Interview mit Shai Hulud und Comeback Kid
Interview mit Matt Fox (Shai Hulud) und Andrew (Comeback Kid) am 27.06.08 Gebt Amerika die Schuld!
Shai Hulud + Comeback Kid Auch wenn Shai Hulud und Comeback Kid in unterschiedliche musikalische Kerben schlagen, waren die beiden Bands gemeinsam auf Tour. Vor ihren Auftritten beim Mach 1-Festival in Montabauer hatten Musiker beider Bands kurz Zeit, einige unserer Fragen zu beantworten.

Dosenmusik: Hey, ich bin Yannick, ich mach das Interview für dosenmusik.de, eine kleine Music- Community im Internet. Könntet ihr mir zuerst mal eine Kurzvorstellung eurer Bands geben, für die, die euch evt. noch nicht kennen?
Andrew: Ich bin Andrew, die meisten nennen mich "Goose", ich hab früher Gitarre bei Comeback Kid gespielt bis unser Sänger uns verlassen hat und dann wurde ich von der Gitarren- in die Vocal- Position gekickt.
Matt: Hi, mein Name Matt Fox. Es gibt 3 Matts in unserer Band, weshalb wir uns bei den Nachnamen nennen. Deshalb nennen mich die meisten "Foxy", was ziemlich beleidigend ist, denn ich bin eigentlich kein bisschen foxy, weshalb es jedes Mal weh tut, wenn mich jemand so nennt, haha! Ähm, ich spiele Gitarre und war bei Shai Hulud seit den Anfängen unserer sehr tumultartigen Existenz. Ich glaube, so wirklich haben wir in der Wohnung meiner Großmutter angefangen, cirka 1995, als wir die ersten Songs geschrieben haben.
Dosenmusik: Und CBK?
Andrew: Ich glaub, ich hab Shai Hulud gehört, als ich 20 war oder so. Ja, ich hab damals in einer Band namens Figure Four gesungen und wollte in einer Band Gitarre spielen und etwas melodischeres machen und deshalb haben wir CBK damals, 2000, gegründet, da war ich 19 oder so.
Dosenmusik: Okay. Habt ihr mit euren Bands vorher schonmal in diesem Paket getourt?
Andrew: Wir haben mal Shows mit ihnen gespielt, entweder mit CBK oder meiner alten Band.
Matt: Getourt haben wir mit CBK bis jetzt noch nicht.
Dosenmusik: Wessen Idee war das? Immerhin sind CBK und SH doch zweit stilistisch sehr unterschiedliche Bands.
Andrew: Das war meine Idee.
Matt: Wir waren von der Anfrage von unsrem Booker sehr begeistert. Ich hab mit Marco von Avocado Booking darüber geredet, dass wir mal wieder nach Europa kommen wollten und er sagte, dass er uns auf eine sehr coole Tour bringen wollte. Und als dann am nächsten Tag der Anruf kam, ob wir nicht mit CBK auf Tour wollten, waren wir sofort dabei. Aber es war wohl seine Idee.
Andrew: Mit Avocado ist das immer sehr entspannt. Wir setzen uns immer zusammen und überlegen, mit welchen Bands es cool wäre, mal auf Tour zu gehen. Und naja Shai Hulud kam halt als Vorschlag auf irgendwann.
Dosenmusik: Wie fandet ihr das Summerblast letztes Wochenende in Trier?
Matt: Wir haben an dem Ort schon viele Male gespielt. Und jedes Mal war es der Hammer, wir sehen immer viele gute Freunde, deshalb macht es natürlich immer wahnsinnig viel Spaß, in Trier zu zocken. Selbst bevor es klar war, dass wir auf dem Summerblast spielen würden, einfach zu wissen, dass wir dort spielen. Da war mir schon klar, dass die Show super wird. Und wir hatten eine super Zeit.
Andrew: Für uns wars auch ziemlich cool. Aber nicht mal so sehr unsre eigene Show, die auch toll war, aber vielmehr die Tatsache, dass wir so viele gute Bands wie Madball sehen und mit denen spielen. Ich konnte Cult of Luna unten im Keller sehen, das war echt cool.
Matt: Und hey, ich konnte Negative Approach sehen, hätte nicht gedacht, dass ich nochmal dazu komme! Das war geil!
Dosenmusik: Da Shai Hulud schon seit 1995 existieren, habt ihr viel mitgekriegt. Würdest du sagen, dass sich die sogenannte "Szene" seitdem zum guten oder schlechten entwickelt hat?
Matt: Es ist schwer, das zu beantworten. Denn wenn ich sagen würde, es habe sich zum schlechten verändert, ist das dann wirklich so? Oder nur, weil das jeder Alte sagt? Als ich 20 war und damals in Florida in der Hardcore- Szene unterwegs war, haben die Typen, die damals so alt waren wie ich heute auch gesagt, dass es so viel schlechter geworden ist, als in den 80ern. Wer weiß, ob es je schlimmer wird oder ob die alten einfach nicht mit den neuen Sachen klarkommen. Was mir allerdings im Vergleich zu damals aufgefallen ist, zumindest in den USA, ist das höhere Aufkommen von Ignoranz, Intoleranz und Gewalt. Zum Glück hat sich das in Europa, Australien oder Asien noch nicht so weit verbreitet, wie in den Staaten. In den 90ern, war Respekt ein großes Ding, auf die Bühne gehen, deine Meinung sagen, eine positive Einstellung zeigen, das war sehr wichtig. Auch, nicht gewalttätig zu sein und Probleme nicht immer mit Fäusten zu lösen, war- zumindest in Süd- Florida- eine große Komponente des Hardcore. Jetzt gibts überall Schlägereien, diese Arschloch/Macho- Attitüde. Je beschissener wir uns benehmen, desto cooler sind wir. So weit es die Musik betrifft, kann ich nicht sagen, dass es schlechter geworden ist. Vielleicht find ich nicht mehr so viel bezug dazu, wie früher. Aber was mich als Person im und außerhalb des Hardcore betrifft, kann ich absolut nichts cooles an Gewalt finden.
Dosenmusik: Andrew, in Trier hast du etwas zum Thema der Musikindustrie und ihrer Standards gesagt, bevor ihr "Industry Standards" gespielt habt. Hast du das Gefühl, dass diese Standards nach und nach mehr Einzug im Hardcore halten? Oder ist es nach wie vor ein reines Mainstream- Thema?
Andrew: Ich denke es ist einfach so, dass man heute viele Bands sieht, die sich beliebig nach dem Ziel des Labels richten, auf dem ihre Alben erscheinen, es gibt einfach auch vielmehr Sachen von außen, die einer Band beim wachsen helfen, gerade für Hardcore- Bands ist das in den letzten Jahren so ein neues Ding: Es gibt plötzlich Manager, haufenweise Promoter usw. Und in dem Song geht es einfach darum, diesem Druck von außen zu widerstehen und als Band selber autonom zu entscheiden. Zum Beispiel CBK selbst, da wir auf einem Label wie Victory sind, sind wir ständig mit solchen Einflüssen umgeben. Dieses Jahr wollten wir eigentlich auch mal nach Südamerika, Asien und wieder Europa geben und man hat das Gefühl, dass sowas vielen Labels mittlerweile egal ist, denen geht es hauptsächlich um Verkaufsmärkte für ihre Veröffentlichungen. Und deshalb denke ich, dass es sehr wichtig ist, sich als Band einfach von sowas abzuschotten.
Dosenmusik: Du hast gerade Victory Records erwähnt, gehst du mit viel von dieser Kritik an diesem Label konform?
Andrew: Ich glaub einfach, jedes Label hat seine schlechten Seiten.
Matt: Der Mensch ist auch einfach ein Wesen, welches nie zufrieden ist. Wenn man es richtig machen will, muss man es selber machen und das Gras auf der anderen Seite ist ohnehin immer grüner. Ich glaube jedes Label ist gleichzeitig fantastisch und scheiße.
Dosenmusik: Matt, du hast die Gewalt auf Hardcore- Shows vorher schon erwähnt...
Matt: Ja, ich LIEBE Gewalt, hahaha!
Dosenmusik: ...ist es wirklich mehr geworden oder nur eine andere Qualität als früher? Wenn man zB an Judge- Shows denkt oder so...
Matt: Gut, ich hab Judge nie live gesehen, hab aber auch viel von der Gewalt bei denen oder Project X zB gehört. Ich bestreite ja nicht, dass Gewalt schon immer ein gewisser Teil des Hardcore war, schließlich ist die Musik selbst sehr gewalttätig. Aber was mir auffällt, ist die zunehmende Ignoranz, oder Leute die bei Shows wie blind ihre Fäuste durch die Luft schmeißen, ohne auf ihre Nebenleute zu achten. Als ich das zum ersten Mal gesehen hab, war das, als sich jemand einen Spaß draus gemacht hat. Damals hat man halt aus Jux diese Floorpunching- Moves gemacht, wenn Sick Of It All ihre großartigen langsamen Riffs gespielt haben, niemand hat das ernst genommen und wir haben alle drüber gelacht. Als ich damals '89 Cro Mags gesehen hab, gab es nicht eine Person, die so getanzt hat aus Ernst. Und wenn es irgend eine Band gibt, zu der man die Fäuste schwingen kann, dann sind das die Cro Mags! Heute seh ich Bands mit Manga- Haaren und Mascara und die Leute hauen sich dazu aufs Maul. Erstmal sieht das total dämlich aus und zweitens ist es einfach rücksichtslos ohne ende.
Andrew: Als ich damals angefangen hab, kamen die ganzen Kids, die mal in Minneapolis oder Chicago auf Shows waren, mit diesen Moves an und ich war damals als 16-jähriger natürlich geflasht. Das hat sich damals bei uns irgendwie so eingebürgert auf Shows.
Matt: Wie gesagt, ich habs damals nie gesehen. Und selbst wenn man das tun möchte: Wunderbar! Solange man aufeinander aufpasst und nicht einfach irgendwelche Leute umhaut, denn dann ist man ein Arschloch, so Entscheidungen sind scheiße, jede Entscheidung, die dazu führt, dass jemand verletzt wird, ist scheiße.
Dosenmusik: Da ich immer das Gefühl habe, dass so Leute besonders von Festival- Shows gezogen werden, wie steht ihr dazu? Macht es mehr Bock, kleinere Shows zu spielen oder sind die großen letzten Endes die besseren?
Andrew: Ich will immer immer immer ohne Absperrung spielen, das mag ich auf Festival- Shows nicht so, aber andererseits ist es schon sehr krass, vor 2000 Leuten ohne Absperrung zu spielen.
Matt: Ich würde sagen, jeder, der auf Hardcore- Shows geht, weil er die Musik liebt, hasst Absperrungen oder meterhohe Bühnen. Wir haben gerade in Norwegen gespielt, und da gab es anscheinend eine Absperrung, aber trotzdem hingen uns die Leute vorm Gesicht und wir haben uns gegenseitig angeschrien. Das macht einen höllischen Spaß.
Dosenmusik: Besucht ihr immer noch lokale Shows, wenn ihr daheim seid von Tour?
Matt: Ich geh nie auf Konzerte, ich hasse laute Musik, kannst du dir das vorstellen? Ich war nie der Typ, der so viel auf Shows geht, denn wenn ich daheim bin, will ich was andres tun, als das ganze Jahr über, bis auf ein paar Ausnahmen. Ich geh nicht mal zu befreundeten Bands: Als Misery Signals in der Stadt waren, haben die mich angerufen und gefragt, ob ich zur Show käme und ich sagte: "selbstverständlich nicht aber ihr könnt gerne bei mir daheim übernachten!" Also kamen sie nachher zu mir und haben bei uns gepennt.
Andrew: Ich geh viel auf Shows, nicht nur Hardcore- Shows, auch sehr viel so Rock- Zeug, auf jeden Fall guck ich mir sehr viel an.
Dosenmusik: Wenn ihr daheim spielt, sind die Shows da größer oder kleiner als hier?
Matt: Ich weiß nicht, ich glaube nicht.
Andrew: Ich habe immer das Gefühl, dass wenn wir woanders als in Nordamerika spielen, die Energie viel größer ist.
Matt: Nordamerika ist komisch, ich mein, ich bin froh, in den USA zu leben aber ich hab das Gefühl, dass die amerikanischen Leute eine latente Arroganz mit sich herumtragen und sehr unehrlich sind. Überall ist eine ganz andere Energie vorhanden. In Europa sind Leute viel ehrlicher, da geht man auf Shows, wenn man die Band mag, und aus keinem anderen Grund. Ich weiß nicht, wie es in Kanada ist.
Andrew: Kommt auf die Stadt an, in manchen ist es sehr cool, in anderen wiederum sehr oberflächlich.
Matt: Ich glaube auch, dass es teilweise auch einfach von der Band abhängt. Jede Band zieht ein anderes Publikum und im Falle von CBK kann ich sagen: ich mag dieses Publikum. Es hat dann halt eben auch was damit zu tun, wie eine Band sich präsentiert und welche Leute sie damit anspricht. Ich will die USA jetzt auch nicht für alles beschuldigen, was prinzipiell eine super Sache ist, versteh mich nicht falsch. Beschuldige die USA und Kanada!
Dosenmusik: Andrew, mit Broadcasting habt ihr einen relativ neuen Weg beschritten...
Andrew: Ich persönlich wäre ja noch etwas mehr vom Alten abgewichen.
Matt: Ich habs noch nicht gehört, aber ihr eröffnet ja jeden Abend mit dem Titelsong und den find ich zumindest schonmal großartig!
Dosenmusik: Die neue Shai Hulud durfte ich auch bereits Probe hören und ich muss sagen, dass ich am Anfang etwas reinkommen musste, da die Melodien nicht mehr so schön oder schmeichelnd sind, sondern komplexer und düsterer als auf den bisherigen Alben. Mir ist da an manchen Stellen das Album "Prometheus..." der Black Metal- Band Emperor eingefallen.
Matt: Oh, die liebe ich!
Dosenmusik: Habt ihr vor, das noch weiterhin ein bisschen in diese etwas orchestralere Richtung zu steigern?
Matt: Um ehrlich zu sein, das kann ich dir nicht sagen. Ich spiele einfach Sachen, die sich für mich cool anhören. Manchmal schreibt man halt bewusst schöne, harte oder komplexe Parts. Auf "Misanthropy Pure" haben wir versucht, alles zusammen zu bringen, denn Shai Hulud wollten immer sehr hart und angepisst und gleichzeitig emotional sein. Und ich denke, auf der neuen haben wir das auch geschafft: Es fängt ja mit "Venomspreader" an, einem wütenden Brecher und endet mit einem sehr traurigen, melancholischen Lied, wo es darum geht, jemanden, den man liebt, sterben zu sehen.
Dosenmusik: Hast du schon das neue Shai Hulud gehört, Andrew?
Andrew: Also, ich kenn den Titelsong, der ist auch echt super, aber sonst hab ich es bis jetzt noch nicht gehört.
Dosenmusik: Okay, dann danke ich euch für das Interview, viel Spaß bei der Show nachher, man sieht sich!
Matt: Ja danke dir fürs Interview machen!
Andrew: Ja, das wird bestimmt geil, danke nochmal!

SHAI HULUD:
Matt Mazzali - Gesang
Matt Fox - Gitarre
Greg Thomas - Gitarre
Matt Fletcher - Bass
Andrew Gormley - Schlagzeug

COMEBACK KID:
Gesang - Andrew Neufeld
Gitarre - Casey Hjelmberg
Gitarre - Jeremy Hiebert
Bass - Kevin Call
Schlagzeug - Kyle Profeta

www.hulud.com
www.comeback-kid.com

Autor: sop_yannick | 12.09.08
Dosenmusik : der neue Shop
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