Interview mit Silverstein
Interview mit Neil Boshart und Paul Koehler am 16.12.2007 in Köln Niemand arbeitet so hart wie wir
Silverstein Kurz vor ihrem Konzert fanden Gitarrist Neil Boshart und Drummer Paul Koehler trotz einem vollen Terminplan ein paar Minuten Zeit, um unsere Fragen beantworten und sprachen mit uns über ihr neues Album, warum man bei ihren Konzerten nicht rauchen darf und darüber, das sie wohl auch in Frauenkleidern gut aussehen würden.

Dosenmusik: Euer Konzert wurde von einem kleineren Club in diesen größeren Veranstaltungsort gelegt....
Paul: Ja, ich weiß nicht, wie das passiert ist. Irgendjemand hat irgendetwas gemacht und ich weiß nicht was genau. Aber es ist cool, er sollte damit weitermachen.
Dosenmusik: Seid ihr also mehr aufgeregt als normal, wenn ihr in den kleineren Clubs spielt?
Paul: Wir sind immer aufgeregt, wenn wir hier spielen dürfen!
Dosenmusik: Ihr seid nun schon sehr oft in Deutschland auf Tour gewesen. Was sind eurer Ansicht nach die schlechten und guten Dinge in diesem Land?
Neil: Da gibt es nur gute Sachen, die Shows sind großartig, die Leute sind großartig, die Gastfreundlichkeit ist toll, wir können uns wirklich nicht beschweren.
Paul: Nur dachten wir, dass hier Schnee liegen würde. Wir kommen aus Kanada, da sieht es um diese Jahreszeit anders aus, da liegen Massen an Schnee.
Dosenmusik: Ihr habt für euer neues Album "Arrivals and Departures" mit Mark Trombino zusammengearbeitet, der auch schon für Blink 182, Finch und The Bled produziert hat. Wie kamt ihr mit ihm zurecht?
Paul: Er hat eine etwas andere Dynamik, als wir es gewohnt waren. Doch das war nicht so schlimm, schließlich wollten wir die Platte in eine neue Richtung lenken. Mit mehr Geschrei und so. Das hat eigentlich ganz gut funktioniert. Ich glaube aber nicht, dass wir noch mal mit ihm arbeiten werden. Wir wollten wesentlich mehr experimentieren, und das war ihm nicht so recht.
Dosenmusik: War der Druck nun größer, eine gleichwertige CD abzuliefern, nachdem ihr mit "Discovering the Waterfront" ziemlich erfolgreich ward?
Neil: Nein, wir haben uns nicht unter Druck gesetzt gefühlt. Wir haben einfach die Songs aufgenommen, die wir spielen wollten.
Paul: Wir brauchen uns schließlich keine Gedanken darüber zu machen, ob wir gute Popsongs schreiben, die im Radio gespielt werden.
Neil: Ja, es war einfach an der Zeit für ein neues Album und wir wollten das veröffentlichen, was wir mögen.
Dosenmusik: Wie geht ihr mit der Kritik der Presse um? Die größte Kritik am neuen Album war ja, dass ihr zu sehr auf dem Weg geblieben seid, den ihr mit dem letzten Album eingeschlagen habt. Ist das etwas, das ihr euch zu Herzen nehmt?
Neil: Ich habe hauptsächlich positive Reviews gelesen.
Paul: Ich denke das die Art, Lieder zu schreiben sehr ähnlich bleiben wird, aber in der Produktion kann man einiges anders machen, indem man kleine Dinge in die Songs einfügt.
Dosenmusik: Was haltet ihr von der Geschwindigkeit, mit der neue Bands momentan berühmt werden aber auch genauso schnell wieder verschwinden? Würdet ihr sagen, dass es mittlerweile schwieriger ist sich als Band zu etablieren?
Neil: Ich glaube der Grund, aus dem einige Bands einfach vom Erdboden verschwinden ist, dass es ihnen egal ist, sie geben auf, wollen nicht mehr so hart arbeiten.
Paul: Da hast du wohl recht, es gibt wahrscheinlich einige richtig schlechte Bands, die aber immer noch Platten verkaufen und von denen immer noch jeder weiß wer sie sind, weil sie hart arbeiten. Auf der anderen Seite hast du dann richtig gute Bands, die nie von vielen Leuten anerkannt werden, man muss halt immer weiter machen und an sich arbeiten.
Dosenmusik: Betrachtet ihr die ganzen Bands, die momentan durch Seiten wie Myspace groß rauskommen, als Bedrohung?
Neil: Niemand arbeitet so hart wie wir, darum haben wir keine Angst.
Paul: Viele haben eine Präsenz auf Myspace, das ist einfach. Aber das Touren und unterwegs sein, sich die Zeit zu nehmen und Interviews zu machen, die Soundchecks und das Zusammenspiel mit den Fans, das ist es, was das wahre Bandleben ausmacht.
Neil: Da gibt es so viele Wettstreite darüber, erfolgreich auf Myspace zu sein, aber das ist kein Wettbewerb für uns. Wenn du daraus ausbrechen kannst und in anderen Bereichen erfolgreich bist, also als gute Live-Band, dann ist das viel wichtiger, als Erfolg im Internet zu haben.
Dosenmusik: Ihr habt einen FAQ-Bereich auf eurer Homepage. Seid ihr davon genervt, immer die gleichen Fragen gestellt zu bekommen?
Paul: Da sind nur die wichtigsten Fragen und offensichtlichen Sachen erläutert. Zum Beispiel wo wir unseren Namen her haben. Dann können sich Leute, die das lesen, denken: "Oh, das wusste ich ja noch gar nicht."
Neil: Manchmal fragt man uns selbst in großen Interviews mit Life-TV, zum Beispiel bei Fuse, immer die gleichen dummen Fragen. Die wissen immer noch nichts über unsere Band. Das nervt!
Paul: Aber jetzt nicht bei euch, ihr habt die Informationen.
Dosenmusik: Jetzt eine Frage an dich, Paul, du hast ein eigenes Kleidungs-Label und machst Web Design. Wie schaffst du es, neben der Band Zeit dafür zu haben und was unterscheidet es von den Linien von Pete Wentz oder Oli Sykes?
Paul: Die Band hat die oberste Priorität für uns alle. Shane hat zum Beispiel nebenbei eine Plattenfirma, aber sein Hauptfokus liegt auf der Band. Wir legen allerdings Wert darauf, individuell zu bleiben. Jeder von uns experimentiert gerne mit Medien, Kunst und allem möglichen.
Neil: Paul schreibt auch manchmal Techno-Songs im Bus!
Paul: Das machst du auch! Wir mögen es eben, Musik und Kunst zu produzieren, das ist ein wichtiger Faktor in unserem Leben und es hilft uns.
Dosenmusik: Ihr kommt aus Burlington in Kanada, habt ihr immer noch eine Beziehung zu der Musikszene dort?
Paul: Wir sind da oft unterwegs, schließlich leben wir ja noch dort, hängen da herum...
Neil: ...schauen uns die neuen Bands an, die aus der YMCA heraus kommen...
Paul: Ja genau. Wir spielen auch immer noch kleine Shows in Kanada.
Neil: Burlington ist auf jeden Fall eine Stadt der Musik. Es gibt jede Menge Plätze und Möglichkeiten um Musik zu machen, es tauchen immer neue Musik-Shops auf.
Paul: Und immer mehr Leute greifen zu Instrumenten und fangen an zu spielen oder Bands zu gründen.
Neil: Das einzige was noch fehlt ist ein geeigneter Veranstaltungsort, eine große Halle zum Spielen.
Dosenmusik: Wie wichtig ist euch euer Image?
Paul: Wir versuchen nur unser Ding zu machen. Wir setzen uns jetzt nicht hin und reden groß darüber...
Neil: Image? Wir haben kein Image!
Paul: Gut, ich denke, selbst wenn man es versucht zu vermeiden hat man ein bestimmtes Image.
Neil: Wenn ich unser Image beschreiben sollte würde ich das mit musikalischen Sachen tun, ich würde einfach sagen, dass wir Singen und Schreien.
Paul: Aber was das Äußerliche angeht haben wir kein gemeinsames Image, da zieht jeder an, was er will.
Neil: Ich glaube auch nicht, dass es helfen würde, wenn wir alle wie Transvestiten rumlaufen würden (lacht)
Dosenmusik: Ja, das könnte die Leute verschrecken.
Neil: Danke, willst du damit sagen, dass ich in einem Kleid nicht gut aussehen würde?
Dosenmusik: Nein, das kann ich nicht beurteilen, aber ihr könnt es an Halloween ja mal auf der Bühne ausprobieren.

Neil: Vielleicht sollten wir das tun (lacht) Nein, ich werde das definitiv nicht machen.
Dosenmusik: Erinnert ihr euch an das erste Mal als ihr eine Gitarre bzw. an den Drums gespielt habt?
Neil: Das erste mal, dasich eine Gitarre in der Hand hatte und gespielt habe? Als ich meinen Onkel und meine Tante, die in einem Nachbarort gewohnt haben, besucht habe. Mein Cousin Chris spielt Gitarre und er hatte diese alte Akustik Gitarre und ich war fasziniert davon was für verschiedene Klänge er damit machen konnte. Da wollte ich es dann auch ausprobieren, ich habe sie mir geschnappt und einfach drauflos gespielt, ich hatte ja keine Ahnung was ich tat. Ich habe sie total verstimmt und wusste nicht was ich mit meiner linken Hand machen sollte, aber es hat sich richtig angefühlt sie in der Hand zu halten.
Paul: Bei mir war es in dem letzten Monat der siebten Klasse, es war glaube ich Juni, da es draußen schon warm war. Ich hatte 2 1/2 Jahre lang Klavierunterricht genommen und meine Lehrerin in der Schule hat gemerkt, dass ich sehr viel Rhythmus habe und mir angeboten das ich mir das Drumkit aus der Schule leihen könnte. Da die Schule fast vorbei war konnte ich es mitnehmen und den ganzen Sommer über behalten. Ich habe dann versucht zu lernen, alles zu koordinieren, anfangs nur mit den Händen, dann später mit meinen Füßen, bis ich einfach nur noch rumprobiert habe um zu sehen, wohin es führt.
Neil: Ein geliehenes Drumkit aus der Schule? Das muss ja absoluter Mist gewesen sein.
Paul: Nein, es war sogar eins von Ludwig. Ich habe mir sofort ein eigenes gekauft als ich das zurückgegeben habe.
Neil: Du hast so ein Glück ,dass deine Eltern dir erlaubt haben zuhause Drums zu spielen. Ich habe schon fürs Gitarrespielen Ärger bekommen, wenn ich zu laut wurde.
Dosenmusik: Wo habt ihr denn dann anfangs geprobt?
Neil: In meinem Zimmer. Da spiele ich dann aber immer akustisch. Ich habe mir Gitarrenmagazine gekauft und die Lieder daraus gelernt, oder mir Lieder im Radio oder auf Kassette angehört und versucht mitzuspielen. Dann habe ich irgendwann meine E-Gitarre bekommen und es wurde richtig laut!
Dosenmusik: Atreyu haben Victory Records vor kurzem verlassen und als Grund dafür angegeben, dass sie nicht genügend Unterstützung von der Plattenfirma kriegen. Ist das ein Problem das ihr auch schon hattet?
Neil: Ihr Vertrag ist ausgelaufen und sie wollten ihn nicht verlängern, ich glaube, dass sie einfach von einem Indie-Label zu etwas Größerem wechseln wollten.
Paul: Sie haben 3 Alben bei Victory rausgebracht, genau wie wir und man will sich einfach weiterentwickeln. Darum wird man es sehr selten finden das ein Künstler bei einem Label bleibt wenn er schon so viele Alben draußen hat.
Dosenmusik: Auf euren Konzerten gibt es ein Rauchverbot, gibt es Leute die das nicht verstehen oder sich darüber lustig machen?
Paul: Unser Sänger Shane leidet unter Asthma und auch seiner Stimme tut es nicht gut, wenn bei den Shows geraucht wird.
Neil: Ich habe früher geraucht, aber ich habe vor zwei Jahren aufgehört und jetzt kann ich den Geruch einfach nicht mehr ausstehen. Ein Familienmitglied von mir ist an Lungenkrebs gestorben und es ist so ein schmerzvoller, langsamer Tod.
Shane: Die Leute sollten dem Rauch nicht ausgesetzt sein wenn sie es nicht wollen. Es ist absoluter Mist, dass du auf deinem Arbeitsplatz passiv mitrauchen musst. So was sollte es gar nicht geben, das Rauchen in öffentlichen Gebäuden ist in den meisten Ländern wie Kanada, Amerika und auch ein paar Teilen von Deutschland verboten, wenn ich das richtig verstanden habe. Auch in England ist es gesetzlich festgelegt und es macht auch Sinn, da es erwiesen ist, dass es Krebs verursacht.
Dosenmusik: Ihr seid außerdem alle entweder Vegetarier oder Veganer, wie schafft ihr es überhaupt auf Tour zu überleben?
Neil: Ganz viel Käse. Und Kebabs.
Paul: Es ist aber gar nicht so schwer etwas zu finden, in vielen Kulturen gibt es Essen was darauf abgestimmt ist, wie in Thailand oder Indien. Man kann also nicht mal eben bei Mc Donalds Essen, aber bei indischen Restaurants. Wir überleben, noch sind wir da. Aber ich vermisse es schon mein eigenes Essen zu kochen.
Dosenmusik: Euer Terminplan bis nächsten April ist schon ziemlich voll, unter anderem mit eurer ersten Headlining Tour in Kanada. Habt ihr etwas Spezielles geplant?
Paul: Wir werden einfach versuchen eine große Bühnenshow zu machen und die Leute umzuhauen, das ist immer unser Ziel.
Dosenmusik: Euer Name stammt ja von einem Kinderbuchautor, was waren eure Lieblingsbücher als ihr noch klein ward, oder habt ihr Bücher von ihm gelesen?
Neil: Danke! Endlich mal jemand, der das wusste bevor er ein Interview mit uns macht. Ich persönlich habe nichts von Silverstein gelesen, die anderen Jungs aber.
Paul: Erinnerst du dich an die Mr. Bücher?
Neil: Ja! Die Mr. Bücher! Die Mr. Men Bücher sind großartig!
Dosenmusik: Wir haben gehört, dass ihr bei anderen Shows gesagt habt das es euch egal ist wie die Leute an eure Alben herankommen, Hauptsache sie hören sie sich an. Sind euch Verkaufszahlen also gar nicht wichtig, so lange die Leute eure Lieder kennen und zu euren Shows kommen?
Neil: Wenn man bedenkt, dass unser Album hier ziemlich schwer zu finden ist und die Leute nur durch Mund zu Mund Propaganda oder durchs downloaden im Internet zu unseren Shows kommen, ist das ziemlich cool.
Paul: Wenn es Leute gibt die sich in die klirrende Kälte stellen, frühzeitig ihre Tickets hohlen um stundenlang draußen zu stehen, nur um die Musik zu hören dann ist das die ultimative Hingabe. Jeder kann im Laden eine Cd kaufen gehen und sie ganz nett finden, aber die Musik hören und sich ihr dann so zu widmen, ist eine wirklich unglaubliche Sache.
Dosenmusik: Was war bisher euer persönliches Highlight?
Neil: Im Guitar World Magazine zu sein und von Alternative Press zum Musiker des Monats gewählt zu werden.
Paul: Alles. Jeden Tag gibt es einen neuen Meilenstein.
Dosenmusik: Wie würdet ihr das Jahr 2007 zusammenfassen?
Neil: Es war ein gutes Jahr, ein großartiges Jahr. Und ich bin müde, es ist Zeit zum Schlafen. Bring on 2008! Gibt es einen Slogan für 2008?
Paul: Don't be late.
Neil: 2008 - Don't be late!

Shane Told - Vocals
Neil Boshart - Guitar
Josh Bradford - Guitar
Bill Hamilton - Bass
Paul Koehler - Drums

www.silversteinmusic.com

Autoren: panic-at-my-disco, Jerseydevil | 16.12.2007
Dosenmusik : der neue Shop
dosenmusik at Facebook Follow dosenmusik on Twitter RSS Feed
cd-empfehlungen
Asking Alexandria - From Death to Destiny I Is Another - I Is Another
Five Finger Death Punch - The Wrong Side Of Heaven and The Righteous Side Of Hell Alice in Chains - The Devil Put Dinosaurs Here
Heaven Shall Burn - Veto Le Fly - Grüß Dich Doch Erstmal!