Interview mit Strung Out
Interview mit Jason am 09.09.2004 Antworten zur Band, zum Album und zu vielem mehr...
Strung Out Das Interview fand statt am 09.09.2004 im Schlachthof in Wiesbaden mit Sänger Jason Cruz.

Am 09.09.2004 gaben Strung Out und die Bouncing Souls ein Konzert im Wiesbadener Schlachthof. Die werte Frau Pippilotta und meine Wenigkeit wurden gebeten, mit diesen beiden Bands ein kurzes Interview zu führen. Einige Stunden vor dem Konzert lungerten die Musiker ungeduldig herum, tranken etwas oder schliefen sogar auf dem Dach des Tourbusses. Nach einigen Minuten des Rumstehens hinter der Bühne und einem recht unproblematischen Durchfragen fanden wir dann endlich einige der Musiker der besagten Bands, während "Die Traktor" ihren Soundcheck machten.

Jason Cruz, seines Zeichens Sänger von Strung Out, einem der Aushängeschilder des kalifornischen Punklabels "Fat Wreck Chords" war so nett, unsere Fragen zur Band und dem kommenden Album zu beantworten.

Dosenmusik: Hi, Jason! Wie war die Tour bisher?
Jason: Oh, ganz nett bisher, kann mich nicht beklagen.
Dosenmusik: Wie gefällt es Euch hier, und wie schmeckt das deutsche Bier?
Jason: Mal abgesehen davon, dass ich kein Bier mag, recht gut.
Dosenmusik: Ihr seid nun schon recht lange in der Punkszene dabei und wart immer eine von Fatwrecks beschäftigsten Bands. Alle zwei Jahre ein neues Album, oft auf Tour und auch eine live CD habt Ihr veröffentlicht. Habt Ihr nie Probleme mit der Motivation?
Jason: Nein, wir haben keine Probleme mit der Motivation. Dort, wo wir herkommen, passiert so vieles, da ist es leicht, über Dinge zu schreiben, die Dich berühren.
Dosenmusik: Wie lange wollt Ihr noch mit Strung Out weitermachen? So lange wie Motorhead? Die könnten ja meine Großväter sein.
Jason: So alt will ich nicht sein, wenn ich noch auf der Bühne stehe. Ich weiß es nicht, wer weiß so was auch schon genau? Wer weiß schon, was die nächsten drei Jahre bringen werden? Kann ich Dir nicht sagen. Ich bin die Art von Person, die es nicht wirklich mag, Pläne zu machen. Ich lasse die Dinge geschehen und schaue, wo mich das alles hinführt. Es könnten 2, aber genauso gut 10 Jahre sein, ich will aber definitiv nicht alt sein, wenn ich mit Strung Out spiele.
Dosenmusik: Nach all den Jahren habt Ihr bestimmt eine Menge erlebt. An welche Höhepunkte kannst Du Dich erinnern und was waren die dunkelsten Stunden in der Geschichte von Strung Out?
Jason: (schmunzelt verlegen) Dunkelste Stunden? Oh jeh, keine Ahnung. Es scheint so, als bestünde jede zweite Nacht entweder aus Höhepunkten oder Tiefpunkten. Du hinterfragst das, was Du tust, jede Nacht. Manchmal hast Du eine schlechte Show oder mehrere hintereinander und dann fragst Du Dich, wieso Du das eigentlich machst. Manchmal hat man aber auch eine großartige Tour, eine einzelne Show kann Dich in Euphorie versetzen und Du bist für Monate high davon. Alles in allem ist es schon ein extremes Leben. Du lebst von Deinem Verstand, verlässt Dich auf die anderen 4 Leute in Deiner Band. Es ist wirklich sehr extrem, manchmal fragst Du Dich einfach, wieso?
Was die Highlights angeht: Ich konnte die ganze Welt sehen und großartige Musik mit echt talentierten Musikern schreiben. Tiefpunkte sind beispielsweise die Familie zurückzulassen müssen und nicht zu wissen, wo Dich das Ganze hinführt. Du machst das quasi blind und hoffst auf das Beste. Das hat alles schon seine negativen und positiven Seiten.
Dosenmusik: Meistens tourt Ihr also?
Jason: Ja, entweder sind wir auf Tour oder daheim und schreiben neue Songs.
Dosenmusik: Ihr habt ja nun einen Song für die Rock Against Bush-Compilation aufgenommen. Davor wart Ihr nicht wirklich als politische Punkband bekannt. Gab es da besonders positive oder negative Reaktionen Euerer Fans?
Jason: Ich persönlich denke, bei all den Sachen die momentan dort abgehen, wo wir leben, bist Du gezwungen, Dich der derzeitigen Politik entgegenzustellen. Wir sind dafür ein perfektes Beispiel. Jeden Tag müssen die Leute schauen, was vor sich geht und Etwas dagegen tun. Das ist sozusagen unser Konsens. Die Leute fühlen sich verpflichtet, etwas dagegen zu sagen und auch zu machen. Die Reaktionen in unserem Umfeld waren also ziemlich positiv.
Dosenmusik: Du würdest also sagen, dass sich die Szene gegen Bush vereinigt, außer diesen Leuten von "conservativepunk.com" (Anm.: Website, die sich dafür stark macht, dass junge US-Punkrocker wählen gehen und gegen Bush stimmen) . Hast Du von denen schon mal was gehört?
Jason: Ja, von denen hab ich was gehört. Wenn Du wissen willst, wovon Du eigentlich redest, dann brauchst Du auch eine Gegenmeinung. Es geht um Respekt und ich respektiere alle anderen Meinungen. Ich hoffe, dass wir alle auf einen Nenner kommen und eine Veränderung herbeiführen können, denn das ist nur ein dummer Streit.
Es hat einfach den Anschein, als müsste etwas getan werden.
Dosenmusik: Es gab Gerüchte, nach denen Strung Out einen Majordeal angeboten bekommen haben. Habt Ihr mal ernsthaft darüber nachgedacht, so ein Angebot anzunehmen?
Jason: Wir haben drüber nachgedacht. Eine Menge Freunde von uns haben Fat Wreck Chords oder kleine Plattenfirmen verlassen. Denen gings dort aber miserabel, weshalb die meisten wieder zurück kamen. Wir haben da eine Menge schlechter Geschichten drüber gehört. Fat Wreck ist ein Indie-Label, was bedeutet, dass es das ist, was Du selber draus machst. Alles hängt von Dir selber, Deinen Entscheidungen ab, Du bestimmst selber, wie weit Du gehen willst. Ich denke, wir sind zufrieden damit, die Band zu sein, die wir sind und die Musik zu spielen, die wir spielen.
Das passt alles ganz gut zu uns. Solange sich keine bessere Chance ergibt, was bisher nicht der Fall war, sind wir rundum zufrieden.
Dosenmusik: Strung Out ist eine dieser Bands, die einen unverwechselbaren, einzigartigen Sound haben und leicht von ihren Fans identifiziert werden können, wie NOFX beispielsweise. Bist Du damit zufrieden oder wäre es Dir lieber, wenn Ihr anders klingen würdet?
Jason: Ich denke, wir werden immer denselben Sound haben. Zwar denke ich, dass wir als Songwriter noch reifen können, aber wir haben definitiv unseren typischen Sound.
Du hörst die erste Note eines Songs und erkennst, dass er von Strung Out ist. Ich denke, so wird das immer sein, immerhin sind wir dadurch zu dem geworden, was wir heute sind. Was das Handwerkliche und die Ausdrucksfähigkeit betrifft, das sind Sachen, die sich natürlich immer verändern und auch verbessern.
Dosenmusik: Ihr habt auch einige dunkle Songs, wie beispielsweise "Ultimate Devotion" von der "Twisted By Design". Verstehen viele Leute den Punkrock nicht falsch, indem sie ihn als fröhliche Spaßmusik abqualifizieren, die der perfekte Soundtrack für den Sommer sein soll? Denkst Du nicht, dass die Leute generell zu wenig auf die Texte achten?
Jason: Hm, das ist mir echt egal. Ich tue das für mich selbst. Wenn wir ein Album machen, will ich nur die 4 Leute aus meiner Band beeindrucken. So lange ich zufrieden damit bin und die anderen auch, ist alles okay. Du lernst Dich selbst kennen, es geht um Emotionen, es ist aber auch ein bisschen unangenehm, weil Du über Sachen schreibst, die Du in Deinem Kopf und Deinem Herzen trägst und musst es 4 anderen zeigen, die sich nicht drum scheren und dazu nur so was wie "In Ordnung" zu sagen haben.
Manchmal ist das echt schwer. Wenn sie es akzeptieren und ich auch, dann ist es prima. Generell ist es mir aber egal, wenn Leute die Musik klassifizieren oder die CD als Sommersoundtrack hinstellen müssen.
Dosenmusik: Du denkst also nicht, dass die Gefahr besteht, missverstanden zu werden? Jede Person interpretiert doch andere Dinge in Lieder hinein.
Jason: Was das Album angeht: die Leute können da hineininterpretieren, was sie wollen. Wenn sie die CD kaufen, ist es ohnehin nicht mehr mein Eigentum, sie gehört dann ihnen und sie können damit machen, was sie wollen. Ist mir schnurz, ob ich missverstanden werde, weil ich selber verstehe, wie es gemeint ist.
Dosenmusik: Okay. Verstehe.
Jason: Ist nicht jeder auf irgendeine Art und Weise missverstanden? Wer will schon jede kleine Sache, die er macht, erklären müssen? Ich jedenfalls nicht.
Dosenmusik: Kommen wir nun zu dem, was Ihr gegenwärtig macht. Momentan arbeitet Ihr an einem Album, das "Exile In Oblivion" heißt.
Jason: Ja, das ist richtig.
Dosenmusik: Ihr habt auch gesagt, "No Voice Of Mine", der Song vom Rock Against Bush-Sampler, sei eine Art Blaupause für das gesamte Album. Wieso sollten Eure Fans sich das Ding zulegen und weshalb behaupten Bands immer, dass ihr neues Album das bislang Beste sei?
Jason: (schmunzelt) Ja, Bands sagen wirklich immer, dass das Neueste das beste Zeug ist, was sie je gemacht haben. Vielleicht, weil Du als Musiker wächst, Du kriegst eine klarere Vorstellung von dem, was Du machen willst und bist wieder inspiriert. Jede Band ist inspiriert, wenn sie eine neue CD aufnimmt, sie machen neue Musik zusammen. Sie wollen einfach, dass die Leute wirklich heiß darauf sind, ihren neuen Kram zu hören.
Wir haben echt hart an dem neuen Album gearbeitet, wirklich hart, und ich bin stolz drauf. Es ist mir scheißegal, wenn die Leute es nicht mögen oder kaufen. Kümmert mich nicht. Ich kann nach Hause kommen, es mir anhören und bin damit zufrieden. Das ist wichtig für mich.
Ich bin an dem Punkt angelangt, an dem es mich nicht mehr schert, was andere denken oder was die Szene denkt. Ich bin einfach glücklich. Wir hatten eine Idee im Kopf, haben die extrahiert und gut umgesetzt. Ist dann halt Deine Sache, ob Du die CD magst oder nicht.
Dosenmusik: Auf Euerer Homepage kann man sich ein Studiotagebuch anschauen und die Entwicklung des Albums nachvollziehen. Euere Fans können dort beispielsweise lesen, dass Ihr es sehr mögt mit dem Produzenten Matt Hyde zusammenzuarbeiten und dass er Euch hilft, Fehler zu erkennen und schlechte Angewohnheiten los zu werden. Was können wir uns darunter vorstellen?
Jason: Nun, wenn man jahrelang mit denselben Leuten arbeitet, bekommt man gewisse Angewohnheiten, Dinge immer auf dieselbe Art und Weise zu tun. Das ist nicht immer ne gute Sache, also brauchst Du eine Meinung von einem Außenstehenden, der reinkommt und die Dinge ändert, die Du bisher getan hast. Wenn man so etwas dermaßen lange macht und niemand was sagt, machst Du einfach immer weiter so, weil Du denkst, es wäre das Beste, es auf diese Art zu machen. Dann kommt der Außenstehende und sagt etwas wie: "Ich hab bemerkt, dass Ihr dies und jenes zu oft macht.". Daraufhin denkst Du aus einem anderen Blickwinkel drüber nach, gehst aus Dir selbst heraus und merkst letztendlich, dass er Recht hat.
Es ist also gut, Fremde dabei zu haben, gerade wenn es nicht gut klingt, Du denkst dann anders über gewisse Sachen. Man braucht einfach einen Mediator, verstehst Du, wie ich das meine?
Dosenmusik: Klar.
Jason: Jemanden, der die Streitereien stoppt und die beste Idee herauspickt, ohne irgendwelche Egoprobleme. Ein großes Ego ist eine weitere schlechte Angewohnheit. Manchmal steht Dir Dein eigenes Ego im Weg und verhindert, dass Du eine rationale Entscheidung treffen kannst.
Dosenmusik: Ihr habt in "Sound City" mit den Aufnahmen begonnen und angemerkt, dass das Studio eine stolze Geschichte aufzuweisen hat, dort haben schon viele berühmte Musiker etwas aufgenommen. Ihr habt auch Leute wie Dave Grohl und Josh Homme dort getroffen?
Jason: Ja, die Queens haben dort ihre neue CD aufgenommen.
Dosenmusik: Wie gefiel es Dir, dort Aufnahmen zu machen?
Jason: Weißt Du, anfangs muss man einen guten Drum-Sound haben, und es ist ein klassisches, echt legendäres Studio. Du hast Dir den ganzen Tag lang die Snare anhören müssen: THACK, THACK, THACK!!! (Jason imitiert Schlaggeräusche). Für mich persönlich fängt die Entstehung des Albums erst richtig an, wenn die Drums fertig sind und die Gitarren drübergelegt werden. In Sound City haben wir uns nur die Drums angehört (imitiert Schlaggeräusche), den ganzen Tag lang (imitiert Schlaggeräusche).
Das ist okay, aber wenn der Bass und die Gitarre dazukommen, materialisiert sich das Ganze erst. Es war schon cool, aber das Album hat mich erst richtig gepackt, als die Gitarren dazukamen.
Dosenmusik: Was hast Du dann dort währenddessen als Sänger getan?
Jason: Von Anfang an die ganze Zeit den Drums gelauscht, jedem Schlag quasi.
Dosenmusik: Habt Ihr nicht auch geschrieben, dass Ihr nebenbei was anderes gemacht habt, wie beispielsweise Videospiele zu zocken?
Jason: Ja, Jake (Anm.: Gitarrist von Strung Out) spielt Videospiele, ich nicht. Ich weiß nicht, ich mag es einfach, von Anfang an dabei zu sein und dem Album dabei zuzusehen, wie es sich von einem Snare-Sound zu dem entwickelt, was es heute ist. Das macht mich sehr stolz, musst Du wissen.
Dosenmusik: Was passiert denn wirklich, wenn Strung Out im Proberaum sind, seid Ihr da immer ernsthaft bei der Sache?
Jason: Ich wünschte, wir wären ein bisschen ernster dabei. Wir neigen dazu, Unsinn zu machen, Pot zu rauchen, zu spät zu kommen...
Dosenmusik: Ich erinnere mich daran, dass Ihr vor 3 Jahren hier auf Tour wart und einer von Euch fragte uns nach Papers. Er kam 30 Minuten später aus dem Tourbus raus, meinte er spielt bei Euch Drums und bot uns dann etwas zu rauchen an.
Jason: (lacht) Hehe, ja, ich würde mir wünschen, dass die Dinge im Proberaum etwas ernsthafter ablaufen würden. Aber wenn man soviel Zeit mit denselben Leuten verbringt, muss man den anderen Raum lassen, um das zu tun, was sie tun wollen.
Ist schon fast wie eine Ehe, würde ich sagen. 5 verschiedene Leute, die nicht das Geringste gemeinsam haben, aber zusammen Musik spielen. Manchmal ist das schon ganz schön hart. Wir versuchen, ernst zu bleiben, aber das funktioniert nicht immer.
Dosenmusik: Habt Ihr am Anfang eine Melodie im Kopf oder was kommt zuerst, wenn Ihr Songs schreibt?
Jason: Normalerweise dreht sich alles um die Gitarre. Jemand denkt sich ein Riff aus, zeigt es dann Jordan (Anm.: Drummer von Strung Out), der das Riff mit einem Beat unterlegt. Danach kommt der Bass und ich singe dazu. Die Texte schreiben wir erst zum Schluss.
Es fängt also immer mit der Gitarre oder dem Schlagzeug an. Alles beginnt mit einem kleinen Funken.
Dosenmusik: Nun, was sind Eure Wünsche für die Zukunft?
Jason: Für mich persönlich?
Dosenmusik: So generell, für die ganze Band?
Jason: Was die anderen betrifft, keine Ahnung, aber wir als Band wollen rausgehen, Leuten diese neuen Songs vorspielen und schauen, ob sie Reaktionen hervorrufen. Das ist das, worauf ich hoffe, dass es die Leute auf die richtige Art berührt. Was meine eigene Zukunft betrifft, keine Ahnung.
Dosenmusik: Irgendwelche besonderen Wünsche?
Jason: Ich möchte ein berühmter Künstler sein, ein REICHER und berühmter Künstler.
Dosenmusik: Berühmt bist Du doch schon einigermaßen.
Jason: (lacht) Nun, jetzt jedenfalls noch nicht.
Dosenmusik: Nun, das wars soweit. Vielen Dank, dass Du Dir Zeit genommen hast.
Jason: Nichts zu danken! Schön, dass ich Euer erster Interviewpartner sein durfte.


Jason Cruz - vocals
Jordan Burns - drums
Jake Kiley - guitar
Rob Ramos - guitar
Chris Aiken - bass

www.strungout.com

autoren: born toulouse / pippilotta | 09.09.2004
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