Interview mit Still Remains
Interview mit Mike Church am 25.11.2007 in Köln Amerika isoliert sich manchmal sehr von der Welt, es ist gut zu reisen und sich nicht mehr so abgeschottet zu fühlen.
stillremains Kurz vor seinem Auftritt trafen wir Mike Church, den sympathischen Gitarristen von Still Remains. Die Krankheitswelle, die den Rest der Band überrollt hatte, war bei ihm noch nicht angekommen und so plauderte er munter über seine Leidenschaft fürs Kochen, Tori Amos und darüber, warum Fans eine Art Familie sind.

Dosenmusik: Ihr habt gerade eure Tour mit Atreyu angefangen, wie gefällt es euch bisher? Gab es schon irgendwelche Highlights?
Mike: Ja, seit etwas über einer Woche. Es ist immer schon ein absolutes Highlight ins Ausland zu reisen . Und auf dieser Tour war bisher jede Show großartig. Wir hatten einen Tag frei bei dieser Tour und haben ein eigenes Konzert in Camden, in England gespielt und es war an einem Dienstagnachmittag, und es waren trotzdem Kids nur für uns da. Es war so viel besser als ich gedacht habe. Bei jeder Show war es bisher brechend voll, und die Jungs von Atreyu und Engel sind total gechillt, mit denen kann man wirklich super auskommen. Es gibt kein Drama auf dieser Tour, es ist echt alles gut. Dadurch ist alles sehr relaxt und niemand ist total gestresst wegen irgendwas.
Dosenmusik: Wie findet ihr denn das deutsche Publikum im Vergleich mit dem aus den USA oder aus dem UK?
Mike: Im Vergleich zu dem Publikum aus dem UK? Das deutsche Publikum scheint ein bisschen zurückhaltender zu sein, aus welchem Grund auch immer. Das heißt natürlich nicht, dass es ihnen nicht genauso viel Spaß macht. Wir sind hier auf jeden Fall sehr gut aufgenommen worden. Ich meine, das letzte Mal als wir hier waren war 2005, mit Trivium und Three Inches of Blood, das ist also eine ganze Weile her, und die Shows damals waren nicht mal annähernd so groß wie die Shows jetzt. Letzte Nacht haben wir in Münster gespielt, da haben wir auch nur positive Reaktionen bekommen. Das war auch ein Konzert ohne Atreyu, dafür aber mit Comeback Kid, Cancer Bats, Parkway Drive, also vielen Bands, wobei wir die einzige Band waren, die Rock bzw. eine Mischung aus Rock und Metal gespielt hat, die anderen sind eher Hardcore. Und trotzdem hat das Publikum bei uns mitgesungen , was natürlich echt cool war.
Dosenmusik: Was ist denn das erste, was du tust, wenn du nach einer so langen Tour nach Hause kommst?
Mike: Ich nehme meine Frau in den Arm. Und dann versuche ich einfach nur zu schlafen. Ich schlafe dann erst mal für zwei bis drei Tage, dusche mindestens eine halbe Stunde lang und koche Abendessen, weil ich es liebe in meiner eigenen Küche zu kochen.
Dosenmusik: Wo du gerade das Kochen ansprichst- Ich habe gelesen, dass du eine Koch-Show machst?
Mike: Ja, die heißt Cooking with Church. Church ist mein Nachname, daher der Titel. Wir wollten einfach versuchen, mehr Kontakt zu unseren Fans zu halten, zum Beispiel durch unsere Hobbies, und meine Leidenschaft neben der Musik ist das Kochen. Ich koche seit etwa acht Jahren, ich lerne dafür auch. Wenn wir auf Tour sind habe ich immer Bücher darüber dabei. Ich kann dir auch gar nicht sagen, warum ich es so sehr liebe, es ist einfach so. Ich finde es ist dem Schreiben von Liedern sehr ähnlich, man mischt verschiedene Zutaten und hofft, dass es gut herauskommt. In letzter Zeit hat die Show ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommen. Kurz bevor wir hier angekommen sind, habe ich eine Folge im Roadrunner Büro hier in Köln gedreht. Ich habe Spätzle mit.....oje, ich habe vergessen wie das Gericht auf Deutsch heißt. Jedenfalls war es was mit Weißweinsoße, Fleisch und Pilzen. Ich kann es nur nicht aussprechen (lacht).In London habe ich auch eine Folge gedreht, da habe ich Bangers & Mash gemacht, was super geworden ist. Es macht mir Spaß dafür zu kochen, und wir können unsere Musik mit einbringen, sprich wenn wir filmen versuchen wir die Musik von Still Remains im Hintergrund laufen zu lassen.
Dosenmusik: Und auf diese Weise kannst du auch auf Tour zwischendurch den Kochlöffel schwingen...
Mike: Manchmal, ja. Ich bin immer sehr glücklich wenn ich die Gelegenheit dazu habe, zum Beispiel wenn wir manchmal auf Tour sind und bei Bekannten im Haus übernachten. Die sagen dann auch sofort wenn wir ankommen "Da ist die Küche Mike, tu was du willst" und meine Reaktion ist dann immer "yeaaaah". Manchmal koche ich auch, wenn wir Aufnahmen für ein Album machen. Meistens gibt es irgendwo eine Küche, und dann koche ich für die Jungs.
Dosenmusik: Freiwillig oder nerven sie dich, bis du für sie kochst?
Mike: (lacht) Nein, schon freiwillig. Ich liebe es. Ich bin meistens selbst derjenige, der sagt: "Lasst mich was kochen!!!"
Dosenmusik: Wenn du dich zwischen der Musik und dem Kochen entscheiden müsstest, was würdest du wählen?
Mike: Oh man! (lacht) Beide auf verschiedene Arten...Oh man...Ich will keins der beiden auswählen. Das ist, als ob man zwei Brüder hat und sich für einen entscheiden muss. Das könnte ich auch nicht, ich liebe meine Brüder. Ich liebe Kochen und die Musik, und will beides soviel wie nur irgendwie möglich machen, daher geht das nicht.
Dosenmusik: Kommen wir zurück zu deiner anderen Leidenschaft, der Musik. Ihr habt ja gerade "The Serpent" herausgebracht, kannst du uns ein wenig über das Album erzählen?
Mike: Das Album? Für mich ist es vor allem eins, und zwar mutig, gewissermaßen. Als wir in der Entstehungsphase der Lieder waren, wollten wir einfach keine Grenzen haben, was die Art angeht, wie wir sie schreiben. Wir wollten uns keine Gedanken darüber machen ob dieser Part nicht heavy genug ist, oder ob ein anderer Part nicht Metal genug ist. Wir wollten ein Album machen, auf dem man all unsere verschiedenen Einflüsse hört, und nicht alle unsere Einflüsse sind Metal. Ich höre alles von Tori Amos bis Pantera, und das ist natürlich eine große Auswahl. Bei dem Rest der Band ist es genauso, darum wollten wir Rock- und Pop-Elemente zusammenbringen, wir hatten keine Angst davor, das zu mischen, nur weil einige Leute uns dann vielleicht ansehen und sich fragen was zum Teufel wir da machen. Nach dem Motto "Ihr seid eine Metal-Band, was tut ihr?". So betrachten wir die Sache überhaupt nicht, wir wollten nur ein ehrliches Album rausbringen..
Dosenmusik: Ist diese Ehrlichkeit und eure Experimentierfreude, gerade was Instrumente angeht, etwas wofür ihr als Band bekannt sein möchtet?
Mike: Ich denke, wenn wir mit dem was wir tun ehrlich sind, und die Welt uns dafür herausstechen lässt, dann ist das definitiv eine gute Sache. Solange wir uns selbst treu bleiben und ehrlich zu unseren Fans sind und es das ist, durch das wir uns auszeichnen, dann ja, auf jeden Fall.
Dosenmusik: Habt ihr Angst davor viele Fans zu verlieren, wenn ihr euch in eine andere Richtung weiterentwickelt als die, mit der sie euch kennen gelernt haben?
Mike: Nein, eigentlich nicht. Wir haben viele Fans, die ich als Crossover-Fans bezeichnen würde. Es gibt einige Leute die schlechte Reviews über unser Album geschrieben haben, denen ich dann geschrieben habe und meinte, dass sie es sich noch mal anhören sollen, weil es bestimmt diesen einen Song gibt, zu dem sie eine Verbindung aufbauen können und sich dadurch das ganze Album erschließen können. Und in 99% der Fälle ist genau das passiert. Viele Leute haben uns gesagt, dass sie das Album immer besser finden, je mehr sie es hören, und das ist uns sehr wichtig. Wir wollten kein Album machen, das oberflächlich ist, das keine Struktur hat, einfach nur ein paar Lieder, die wir zusammengewürfelt haben. Wir haben uns bei jedem Lied damit auseinandergesetzt, was es musikalisch als auch textlich für das Album bedeuten soll, und daraus ist dann The Serpent geworden.
Dosenmusik: Also nehmt ihr euch auch die Zeit sämtliche Reviews und Fanreaktionen durchzulesen und darauf zu antworten?
Mike: Ja, soweit es uns möglich ist. Wir versuchen jede Nachricht, die wir zum Beispiel auf Myspace bekommen, zu beantworten. Es ist schwierig, aber das haben wir von Anfang an gemacht, und wir wollen eine enge Beziehung zu unseren Fans behalten und uns anhören, was sie zu sagen haben. Wir können sie ja nicht völlig ausschließen und nur das tun, was wir gerade wollen. Wenn wir von den Leuten neun Anfragen in einer Woche bekommen, dass wir in ihrer Stadt spielen sollen, werden wir das unserem Manager vorlegen und versuchen, es einzurichten. Wir hören gerne, was unsere Fans denken, oder auch, dass wir eine positive Wirkung auf sie haben. Und auch wenn es etwas Negatives ist, setzen wir uns damit auseinander. Wir reden gerne mit den Leuten, um ihnen zu sagen, dass wir ihre Kritik verstehen, und um zu erklären, warum wir gewisse Dinge so getan haben, wie wir sie getan haben. Und wie gesagt, in 99% der Fälle kriegen wir darauf positive Reaktionen. Was es allerdings wirklich erschwert ist, dass wir momentan nur einen funktionierenden Computer mithaben, aber T.J. versucht jedem zu antworten, wenn er kann. Manchmal kriegen wir aber auch Comments, wo die Leute einfach fragen "Hey, wie geht's euch?" und obwohl es uns leid tut, denken wir uns da auch nur, dass wir keine Zeit haben um das jedes Mal zu beantworten.
Dosenmusik: Ich habe gelesen, dass ihr einen Nine Inch Nails Song für die britische Zeitschrift Kerrang gecovert habt- war das etwas, worum sie euch speziell gebeten haben oder habt ihr das Lied ausgewählt?
Mike: Sie haben uns diese Möglichkeit geboten und TJ war und ist immer noch ein riesiger Nine Inch Nails Fan - Ich fand die vor Jahren auch toll, dann habe ich eine Pause damit gemacht (lacht), aber Trent schafft es immer noch mich mit seiner Musik zu begeistern. Jedenfalls mag die ganze Band Nine Inch Nails, insbesondere TJ, der dann vorschlug "Head like a hole" zu covern. Unsere Reaktion war eher mäßig, denn es ist echt merkwürdig, sich in einer Band auf ein Lied zu einigen, was man covert. Man will etwas, das zur Band passt, und nicht etwas, das geschmacklos oder abgedroschen wirkt. Dann haben wir "Head Like a hole" in unserem Tour-Van gespielt, und waren uns einig, dass es richtig cool werden könnte. Es hat ein gewisses Techno-Feeling, wodurch wir Synth benutzen konnten da wir einen Keyboarder haben. Die Drums waren richtig cool und wir konnten ein bisschen von dem Still Remains Stil mit einfließen lassen.
Dosenmusik: Du hast gerade euren Keyboarder erwähnt, wie haben er und Steve sich denn in die Band eingefunden und was hat sich verändert seitdem Zack und Evan ausgestiegen sind?
Mike: Sie machen sich super. Ben und Steve sind großartige und wirklich talentierte Kerle. Die Situation ist eigentlich generell sehr gut, da es kein böses Blut gab. Wir hatten keinen Stress mit Zack und Evan, sie sind aus sehr ehrlichen und guten Gründen gegangen. Evan und seine Frau haben ihr erstes Kind bekommen, und wir freuen uns alle für ihn, wir sind seine Freunde, und die Freundschaft steht in der Band über Allem. Und so muss es auch sein, ansonsten würden wir auf Tour auch gar nicht überleben, wir müssen gute Freunde sein. Und Zack wollte zuhause bleiben, weil er gerade geheiratet hat und ein neues Kapitel in seinem Leben anfangen wollte. Er wollte wieder zurück zur Schule gehen und bei seiner Frau sein, ein ganz anderes Leben. Steve und Ben waren in einer anderen Band namens Vindicated, mit der wir schon öfters zusammen aufgetreten sind, daher kannten wir die beiden schon und wussten, dass sie tolle Kerle und talentierte Musiker sind, und seitdem passt es einfach. Wir hatten sehr viel Glück, sie zu finden.
Dosenmusik: Was hältst du von der Richtung, in die sich die Musikindustrie momentan entwickelt?
Mike: Es ist beängstigend. Ich finde es beängstigend. Die Leute kaufen nicht so viele Alben wie sie sollten. Für eine Band unserer Größe und eigentlich für die meisten Bands ist es sehr schwer momentan. Wenn wir viele Fans haben, die unser Album nicht kaufen, sondern es sich einfach runterladen dann schadet es einer kleinen Band finanziell gesehen sehr. Auch was den Status angeht. Manchmal sehen die Leute gar nicht, wie sehr man damit zu kämpfen hat und wie hart man arbeitet, und stehlen das Album lieber anstatt es zu kaufen. Hoffentlich kaufen die Leute auch offline ein paar Alben, denn ich finde, dass es eine sehr persönliche Verbindung zu einer Band ist. Man hat es in der Hand, man hat ein Booklet zum Durchlesen und wird gewissermaßen Teil dieser Familie, so sehen wir es zumindest. Ich hoffe einfach, dass die Plattenfirmen einen Weg finden können, dass sie sich vielleicht mehr auf den Online-Verkauf konzentrieren oder andere Wege finden, die Musik rauszubringen. Natürlich so günstig wie möglich, da nicht gerade jeder reich ist und sich ständig einen Haufen Cds leisten kann. Aber man sollte einen Weg finden, durch den gewährleistet wird, dass die Leute zumindest ein bisschen für die Musik bezahlen.
Dosenmusik: Denkst du, dass gerade in so einer Zeit das Image einer Band viel ausmacht?
Mike: Um ehrlich zu sein denke ich, dass es bei uns mit der Zeit immer wichtiger wurde. Wir sehen es so, dass Fans ein Teil von etwas sein wollen, zu einer Familie dazugehören wollen, und daher denke ich schon, dass das Image für eine Band wichtig ist. Man will ja auf diese Weise seine Musik und sich selbst als Performer auf eine bestimmte Weise darstellen. Die Art, wie man auf der Bühne aussieht und sich verhält, ist ja auch etwas, wovon sich die Fans inspirieren lassen, das ist schon von dem Anfang der Musikgeschichte an so gewesen.
Dosenmusik: Spielt es dabei eine große Rolle, dass ihr eine christliche Band seid? Inwieweit beeinflusst das die Art und Weise, wie ihr euch präsentiert und eure Musik schreibt?
Mike: Wir sind alle auf unsere eigene Art sehr spirituell, aber wir bezeichnen uns nicht direkt als christliche Band, da die meisten Bands, die sich als solche bezeichnen, auf der Bühne anfangen zu predigen, und da wir das nicht tun, denke ich, man kann sagen, dass wir uns diesen Titel nicht verdient haben. Wir haben alle unsere geistigen Ansichten und bezeichnen uns selbst auch alle als Christen, aber das ist auch ein sehr ausgedehnter Begriff. Es ist manchmal recht schwer zu erklären, da wir zwar schon Glaubensgrundsätze haben, aber das, woran wir genau glauben, ist schon innerhalb der Band sehr unterschiedlich. Darum sagen wir grundsätzlich, dass die Leute, wenn sie sich für unseren Glauben interessieren, nach unseren Shows zu uns kommen sollen und sich darüber mit uns unterhalten sollen, weil wir es nicht auf der Bühne ansprechen werden. Darum halten wir uns nicht für eine christliche Band, aber uns persönlich für christlich. Was die Lyrics angeht, lässt TJ die Sachen mit einfließen, die ihm in bestimmten Situationen geholfen haben, und seine generellen Ansichten über die Dinge. Ich hoffe, ich habe das jetzt gut erklärt (lacht)
Dosenmusik: Wie sehen denn eure Ansichten in Bezug auf die USA aus, seitdem ihr soviel herumreist?
Mike: Ich denke, das man generell sehr viel lernt, wenn man die Welt bereist. Für mich hat sich dadurch nicht nur meine Ansicht gegenüber der USA geändert, sondern auch die Art, wie ich über all die Orte gedacht habe, an denen wir jetzt waren. Niemals in einer negativen Weise, sondern eher so, dass man merkt, was für ein verzerrtes Bild man von der Welt hatte, dadurch das man so lange in Amerika gelebt hat, hauptsächlich durch unsere Regierung. Aber davon will ich lieber gar nicht erst anfangen (lacht). Es ist großartig zu reisen und zu sehen, dass es überall bemerkenswerte und wundervolle Leute gibt. Amerika isoliert sich manchmal sehr von der Welt, es ist gut zu reisen und sich nicht mehr so abgeschottet zu fühlen.

T.J. Miller - Vocals
Jordan Whelan - Guitar
Mike Church - Guitar
Steve Hetland - Bass
Ben Schauland - Keyboard
Adrian "Bone" Green - Drums

www.stillremains.com

Autor: jerseydevil, panic-at-my-disco | 09.12.2007
Dosenmusik : der neue Shop
dosenmusik at Facebook Follow dosenmusik on Twitter RSS Feed
cd-empfehlungen
Asking Alexandria - From Death to Destiny I Is Another - I Is Another
Five Finger Death Punch - The Wrong Side Of Heaven and The Righteous Side Of Hell Alice in Chains - The Devil Put Dinosaurs Here
Heaven Shall Burn - Veto Le Fly - Grüß Dich Doch Erstmal!