Interview mit Scars on Broadway
Interview mit John Dolmayan von Scars on Broadway & System of a Down am 26.06.2008 Abwechslung muss sein!
Scars On Broadway Köln, irgendein Hotel in der Innenstadt, Ende Juni 2008. Scars on Broadway geben Interviews an die deutsche Presse zur neuen Band und zum neuen Album. Zu wem noch nicht durchgesickert ist um wen es sich hierbei handelt: John Dolmayan & Daron Malakian (Schlagzeug & Gitarre bei System of a Down) haben sich zu Scars on Broadway mit weiteren Musikern formiert. Die beiden zählen seit 1995 wohl zu einer der bekanntesten und eigenwilligsten Rockbands unserer Zeit. System of a Down. Nach fünf produzierten Alben und mehrerer Millionen verkaufter CDs nimmt sich die Band nun schon seit 3 Jahren eine Auszeit von ihrer Hauptband. "Sie steht auf dem Abstellgleis, da wir uns nach so langer Zeit einfach mal anders austoben wollen." erklärt John am Telefon, sichtlich noch etwas müde, man ist ja erst in Köln gelandet. Serji, seinerseits Sänger von System of a Down hat dieses Jahr im Sommer schon bei Rock am Ring mit seinem Soloprojekt für Furore gesorgt, seine Bandkollegen tun es ihm nun gleich. Der erste Gig von Scars on Broadway auf deutschem Boden folgt nach dem Presserummel am nächsten Tag im Kölner Luxor. "Ich kann es kaum abwarten, mit diesem Projekt hier bei euch auf der Bühne zu stehen" plaudert ein begeisterter John in den Hörer, der bereitwillig alle Fragen beantwortet die er sicher an diesem Tag doch schon öfter gehört hat.

Dosenmusik: John, danke dir für deine Zeit. Wie geht's dir und was treibst du gerade?
John: Wir sind gerade in Köln angekommen und chillen im Hotel. Das Wetter ist bombig. Wenn die Interviews vorbei sind, werden wir uns wohl noch ein wenig in der Stadt rumtreiben. Wir waren schon am Kölner Dom vorhin. Sehr beeindruckendes Teil. Der Gig steht ja erst morgen an und ich freue mich wahnsinnig darauf.
Dosenmusik: Wie kam das mit Scars on Broadway zustande?
John: Daron hat die Band und die Musik vor ungefähr zwei Jahren entsehen lassen. Die Hauptmotivation zu dem Projekt ging somit von ihm aus. Es stand für alle von System of a Down irgendwie fest, das wir erst mal eine Auszeit brauchen nach so langer Zeit. Also hat jeder erst einmal sein eigenes Ding durchgezogen. Nachdem Daron mit einigen Leuten Musik gemacht hat, aber es sich nicht so entwickelt hat wie er wollte, hat er mich gefragt, da er sich mit mir am Schlagzeug auf der Bühne sehr wohl fühlt. Er hat mich dann ca. 6 Monate nachdem wir das mit System of a Down entschieden haben angerufen, ob ich nicht mal vorbeischaun will um mir sein neues Material anzuhören. Ich fand es Klasse. Und da ich eben musiksüchtig bin und auch nicht davon ablassen kann, habe ich entschieden einzusteigen. Was danach passierte war im Prinzip, dass wir wieder mit einigen Musiker zusammen gespielt haben um die Band zu vervollständigen. Diverse Jam Sessions über das Material usw. Und da ging es gar nicht nur darum, dass es technisch versierte Leute waren. Es war uns auch wichtig, das es Leute sind, die wir gut kennen und die wir mögen. Das hat alles funktioniert. Dann wurden wir bei Interscope gesignt und der Rest passierte dann recht schnell. Hier sind wir! (lacht)
Dosenmusik: Und das freut uns. Das ihr nach längerer Abwesenheit mit System of a Down wieder in den Startlöchern steht!
John: Ja, nur wollen wir, das sich diese Band als eigene abkapselt und selbständig wird. Das soll alles nicht unter dem Schatten von System of a Down laufen. Scars on Broadway ist ein eigenes Ding.
Dosenmusik: denkst du nicht, dass trotz allem einige Fans gerade deswegen bei Scars on Broadway zugreifen werden?
John: Also realistisch gesehen: Ich denke wirklich, das Menschen die System of a Down mochten, einfach mehr Musik von uns hören wollen. Und dabei denke ich ist es gar nicht so wichtig ob die Musik von SOAD oder einem anderen Projekt kommt. Sie legen eher wert darauf, das sie neue Musik von uns hören. Unabhängig von einem Bandnamen. Wenn die Musik ihnen nicht gefällt, hören sie es sich einmal an und das wars dann. Aber ich bin überzeugt, wenn sie es hören, werden sie es mögen und zwar weil es klingt wie Scars on Broadway. Und nicht weil wir Mitglieder von System of a Down sind.
Dosenmusik: Scars on Broadway ist ein sehr eigener Name. Wessen Idee war das eigentlich?
John: Der Name entstand, als Daron über den Broadway von Glendale gefahren ist, ein Vorort von Los Angeles. Ihm fiel dabei auf, dass die Laternenmasten Gravuren haben, die wie Swastika-Sterne aussehenn (Swastika = Kreuzsymbol mit winkeligen oder gebogenen Enden. Solche Symbole sind in zahlreichen Formen seit etwa 6.000 Jahren auf vier Kontinenten nachgewiesen. Die vier Enden können nach rechts oder links gerichtet, recht-, spitz-, flachwinkelig oder rundgebogen und mit Kreisen, Linien, Punkten oder Ornamenten verbunden sein. Anm. d. Verf.). Dieses Symbole sind seid Jahrtausenden Power-Symbole in vielen Kulturen. Also dachte er sich wie lustig, Swasticas on Broadway, ein cooler Bandname. Nur um Missverständnissen aus dem Weg zu gehen und dass das ganze nicht in eine falsche politische Ecke gedrängt werden kann, hat er das ganze nochmal überdacht und sich dann für Scars on Broadway entschieden.
Dosenmusik: Wie lange spielt Ihr schon mit der Band live?
John: Also bislang waren es erst 4 Shows in den U.S.A Die erste im Whiskey a Go Go in L.A. im April. Und ab Juni beginnen wir mit den ersten europäischen Shows. Somit waren es seit Beginn der Karriere von Scars on Broadway noch gar nicht so viele. Aber die Tour geht weiter. Nach den Shows im Juni folgen ab Ende August weitere in Deutschland in Europa und das geht dan erst einmal so bis Ende November! Auf die deutschen Shows freue ich mich besonders. Ich habe hier bislang nur gute Erfahrungen gemacht mit dem deutschen Publikum in der Vergangenheit!
Dosenmusik: Beschreib doch mal die Musik von Scars on Broadway! Wie würdest du euch persönlich einordnen?
John: (lacht) Oh, sowas überlasse ich immer gerne euch Journalisten, ihr bekommt das immer viel besser und eleganter hin als ich. Was ich dazu sagen kann: Es gibt weniger Stil- und Tempowechsel als bei SOAD. Der Rock ist mehr straight-forward. So in die Richtung sechziger Jahre Garagen Rock. Ein bißchen siebziger Punkrock Einflüße hat es sicher auch. Und ist dezent unterlegt mit elektronischen Einflüssen. Aber ich fand es schon immer sauschwierig irgendeine Art von Kunst in Form von Musik zu beschreiben! Es ist manchmal fast unmöglich Musik in Worte zu fassen.
Dosenmusik: Wie klassisches System of a Down klingt es sicher nicht wirklich, würde ich mal behaupten!
John: Weist du, irgendwie kommt es auch darauf an, wer du bist und wie du es siehst. Jeder hat eine andere Meinung. Und eine falsche Meinung gibt es dazu eh nicht. Und darauf kommt es doch an.
Dosenmusik: Daron hat oft genug erwähnt, das er Tonnen von Material geschrieben hat in der Vergangenheit. Gilt das auch für Scars on Broadway?
John: Ja, die Songs stammen alle aus seiner Feder. Er hat 22 Songs für Scars on Broadway geschrieben und wir haben 15 davon verwendet. Und ich denke wir haben ein sehr starkes Album und die besten auserwählt.
Dosenmusik: Wenn du es nun doch mit System of a Down vergleichen solltest, obwohl es ja anders klingt, wie würdest du das beschreiben?
John: Es klingt nicht wie System. Und ich möchte es eigentlich auch nicht miteinander vergleichen. Ich vergleiche nie irgendwelche Alben miteinander. Nicht einmal die System of a Down Alben untereinander. Das führt irgendwie zu nichts. Es kommt auf den persönlichen Geschmack an. Entweder ein Album gefällt oder eben nicht. Und egal wie es ist, es ist OK.
Dosenmusik: Wie siehst du dich in der Band? Der Songwriter ist ja nun Daron!
John: Ja, richtig. Wenn es zum Songwriting kommt, steht eigentlich schon alles und ich packe meine Drum-Parts drauf und Daron gibt da ggf. noch seinen Senf dazu und wir verändern sie höchstens noch ein bißchen. Ansonsten kümmere ich mich in der Band eher um andere Dinge, da ich nicht so der Songwriter bin und die meiste Arbeit am Song schon gemacht ist, wenn ich darauf einsteige. Ich erledige viel Arbeit hinter den Kulissen, wir sehen uns da eher als Team. Die Person in der Band, die etwas bestimmtes am besten kann, mach diesen Part dann auch. Und nur weil ich nicht so gut Songs schreiben kann, heißt das nicht, dass ich nichts machen kann was unserer Karriere hilft.
Dosenmusik: Was sind also deine Aufgaben hinter den Kulissen?
John: Ich kümmere mich mit um die Tourplanung, Presse-Events, trete in Aktion wenn es darum geht Videos zu drehen oder Geld zu verwalten.
Dosenmusik: Also bist du irgendwie der Bandmanager?
John: Ich würde mich nicht als Manager bezeichnen, wir haben ja einen. Aber ich treffe viele Entscheidungen mit ihm zusammen, das ist richtig. Ich mache vieles, wo andere in der Band nicht so große Lust drauf haben. Mir macht es Spaß Pressetermine zu absolvieren, im Radio zu sprechen, all dieses Zeug eben, dass auch wichtig ist, damit die Band vorankommt. Das ließt du alles nicht in den Credits oder im CD Booklet. Aber es muss passieren um die Musik an den Mann zu bringen. Weil im Grundsatz ist es doch so: Wenn du und andere Medien nicht über uns schreiben und sich darum keiner kümmert, wie zur Hölle soll die Welt davon erfahren, dass es unsere Band überhaupt gibt? Da könnten wir Jahre warten und keiner weis etwas über Scars on Broadway.
Dosenmusik: Wie sind eure Pläne? Direkt wieder zurück zu System of an Down nach diesem Album und dieser Tour? Oder geht es weiter mit euch?
John: Kann ich noch nicht genau sagen. Aber auf jeden Fall wird es nach diesem Album noch ein zweites Scars on Broadway Album geben. Sicher werden wir irgendwann auch mal wieder mit System of a Down auf Tour gehen, aber wann dieser Tag sein wird, das weis keiner von uns. Zur Zeit kümmern wir uns nur um Scars on Broadway.
Dosenmusik: Stehst du noch in Kontakt mit Shavo und Serji von System oder habt Ihr den Kontakt völlig abgebrochen zur Zeit und jeder macht nur noch sein Ding?
John: Natürlich stehen wir noch in Kontakt. Es sind ja meine Freunde, auch wenn jeder sein Ding macht zur Zeit. Behalte immer folgendes im Hinterkopf: System of a Down stehen auf dem Abstellgleis, weil wir uns alle nach so langer Zeit einfach mal anders austoben müssen. Nach 14 Jahren mussten wir alle einfach eine Pause einlegen was System of a Down betrifft. Sonst drehst du irgendwann durch.
Dosenmusik: Letzte Frage: Was Macht John Dolmayan wenn er nicht trommelt?
John: Außer, dass ich Schlagzeug spiele seit ich 15 bin? Also verheiratet bin ich nicht, nur mit meiner Musik (lacht). Oh, ich bin fanatischer Comic Sammler. Und ich sammle Comic und Action Figuren. Lustig was? Ich habe sogar einen online Comic-Store gegründet wo man die Dinger kaufen kann. Wir haben die größe Comicsammlung auf der Welt mit über 15 Millionen Comics. Ansonsten ziehe ich mir gerne Filme rein, bin gerne mit meiner Familie und meinen Freunden zusammen und genieße die Zeit in Las Vegas. Ich bin in eine ruhige Gegend gezogen in Vegas, da wo man als Tourist eher nicht hinkommt weil zwischen den ganzen Casinos hällt man es ja auf Dauer nicht aus. Es leben recht viele alte Leute in meiner Nachbarschaft. Ich habe es gerne ruhig.
Dosenmusik: Das hört sich doch entspannt an. Ich wünsche euch viel Erfolg mit der Band! Danke Dir für deine Zeit.
John: Danke euch für das Interview. Und danke an alle Fans, die uns seit Jahren unterstützen!

Daron Malakian – guitar, vocals
John Dolmayan – drums
Franky Perez – guitar, vocals
Danny Shamoun – keyboards, percussion
Dominic Cifarelli – bass

www.scarsonbroadway.com

Autor: Shavo | 15.08.2008
Dosenmusik : der neue Shop
dosenmusik at Facebook Follow dosenmusik on Twitter RSS Feed
cd-empfehlungen
Asking Alexandria - From Death to Destiny I Is Another - I Is Another
Five Finger Death Punch - The Wrong Side Of Heaven and The Righteous Side Of Hell Alice in Chains - The Devil Put Dinosaurs Here
Heaven Shall Burn - Veto Le Fly - Grüß Dich Doch Erstmal!