Interview mit Rolo Tomassi
Interview mit James Spence und Eva Spence Familienbande
Rolo Tomassi Dosenmusik: Hi! Stell Dich und die Band bitte kurz vor!
James: Hallo! Mein Name ist James und ich spiel Synthesizer und singe Backup. Meine Schwester Eva ist verantwortlich für die Vocals, Ed sitzt and den Drums, Joe spielt Gitarre und Joseph ist unser Bassist.
Dosenmusik: Wo kommt ihr her und wie hatte eure Band ihren Anfang?
James: Wir sind alle in kleinen Orten rund um Sheffield aufgewachsen. Viel gabs da nicht zu tun. Zusammengekommen sind wir aus Langeweile, um uns in der Freizeit kreativ ausleben zu können. Die Band haben wir aus Spaß gegründet und natürlich weil wir gemeinsam die Liebe für Musik teilen.
Dosenmusik: Wie seid ihr auf euren Namen gekommen?
James: Der Name Rolo Tomassi stammt aus dem Buch bzw. aus dem Film "L.A. Confidential" - einer der Charaktere heißt so. Für uns ist es eine symbolische Referenz für Kriminaltäter, die mit ihren Verbrechen ungeschoren davonkommen.
Dosenmusik: Ihr vereint soviele Stilrichtungen in eurer Musik, so dass es schwerfällt, sie hinsichtlich eines Genres klar einzustufen. Kannst Du eure Musik in ein paar Worten beschreiben, vielleicht jemanden, der noch nichts von euch gehört hat.
James: Rolo Tomassi ist zu allererst eine Hardcore Band. Über die Jahre hat sich unser Sound natürlich entwickelt und unsere Musik ist gereift. Wir haben alles ergänzt mit etwas Jazz, Noise und experimentellen Elementen.
Dosenmusik: Welche Bands zählst Du zu Deinen Einflüssen?
James: Persönlich bin ich in großen Maße beeinflusst von Bands wie Converge, Racebannon, The Murder Of Rosa Luxemburg, M83 und The Contortions.
Dosenmusik: Ihr habt die Band gegründet, als ihr alle noch minderjährig wart. Gab es da irgendwelche Schwierigkeiten mit Labels, Promofirmen oder Booking Agents?
James: Nicht so wirklich, zumindest nicht im Allgemeinen. Wir hatten immer wieder mal Probleme bei ein paar Shows. Wir kamen zu Clubs, in denen wir auftreten sollten, aber man ließ uns nicht spielen, weil wir eben zu jung waren. Glücklicherweise ist nun jeder volljährig und diese Dinge passieren uns nicht mehr!
Dosenmusik: Bitte vervollständige diesen Satz: Jetzt, da wir alle mindestens 18 Jahre alt sind, ist es Zeit für...
James: P-A-R-T-Y!
Dosenmusik: Wie stehen eure Eltern dazu, dass ihre beiden Kinder zusammen in einer Band sind und dann auch noch solche Musik machen?
Rolo Tomassi James: Unsere Eltern sind sehr stolz auf das, was unsere Band macht, und ermutigen uns ständig. Wir sind sehr froh, so unterstützt zu werden. Unsere Mama mag eher die Prog Rock Passagen unseres Albums. Sie hörte früher Pink Floyd und Yes und das erinnert sie daran.
Dosenmusik: Ihr habt eure erste LP am 22. September 2008 veröffentlicht. Wie kam es im Vorfeld zum Wechsel von Holy Roar zu hassle Records?
James: Hassle kamen vor einiger Zeit auf uns zu und fragten uns, ob wir einen Song zu einer Compilation beitragen wollen. Wir blieben anschließend in Kontakt und irgendwann machten sie uns den Vorschlag, unser Album rauszubringen. Wir haben uns mit ihnen getroffen, einige Ideen ausgetauscht und erkannt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. Es lag nicht an Holy Roar, dass wir weg wollten, sondern daran, dass wir mit neuen Leuten in einem neuen Umfeld arbeiten wollten.
Dosenmusik: Wieviel Zeit habt ihr aufgewendet für das Schreiben der Songs, den Aufnahmeprozess und die Produktion, bis die Platte in die Läden kam?
James: Die Songs sind eigentlich in Arbeit seitdem wir die Band gegründet haben. Vor dem Album gabs ein paar eigene Releases oder Beiträge zu Label-Compilations, aber wir wussten, dass wir irgendwann eine vollständige Platte machen würden. Die Aufnahmen dauerten dann 3 Wochen und waren im März 2008 abgeschlossen. Bis Juni wurde es gemixt und im September hatten wir endlich eine CD mit dem fertigen Artwork in den Händen.
Dosenmusik: Und wer hat das Artwork gemacht?
James: Unser Freund Simon Moody. Er macht unser ganzes Artwork. Wenn ihr Interesse an seiner Arbeit habt, dann könnt ihr ihn anschreiben unter lineswithghosts@gmail.com.
Rolo Tomassi Dosenmusik: "Hysterics", euer aktuelles Album, erhielt hauptsächlich positive Reviews - ich bewertete es mit 12 von 15 Punkten und bei Kerrang gabs 4 von 5 Sternen. Wie steht ihr grundsätzlich zu Reviews und zu guten oder schlechten Bewertungen?
James: Wir waren überwältigt von den guten Kritiken. Wegen der Art unserer Musik hab ich eher negative Reviews erwartet, aber obwohl natürlich ein paar schlechte dabei waren, gab es fast nur positive Resonanz in der Presse. Wir nehmen Notiz von diesen Dingen, doch das wird niemals die Meinung über unsere eigene Arbeit beeinflussen. Wir sind sehr zufrieden mit "Hysterics".
Dosenmusik: Gibt es einen direkten Nutzen durch eine positive Bewertung in einem bekannten Magazin wie Kerrang?
James: Ja, auf jeden Fall. Allein in Kerrang abgedruckt zu werden, bringt uns viele Vorteile, vor allem wenn wir danach auf Tour sind. So lernen uns Leute kennen, die sonst niemals von uns gehört hätten, geschweige denn auf unsere Konzerte gekommen wären.
Dosenmusik: Ist einer von euch das Mastermind, welches für die Songs verantwortlich ist, schreibt ihr eure Songs als Kollektiv oder hat jeder eine bestimmte Rolle?
James: Das ist 50/50. Den Großteil der Songs schreibt Joe, unser Gitarrist, Eva und ich kümmern uns um die Lyrics. Die Arrangements machen wir dann alle gemeinsam, damit tatsächlich alle Mitglieder am Kreativprozess beteiligt sind.
Dosenmusik: Woher bekommt ihr die Inspiration für eure Songtexte?
James: Ich lasse mich von anderen Bands und einigen Autoren inspirieren, insbesodere von Brett Easton Ellis und Truman Capote. Ich mag ihren Schreibstil. Ihre Arbeit hat einen großen Einfluss auf meinen eigenen Stil. Ich schreibe gern über die Jugendkultur in Großbritannien. Ich bin ja gerade 20 geworden und meine Jugendzeit ist immer noch sehr präsent in meinen Gedanken. Dabei gab es einige Probleme, die ich nun ansprechen will - Dinge wie Alkoholismus, Sexismus und das Verhalten gegenüber anderen Menschen.
Dosenmusik: Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Hören dachte, ein Mann schreit mich aus den Boxen an und ich war mehr als beeindruckt von der Tatsache, dass es ein junges Mädchen war. Eva, wie hast Du Dein Talent fürs Schreien erkannt und hast Du vorher gesungen?
Rolo Tomassi Eva: Als wir angefangen haben, hab ich Keyboard gespielt, mein Bruder James spielte damals die zweite Gitarre und wir waren auf der Suche nach einem Sänger. Ich war nicht wirklich gut am Keyboard und dachte mir, ich versuchs mal mit Geschrei. Meine Screams waren am Anfang noch ziemlich schwach, doch nach einiger Zeit entwickelte ich meine eigene Technik und ich wurde besser und besser. Wir alle waren schon vor Rolo Tomassi in anderen Bands und ich hab damals etwas gesungen, aber ohne Training.
Dosenmusik: Eva, Du wurdest von den Lesern des NME Magazins in die "NME Cool List" gewählt, zusammen mit Leuten wie Robert Plant, Zack de la Rocha und Scarlett Johansson. Was denkst Du, wie kommst Du auf diese Liste?
Eva: Haha! Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich auf diese Liste gekommen bin. Ich hab das nicht zu ernst genommen. Es ist natürlich schmeichelhaft, besonders weil ich mich nicht als "cool" beschreiben würde.
Dosenmusik: Frontfrauen sind immer noch relativ selten in eurem Genre. Wann warst Du Dir sicher, in einer Band wie Rolo Tomassi sein zu wollen?
Eva: Ich bin mit allen Jungs der Band aufgewachsen, so dass wir zusammen einige Phasen mit unterschiedlichen Musikvorlieben durchgemacht haben. Wir waren gemeinsam auf Konzerten und wir sind gemeinsam zur harten Musik gekommen. Als sie dann eine Band im Stile unserer Lieblingsgruppen gestartet haben, wollte ich auf jeden Fall ein Teil davon sein. Ich hab zwar nicht erwartet, die Frontfrau zu sein, aber ich würde mittlerweile nichts anderes mehr machen wollen. Ich hab soviel Spaß dabei.
Dosenmusik: Nochmal Eva, gibt es Bands mit Frontfrauen, die Dich beeinflusst haben oder hat das Geschlecht keinen Einfluss darauf?
Eva: Ich glaube grundsätzlich, dass das Geschlecht keine Rolle spielt. Ich bin hauptsächlich von Frontmännern beeinflusst - Cedric Bixler ist ein großartiger Frontmann und klar an der Spitze meiner Liste, seine Bühnenpräsenz ist unglaublich. Was Frontfrauen betrifft, Andrea Zollo von Pretty Girls Make Graves ist klasse und Emily Haines von Metric, auch wenn sich unsere Musik sehr davon unterscheidet, ist eine fantastische Songwriterin, sie schreibt sehr gute Texte und ihre Live-Shows sind toll.
Rolo Tomassi Dosenmusik: Unnötig oder nicht, die Leute machen eine Frau am Mikro immer wieder zu einem Thema - genau wie ich gerade. Was denkt ihr darüber?
James: Die Leute werden uns immer abstempeln als eine Hardcore Band mit einer weiblichen Sängerin. Wenn das dazu führt, dass man sich an uns erinnert, dann kann das ja keine schlechte Sache sein.
Dosenmusik: Was würdest Du zu diesem Zeitpunkt tun, wenn Du nicht in einer Band wärst?
James: Ich würde englische Literatur am Goldsmith College in London studieren.
Dosenmusik: Was macht ihr denn noch neben Rolo Tomassi oder könnt ihr es euch leisten, alles auf die Band auszurichten?
James: Im Moment konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Band. Nur ich bin nebenher in Nottingham bei einer Musikpromotionsagentur tätig.
Dosenmusik: In England ist schon ein gewisser Hype um euch entstanden. Alles super oder verspürt ihr bereits Druck?
James: Der Hype hilft, weil dadurch mehr leute zu unseren Konzerten kommen und wir deswegen mehr Spaß haben. Druck haben wir keinen, da wir nie Kompromisse eingehen und uns selbst treu bleiben, aber trotzdem gute Presse erhalten. Wir denken, dass wir uns hinsichtlich unserer Musik einiges erlauben können. Wegen der soliden Grundlage, die wir uns geschaffen haben, bleiben die Leute hoffentlich interessiert an uns.
Dosenmusik: Ihr wart im Januar 2009 in Deutschland. War es das erste Mal für euch außerhalb von Großbritannien?
James: Wir waren für drei Konzerte in Deutschland - Hamburg, Berlin und Köln - als Headliner mit Matula aus Hamburg als Support bei allen Shows. Davor waren wir zweimal in Paris. Wäre schön, wenn wir ein paar neue Fans hinzugewonnen haben.
Dosenmusik: Hast Du ein paar Empfehlungen für uns aus der Musikszene eurer Heimat?
James: Calf By Calf, ein Noise-Duo vergleichbar mit Lightning Bolt und Death From Above 1979, sind definitv ein Versuch wert.
Dosenmusik: Zum Abschluss noch etwas Trivia. Welche Platte hast Du zuletzt gekauft?
James: "Funeral At The Movies" und "Ten Spot" von Shudder To Think.
Dosenmusik: Was ist Dein bestes Konzerterlebnis einer anderen Band?
James: Wahrscheinlich Muse im Doncester Dome. Das war mein erstes Konzert und wohl der Auslöser meiner Begeisterung für Live-Musik.
Dosenmusik: Welchen Film hast Du zuletzt gesehen?
James: "Milk".
Dosenmusik: Wo habt ihr zuletzt gefeiert?
James: Wir sind im Old Blue Last Club in London aufgetreten und danach zu einer House Party gegangen.
Dosenmusik: Was sind die Pläne für die zweite Jahreshälfte in 2009?
James: Mehr Platten kaufen und das zweite Rolo Tomassi Album aufnehmen.

Rolo Tomassi

Rolo Tomassi

Eva Spence - Vocals
James Spence - Synthesizer, Vocals
Joe Nicholson - Gitarre
Joseph Thorpe - Bass
Edward Dutton - Drums

www.myspace.com/rolotomassi

Autor: coney | 06.06.2009
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