Interview mit Poison The Well
E-Mail Interview mit Schlagzeuger Chris im März 2007 Wir können nicht. Das war damals und dies ist jetzt.
Poison The Well Dosenmusik: Ihr habt vor kurzem eine Promo-Tour in England begonnen. Habt Ihr nach ein paar Shows schon einen Eindruck, wie eure neuen Songs vom Publikum angenommen werden?
Chris: Ja, so ein bisschen. In manchen Städten bekommen wir mehr Reaktionen, in anderen Städten wiederum weniger. Ich sitze ja hinter dem Schlagzeug, deshalb kriege ich das auch nicht so richtig mit. Ich bin da total in meiner eigenen Welt. Aber was ich so mitbekommen habe, ist eigentlich ziemlich gut. Ich erwarte auch nicht, dass die Leute auf unsere neuen Songs schon so ausflippen, als wäre das Album schon eine ganze Weile draußen.
Dosenmusik: Weshalb habt ihr auf dieser Tour keine Shows in Deutschland geplant? Und wann werden eure deutschen Fans die Chance haben, euch wieder live zu sehen?
Chris: Die Idee war eigentlich, nur einige Dates in England zu spielen. Unser Booking Agent hat uns dann vorgeschlagen, noch ein paar Termine auf dem europäischen Festland hinzuzufügen. Deutschland war zu weit entfernt, aber wir planen Ende des Jahres eine vollständige Europa Tour, inklusive Deutschland.
Dosenmusik: Ihr habt seit 2003 kein neues Material veröffentlicht. Was ist die letzten Jahre so passiert?
Chris: In wenigen Worten: Wir wollten uns wieder finden und einfach viele Dinge erledigen, die erledigt werden mussten. Wir wünschten, es hätte nicht solang gedauert, all das hinter uns zu lassen, aber das musste geschehen, bevor wir "Versions" vollenden und veröffentlichen konnten.
Dosenmusik: Nach einigen Besetzungswechseln sind noch Ryan Primack und du (die letzten Gründungsmitglieder) sowie Jeffrey Moreira fest in der Band. Wie hat das eure Dynamik verändert und das Songwriting beeinflusst?
Chris: Es hat alles einfacher gemacht. Es gab keine feste Vorstellung von dem, was wir schreiben wollten. Wir haben einfach die Musik geschrieben, auf die wir Lust hatten. Nicht, dass wir das nicht auch schon mit unseren früheren Alben getan hätten, aber Derek (Miller, Gitarrist von 1997 bis 2004) hatte immer bestimmte Ideen, von denen er uns nie etwas gesagt hat.
Dosenmusik: Nachdem Ihr zwei Mitglieder im vergangenen Jahr verloren habt - Jason Boyer (Gitarre) und Ben Brown (Bass) - wurden Mike Macivor und Brad Clifford mit an Bord geholt, um euch auf Tour zu unterstützen. Was haben die beiden vorher gemacht? Und besteht die Aussicht, sie irgendwann zu vollwertigen Mitgliedern der Band zu machen?
Chris: Natürlich haben sie vorher bereits in anderen Bands gespielt und wir kennen sie jetzt schon eine ganze Weile. Sie sind wirklich tolle Typen und bringen komplett andere Elemente in unsere Live Shows. Vielleicht werden sie irgendwann vollwertige Mitglieder, aber zurzeit haben wir sie nur für unsere anstehenden Konzerte ausgeliehen.
Dosenmusik: Warum habt ihr euch entschlossen, das neue Album erneut mit dem Produktionsteam Eskil Lövström und Pelle Henricsson in den Tonteknik Studios in Umea, Sweden, aufzunehmen?
Chris: Wir hatten so eine tolle Lernerfahrung mit "You Come Before You", dass jeder von uns wieder mit ihnen dort zusammenarbeiten wollte. Sie sind brillante Produzenten und helfen uns, das Beste aus uns heraus zu holen. Sie lassen uns auch wissen, wenn unsere Ideen scheisse sind.
Dosenmusik: In welcher Weise haben die Umwelt und das Umfeld euch und eure Musik beeinflusst?
Chris: Zunächst mal waren wir total isoliert, so dass wir uns voll und ganz auf die Aufnahmen konzentrieren konnten. Ich denke auch, dass es uns geholfen hat, einer Art Unruhe und Spannung zu erzeugen und auch auf dem Album zu transportieren. Wir waren zwar schon einige Male dort, aber wenn man aus seiner Komfortzone heraustritt, ist das nie eine Situation, auf die man sich sofort einstellen kann.
Dosenmusik: Habt ihr alle eine gleichwertige Rolle beim Schreiben der Songs und der Lyrics?
Chris: Die Lyrics gehören komplett zu Jeffrey. Okay, es gibt eine Ausnahme. Bei "Composer Meets Corpse" hat Ryan ein bißchen mitgeschrieben und auch gesungen. Aber normalerweise ist das allein Jeffreys Aufgabe. Der Rest eines Songs entsteht dann in gemeinsamer Zusammenarbeit. Ryan und ich schreiben meistens die Musik und Jeff, mit Hilfe von Ryan, arbeitet an den Gesangsmelodien.
Dosenmusik: Ryan beschreibt das neue Material mit Worten wie "viel mehr Farben und Nuancen als frühere Alben" und "einzigartige Instrumentation wie Mandolinen, Hörner und Banjos". Das hört sich nach einem großen Schritt für euch an. Wie kam es dazu?
Chris: Nun, es passierte nicht einfach so aus dem Blauen heraus. Wenn du dir "You Come Before You" anhörst, kannst du auch schon einige unterschiedliche Arten der Instrumentation erkennen, nur eben nicht so häufig und offensichtlich. Wir wollten einfach noch mehr davon einfügen und so ein größeres, noisigeres Album machen.
Dosenmusik: Ich hatte bereits die Chance, eine Promo-Kopie von "Versions" (VÖ: 02.04.2007) anzuhören. Natürlich braucht es noch mehrere Durchläufe, bevor ich mir tatsächlich eine Meinung erlauben kann, aber bereits jetzt sehe ich es in einer Linie mit eurem vorherigen Alben und auch als eine Art Fortsetzung eurer Entwicklung vom Hardcore auf "Opposite Of December" bis hin zum progressiven Rock auf "You Come Before You". Wo siehst du "Versions" im Rahmen eurer Entwicklung?
Chris: Ich bin mir nicht ganz sicher. Es ist ohne Zweifel eine Fortsetzung, aber es ist schwer, das objektiv zu betrachten, da ich ein Teil dieser Musik bin und auch ein langwieriges Mitglied dieser Band. Ich kann sagen, dass es ein Weg für uns darstellt, auszureißen und neue Dinge zu probieren, auch wenn es nicht von der Szene, aus der wir kommen, akzeptiert wird.
Dosenmusik: Seid Ihr nach all dem Theater im Vorfeld zu "Versions" zufrieden mit dem Album und wie sich die Dinge entwickelt haben?
Chris: Ja, zumindest größtenteils. Ich denke wir haben mit unserem neuen Album etwas wirklich interessantes erschaffen. Ich sage das mit Zuversicht und Bescheidenheit. Es gibt jedoch immer diese kleinen Dinge, die man hätte besser machen können.
Dosenmusik: Obwohl ihr Erfolg auf dem Major Label Atlantic Records hattet, habt habt ihr euch im Juni 2006 nach nur einem Album voneinander getrennt, offiziell aufgrund "kreativer Differenzen". Im November 2006 habt ihr einen Vertrag bei dem Indie Label Ferret Records unterschrieben. Was steckt hinter diesen Ereignissen und wie funktioniert die Kooperation mit eurer neuen Plattenfirma?
Chris: Wir haben Atlantic verlassen, weil sie uns nicht unterstützt haben. Ganz einfach. Sie haben uns unter Vertrag genommen unter der Voraussetzung, dass wir 100% die Kontrolle haben über unsere Musik und das Artwork. Nach einem Album existierten diese Voraussetzungen nicht mehr. Zu dem Zeitpunkt als wir fühlten, unser Album sei fertig, wollten sie, dass wir noch mehr Songs schreiben, da ihrer Meinung nach keine "Single" dabei war. Also haben wir uns entschlossen, sie um die Auflösung unseres Vertrages zu bitten. Man nimmt keine Band unter Vertrag, weil man will, dass sie machen was sie eben machen und versteht dann nicht, was sie überhaupt wollen. Das ist dumm. Mit Ferret läuft bisher alles sehr gut. Wir kennen die Leute schon eine lange Zeit und Sie kennen uns. Sie wissen, wo wir herkommen und verstehen, wohin wir wollen.
Dosenmusik: Guitar World Magazine sieht euer Album "Opposite Of December", veröffentlicht auf Trustkill Records, als eines der größten und besten Hardcore Alben aller Zeiten, eingestuft auf Platz 8 ihrer Rangliste. Dies miteinbezogen, ist es schwer, den Ansprüchen eurer Fans gerecht zu werden?
Chris: Nein. Ich meine, es ist schon cool, dass Guitar World das so eingestuft. Aber Tatsache ist, dieses Album ist nicht wirklich so gut. Vielleicht liegt es daran, dass sich mein Musikgeschmack geändert hat und ich weiß, wir haben mittlerweile musikalisch so viel mehr drauf. Ich verstehe einfach die Leute nicht, die dieses Album noch so toll finden. Es ist manchmal schon frustrierend. Da gibt es Leute, die verstehen die Richtung, in die wir gegangen sind und mögen das auch so. Jedoch gibts auch die Leute, die nur Metal und Hardcore hören und sonst nichts anderes. Das sind dann die, die rumjammern: "Geht zurück zu der Zeit von 'Opposite Of December' und 'Tear from the Red'!" Die Wahrheit ist: Wir können nicht. Das war damals und dies ist jetzt.
Dosenmusik: Ihr habt den Song "Soma" zu dem Smashing Pumpkins Tribute beigesteuert. Dazu habt Ihr auch "Today", ein weiteres Pumpkins Cover, eingespielt. Spielt ihr diese Songs auch live auf der Bühne? Oder gibt es andere Lieder, die ihr covern würdet?
Chris: Diese Version von "Today" ist schrecklich. Ich meine, was erwartest du von ein paar Kids, die einen schon sehr guten Song "heavier" machen wollen!? Wir sind eigentlich gar nicht so große Smashing Pumpkins Fans. Aber ich liebe unsere Version von "Soma". Ich denke wir haben es zu unserem eigenen Song gemacht. Wir haben vor einigen Jahren "Territorial Pissings" von Nirvana gecovert. Aber seither kam nie der Gedanke auf, das nochmal zu tun, auch nicht was andere Lieder betrifft. Wir sind einfach zu sehr damit beschäftigt, unsere eigene Musik zu schreiben und diese dann auch live zu performen.
Dosenmusik: Wie sähe euer Traum-Lineup für eine Tour aus?
Chris: Ganz klar Pink Floyd, David Bowie, Nirvana und Fugazi.
Dosenmusik: Gehören diese Bands auch zu euren Einflüssen?
Chris: Ja, natürlich! Wir hören so viel unterschiedliche Arten von Musik, dass es schwer fällt, die Musik und die Bands herauszufiltern, die uns inspirieren. Wir mögen zwar viele gleiche Dinge, aber wir haben auch alle einen sehr unterschiedlichen Musikgeschmack. Ryan beispielsweise liebt Old School Country Musik wie Chet Akins und Jerry Reed, aber damit kann ich überhaupt nichts anfangen.
Dosenmusik: Was sind eure Pläne für 2007?
Chris: Touring, touring, and more touring!


Jeffrey Moreira - Vocals
Ryan Primack - Guitar
Chris Hornbrook - Drums

www.poisonthewell.com

autor: Coney | 22.03.2006
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