürlich hat sich bei jedem von euch mit den Jahren ein anderer Musikgeschmack herauskristallisiert- Würdest du sagen, dass das einer der Gründe ist, warum ihr den Alchemy Index gebracht habt, um alle Einflüsse mit ein zubringen?
Teppei: Gewissermaßen schon glaube ich. Es gibt immer noch große Gemeinsamkeiten an Sachen die wir hören, aber selbst da gibt es Sachen, die in völlig verschiedene Richtungen gehen. Am Ende des Tages sind wir alle große Fans von Musik - nicht von einer bestimmten Art von Musik, was immer uns packt, was immer wir mögen. So war es eigentlich bei uns schon immer, wir sind alle große Musik Fans und haben immer versucht, diese vielen verschieden Richtungen in das einzubringen, was wir machen. Ich schätze, das war jetzt nur eine coole Gelegenheit, das komplett auszunutzen, in jede dieser Richtungen einen Schritt weiterzugehen. Bei unseren vorherigen Alben habe ich das Gefühl, dass all diese Dinge zwar in das Endprodukt miteingeflossen sind, sich aber komplett zu einem neuen Ganzen vermischt haben. Bei dem Earth Album hatten wir dann aber zum Beispiel die Möglichkeit richtig weit in eine Richtung zu gehen, es gibt Lieder wie "Digging my own Grave" was wiederum fast klingt wie von einem Ella Fitzgerald Album.
Dosenmusik: Würdest du sagen, dass ihr bei dem nächsten Album eine dieser Richtungen weiter verfolgt, oder wieder etwas komplett neues macht?
Teppei: Ich glaube nicht, dass wir noch ein Album machen das genau klingt wie das "Earth" Album. Um ganz ehrlich zu sein weiß ich es aber absolut noch nicht. Es ist schwer zu sagen. Aber das ist irgendwie auch das coole daran, gerade weil wir jetzt so ein breites Spektrum an Musik abgedeckt haben denke ich, dass wir jetzt eigentlich alles machen könnten. Zumindest würde es Sinn machen. Aber da wir noch nicht angefangen haben zu schreiben, kann ich dazu bisher nur wenig sagen. Es ist aber auf jeden Fall sehr aufregend.
Dosenmusik: War der Druck für dich, dadurch, dass du das Album produziert hast, größer als bei den bisherigen?
Teppei: Irgendwie schon, irgendwie aber auch nicht. Es war ein cooler VIBE, weil es nur wir vier waren, die sprichwörtlich und tatsächlich die Aufnahmen in einer Garage gemacht haben, während der ganzen Zeit, in der wir an dem Album gearbeitet haben. Es hat sich fast wieder so angefühlt, als wären wir immer noch eine Garage Band wie früher, als wir nur Musik für uns gemacht haben. Ich erinnere mich daran, wie wir das Album fertig gestellt haben und es abgegeben haben, damit es gemastert wurde, und das war das erste Mal, dass jemand außerhalb unseres kleinen Kreises das Album hören würde. Da wurde mir erst bewusst: Mist! Das ist unser Album, das werden Leute hören!" Das hatte ich bis dahin völlig verdrängt. Währenddessen war es also alles ziemlich entspannt, auch wenn es für mich eine Menge Arbeit war. Ich war immer da, immer am arbeiten. Ich hatte schon fast ein schlechtes Gewissen, weil die anderen teilweise nichts machen konnten und sich total gelangweilt haben.
Dosenmusik: Beeinflusst das Wissen, dass sehr viele Leute von euch sehr beeinflusst wurden, die Art, wie ihr über eure Musik denkt oder sie schreibt?
Teppei: Nein, weil ich nicht glaube, dass wir jemals so über uns als Band nachdenken.
Dosenmusik: Würdest du also auch sagen, dass ihr die Musik ultimativ für euch selbst und nicht eure Fans schreibt?
Teppei: Ja, auf jeden Fall. Das hört sich aus der Perspektive eines Fans wahrscheinlich sehr egoistisch an, aber wenn man darüber nachdenkt muss man die Musik für sich selbst schreiben. Wenn man anfängt, Musik zu schreiben um andere Leute glücklich zu machen ist das nicht ehrlich. Ich weiß, dass es viele Leute gibt, die unsere alten Sachen lieber mögen und hoffen, dass wir wieder etwas in der Richtung machen, aber das ist nicht was wir wollen. Wenn wir das also tun würden wäre das nicht aufrichtig.
Dosenmusik: Da eure Alben ja alle sehr unterschiedlich sind ist es wohl unvermeidbar, bei Konzerten nicht alle zufrieden zustellen. Wie schwer fällt es euch da, eine Setlist zusammenzustellen?
Teppei: Sehr. Wenn es bei uns liegen würde, dann würden wir immer sehr viele neue Sachen spielen. Einfach nur, weil es die Sachen sind, die wir erst vor kurzem geschrieben haben und denen wir uns am meisten verbunden fühlen. Aber wir sind alle von anderen Bands Fans und wissen, wie es ist, zu einer Show zu gehen und sich auf seine Lieblingslieder zu freuen. Das ist es dann, was wir versuchen, wir spielen ein paar neue Sachen, die wir sehr gerne spielen und mixen diese mit den Sachen, die die Leute eigentlich hören wollen. Wir erfreuen uns dann daran, dass sie sich freuen.
Dosenmusik: Wie waren denn bisher die Reaktionen zum neuen Material?
Teppei: Bisher eigentlich ziemlich gut. Obwohl es eigentlich noch schwer zu sagen ist, da wir bisher sehr viele Festivals gespielt haben. Gestern war unsere erste eigene Show, auf Festivals ist so was immer sehr schwierig, da es so viele Leute gibt, die überhaupt keine Ahnung haben wer du bist und die dir trotzdem zuschauen. Das ist natürlich auch cool und so sollte es ja auch sein. In den USA sind die Sachen aber bisher gut angekommen, die Leute waren sehr empfänglich und haben sich darüber gefreut Neues zu hören. Und einfach nur zuzuhören, da viele unserer neueren Sachen sich ja jetzt nicht unbedingt zum moshen oder rumrennen eignen. Es ist aber genauso cool, einfach nur zu sehen, wie die Leute sich hinsetzten oder still da stehen und dir zuhören.
Dosenmusik: Ich habe gelesen, dass ihr sehr viel Wert darauf legt, mit euren Fans auf einer Stufe zu stehen. Wie erklärst du es dir, das viele Bands oder allgemein Musiker, die kaum Respekt vor ihren Fans haben, es trotzdem so weit nach oben schaffen?
Teppei: Leute lieben Sensationalismus. Leute lieben Celebrity. Es ist ein Teil der menschlichen Natur. Ich denke es gibt einen Platz in der Welt dafür, aber wir haben uns entschlossen, kein Teil davon zu sein. Ich glaube nicht, dass es etwas fundamental schlechtes an Popstars gibt.
Dosenmusik: Ihr wart alle noch in der Highschool, als ihr die Band gegründet habt, hattet ihr jemals einen Plan B?
Teppei: Nein! (lacht) Wie du sagtest, wir waren schon in der Highschool in dieser Band, zu dem Zeitpunkt hat aber noch keiner daran geglaubt, dass wir das mal beruflich machen würden, es war just for fun. Ich habe ein paar Jahre am College gemacht, aber dann haben wir angefangen auf Tour zu gehen . Ich hatte ehrlich gesagt keine Idee, was ich machen wollte. Ich habe mich schon immer für Musik interessiert, vielleicht hätte ich also so Musik aufgenommen oder produziert.
Dosenmusik: Betrachtest du die Auftritte anderer Bands mittlerweile anders, wenn du dir selbst dein Konzert ansiehst?
Teppei: Ich bin mir sicher, dass ich das tue, wie genau kann ich dir aber leider nicht sagen. Vielleicht in der Art, dass ich mich mit der Band mehr identifizieren kann, und mich nicht darüber aufrege, wenn es durch technische Schwierigkeiten zu Verspätungen kommt, da ich weiß wie es ist.
Dosenmusik: Was war denn bisher dein schlimmster Moment auf der Bühne?
Teppei: Ich weiß nicht. Wobei das schlimmste ist, dass wir immer technische Probleme zu haben scheinen, und davon eine Menge. Ich weiß auch nicht warum, aber es kommt bei uns definitiv häufiger vor als bei normalen Bands. Ich glaube wir sind irgendwie verflucht. Selbst auf dieser Tour gab es bisher keine Show ,die nicht irgendein verrücktes Problem hatte.
Dosenmusik: Irgendwelche Befürchtungen oder Vorahnungen in Bezug darauf, was heute Abend passieren wird?
Teppei: Oh Gott, ich hoffe ja, dass nichts passiert! Der Soundcheck war okay, aber das hat für gewöhnlich ja nichts zu bedeuten. Es kann alles in Ordnung sein und dann geht plötzlich alles kaputt. Normalerweise muss man einfach in der richtigen Verfassung sein und es mit Humor nehmen können, dann kommt alles wieder irgendwie in Ordnung. Manchmal trifft einen sowas aber auch total und man ist dann total mies drauf, was mich dann immer ärgert, weil die Fans uns danach mit finsteren Minen sehen müssen (lacht).
Dosenmusik: Gibt es etwas, ohne das du auf Tour nicht leben kannst?
Teppei: (langes Überlegen) Mein Computer. Ich weiß, dass es eine sehr gewöhnliche Sache zu sagen ist, aber meine gesamte Kommunikation mit der Außenwelt findet dadurch statt. Alles läuft über E-Mail. Wenn man einen Tag lang kein Internet hat ist das wie das Ende der Welt. Und nicht nur, weil jeder sein Myspace checken will (lacht). Wir haben alle Sachen zu tun, die das Internet benötigen. Wir schrieben auch sehr viel an unseren Computern, da wir Musikprogramme haben, die uns das ermöglichen. Ich nehme vor allem Ideen, die ich habe, immer schnell auf, bevor ich sie wieder vergessen habe.
Dosenmusik: Obwohl ihr also noch nicht darauf eingestellt seid, etwas Spezielles fürs nächste Album zu schreiben, seid ihr trotzdem immer alle am komponieren?
Teppei: Ja. Sobald ich eine Akustik Gitarre in der Hand habe und einen coolen Riff habe schnappe ich mir meinen Computer, um es aufzunehmen. Besonders wenn man wie hier in Europa auf Tour ist brauche ich das, ich habe eine Frau und ein Kind zuhause, da ist es praktisch für Sachen wie Videochat und sowas. Es ist etwas, dass man auf allen Gebieten brauchen kann.
Was gefällt dir am Tourleben am meisten?
Abgesehen vom offensichtlichen, also Shows zu spielen, vor allem wenn man in Europa ist, gefällt es mir, in der Lage zu sein, zu verreisen. Deswegen versuche ich jedes Mal, wenn wir in eine neue Stadt kommen, soviel von ihr zu sehen wie möglich, selbst wenn es dann nur die Sehenswürdigkeiten sind, in den paar Stunden, in denen wir dort sind. Es ist toll die Welt zu sehen und praktisch dafür auch noch bezahlt zu werden.
Dosenmusik: Gab es auch schon einen Ort, an dem du dich völlig fehl am Platz gefühlt hast?
Teppei: Nicht wirklich. Ich weiß, dass ich ein Tourist und somit ein Außenseiter bin, deswegen erwarte ich nicht, dazuzugehören. Es ist immer schwer, wenn man sich nicht verständigen kann. Aber vor allem in Ländern wie Deutschland oder Schweden sprechen alle so gut Englisch, das ist total verrückt. Darum sind wir meistens in der Lage zu kommunizieren, aber wenn nicht finde ich das sehr schlimm. Man fühlt sich fast dumm, wenn man in einem anderen Land ist und die Sprache der Einwohner nicht spricht.
Dosenmusik: Ich habe gelesen, dass ihr einen Teil der Einnahmen von jedem Album spendet, kannst du uns darüber vielleicht etwas mehr erzählen?
Teppei: Ja, das tun wir. Wir haben damit angefangen als wir noch bei unserem ersten Label, Sub City Records, waren. Bei diesem Label geht generell von jedem Album, was sie herausbringen ein Anteil an eine Charity, die sich die Band aussucht. Das war auch einer der ausschlaggebenden Gründe, warum wir uns für dieses Label entschieden haben. Wir finden es gut, dass wir das gemacht haben und haben deshalb auch bei Island oder Vagrant Records keinen Grund gesehen, damit aufzuhören. Es ist zu einem Teil von dem, was wir tun, geworden.
Dosenmusik: Wie willst du, dass sich die Leute später an euch als Band erinnern?
Teppei: Ich weiß nicht, hoffentlich erinnern sie sich einfach daran, dass wir coole Musik gemacht haben (lacht).

Dustin Kensrue- Guitar, Vocals
Riley Breckenridge- Drums
Teppei Teranishi- Guitar
Eddie Breckenridge- Bass

www.thrice.net//

Autor: Jerseydevil | 20.1o.2008
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