Interview mit Poison The Well
Interview mit Chris Hornbrook am 24.03.2008 im Schlachthof in Wiesbaden Bereit für die Zukunft! Poison The Well
Dosenmusik: Frohe Ostern! Oder besser Frohe Weihnachten, bei dem Schnee da draußen!
Chris: Verrückt, oder? Ist das hier immer so?
Dosenmusik: Nein, aber immer unberechenbarer. Wie gehts euch? Wie läuft die Tour?
Chris: Sehr gut! Alles läuft bestens. WIr sind ja mit Dillinger [Escape Plan] schon seit jahren befreundet und es macht immer wieder am meisten Spaß, wenn man mit Bands und Leuten auf Tour ist, die man kennt.
Dosenmusik: Ihr wart schon eine Weile nicht mehr in Deutschland.
Chris: Ja, eigentlich wären wir letztes Jahr gekommen, aber wir wollten nur wenige Shows in Europa spielen, damit wir vor der US-Tour fit sind. Wir hatten damals aber schon fest geplant wieder her zu kommen. Und hier sind wir!
Dosenmusik: Ist es für amerikanische Bands wegen des Euro-Dollar Kurses eigentlich sehr teuer hier in Europa zu spielen?
Chris: Abgesehen von den Reisekosten, und die sind auch nicht so hoch im Vergleich zu USA, ist es kein Problem. Wir werden immer in der Währung des Landes bezahlt, in der wir auftreten. Also ist das alles fair umgerechnet.
Dosenmusik: Ist die Band ein Vollzeit-Job oder verdient ihr euch noch was nebenher?
Chris: Man kann es schon Vollzeit nennen. Wir sind ja meist auf Tour und wenn wir Pause haben, dann gehts ins Studio oder wir haben Freizeit. Die verbringen wir dann mit unseren Freundinnen und Familien. Jeff hat beispielsweise eine Freundin in Paris, also ist er sehr häufig da und Arbeit gibts da keine für ihn. Ich denke so bleibt es noch 5 Jahre oder so.
Dosenmusik: Bringt ihr eure Freundinnen auch mit auf Tour?
Chris: Selten. Meine Freundin studiert und hat dementsprechend wenig Zeit. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, dann kommt sie mal mit für ein paar Tage. In den Ferein meistens.
Dosenmusik: Ist es schwer, eine Beziehung am Leben zu erhalten?
Chris: Ja und nein. Wir versuchen viel zu telefonieren, aber das ist gerade aus dem Ausland sehr schwer. Andererseits leben wir mit dieser Situation schon eine ganze Weile so und es funktioniert. Über das Internet läuft auch viel ab. Bei unseren Nachbarn wurde eingebrochen und sie ist zurzeit total am ausrasten deswegen. Sie will umziehen und da ich leider gerade nicht bei ihr sein kann, ist das eine der schwierigeren Phasen.
Dosenmusik: Wo lebt ihr?
Chris: In Miami. Coole Stadt, aber ständig wird uns etwas gestohlen. Vielleicht ziehen wir doch um.
Dosenmusik: Was macht ihr zwischen euren Shows?
Chris: Meistens sind wir im Internet oder schauen Filem und TV-Serien auf unseren Laptops. Die Dinger sind essentiell für eine Tour. Es gibt einfach viel zu viel Leerlauf. Wir gehen auch gern raus und sehen uns die Stadt an, aber oft ist man völlig isoliert. Kommt natürlich drauf an, wo wir spielen, aber es kommt schon sehr oft vor, dass die Hallen und Clubs irgendwo im nirgendwo liegen. Dann ist es immer gut, die Leute zu kennen, mit denen man unterwegs ist.
Dosenmusik: Hier ist nix! Wiesbaden ist ziemlich langweilig. Deswegen sind wir ja jetzt hier, um Dir die Zeit zu vertreiben.
Chris: (lacht) Danke!
Dosenmusik: Was macht ihr direkt vor einer Show, um in die richtigge Stimmung zu kommen?
Chris: Also ich entspann mich viel und mache dann Gymnastik. Ich brauche 1-2 Songs, um meinen Rhythmus zu finden und wenn ich mich vorher bewege, geht das besser. Auf einer Tour wird es von Tag zu Tag schwerer. Am Anfang reichen 15 min Stretching, dann nach einer Weile sind 30 min nicht mehr genug. Dann helfen längere Soundchecks oder ich trommle einfach so mal rum.
Dosenmusik: Gibts dann bestimmte Songs am Anfang eines Konzerts, die Dir helfen, in Stimmung zu kommen?
Chris: Nein, würde ich ich nicht sagen. Wir machen vor einer Shows unsere Setlist und daran ändert sich auf einer Tour auch relativ wenig. Wir versuchen grundsätzlich, alle unsere Alben in einer Setlist unterzukriegen und sie so zu gestalten wie die Tracklist einer Best of CD - natürlich entsprechend unserer Stimmung und die Aktualität darf auch nicht fehlen. Am wichtigsten ist der Flow. Wir verändern an einer Setlist während einer Tour nur noch sporadisch etwas, je nachdem wie gut ein bestimmter Song funktioniert hat oder ob er an einer anderen Stelle des Ausftritts besser hineinpasst. Selten tauschen wir Songs komplett aus.
Dosenmusik: In unserem Mail-Interview letztes Jahr, habt ihr geschreiben, dass ihr nicht versteht, warum alle Leute euren alten Kram noch so abfeiern und immer noch hören wollen. Wenn ihr diese Songs spielt, wie fühlt sich das an? Habt ihr euch davon irgendwie geistig entfernt?
Chris: Wir sind einfach der Meinung, mittlerweile bessere Songs schreiben zu können. Die alten Sachen klappen beim Publikum und das freut uns natürlich, aber damit wir auch Spaß am spielen haben, machen wir sie für uns interessanter durch ein Lick hier, extra Drums da und mischen es mit unsere aktuellen Stilmitteln. Ich habe zu den alten Lieder die Verbindung verloren und es fühlt sich manchmal einfach falsch an, sie zu spielen. Auf Konzerten mache ich es für die anderen Jungs auf der Bühne und die Fans, die uns und Songs wie "Nerdy" und "Botchla" hören wollen.
Dosenmusik: Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ihr "Versions" veröffentlichhabt und ihr habt mit dem Album im Gepäch schon einige Shows gespielt. Werden die Songs auch schon alt?
Chris: Ja, fast! Ich meine wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir da aufgenommen haben. Einige der Tracks wurden noch nie live auf der Bühne performed - das lassen wir uns auch offen für die Zukunft - aber wir sind mittlerweile so weit, endlich wieder neues Material zu schreiben.
Dosenmusik: Macht ihr das schon während dieser Tour?
Chris: Ab und zu finden wir die Zeit nach dem Soundcheck, ein paar Minuten mit Ryan neue Riffs und passende Drums auszuprobieren. Manches entwickelt sich bereits, aber das meiste ist bisher einfach nur Gejamme.
Dosenmusik: Wird Ryan auch wieder diese Hardcore-untypischen Instrumente wie Pianos, Hörner, Mandolinen und Banjos miteinbauen?
Chris: Vielleicht. Er hat sich das alles selbst beigebracht und wir lebens uns alle dadurch etwas aus in unserer Musik. Es ist einfach ein neuer, interessanter Weg, bekannte Melodien und Rhythmen aus dem Hardcore mit anderen Mitteln zu vertonen.
Dosenmusik: Das hat es letztlich für eure Fans auch schwieriger gemacht.
Chris: Stimmt schon, aber die Belohnung ist dafür umso größer! (lacht) Heutzutage ist doch alles gleich und auf den ersten Blick sieht man Veränderungen immer skeptisch. Wir sind einfach offener geworden - auch schon von "opposite of december" zu "tear from the red". der Sprung danach und jetzt zum aktuellen Album war sicherlich größer, aber Entwicklung und der Blick über Grenzen des Genres hinaus sind für und nicht nur wichtig, sondern ganz natürlich. Das alte Material ist einfach nicht so eklektisch und reizvoll. Der Lauf der Zeit für uns.
Dosenmusik: Ein paar der neuen Songs sind leicht zu erfassen und machen Lust drauf, die anderen, sperrigeren Songs häufiger zu hören, um zu sehen, ob da noch mehr dahinter steckt. Mit "Nagaina" ging es mit beispielsweise so.
Chris: Den spielen wir auch live!
Dosenmusik: Sehr gut! Das wollte ich Dich gerade fragen! (lacht) Dann zur nächsten Frage. Ihr kommt von einem Indie Label über einen Major wieder zurück zum Indie. Was kannst Du uns darüber erzählen?
Chris: Der Reiz eines major Labels ist groß und zuerst hat auch alles gut geklappt. Das erste Album konnten wir noch genau so machen, wie wir uns das vorgstellt haben. Aber für den Nachfolger kamen auf einmal die Leute von der Plattenfirma dazu und wollten uns vorschreiben, was wir tun und lassen sollen. Die Leute, die uns damals unter Vertrag genommen haben, arbeiteten mittlerweile nicht mehr dort und die neuen Verantwortlichen hatten keine Ahnung von uns, unserer Musik und der Einstellung, wie wir alles handhaben. Es ging für uns ums Überleben. Wir dachten uns, dass wir entweder da rauskommen und oder dass unsere Band auf diesem Label stirbt. Am Ende konnten wir bei Ferret genau das wiederfinden, was uns zum Major gebracht hat und was dann verloren ging.
Dosenmusik: Labelwechsel waren nicht die einzige unstete Sache bei Poison The Well. Warum haben euch so viele Bandmitglieder über die Jahre verlassen?
Chris: Wegen der Chemie und wegen der Kreativität und unserer Perspektive. Nicht alle sehen die Dinge so wie Ryan, Jeff und ich wenn es um Weiterentwicklung geht. Der Kern der Band bestand immer weiter und die Leurte die wir jetzt mit an Bord haben - die beiden Bradleys an Gitarre und Bass - fügen sich wirklich gut in die Band ein.
Dosenmusik: Spürt ihr schon einen künstlerischen Input der beiden?
Chris: So langsam funktioniert es. Am Anfang mussten wir sehr viel geben und sie konnten das alles nur aufsaugen, aber mittlerweile ist es eine Geben und Nehmen Situation, aus der schon viel Kreativität, aber noch viel wichtiger, Spaß entstanden ist. Das war ein natürlicher Prozess und deswegen denken wir an die Möglichkeit, sie permanent bei uns zu haben.
Dosenmusik: Also müssen wir nicht wieder mehr als 4 Jahre auf ein neues Album von Poison The Well warten, wenn mit der Plattenfirma und innerhalb der Band alles ok ist?
Chris: Ich hoffe es!

Poison The Well
Jeffrey Moreira - Vocals
Ryan Primack - Gitarre
Chris Hornbrook - Drums

www.poisonthewell.com

Autor: coney | 22.05.2008
Dosenmusik : der neue Shop
dosenmusik at Facebook Follow dosenmusik on Twitter RSS Feed
cd-empfehlungen
Asking Alexandria - From Death to Destiny I Is Another - I Is Another
Five Finger Death Punch - The Wrong Side Of Heaven and The Righteous Side Of Hell Alice in Chains - The Devil Put Dinosaurs Here
Heaven Shall Burn - Veto Le Fly - Grüß Dich Doch Erstmal!