Interview mit Rise Against
Interview mit Schlagzeuger Brendan am 04.09.2006 Ich glaube Punk und Rock Musik ist hier sehr populär
Rise Against Rise Against sorgten bei ihrer letzten Tour für ausverkaufte Hallen in ganz Deutschland und beantwortete im September bei ihrem Konzert in der Batschkapp in Frankfurt am Main bereitwillig die Fragen von Dosenmusik.

Dosenmusik: Hi, ich bin Lukas von Dosenmusik.de, eine Web-Community mit über 3000 Mitgliedern. Wir präsentieren dieses Konzert unter anderem. Nur, dass Du Bescheid weißt, mit wem Du das Interview machst.
Brendan: Cool.
Dosenmusik: Wie war die Tour bis jetzt?
Brendan: Die Tour war hervorragend. Unsere Clubshows waren, glaube ich, alle ausverkauft. Wir hatten noch nie ausverkaufte Shows in Europa, deswegen ist es toll rüber zu kommen und in ausverkauften Clubs zu spielen. Wir haben auch ein paar Festivals gespielt, mit Freunden von uns, zum Beispiel Pennywise und Boysetfire. War alles sehr gut.
Dosenmusik: Aus persönlichen Interesse: Wie war Eure Show in Köln?
Brendan: Köln war großartig.
Dosenmusik: Wie hat Euch die Location gefallen?
Brendan: Auch super. Es war heiß, "Hotter than Hell". Wir haben in dem Club (Anmerkung: Live Music Hall) schon ein paar mal gespielt, deswegen war es quasi bekanntes Gebiet für uns. Außerdem war das Catering super, tolles Essen, tolle Getränke.
Dosenmusik: Ist Deutschland für Euch ein Land wie jedes andere, durch das man halt durchtourt oder gibt es hier etwas besonderes?
Brendan: Auf jeden Fall. Ich glaube Punk und Rock Musik ist hier sehr populär. Ihr Leute hier fahrt total drauf ab.
Dosenmusik: Nicht populär genug.
Brendan: Findest Du?
Dosenmusik: Naja, es die Musik ist vielleicht populär, aber wenn man sich zum Beispiel Köln ansieht, merkt man doch, dass es hier in Frankfurt zum Beispiel noch populärer sein könnte.
Brendan: Das stimmt, in Köln scheint wirklich mehr zu gehen. Naja, also wir touren ja oft durch Europa und ich glaube in diesem Teil von Europa haben wir wohl die meisten Fans. Die Shows sind in Deutschland immer die größten und wenn wir touren, spielen wir die meisten Shows in Deutschland. Ja, Deutschland ist wirklich cool.
Dosenmusik: Schön zu hören.
Brendan: Unsere Fans hier sind total verrückt und es gibt immer viel Energie.
Dosenmusik: Ich habe Euch letztes Jahr hier in der Batschkapp gesehen und ja, es gab wirklich viel Energie. Mir hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen. Würdest Du soweit gehen und sagen, dass es, nach den USA, Euer Lieblingsland zum touren ist?
Brendan: Mh, ja, doch, also es ist auf jeden Fall mein Lieblingsland. Wir freuen uns immer besonders darauf nach Deutschland zurückzukommen. Die Shows sind größer, das Catering ist super, es gibt immer lecker Essen, Tonnen von Bier (zeigt lächelnd auf zwei Kästen Bier die hinter ihm stehen) und teilweise Köche, die unser Essen zubereiten. Wenn man eine ganze Weile weg von Freunden und Familie ist, gibt es nichts besseres als einen Koch der Dir ein Essen zubereitet. Es sehr angenehm für uns hier zu touren.
Dosenmusik: Schön zu hören. Hier in Deutschland ist fast jede Show ausverkauft, Euer Album wurde über vier Millionen mal über myspace.com abgespielt....
Brendan: Wow! (sichtlich erstaunt)
Dosenmusik:..... wie erfahrt Ihr Eure Popularität? Kannst Du was dazu sagen?
Brendan: Nunja, wir haben viel getourt und uns damit wahrscheinlich auch eine Fangemeinde erarbeitet. Ich denke wir sind auf einem guten Mittellevel. Wir spielen große Clubshows, aber nicht zu große. Touren ist komfortabel und wir können das ganze Jahr touren. Vorher mussten wir zwischen den touren immer arbeiten, um leben zu können, um unsere Miete zu zahlen usw. Ich denke unsere Arbeit zahlt sich jetzt aus.
Dosenmusik: Das wäre auch eine meiner Fragen gewesen: Genießt Ihr Eure Popularität?
Brendan: Ich glaube wir sind gerade an einem guten Punkt. Wenn wir viel größer werden würden wüsste ich nicht wie das wäre, denn ich war noch nie in einer Band, die größer war als diese. So wie es momentan ist, ist es angenehm. Wir spielen in Clubs wie diesem hier und haben das Gefühl, mit dem Publikum in Kontakt zu stehen. Wir spielen in Clubs und sind immer noch Rise Against. Wenn es größer werden würde, würde ich die Dinge an Rise Against vermissen, die ich mag. Aber ich weiss es nicht, ich war noch nie soweit.
Dosenmusik: Okay. Zu Eurem neuen Album: Ein großes deutsches Musikmagazin schrieb in einem Review zu "The Suffered And The Witness", dass es nach "Siren Song Of The Counter Culture" eine Enttäuschung auf hohem Level sei.
Brendan: Wer hat das geschrieben?
Dosenmusik: Das Visions-Magazin.
Brendan: Was ist das für ein Magazin?
Dosenmusik: Es ist in Deutschland ein großes Musikmagazin, vielleicht sogar das größte.
Brendan: Wie buchstabierst Du das?
Dosenmusik: (Zeigt das Visions-Magazin)
Brendan: Ah. Visions. Also diese Typen hassen uns....?!
Dosenmusik: Neinnein, es wird nur gesagt, dass "Roadside" das einzige Lied ist, das sich abhebt und der Rest recht gleich klingt. Sie meinen "The Suffered And The Witness" sei ein gutes Album, aber nicht so gut wie "Siren Song".
Brendan: Komisch. Ich finde, das neue Album hat viel Struktur. Es ist viel Rock Zeug dabei, aber auch Populäres und Melodisches. Immer wenn ich Interviews gebe, meinen die Leute "Euer Album ist endlich wieder so gut geworden wie Eure zweite Platte. 'Siren Song' war ja nicht so toll!" Merkwürdig, dass es Leute gibt die das so anders sehen.
Dosenmusik: Auf "Siren Song Of The Counter Culture" war "Swing Life Away" das einzige langsamere Lied und auf "The Suffered And The Wittness" ist "Roadside" der einzige wirklich langsamere Track. Schreibt Ihr generell viel mehr aggressive Songs?
Brendan: Ja, wir schreiben einfach aggressiver und schneller. Das ist unsere Musik. Roadside ist auch einfach anders. Der Song entstand durch ein Riff, das Tim in einem Intro für einen anderen Song verwenden wollte. Der Song hat es niemals ins Studio geschafft, aber aus dem Riff ist "Roadside" entstanden. "Swing Life Away" wurde auch ursprünglich für "Punk Goes Acoustic" geschrieben und hat deswegen auch eine besondere Vorgeschichte.
Dosenmusik: Kannst Du eine Entwicklung von Euren ersten Alben bis heute feststellen?
Brendan: Ja, wir sind alle bessere Musiker, wir haben mehr Erfahrung. Das Songwriting ist besser, man merkt, dass wir erfahrener sind. Die Vocals sind stark und unsere Live Performance ist „tight“, also auch sehr gut, auch wenn noch nicht alles perfekt ist.
Dosenmusik: Also hört Ihr auch noch Fehler heraus?
Brendan: Ja, klar. Auch wenn ich ganz ehrlich der Meinung bin, dass unser neues Album unser bestes ist. Wir selbst sind unsere härtesten Kritiker.
Dosenmusik: Wer hat die weiblichen Gesangsparts, unter anderem bei "Roadside" übernommen?
Brendan: Sie ist die Sängerin von "The Holy Roman Empire". Sie ist ein sehr nettes Mädchen, heisst Emily und ist mit ein paar Freunden von uns aus Chicago in der Band. Sie hat auch noch ein paar andere Songs mitgesungen, aber nach dem Mixen war sie nur noch auf ein paar Tracks zu hören.
Dosenmusik: Also wolltet Ihr von vorneherein eine weibliche Stimme dabei haben und es war nicht so, dass Ihr sie gehört habt und dann auf einmal meintet, dass Ihr sie auf jeden Fall auf dem Album haben wollt?
Brendan: Nein, wir wollte eine weibliche Sängerin bei „Roadside“ dabei haben. Deswegen kam sie ins Studio und bei der Gelegenheit haben wir dann noch ein wenig mehr aufgenommen.
Dosenmusik: Um auf Euer politisches Engagement sprechen zu kommen: Sind Tierrechte für Euch wichtiger als politische Themen wie der Konflikt von Bush und dem Iran?
Brendan: Nein, wir denken nicht, dass Tierrechte wichtiger sind als Menschenrechte oder andere politische Themen. Es ist eine sehr wichtige Sache, aber nicht die wichtigste. Durch unsere Peta-Partnerschaft verbindet man uns natürlich zuerst mit Tierrechten, aber wenn wir mit einer Organisation zusammenarbeiten würden, die sich für Menschenrechte einsetzt, dann würde man uns mit dem Kampf um Menschenrechte verbinden. Aber Tierrechte sind für uns natürlich wichtig. Wir sind alle Vegetarier, wir glauben stark an diese Sache.
Dosenmusik: Das wäre meine nächste Frage: Ich habe gelesen, dass Ihr Vegetarier seid, woanders wurde geschrieben, dass Ihr Staight Edge seid. Dann wieder, dass manche von Euch Veganer sind und manche Straight Edge.
Brendan: Drei von uns Vieren sind Straight Edge. Wir sind alle Vegetarier, nicht Veganer.
Dosenmusik: Okay, ich wollte das nur einmal klargestellt haben. Wann und wie hat sich Euer politisches Bewusstsein entwickelt?
Brendan: Meine Eltern waren sehr politisch, deswegen bin ich damit aufgewachsen. Richtige Gedanken um diese Dinge habe ich mir dann gemacht, als ich als Teenager anfing auf Punkrock Shows zu gehen. Dort hab ich die ganzen Prospekte durchgelesen und den Bands und ihren Texten zugehört, die sich um diese wichtigen Thematiken gedreht haben. Besonders das Thema Tierrechte wurde damals für mich interessant. Es gab viele Flyer zu dem Thema und viele Bands haben sich damit beschäftigt.
Dosenmusik: Also war Punkrock sehr wichtig für Dich und Deine Entwicklung?
Brendan: Ja, auf jeden Fall. Und ich denke, dass Punkrock als Bewegung immer noch sehr wichtig ist. Vor allem die Bands, die damit begannen hatten sehr wichtige Botschaften in ihren Texten.
Dosenmusik: Das führt mich zu meiner nächsten Frage: Wir hatten ein Interview mit Zoli von Ignite und er kritisierte unter anderem ein Fehlen von politischen Bewusstsein bei der heutigen Hardcoreszene. Würdest Du dem zustimmen?
Brendan: Die Punkrock- und Hardcoreszene sollte auf jeden Fall einen gewissen Grad von politischem Bewusstsein haben und transportieren. Aber ich würde niemanden fertig machen, wenn er keine Texte über Politik schreiben will. Viele Rise Against Texte handeln auch nicht von Politik, sondern von Beziehungen und anderen Themen. Ich würde niemanden dazu zwingen, nur über politische Themen zu schreiben.
Dosenmusik: Aber siehst Du auch dieses Schwinden von politischem Interesse?
Brendan: Ja, auf jeden Fall, es gibt einen Mangel an Bands, die über wichtige Themen sprechen. Ob sie nun Angst haben nicht gut anzukommen oder Angst haben Ärger mit ihren Eltern zu bekommen. Aber ja es zu wenige Bands, die die Eier haben ernsthafte Themen anzusprechen.
Dosenmusik: MTV hat Euer Video zu "Ready To Fall" zensiert, obwohl es überal sehr viel heftigere Videos zu sehen gibt, z.B. auf peta.com. Hast Du eine Ahnung wieso?
Brendan: Ich habe keine Ahnung. Es wird überall gespielt: in GB, in Frankreich, in Kanada, in den USA, nur in Deutschland nicht.
Dosenmusik: Oh, das wusste ich nicht. Ich dachte MTV hätte es generell zensiert.
Brendan: Es wurde nur in Deutschland zensiert und ich habe keine Ahnung warum hier.
Dosenmusik: Okay. Gibt es irgendetwas von "The Killing Tree"? Passiert in diese Richtung etwas?
Brendan: Momentan sind wir einfach nicht viel zu Hause und deswegen gibt es einfach keine Zeit für Nebenprojekte. Aber ich bin mir sicher, dass sie irgendwann auch mal wieder auf Tour gehen werden. Im Moment fehlt dazu einfach die Zeit.
Dosenmusik: Und wie sieht es mit Rise Against aus in nächster Zeit? Ich glaube das heute ist Eure letzte Show in Deutschland.
Brendan: Genau. Morgen fahren wir noch in die Schweiz und danach haben wir noch ein paar Shows in GB. Danach haben wir ungefähr anderthalb Monate frei und werden dann mit Thursday in den Staaten touren. Danach.... das weiss keiner! (lacht)
Dosenmusik: Wow, das klingt gut! Okay. Gibt es noch etwas, das Du den Deutschen mitteilen willst?
Brendan: Ja, danke, für ausverkaufte Shows. Es war eine tolle Zeit hier!
Dosenmusik: Vielen Dank für das Interview!
Brendan: Kein Problem!


Tim McIlrath - Lead Vocals/Guitar
Chris Chasse - Guitar/Backing Vocals
Joe Principe - Bass/Backing Vocals
Brandon Barnes - Drums

www.riseagainst.com

autor: Fubuki | 04.09.2006
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