Interview mit The Lawrence Arms
Interview mit Chris am 30.04.2006 Worum es beim Punkrock geht!
The Lawrence Arms Auf der Deconstruction Tour am 30.04.2006 in Trier war Gitarrist und Sänger Chris McCaughan von "The Lawrence Arms" bereit, uns ein Interview zu geben. Nachdem man sich also vom Bahnhof zur Messehalle durchgefragt hatte und sich durch unzählige Skatepunk-Kiddies, die fast ausschließlich "Me First and the Gimme Gimmes" oder "NOFX"-Shirts anhatten, zum Merchandise-Stand der Lawrence Arms gekämpft hatte, wurde man von den äußerst netten deutschen Mitarbeitern von Fatwreck zum Backstage Bereich geführt, in dem es schon Punkrockmäßig nach Alkohol und weichen Drogen roch. Chris würde noch ein Interview geben, wäre aber gleich fertig, hieß es. Nach 5 Minuten wird die Tür nahezu aufgestoßen und Chris flüchtet aus dem Interviewraum, wird aber von den Fatwreck-Mitarbeitern gebremst und mir vorgestellt. Nach der sehr freundlichen Begrüßung setzt man sich zum Gespräch nieder.

Dosenmusik: hi! Du sahst so aus als könntest du es kaum erwarten hier rauszukommen. Nach dem Motto: "Oh nein, ich hasse Interviews!"
Chris: (lacht) nein nein, ich bin okay. Vielleicht ein wenig fertig. Frag mich ruhig was Du willst!
Dosenmusik: Als ich mich auf das Interview vorbereitet habe, musst eich feststellen, dass Ihr bereits einige Interviews in Deutschland gegeben habt. Es scheint also ein großes Interesse an Lawrence Arms zu geben. Denkst Du Ihr seid berühmt?
Chris: (lacht) Oh.... äääh… Ich weiss nicht. Keine Ahnung. Nicht wirklich. Also ich würde nicht sagen, dass wir eine große, bekannte Band oder so was sind. Die Leute die uns kennen, haben in unsere Band investiert, was ich sehr cool finde.
Dosenmusik: Konntest Du Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern, in denen Ihr gespielt habt feststellen? Dass Ihr unterschiedlich große Fangemeinden habt?
Chris: Nein, ich denke nicht. Natürlich haben wir in den großen Städten mehr Fans. Vor allem in London. Immer wenn wir in London spielen ist es großartig. Und natürlich in den USA, vor allem in Chicago, wo wir herkommen. New York und San Francisco sind auch großartige Orte für uns zum spielen. Aber um noch mal darauf zurückzukommen: Nein, wir sind nicht bekannt oder berühmt. Wir waren schon immer eine kleine Band und hatten in in der letzten Zeit großartige Zusammenarbeiten mit anderen Bands und wurden auf großartige Touren mitgenommen. Wir sind in einer glücklichen Position.
Dosenmusik: Ich erinnere mich, auf Eurer Headliner-Tour vor zwei Jahren in Frankfurt, ich weiss nicht ob Du Dich daran erinnerst, habt Ihr Eure T-Shirts für 15 Euro das Paar verkauft. Letztes Jahr habt Ihr Millencollin supportet, dieses Jahr supportet Ihr No Use For A Name. Jetzt kosten Eure T-Shirts 15 Euro pro Stück. Denkst Du nicht, dass das ein Zeichen größerer Popularität ist?
Chris: Nein, nicht zwingend. Es besteht keine Zweifel daran, dass die Millencolin Tour uns stark geholfen hat, in Deutschland und in ganz Europa. Wir haben vor einer Menge Kids gespielt und das war cool. Ich erinnere mich an die Show in Frankfurt. Ich versuch uns nicht rauszureden oder so, aber es war die letzte Show unserer Tour und wir haben versuchten den Merchandise loszuwerden. Unsere Headliner Touren sind eben immer viel kleiner und wir waren schon glücklich genug Leute zu finden, die zu unseren Konzerten gekommen sind, so dass wir eine komplette Europa Tour machen konnten. Headliner Touren und Supporter Touren sind einfach komplett verschieden.
Dosenmusik: Wie ist es mit Bands wie Millencolin und No Use For A Name auf Tour zu gehen, all die Kids zu sehen von denen Euch nur die wenigsten kennen und nur wenige im Publikum denken "Wow, Lawrence Arms! Coole Band!" Wenn Ihr dann fertig seid gehen erst alle richtig ab und freuen sich auf den Headliner.
Chris: Es ist cool.
Dosenmusik: Aber wenn die Leute noch nicht mal realisieren, dass die Band da auf der Bühne Lawrence Arms heisst...
Chris: (lacht) Dafür machen wir es ja auch nicht. Wie gesagt, es hilft uns auch, aber wir machen es ja vor allem um ein gute Zeit zu haben, zusammen rumzuhängen und Spaß zu haben. Natürlich wollen wir auch erfolgreich sein und das alles weitermachen. Es ist toll vor all diesen Kids zu spielen.
Dosenmusik: Auch wenn sie wegen einer anderen Band da sind?
Chris: Klar! So gewinnst du die Leute. Menschen die an Musik interessiert sind, die Deiner ähnlich ist.
Dosenmusik: Ich kann euch aber versichern, dass es auch Leute gibt die nur wegen Euch zu diesen Shows gekommen sind.
Chris: Die Headliner Shows waren cool. Es war aber auch etwas, was wir davor gemacht haben. Wir haben keine Freunde in Europa und deswegen war es auch anstrengend hier fünf Wochen zu touren.
Dosenmusik: Zieht ihr die Headliner Touren den Support Touren vor?
Chris: Es ist etwas ganz anderes. Bei Headliner Shows herrscht natürlich ne ganz andere Atmosphäre und jeder ist mehr dabei als bei einem Support. Aber wir geben bei jeder Show alles.
Dosenmusik: Gibt es etwas, dass Euch an Deutschland besonders gefällt? Oder ist es für Euch wie jedes andere Land auch?
Chris: Nein nein, auf keinen Fall. Ich denke zum Beispiel, dass Berlin eine tolle Stadt ist, wir hatten da schon oft eine gute Zeit. Genauso wie Hamburg, auch eine tolle Stadt. Ich weiss nicht ob du das meinst, aber ich finde die deutschen Würste richtig lecker. (lachen)
Dosenmusik: Doch, genau so was meinte ich!
Chris: Aber in Österreich hatte ich eine Wurst die unglaublich gut war.
Dosenmusik: Weil sie so groß war?
Chris: (lacht) Ja, das auch, aber vor allem war sie richtig richtig lecker!
Dosenmusik: Zu Würsten gehört ja auch Bier.
Chris: Ja, Bier und Würste sind hier großartig. Vielleicht fällt mir das so auf, weil es auch typischen amerikanische Dinge sind! (lacht)
Dosenmusik: Okay. Ihr habt ein neues Album, "Oh! Calcutta!". Die meisten Kritiker sagen, es ist aggressiver, schneller, weniger Emo, mehr Punk. Würdest Du dem zustimmen?
Chris: Ja, es ist aggressiver und schneller. Aber ich weiss nicht ob ich sagen würde, dass es punkiger ist.
Dosenmusik: "The Greatest Story Ever Told" (Anmerkung: das vorhergegange Studioalbum) war...
Chris: ...langsamer!
Dosenmusik: Ja, und wenn Leute mich gefragt hätten, was Lawrence Arms für Musik machen, hätte ich gesagt: "Emopunk"!
Chris: Klar!
Dosenmusik: Aber jetzt, nach dem Erscheinen des neuen Albums würde ich defintiv sagen: "Punkrock!"
Chris: Ich meine, dieser "Emo"-Begriff ist etwas für Leute die entscheiden wollen, was es bedeutet. Ich weiss nicht, was das heisst. Wir waren schon immer eine Punkrockband, so wie wir klingen und wie wir Dinge tun. Allerdings weiss ich nicht, was Punkrock heutzutage für die Leute bedeutet. Eigentlich sind wir eine Rockband. Wir sind 2 Sänger, Bass, Gitarre, Drums. Alles sehr simple und direkt. Unser neues Album ist um genau zu sein ein Rockalbum, das mehr Punk Qualitäten besitzt als unser letztes.
Wir haben schon immer Alben gemacht die unterschiedlich sind. Wir haben versucht etwas zu machen, dass etwas neues ist und nicht das selbe Album noch mal.
Dosenmusik: Viele sagen, dass ihr mit eurem neuen Album zurück zu euren Wurzel geht. Kurze, schnelle Punkrock Songs. Oft wurde auch gesagt, euer letztes Album war zu langsam, zu langweilig. Würdet Ihr sagen, das Ihr einen Schritt zurück gemacht habt?
Chris: Nein, es ist definitiv der nächste Schritt der Band. Das letzte Album war anders. Es gab viele Lieder, die ich gesungen habe, es gab einige Lieder die Brendan gesungen hat. Es war ein Album das auf Polarität gegründet war.
Mit dem neuen Album wollten wir etwas machen, das wir geliebt hätten als wir 18 waren. Als man mit Freunden rumhing und positiver war. Es ist also ein Album das positiver ist als das letzte. Wir singen mehr zusammen, deswegen ist es gemeinschaftlicher.
Wir gehen also zurück zu unseren Wurzeln, machen aber trotzdem einen Schritt nach vorne. Wir haben uns ja auch eine Zeit lang frei genommen...
Dosenmusik: Ja, euer letztes Album kam vor 2 Jahre raus...
Chris: .... aber wir waren danach ja ein ganzes Jahr auf Tour. Dann brachten wir "Cocktails and Dreams" raus (Anmerkung: Eine B-Seiten Compilation), nahmen uns ein paar Monate frei und dachten dann darüber nach ein neues Album rauszubringen.
Dosenmusik: Gab es eigentlich neues Material auf der "Cocktails and Dreams"?
Chris: Ein neuer Song ist, drauf, ja!
In diesem halben Jahr Auszeit haben wir realisiert, dass wir das auf jeden Fall weitermachen wollen und warum wir das alles machen, worum es bei der ganzen Geschichte geht. Und so kam das raus, was dabei rauskommen ist.
Dosenmusik: Würdest Du sagen, dass das neue Album weniger poetisch ist?
Chris: Wahrscheinlich. Die Frage ist was poetisch heisst. Auf "The Greatest Story Ever Told" waren bestimmt einige Texte, die man als poetisch ansehen kann. Aber darüber machen wir uns nicht viele Gedanken. Wir schreiben einfach Worte auf. Natürlich sind eine Band, für die die texte sehr wichtig sind. Unsere Texte sind sehr wichtig für unser Gesamtwerk. Ich mag Brendans Texte und wir beide haben uns beim schreiben sehr angestrengt.
"Greatest Story...." war etwas romatisch und (überlegt) etwas süßlich, schleimiger (lacht).
Die Texte waren vielleicht erwachsener und die des neuen Albums sind mehr "straight forward". Es geht bei dem neuen Album vor allem auch darum, nicht immer zurückzublicken und sich durch die Vergangenheit runterziehen zu lassen.
Dosenmusik: Ich würde Dir gerne etwas aus einer Kritik eines großen, deutschen Musikmagazins über euer neues Album übersetzen. Da heisst es: "Drei Akkorde reichen, um einen kurzen, frischen Punkrocksong in zwei, höchstens drei Minuten zu spielen und Dich glücklich zu machen. Jedenfalls für den Augenblick, aber das ist es ja wofür er da ist, der Punkrocksong."
Kannst Du dem zustimmen? Ich denke es reduziert den Punkrock auf das kurzweilige und nimmt vor allem die Texte nicht ernst!
Chris: Mh, das interessant. Lass mich kurz nachdenken. (überlegt)
Wenn ich einen Song schreibe und damit jemanden für einen Moment glücklich machen, auch wenn er den Song nicht noch mal hören wird, aber einen Moment eine Art Hochgefühl hat dann ist eine großartige Sache. Das ist einer der Gründe, warum wir das machen, um es Leuten möglich zu machen dieses Gefühl zu erleben. Natürlich ist es nicht das einzige was mich an der Musik interessiert. Für mich sind natürlich auch die texte und Worte sehr wichtig. Aber wenn Leute so auf unsere Musik reagieren, dann ist es das was unsere Musik wirklich werden lässt. Ich weiss nicht, ob ich das eine Reduzierung nennen würde.
Dosenmusik: Aber zum Beispiel sind auf Eurem neuen Album einige Track, die politisch motiviert sind, oder?!
Chris: Ja, sicher.
Dosenmusik: Also gibt es auch eine Botschaft in Eurer Musik...
Chris: Ja, aber man muss diese Botschaft nicht mitbekommen um die Musik genießen zu können. Ja es gibt eine politische Botschaft, weil es in unserer Musik um uns geht, darum wie wir unsere Leben leben, wie wir bestimmte Dinge sehen und die Dinge die wir für wichtig halten. "Discovering the Opposable Thumb" handelt zum Beispiel von christlicher Rechthaberei (Anmerkung: Der Song handelt oder richtet sich gegen die Ignoranz und Bekämpfung der Kirche gegen die Darwinsche Evolutionstheorie in den USA). Ich denke wenn Leute sich mit der Musik auseinandersetzen merken sie, was Bredan dachte, als er diese Worte geschrieben hat.
Dosenmusik: Alles in Allem sagt Ihr also, dass wenn jemand Spaß an Eurer Musik hat, ohne sich mehr damit auseinander zu setzen, ist das okay für Euch.
Chris: Ja, wenn wir jemanden glücklich machen können und jemand Spaß damit hat, dann ist das großartig. Die Menschen reagieren unterschiedlich auf Musik. Manche reagieren mehr auf Wörter und Texte, manche mehr auf Rhythmen und Beats. Es geht immer um das allgemeine Gefühl oder Stimmung die ein Song einfängt.
Auf jeden Fall halte ich Menschen, die sich nicht intensiv mit einem unserer Songs beschäftigen für...
Dosenmusik: Idioten? Dumm?
Chris: (grinst) Genau! Wenn die Leute zu unserer Show kommen und Spaß haben, herumspringen und tanzen – das ist es worum es bei all dem geht!
Die allgemeine Botschaft des Albums ist es, dass man damit klar kommen sollte wer man ist und was man tut. Das war schon immer eine wichtige Botschaft für Menschen die erwachsen werden. Deswegen hab ich auch schon seit meiner Jugend Punkrock gehört. Natürlich weil ich die Sicht der Dinge und Einstellungen, die dort vertreten wurden, mochte aber auch weil die Musik mir geholfen hat rauszufinden, was ich denke, was ich mag und wer ich bin. Ich glaube das ist es, worum es beim Punkrock geht. Natürlich hat Punkrock auch sehr viel mit Politik zu tun. Aber vor allem geht es bei Punkrock auch um Selbstentdeckung.
Das Album dreht sich also vor allem auch um das Zuammensein mit Freunden und mit dem glücklich zu sein was man hat.
Dosenmusik: Oh, das gefällt mir sehr. Wie sieht es mit Nebenprojekten aus? Du warst ja nicht in "The Falcon" involviert, oder?!
Chris: Nein, aber ich kann Dir sagen, dass das "The Falcon" Album fertig ist.
Dosenmusik: Du meinst, dass nach der EP "Making God Don't Make No Trash" nichts mehr kommt? (Anmerkung: Chris betonte das Wort "finished" sehr stark, so dass ich es so verstand, als sei das "The Falcon" Projekt, an dem unter anderem Lawrence Arms Bassist Brendan beteiligt ist, beendet)
Chris: Neinnein, die CD wurde fertig aufgenommen.
Dosenmusik: Du redest nicht von der EP sondern von einer kompletten CD?
Chris: Genau. Es wurde grade fertig gemischt und kommt auf red Scare raus. Wahrscheinlich im September.
Dosenmusik: Wow, okay.
Chris: Ich konnte schon reinhören, es ist großartig.
Dosenmusik: Bestimmt. Ich liebe die EP. Puh, gute Nachrichten. Ich bin sehr gespannt!
Chris: Das kannst Du sein! (grinst)
Dosenmusik: Ein anderes Thema: Wie bereitet Ihr Euch auf die Show vor?
Chris: äääähm...
Dosenmusik: Wenn Euch nicht grade irgendwelche Leute mit Interviews nerven? (grinst)
Chris: (grinst) na ja, schwierig zu sagen...
Dosenmusik: Ich weiß Ihr liebt es Alkohol zu trinken.
Chris: (lacht) Oh, ja, sicher! Aber nicht zuviel vor der Show. Wir hängen einfach rum. Wir machen uns da nicht so die Gedanken. Wir machen einfach ne Punkrock Show. Wir haben kein Ritual oder so. Wir gehen einfach raus und machen unser Ding, geben alles und haben Spaß. Auch wenn wir vor dem größten Publikum spielen würden, würden wir nichts ausgefallenes machen.
Dosenmusik: Ich habe Euch bis jetzt zweimal gesehen und es war jedes Mal großartig. Ihr macht also alles richtig.
Chris: (lacht) Wow, danke! Hoffentlich wird es heute Abend nicht anders.
Dosenmusik: Ich freu mich schon sehr drauf! Vielen Dank für das Interview!
Chris: Kein Problem, war mir ein Vergnügen!


Brendan Kelly - Vocals & Bass
Chris McCaughan - Vocals & Guitar
Neil Hennessy – Drums

www.thelawrencearms.net

Autor: Fubuki | 08.05.2006
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