Interview mit The Sounds
Interview mit Sängerin Maja Ivarsson am 26.10.2006 in Köln Der Vergleich mit Blondie nervt wirklich
The Sounds The Sounds aus Schweden haben dieses Jahr ihr zweites Album "Dying To Say This To You" veröffentlicht. Dosenmusik traf die Frontsängerin Maja Ivarsson am 26.10.2006 vor ihrem Konzert im Kölner Palladium.

Dosenmusik: Als ihr das letzte Mal hier im Palladium gespielt habt wart ihr auf der SallySounds Tour mit The Subways und Billy Talent. Jetzt tourt ihr mit Panic! At The Disco. Gibt es da Unterschiede?
Maja: Ja, da gibt es eine Menge Unterschiede. Mit Billy Talent gab es nur wenige Shows, die Tour war sehr kurz, wir haben kaum miteinander geredet. Mit Panic! At The Disco sind wir nun schon seit zwei Wochen unterwegs, sehen uns jeden Tag und verbringen viel Zeit miteinander. Da kann man sich viel besser kennenlernen.
Dosenmusik: Ich hoffe, ihr spielt diesmal etwas länger...
Maja: Das ist immer etwas traurig, man will ja am liebsten alle Songs dem Publikum zeigen. Manchmal ist es aber auch gut, so wenig Zeit zu haben, dann kann man die besten Lieder aussuchen und sich darauf konzentrieren. Das letzte Konzert hier lief aber insgesamt nicht so gut, wir standen stundenlang auf der Autobahn im Stau und hatten kaum Zeit, uns auf den Auftritt vorzubereiten. Ich denke, dass es heute Abend besser wird.
Dosenmusik: Befreundete Bands von euch sagen, dass sie wenn sie auf Tour sind weder trinken noch feiern. Kannst du da zustimmen?
Maja: Nun, ich feiere und ich trinke, aber ich übertreibe es nicht. Als Gitarrist hast du eine Gitarre, wenn sie kaputt geht, kaufst du eine neue. Aber als Sänger kannst du dir keine neue Stimme kaufen. Ich ging früher immer gerne und viel aus, aber dann fängt man an, sich Gedanken darüber zu machen. Wenn du spät ins Bett gehst und am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen aufwachst, da kannst du nicht sagen "Ich bin krank, ich kann heute nicht auftreten."
Ich trinke jetzt weniger, manchmal ein Glas vor dem Auftritt, nach der Show dusche ich, schaue mir dann Panic! At The Disco und gehe anschließend ins Bett. Das ist etwas langweilig, aber ich muss meine Stimme schonen.
Wenn wir aber während der Tour einen "Day-Off" haben können wir in die Städte gehen und feiern. Man muss sich die Momente eben aussuchen. Zuletzt waren wir in Berlin und haben dort viel Spaß gehabt.
Dosenmusik: Warum hat es so lange gedauert, bis ihr eure ersten Konzerte in Deutschland gegeben habt?
Maja: Zuerst hatten wir einen wahren Durchbruch in Schweden, wir bekamen den Grammy und alles mögliche. Auf einer Show in Stockholm hat uns dann der Gitarrist von den Smashing Pumpkins entdeckt, er hat eine eigene Plattenfirma, und nahm uns unter Vertrag. Wir waren natürlich sehr beeindruckt, weil wir selbst schon immer Fans von seiner Band waren. Er bot uns an, mit nach Amerika zu kommen. Das war eine großartige Chance für uns, ich denke, jede Band hätte da zugesagt.
Aber jetzt nach neun oder zehn US-Touren dachten wir es ist an der Zeit, es mal hier in Europa zu versuchen.
Dosenmusik: Und, was hat sich verändert?
Maja: Ich mag Europa lieber, es gibt hier wunderschöne alte Gebäude, coole Plätze und tolle Städte wie Berlin oder Amsterdam. Da können Houston und Dallas nicht mithalten. In den USA zu touren ist aber andererseits auch großartig, da fühlt man sich als Europäer eher "on-the-road", und das ist es ja, wovon viele Leute träumen. In Amerika reist du stundenlang von einer Show zur nächsten, und siehst die Wolkenkratzer und alles.
Es ist also sehr verschieden, aber mir gefällt beides sehr gut. Wenn ich in den USA bin, vermisse ich Europa, und umgekehrt.
Dosenmusik: Ändern sich auch in Amerika die gerade angesagten Stilrichtungen so schnell wie hier? Letztes Jahr war es noch "Emo", jetzt wieder eher "Indie"...
Maja: Definitiv. Früher gab es Bands wie Nirvana oder die Smashing Pumpkins, die hatten viele Alben und Fans und hielten für eine lange Zeit. Jetzt ist es mit allem so, ob das neue Mode ist oder neue Musik, zuerst wird es gemocht, und dann gibt es im nächsten Monat schon wieder etwas anderes. Auf der einen Seite ist es gut, weil die Bands dann schneller und härter arbeiten, du darfst es dir nicht erlauben faul zu sein. Andererseits ist es traurig. Viele Leute träumen davon, Erfolg zu haben und geben alles dafür, in Shows wie American Idol zum Beispiel, ihr habt ja das gleiche hier in Deutschland. Nach einem Jahr ist alles wieder vorbei.
Aber du musst resistent sein gegen diese Veränderungen. Du veränderst dich, ich verändere mich, alles und jeder verändert sich.
Und je schneller du aufsteigst, desto schneller fällst du auch wieder. Und das ist das Schlimme, wenn alles anfängt runterzufallen, und du dich fragst, was du eigentlich gemacht hast.
Dosenmusik: Wo wir gerade von Veränderungen reden, ich war sehr überrascht auf eurem neuen Album so ein eher melancholisches Lied wie "Night after Night" zu finden.
Maja: Als wir angefangen haben Musik zu machen waren wir noch in der Highschool und um die achtzehn Jahre alt. Es hat sich alles um Party gedreht, trinken, ausgehen und das ganze Zeug. Wir wollten fröhliche Lieder schreiben, Tanzmusik machen, wir wollten nicht so klingen wie die ganzen Grunge-Bands, die zu dieser Zeit angesagt waren.
Doch jetzt beim zweiten Album sind wir älter geworden, ich bin 27 und ich habe viele Erfahrungen gemacht, auch innerhalb der Band, gute wie schlechte.
Früher ging es nur darum, Spaß zu haben und zu feiern. Mittlerweile kommen aber auch viele negative Dinge hinzu. Wenn du solange mit der Band unterwegs bist, und niemals deine Freunde siehst, und niemals die Leute, die du liebst, dann wirst du manchmal auch traurig. Das ist der Grund warum das zweite Album etwas melancholischer ist.
Dosenmusik: Hast du ein Lieblingslied auf dem Album?
Maja: Das ändert sich jeden Tag, und hängt von der Stimmung ab, in der ich gerade bin. Bin ich gut drauf, will ich etwas mit off-beat und up-tempo hören, manchmal mag ich ein trauriges Lied lieber. Im Moment höre ich am liebsten Tony The Beat. Rex Thee Dog hat einen richtig guten Remix von dem Lied gemacht.
Dosenmusik: Ihr werdet oft mit Blondie, Duran Duran oder dem Pop der 80er Jahre verglichen.
Maja: Und das nervt! Wir wollten einfach Musik machen, wir haben uns nicht gesagt, dass wir jetzt wie die oder die klingen möchten. Wenn wir uns so viel Mühe mit einem Song geben und so viel hinein stecken, dann sollten wir nicht auf diese Weise bewertet werden. Am Anfang ist das okay, weil man wissen muss, wie sich die neue Band anhört. Aber es gibt uns nun schon seit so vielen Jahren. Das ist wie wenn dir deine Mutter als Kind immer wieder sagt, dass du die Zähne putzen sollst, und du es einfach nicht mehr hören willst.
Ich kann es ja verstehen, weil wir auch Synthesizer benutzen, und poppige Melodien haben. Aber der Vergleich mit Blondie nervt wirklich. Ich mag diese Band ja, sie ist eine Legende. Aber nur weil ich blond bin, auf Englisch singe und dünne Männer mit dunklen Haaren in meiner Band habe, heißt das nicht, dass wir Blondie sind.
Dosenmusik: Meinst du, es hat Vorteile eine (weibliche) Sängerin zu haben?
Maja: Schwierige Frage. Zuerst einmal arbeiten in der Musikindustrie viele Männer, und Männer interessieren sich immer für Frauen. Andere Vorteile sind, dass man sich an eine Band mit einer Sängerin immer erinnert. Außerdem haben die Mädchen im Publikum einerseits die Jungs in der Band, aber genauso ein Mädchen, zu dem sie aufschauen können und sagen: "So will ich auch mal sein!" Deswegen mag ich es gleichermaßen, Jungs und Mädchen im Publikum zu haben.
Aber ich denke auch, dass es viele Nachteile hat. Als Frau musst du in diesem Business einfach zehn Mal so gut sein wie ein Mann, um akzeptiert zu werden. Du brauchst mehr Charisma, mehr Persönlichkeit, eine bessere Ausstrahlung. Ansonsten könnte es ja auch ebensogut ein Mann machen. Als Frau musst du einfach härter sein. Du musst stolz auf das sein, was du tust und du brauchst Rückgrat. Viele Mädchen wollen Aufmerksamkeit und Liebe, aber sie tuen das nicht für sich, sie tuen es für jemand anderen.
Ohgott, ich glaube, ich rede zuviel. Aber ich will nicht gut als Mädchen sein, ich will gut als Mensch sein.
Dosenmusik: Ich habe gelesen, du hast einmal Horn gespielt?
Maja: Das stimmt. Ich habe damit aufgehört als ich in der sechsten Klasse war, und fing in der siebten an, Gitarre zu spielen. Das ist wirklich lange her. Wenn mir jemand ein Horn geben würde, würde ich es mal versuchen, ich denke, ich würde noch etwas hinkriegen.
Dosenmusik: Ich hätte eins mitbringen sollen. Das hätte ich gerne auf Video aufgenommen.
Maja: Und es dann ins Internet gestellt und für viel Geld verkauft! Spielst du auch ein Instrument?
Dosenmusik: Ich singe auch als Mädchen in einer Band mit vier Jungen...
Maja: Cool! Dann weißt du ja wie schwierig das manchmal sein kann, die unter Kontrolle zu halten. Ich versuche das seit sieben Jahren.
Aber ich denke auch nicht, dass es wichtig ist, ob jemand männlich oder weiblich ist, es geht eher um die Persönlichkeit. Trotzdem kann ich mir nicht vorstellen, noch eine Frau in der Band zu haben. Ich kann mit Männern besser arbeiten. Wenn denen etwas nicht gefällt dann sagen sie es mir sofort. Ein Mädchen würde es wohl erst einmal ihrer besten Freundin erzählen. Deswegen ist es so einfacher, auch in der Band zu streiten, und das ist manchmal genauso wichtig.
Dosenmusik: Wie lange kennst du deine Bandmitglieder schon?
Maja: Felix, der Gitarrist, war in meiner Highschool-Klasse. Wir haben in der Schule einen Smashing-Pumpkins-Song zusammen gespielt. Ich hatte vorher noch nie gesungen, war aber die einzige, die den Text kannte. Kurze Zeit später lernte ich dann auch die anderen Jungs kennen, bis auf den Keyboarder. Den haben wir erst später auf einem Festival getroffen.
Dosenmusik: Wie kam es zu deiner Zusammenarbeit mit den Mitgliedern von The Academy Is..., Gym Class Heroes und Midtown zu dem Lied "Snakes On The Plane"?
Maja: Das war eine großartige Zeit! Ich kannte diese Bands und den Kinofilm vorher nicht, ich bekam einen Anruf von meinem Manager, als ich gerade auf einer Award-Show in Stockholm war. Ich fragte nur:"Welche Schlange in welchem Flugzeug?" Er schickte mir den Song und sagte mir was ich zu tun habe, und es gefiel mir. Dann flog ich nach L.A. um den Videoclip zu drehen, und traf dort auch die Jungs, die ich vorher noch nie gesehen hatte. Die waren alle so groß, und ich so klein... Aber sie waren total nett zu mir. Sehr charmante, gutaussehende Männer. Du kannst dir vorstellen, dass ich mich da als Mädchen sehr wohl gefühlt habe. Das Video ist auch gut geworden, aber sehr hollywoodhaft. Ich sehe darin aus wie eine Prostituierte, so würde ich niemals auf die Straße gehen.
Dosenmusik: Ihr seid nominiert als bester schwedischer Act für den MTV European Music Award. Bist du stolz darauf?
Maja: Das ist ein großes Kompliment. Als ich davon gehört habe, habe ich sofort all meinen Freunden Bescheid gesagt, für uns zu voten. Die Entscheidung wird nicht leicht werden, es gibt viele gute Bands aus Schweden. Aber wir haben schon viele Auszeichnungen bekommen, es wäre nett auch diese zu bekommen, vor allem weil es um Schweden und Europa geht. Den Award könnte ich mir dann anschauen, wenn ich alt bin, und mich freuen.
Dosenmusik: Letzte Frage. Viele eurer Kollegen suchen sich komplizierte, lange Namen wie "Panic! At The Disco" oder "Bullet For My Valentine" aus, warum habt ihr euch für den eher simplen Namen "The Sounds" entschieden?
Maja: Simpel ist eine gute Bezeichnung! Wie es dazu kam, wir waren einmal in England und haben dort ein Poster gesehen, worauf "The Sound" stand. Zuhause machten wir dann ein paar Songs und bekamen einen Anruf, ob wir einen Gig spielen wollten. Wir sagten natürlich zu, hatten aber noch keinen Namen. Dann erinnerten wir uns an das Plakat und hängten noch ein "S" an. Wir dachten "The Sounds" drückt ganz gut unseren "Sound" aus. Und es funktioniert.


Maja Ivarsson - Vocals
Felix Rodriguez - Guitar
Johan Bengtsson - Bass
Jesper Anderberg - Synthesizer
Frederik Nilsson - Drums

www.the-sounds.com

autor: panic-at-my-disco | 26.10.2006
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