Interview mit Robyn
Interview mit Robyn in Berlin am 06.03.09 Wenn eine Plattenfirma weniger Geld verdient...
Robyn Nachdem sie ihre Tour in Deutschland krankheitsbedingt abbrechen musste, trafen wir Robyn bei dem Nachholtermin im Berliner Postbahnhof.

Dosenmusik: Schön dass du wieder gesund bist. Wie war deine kleine Deutschland-Tour bisher?
Robyn: Danke! Es war eine sehr kurze Tour, da ich sie vorzeitig abbrechen musste. Eigentlich sollte dieses Konzert ja schon letztes Wochenende stattfinden. Ich wollte es unbedingt nachholen, darum bin ich heute hier. Nur das in Hamburg hat leider nicht mehr funktioniert. Ansonsten war die Tour aber gut, es war eine schöne Woche.
Dosenmusik: Letztes Jahr warst du zusammen mit Madonna auf Tour. Was sind die Unterschiede, wenn du eine Solo-Show gibst?
Robyn: Das hier ist was ich gewohnt bin, das ist mein Publikum. Ich vergleiche das nicht, das sind zwei unterschiedliche Dinge. Die Tour mit Madonna war eine großartige Erfahrung und es war lustig. Aber das hier ist es, was ich eigentlich mache.
Dosenmusik: Anfang des Jahres hast du den Grammy für den "Best Swedish Live Act" gewonnen und in deiner Rede Madonna dafür gedankt. Wie genau hat sie dir geholfen, ihn zu bekommen?
Robyn: Ich habe letztes Jahr keine einzige Show in Schweden gespielt, nagut, vielleicht ein oder zwei Mal. Darum denke ich, dass sie mir den Preis nicht darum gegeben haben, sondern wegen der Madonna-Tour und vielen anderen Shows, die ich in den USA und Großbritannien gespielt habe. Es kam einfach aus meinem Mund heraus. Trotzdem glaube ich, dass ich den Grammy verdient habe.
Dosenmusik: Du hast dich aus deinem Platten-Vertrag gekauft und ein eigenes Label gegründet. Was ist der größte Fehler, den Major-Labels gegenüber ihren Künstlern machen?
Robyn: Ich denke, es gibt eine falsche Einstellung in der Musik-Industrie. Statt Arbeit in die Künstler zu investieren, die du bereits hast, wird viel Geld in jede Menge anderer Dinge gesteckt. Das schafft eine Art Umwelt, wo sich Künstler nicht sicher oder glücklich genug fühlen können, um zu wachsen. Ich denke, das ist ein Fehler. Aber es ist nicht korrekt zu sagen, dass Plattenfirmen böse Menschen sind und Künstler arme, faszinierende Wesen, die geschützt werden müssen. Ich denke wir müssen alle die Verantwortung für unsere eigene Situation tragen. Und ich habe das so geregelt, indem ich meine eigene Firma gegründet habe.
Dosenmusik: Was denkst du darüber, dass immer weniger CDs verkauft werden?
Robyn: Es gibt immer noch sehr viele CDs, die gut sind, aber das sind bei Weitem nicht alle. Es ist oft so, dass man ein Album kauft, und darauf sind nur zwei gute Lieder und das ist echt beschissen. Darum verstehe ich schon, dass es die Leute satthaben, da sie nicht mehr das kriegen, was sie wollen. Ich denke, Alben kosten einfach zu viel Geld. Aber das, was viele junge Kids anstreben, ist ja eher eine Rebellion gegen das System, indem sie die Musik-Industrie nicht weiter unterstützen. Ich denke, es gibt wichtigere Dinge, gegen die rebelliert werden sollte. Denn das einzige, was dabei zurzeit herauskommt ist, dass es viele Künstler gibt, die nicht mehr ausschließlich von der Musik leben können. Wenn eine Plattenfirma weniger Geld verdient, dann kannst du dir ziemlich sicher sein, dass der Künstler gar kein Geld mehr verdient. Und es gibt viele Künstler, die ihr eigenes Label haben, und die Leute kaufen ihre Platten trotzdem nicht. Darum denke ich dass der ganze Boykott der Musikindustrie ziemlich dämlich ist. Aber ich stimme zu, dass es eine Änderung geben sollte, in der Art wie Musik verkauft wird. Es sollte ganz einfach billiger werden.
Dosenmusik: Denkst du, dass man durch das Artwork oder eine besondere Aufmachung Leute zum CD-Kauf animieren könnte?
Robyn: Viele Leute reden darüber, dass es nicht nur MP3s sind, die man kaufen möchte. Eine CD muss natürlich noch mehr bieten, Videos oder ein besonderes Artwork. Ich finde das ziemlich interessant, weil das früher die Funktion der LP war. Ich denke, viele Leute gehen nun zurück und kaufen Vinyls. Das gibt einem mehr Bilder und Dinge, die es wert machen, eine Platte zu kaufen.
Dosenmusik: Du bekamst deinen ersten Plattenvertrag, als du 16 warst. Was hat sich seitdem im Musik-Business verändert?
Robyn: Ich denke, von allen Industrien der Welt ist die Musik-Industrie diejenige, die sich in den letzten zehn Jahren am meisten verändert hat. Die ganze Basis hat sich verändert, CDs verschwinden, es ist nichts mehr das gleiche.
Dosenmusik: Hat man es als Sängerin einfacher oder schwieriger im Pop-Business?
Robyn: Einfacher. Es gibt zurzeit so viele gute Pop-Sängerinnen. Das ist auch kommerziell attraktiver für die Musik-Industrie, Mädchen statt Jungs zu engagieren. Ich weiß nicht, ob das eine gute Sache ist, aber im Moment ist es cool so. Ich denke, die Musik-Industrie wird besser in dieser Sache.
Dosenmusik: Was denkst du, ist der Grund dafür, dass in letzter Zeit so viele schwedische Bands und Künstler auftauchen und international erfolgreich werden?
Robyn: Ich glaube das hat mit vielen Dingen zu tun. Es ist schwer zu sagen, das ist der eine genaue Grund. Es hat sicher auch viel mit der schwedischen, sozialistischen Politik in den 70ern und 80ern zu tun, als ich und viele andere Musiker in meinem Alter aufgewachsen sind. Wir konnten zur Schule gehen und viele Dinge umsonst lernen, die nun Geld kosten. Außerdem gibt es ein großartiges Support-System für kreative Leute in Schweden. Wir können das tun was wir wollen, selbst wenn wir kein Geld damit machen. Ich denke, das sind wohl die größten Gründe. Aber es ist ein Mix aus vielen verschiedenen Sachen.
Dosenmusik: Dein Song "Heartbeat" entstand zusammen mit Kleerup. Wirst du noch einmal mit ihm zusammen arbeiten?
Robyn: Ja, er wird auch an meinem nächsten Album beteiligt sein. Ich arbeite mit den gleichen Leuten zusammen. Es steht noch nicht genau fest, wie viele Songs wir genau zusammen machen werden. Aber wir werden versuchen, diesen Frühling einiges zusammenzutragen.
Dosenmusik: Wann wird dein neues Album veröffentlicht?
Robyn: Ich habe noch keine Ahnung. Aber ich hoffe, es wird noch dieses Jahr sein.
Dosenmusik: Es gibt ein Video einer Akustik-Version von Lykke Lis Song "I'm Good, I'm Gone" die du mit ihr zusammen singst. Wie kam es dazu?
Robyn: Sie hat mich gefragt, ob ich mit im Video sein möchte, und ich dachte, das ist sicher lustig.
Dosenmusik: Da sind auch Mitglieder von Shout Out Louds in dem Video, und du hast mit The Knives zusammen gearbeitet. Verbringt ihr auch privat Zeit miteinander?
Robyn: Mit Lykke Li manchmal. Aber ich denke, viele Leute haben das Bild, dass das schwedische Musikleben wie eine große Hippie-Familie ist, wo alle miteinander befreundet sind. Das ist aber nicht wirklich so. Natürlich ist es cool und entspannt, Schweden ist ein kleines Land, und wenn wir uns treffen ist es nie besonders schwierig oder aufgesetzt. Aber wir sind nicht alle die besten Freunde.
Dosenmusik: Worum geht es in dem Videoclip zu deiner aktuellen Single "Dream On"?
Robyn: Das ist schon nicht mehr die aktuelle Single, "Who's That Girl" wird als nächstes erscheinen. Aber "Dream On" ist ein Song über Leute, die außerhalb der Gesellschaft stehen, die nicht akzeptiert werden, oder auf die von oben herab geschaut wird. Darum geht es auch im Video. Wir denken immer, wir wüssten wie Leute sind und haben Vorurteile über sie, und dann stellt sich heraus, dass sie eigentlich ganz anders sind.
Dosenmusik: Wie bist du auf die Idee gekommen, die Akustik-EP "The Cherrytree Session" zu veröffentlichen?
Robyn: Ich spiele viele meiner Songs akustisch. Es gibt auch viele Akustik-Versionen, die wir live spielen. Irgendwann habe ich einige Songs aufgenommen, und beschlossen, dass es gut genug ist, um es zu veröffentlichen.
Dosenmusik: : Wirst du heute Abend auch ein paar Akustik-Songs spielen?
Robyn: Vielleicht. Das kommt immer ganz darauf an, wie das Publikum gelaunt ist.
Dosenmusik: Wie schreibst du normalerweise Songs?
Robyn: Das ist ganz unterschiedlich, es gibt keinen konkreten Weg. Manchmal fängt es mit den Texten an, manchmal mit der Melodie. Das hängt auch davon ab, ob andere Leute da sind, die mich auf die Idee bringen, oder ob ich es ganz alleine mache. Es ist jedes Mal anders.
Dosenmusik: Hast du einen Ort, an dem du am besten Songs schreiben kannst?
Robyn: Nein, das ist überall. Ich glaube, das wichtigste ist, dass du inspiriert bist, und das kann an jedem Ort passieren. Und meistens dann, wenn du es am wenigsten erwartest.
Dosenmusik: Was ist dein eigener Lieblings-Künstler zurzeit?
Robyn: Eine schwedische Künstlerin namens Frida Hyvönen. Sie spielt Klavier und schreibt wirklich lustige, verrückte Songs. Ich denke, ihr Album "Silence is Wild" ist das beste Album des letzten Jahres.
Dosenmusik: Was sind deine Pläne für den Rest des Jahres?
Robyn: Ich werde in Schweden sein und an meinem neuen Album arbeiten.
Dosenmusik: Ein guter Plan. Vielen Dank für das Interview!


www.robyn.com

Autor: panic-at-my-disco | 06.06.09
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