Interview mit Parkway Drive
Interview mit Sänger Winston McCall am 09.05.2008 im Underground in Köln "Die anderen essen so ziemlich alles was blutet..."
Parkway Drive Am 9. Mai 2008 nahm sich der Sänger der Band, Winston McCall, vor der Show im Underground in Köln auf ihrer Euro- Tour mit unter anderem Suicide Silence und Bury Your Dead ein wenig Zeit für ein kleines Gespräch.

Dosenmusik: Hi, ich bin Yannick, ich mache das Interview für dosenmusik.de, ein Online- Musik- Community.
Winston: Cool, ich bin Winston und singe bei Parkway Drive.
Dosenmusik: Also, ihr seid hier als eine der momentan größeren Bands aus dem Metalcore- Bereich...
Winston: Wirklich?
Dosenmusik: Ja, ihr werdet schon ziemlich gefeiert in Deutschland.
Winston: Wow, das ist cool. Also wenns um sowas geht, bin ich eigentlich nur ein ignoranter Australier.(lacht)
Dosenmusik: Wenn du dich an eure Tour letztes Jahr mit Comeback Kid erinnerst, als ihr in Köln wart, da waren gefühlte 1000 Kids auf der Bühne.
Winston: Auf der "Never Say Die"? Ja, das war gut, es war echt voll bei uns!
Dosenmusik: Ja das stimmt. Also hat die Tatsache, dass ihr mit dem Erscheinen eurer letzten 2 Releases "Killing With A Smile" und "Horizons" so einen großen Sprung hingelegt habt irgendwas in der Art und Weise geändert, wie ihr über Musik oder das Musik machen denkt?
Winston: Hm, nein, ich glaube eigentlich nicht, dass sich da was geändert hat. Wir sind einfach sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, permanent in Europa unterwegs zu sein. Wir kommen aus einer sehr kleinen Stadt und ich dachte eigentlich nie, dass ich es mal schaffe, nach Europa zu kommen. Also in Deutschland zu sein, neue Freunde kennen zu lernen und mit diesen ganzen Hardcore- Bands zu spielen, die ich liebe ist einfach der Hammer!
Dosenmusik: Ein Kumpel von mir hat mir erzählt, dass er irgendwann wahrscheinlich auf Ebay Geld für Sachen bezahlen würde, die ihr signiert habt. Ist dieser Star- Hype, den einige um euch herum machen nicht etwas komisch?
Winston: Ja, ich versteh dieses ganze Rockstar- Ding nicht. Ich hab nie einen besonderen Wert in einem Namen gesehen, der irgendwo drauf steht, das macht keinen Sinn für mich. Aber wenn Leute mich fragen, dann signier ich auch Sachen oder mach Fotos, wenn es sie glücklich macht, dann ist das ok. Aber ich versteh es eigentlich nicht so sehr...wenn meine Name irgendwann mal Geld im Internet einbringt, dann werd ich vor Lachen verrecken! (lacht)
Dosenmusik: Haha ja, dann kannst du deine Miete davon bezahlen.
Winston: Ja genau, das könnte ich wahrscheinlich in 5 Jahren, haha.
Dosenmusik: Ihr betont ja immer, dass ihr alle immer noch Hardcore- Kids seid.
Winston: Ja, auf jeden Fall.
Dosenmusik: Gehst du also immer noch auf lokale Shows, wenn du daheim bist und Zeit hast?
Winston: Ja, wann immer daheim Shows sind oder in der Nähe wenn wir da sind und nicht unterwegs, versuch ich so oft es geht da zu sein. Also was mich angeht, ich bin definitiv noch sowas wie ein Hardcore- Kid und ich werds wohl immer sein. Ich mein, ich finds toll, dass Metal- Fans uns cool finden und auschecken, aber es ist offensichtlich, dass wir nicht in dieses Metal- Schema reinpassen. Wir sind einfach nur so ein Haufen Surfer- Kids aus Australien. Es kommt aber auf jeden Fall so rüber, als ob Hardcore- Kids uns supporten, Punks oder Metalheads, also das ist schon ziemlich cool.
Dosenmusik: Von hier wirkt es als ob Australien ein Nährboden für richtig gute Bands wäre, 50 Lions, ihr, Miles Away...
Winston: Hast du Miles Away gesehen, als sie rübergekommen sind?
Dosenmusik: Nein, ich wollte sie unbedingt sehen aber ich hab sie ehrlich gesagt verpasst weil mir die Spritkohle gefehlt hat.
Winston: Ach, das ist blöd. Aber keine Angst, die kommen schon nochmal rüber.
Dosenmusik: Ja, nicht, dass die sich auflösen, wie Sinking Ships oder so.
Winston: Ne ne, die lösen sich schon nicht auf, haha, das sind echt coole Typen. Also was Australien angeht, es gibt ne Menge gute Bands in Australien. Insgesamt gibt es wesentlich weniger Bands an sich, weil es wesentlich weniger Locations gibt...
Dosenmusik: Ja, es verteilt sich bei euch ja alles so an der Küste entlang, nicht wie in Deutschland, wo du eigentlich überall Städte hast.
Winston: Genau, das ist das Ding. Es gibt nur sechs Städte, die du wirklich touren kannst also werden Bands sich entweder schnell auflösen oder es sind richtig gute Bands, die sich voll und ganz reinhängen und von denen hört man dann irgendwann auch was. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum so viel von australischen Bands hört. 50 Lions kommen ja auch bald zu euch.
Dosenmusik: Ja, es ist irgendwie keine Show in meiner Gegend, also im Umkreis von anderthalb Stunden Fahrt.
Winston: Die sind so verflucht gut, ich liebe diese Band, mein kleiner Bruder singt, also ich liebe diese Band einfach nur. Und die Tatsache, dass er mein Bruder ist, hat nix damit zu tun, wie gut ich die finde und wie gut die letzten Endes auch sind.
Dosenmusik: Die sind auf jeden Fall gut. Ziemlich hart und direkt aber eben kein plumpes Macho- Gehabe.
Winston: Ja, an denen ist einfach kein Tough Guy- Bullshit dran...
Dosenmusik: Die haben auch ziemlich coole Lyrics, nichts Poetisches aber schön direkt und ehrlich.
Winston: Ja man, die sind einfach eine richtig gute Band. Jedes Mal wenn ich sie sehe, hab ich den Drang mich zu bewegen und irgendjemand zu töten. (lacht) Auf jeden Fall sehr coole Jungs und talentierte Musiker, ich kann mir nicht vorstellen, wie Leute dazu nicht durchdrehen können. Ich mein, du kannst dir nicht vorstellen, wie klein diese Stadt ist, da gibt es nur ungefähr 2 Bands und dann schafft man es in Übersee zu spielen!
Dosenmusik: Ja ich hab irgendwo mal diese Byron Bay- Split von euch mit 2 anderen Bands gefunden, die ja bestimmt schon uralt und ewig ausverkauft, aber ich hab mir die digital besorgt, um mal zu hören, wie ihr ganz am Anfang geklungen habt.
Winston: Echt? Cool! Ja, ein paar von 50 Lions waren in Shoot To Kill, welche ja eine der Bands auf der Split waren. Es ist auf jeden Fall eine kleine Stadt und jetzt marschieren wir in Europa ein. (kichert)
Dosenmusik: Bleiben wir mal bei eurer Heimatstadt: Ich hab ein Interview gelesen, was ein Typ aus Deutschland letztes Jahr in Köln mit dir gemacht und du hast gesagt, dass bei euch die Arbeitslosenquote verdammt hoch ist.
Winston: Ja, die höchste in ganz Australien. Es ist halt eine Touri- Stadt und echt eine verdammt schöne Gegend, das heißt, dass die Leute da alle zum Urlaub machen hin fahren. Und wenn du nicht Teller abwäschst oder Kaffee servierst, bist du eigentlich arbeitslos.
Dosenmusik: Ja apropos Touri, der Freund von einer guten Freundin reist jetzt auch dahin als Backpacker und irgendwie ist der Standard- Treffpunkt wohl Byron Bay.
Winston: Ja, im Sommer steigt die Bevölkerungszahl von 10.000 auf ungefähr 250.000 und die ganze Stadt ist einfach nur boom, voller Touristen und die Einwohner hassen es irgendwie alle. Aber es ist alles, was die Stadt am Laufen hält, die einzige Branche in der Stadt. Wenn du irgendwo den Abwasch machst, da gibts irgendwie so verdammt viele Leute, die den Job machen wollen, weshalb du meistens einen Dreck damit verdienst. Also wenn du es nicht machst, gibt es genügend andere, die in die Bresche springen.
Dosenmusik: Was ist mit Mindestlöhnen?
Winston: Mindestlöhne? Ja die gibt es, aber bei uns in der Stadt hält sich niemand daran, weil es auch einfach nicht überwacht wird. Und es ist echt komisch, denn die Stadt und die Gegend sind so schön und gleichzeitig sind die Lebensumstände für die meisten so schlecht.
Dosenmusik: Ja, wie hier in manchen Gegenden in Ostdeutschland, die aussehen, wie im Bilderbuch aber total entvölkert sind, weil die Gegebenheiten so unwirtlich sind, dass die jungen Leute alle in die Städte oder nach Westen gehen.
Winston: Ja bei uns wird aus meiner Generation auch so gut wie jeder irgendwann wegziehen, weil sich niemand ein Haus oder sowas in dieser Gegend leisten kann, da die Preise verdammt hoch sind. Man muss wahrscheinlich irgendwie Millionär oder sowas sein, um sich das leisten zu können. (lacht)
Dosenmusik: Sind diese Umstände vielleicht ein Grund, weshalb ihr eine Band gegründet habt, so um Frust abzubauen?
Winston: Nein. Wir waren alle vorher schon in irgendwelchen Hardcore- Bands und haben die Band eigentlich gestartet, weil wir irgendwas sehr Hartes spielen wollten. Wir waren schon immer Teil unserer lokalen Szene und die Tatsache, dass es so gekommen ist, wie es ist und dass wir nicht so sehr unter der hohen Arbeitslosenquote zu leiden haben und um die Welt reisen können, macht uns sau glücklich. Wir wissen, wie viel Glück wir haben, dass wir das machen können, das ist einfach nur...niemand von uns hätte irgendwann wirklich mal gedacht, dass das alles so kommt.
Dosenmusik: Könnt ihr davon leben?
Winston: Ja, das ist alles was wir machen, für Jobs bleibt da keine Zeit, das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb ihr uns so oft in Europa seht. Wir fliegen eigentlich nach Europa, von da nach Amerika, nach Australien und wieder nach Europa, schlafen bei Leuten auf dem Fußboden.
Dosenmusik: Das ist doch ziemlich cool.
Winston: Es ist großartig, es ist der Hammer. Ich hab so viel von der Welt gesehen und ich würde es gegen nichts eintauschen wollen, weil es einfach eine der besten Erfahrungen ist, die man sich vorstellen kann.
Dosenmusik: Haha, ja, ich glaube ich würde dafür auch die Schule schmeißen und alles.
Winston: Ja, es ist sau komisch, denn als wir das erste Mal nach Europa kamen, mussten wir zwischendurch noch in normalen Jobs arbeiten, um uns über Wasser zu halten und als wir zurück kamen fragten die Leute, wann wir die erste Million auf dem Konto haben würden, das ist irgendwie, ich weiß nicht, es ist etwas, was wir einfach aus Spaß machen und es wird wahrscheinlich nie viel Geld abwerfen und trotzdem müssen wir uns sowas anhören.
Dosenmusik: Dabei war es ja eigentlich nur ein normaler Schritt für eine Band.
Winston: Ja genau, ein kleiner Schritt und plötzlich stellt sich heraus, dass die Band mein Job ist und ich komme nach 2 Jahren nach Hause und stell fest, "wow, ich hab hier 2 Jahre nicht gearbeitet und wollte eigentlich nur mal allen Hallo sagen" und alle reagieren auf einmal nach dem Motto "so so, das mit der Band klappt wohl, was?" und das alles, weil ich nicht mehr hier arbeite. Aber ich denk mal, dass ich wieder hier landen werde, wenn die Band irgendwann mal aufhört, hehe.
Dosenmusik: Ja, das hab ich bei This Is Hell auch mitgekriegt, dass sie aufgrund dessen, dass sie bei einem großen Label veröffentlichen und größere Touren spielen sich auf einmal auch sowas anhören müssen. Aber um ehrlich zu sein, wenn man die Möglichkeit hat, das ganze Jahr zu touren und sowas, warum sollte man das denn nicht tun?
Winston: Dabei machen Bands nicht mal annähernd halb so viel Geld, wie die Leute manchmal meinen. Zum Beispiel sieht man von Plattenverkäufen kaum Kohle und Labels müssen auch überleben, Booker, Promoter und so weiter. Aber andererseits hast du die Möglichkeit, sowas hier zu machen und genügend Geld für die Miete krieg ich auch zusammen, auch um meiner Freundin daheim noch was als Unterstützung zu geben, wenn ich unterwegs bin und das ist eigentlich alles, was ich will, also ist das cool.
Dosenmusik: Was mich interessiert: Ich höre von Leuten, die in Australien z.B. auf einer I Killed The Prom Queen- Show oder so waren, dass es da noch wesentlich härter zugeht als hier und da momentan desöfteren über sowas diskutiert wird in Deutschland, wollte ich wissen, wo für dich Gewalt in einem Pit anfängt. Weil ich hab hier auch den Eindruck, dass je größer die Show, umso weniger Rücksicht nehmen Leute aufeinander, z.B. bei As I Lay Dying oder solch großen Bands.
Winston: Also, es ist schon ziemlich brutal, aber nicht diese Art von Tough Guy- Schlägereien, sondern eher einfach total durchgeknallt und die Leute helfen sich immer hoch. Das ist auch das, was ich immer versuche, den Leuten klarzumachen, man kann von mir aus durchdrehen, aber man sollte trotzdem aufeinander aufpassen. Also wenn man im Pit einen erwischt, dann sollte man ihm auf jeden Fall wieder hoch helfen.
Dosenmusik: Ja, einfach aufeinander aufpassen.
Winston: Ja genau, alle sind aus dem selben Grund da. Aber wenn wir daheim spielen geht normalerweise schon jemand mit nem gebrochenen Arm oder einer kaputten Nase nach Hause oder nem gebrochenen Bein.
Dosenmusik: Spielt ihr viel in Byron Bay?
Winston: Nicht wirklich, es ist einfach überall das selbe in Australien. (lacht) Aber es kommt nicht von irgendwelcher Feindseligkeit, es sind einfach Unfälle, weil die Leute am Rad drehen, von Boxentürmen springen oder auch einfach so bei Stagedives. Es ist halt ungefähr einer von 1000, den es erwischt und wenn jemand richtig Probleme hat, unterbrechen wir die Show, damit seine Kumpels oder so ihn rausbringen können. Aber meistens hören wir von denen nach der Show immer, dass ihnen die Show gefallen hat.
Dosenmusik: Ich weiß noch, als ich euch letztes Jahr auf dem Pressure Festival gesehen, was europaweit den Ruf hat, DAS Tough Guy- Beatdown- Festival schlechthin zu sein.
Winston: Wirklich? Ja, ich hab da schon sowas gedacht, als ich mir Shattered Realm von der Seite aus angeguckt hab, da dachte ich nur "Oh mein Gott!" (lacht)
Dosenmusik: Ja, das war mir ehrlich gesagt teilweise einfach zu stumpf, muss ich sagen.
Winston: Haha, das kann ich voll und ganz nachvollziehen!
Dosenmusik: Die haben da ja auch immer die Sanitäter in der Halle sitzen, weil sich in den letzten Jahren einfach so viele Leute da verletzt haben.
Winston: Ja, das hab ich gesehen.
Dosenmusik: Und im Vergleich zu euerer Köln- Show, da konnte man eigentlich machen was man wollte, tanzen, von der Bühne springen oder was auch immer, ohne Angst haben zu müssen.
Winston: Ja, ja...in Australien haben wir auch nicht wirklich so etwas wie eine Tough Guy- Szene.
Dosenmusik: Ich hab bis jetzt auch noch keine Band aus Australien entdeckt, die in die Richtung geht.
Winston: Nein, ich kenn da jetzt auch keine, muss ich sagen. Selbst wenn Leute auf Shows so unterwegs sind, sind es meist nicht das, was man so Macho- Typen nennen könnte. Die sehen höchstens so aus...wir haben ein paar Freunde, die so ähnlich aussehen, aber die stehen eigentlich nur auf Turnschuhe. Die sind zwar im Alltag vielleicht sowas wie kleine Prolls, haha, aber auf den Shows sind das nicht die Leute, die den Kids absichtlich ins Gesicht treten oder so, sondern eher die, die Party machen und stagediven, weil die nichts raushängen lassen müssen.
Dosenmusik: Wie ist das in den USA, headlinet ihr da schon Shows oder spielt ihr eher kleine Sachen, weil da seit As I Lay Dying und Killswitch Engage tausende Bands so klingen?
Winston: Eigentlich Millionen, hahaha!
Dosenmusik: Das schon eher, ja! Oder hat bei euch die Tatsache geholfen, dass Adam von KSE eure Alben produziert hat?
Winston: Ich denke schon. Es hat da mit sehr vielen Support- Slots angefangen, als wir mit Bands wie This Is Hell oder den Warriors unterwegs waren, halt so Bands, auf die wir vorher schon total abgefahren sind. Und dann haben wir irgendwann die Killswitch Tour mitgemacht und die Shows waren riesig, da waren überall ein paar tausend Leute, so riesige Rock Shows, wo die Leute alle so "yeeeeaaaah, heavy music!!" drauf waren.
Dosenmusik: Also bevorzugst du eher kleine Shows? Also ohne Absperrungen, Bühnengraben usw.?
Winston: Auf jeden Fall.
Dosenmusik: Weil ich hab mir vor ein paar Wochen Ignite und Terror auch in der Essigfabrik vor mehr als 1000 Leuten angeguckt aber immer noch ohne Absperrung. Da gabs bei Terror einfach eine riesige Energie, jeder sprang von der Bühne, alle sind ausgetickt.
Winston: Es ist komisch, ich mein, man möchte eigentlich immer vor so vielen Leuten wie möglich spielen, aber ab einem gewissen Punkt geht die Verbindung verloren. Ich mein, wenn ich eine Show spiele, will ich, das die Kids stagediven, mitsingen, den ganzen Kram halt und manchmal, wenn wir mit Absperrung spielen müssen, geht das halt nicht, also hüpf ich meistens runter steh an der Absperrung. Aber ich mag es lieber, wenn die Leute mir im Gesicht hängen bei einer Show. Aber naja, die Killswitch- Shows waren gut und wir hatten ein paar Off- Dates, an denen wir kleinere ausverkaufte Shows in kleinen Clubs geheadlined haben und es war so krass, auf einmal waren da 600-700 Leute und dann fragst du dich wirklich, wann zur Hölle das passiert ist. (lacht) Ich weiß nicht, was passiert, wenn wir das nächste Mal drüben sind, ob die Kids da uns noch hören wollen, das wird noch dieses Jahr sein. Es ist halt, wie du gesagt hast: Ein riesen Haufen Bands macht die selbe Musik. Momentan gehen alle total steil auf dieses Frognoise- Ding, also klingt ungefähr jede Band so, mit denen wir in den USA spielen.
Dosenmusik: Wie Job For A Cowboy.
Winston: Ja genau, und so klingt da momentan jede Band überall.
Dosenmusik: Es scheint auch einfach so, dass diese Kombination aus At The Gates Riffs und Breakdowns mittlerweile wieder weniger modisch ist und die schlechten Bands aus dem Bereich so langsam wieder verschwinden und die guten übrig bleiben.
Winston: Ja, so vor 1-2 Jahren waren es Bands wie As I Lay Dying, Killswitch Engage, Bleeding Through und so weiter, die die Leute nachahmen wollten und jetzt sind es halt Bands wie Suicide Silence und Job For A Cowboy. Jede Band versucht im Moment, diese Richtung zu kopieren.
Dosenmusik: Wobei ich sagen muss, dass Suicide Silence da echt eine der besten Bands in dem Bereich sind, klingt wie Cannibal Corpse mit Breakdowns, das ist echt cool.
Winston: Ja man. Ich weiß noch, vor der Tour dachte ich mir "och nein, Suicide Silence, noch mehr davon", einfach weil wir mit zig Bands gespielt haben, die so klingen. Aber als ich sie gesehen hab, haben die mich umgehauen. Bisher hab ich meistens nur irgendwelche Kids gesehen, die zu jedem erdenklichen Part irgendwie "breee bree breeeee" gemacht haben aber Suicide Silence haben eine so krasse Stimme und sind einfach dermaßen hart. Also ich kann schon verstehen, dass Leute versuchen, so zu klingen, die Jungs sind da echt top notch.
Dosenmusik: Habt ihr irgendwas bestimmtes im Hinterkopf für eure Band, irgendwelche größenwahnsinnigen Dinge oder habt ihr einfach vor, euch weiterhin die Ärsche ab zu touren und Alben rauszubringen?
Winston: Ne, wir werden jetzt erstmal eine kleine Pause machen, weil es verdammt hektisch war und ich hab ja auch eine Freundin daheim, aber sonst nichts geplant großartig. Also wir wollen eigentlich einfach weiterhin so viele Shows wie möglich spielen und an so vielen verschiedenen Orten wie möglich, weil wir in Australien an Orten gespielt haben, wo es vorher sonst kaum Hardcore- Shows gab, weil Bands dort einfach nicht spielen konnten. Also werden wir auch versuchen, das in Übersee zu machen, wir haben zum Beispiel grade in Russland gespielt das erste mal, in Athen.
Dosenmusik: Ja bei denen geht in punkto harte Musik viel, weil die Jugendlichen da aufgrund der Politik ziemlich angepisst sind.
Winston: Ja genau. Auf jeden Fall werden wir versuchen in Europa irgendwo zu spielen, wo wir noch nicht waren bisher.
Dosenmusik: Wart ihr schon in Dänemark?
Winston: Ja ich glaub schon, ein paar Jahre her aber wir gehen im November wieder hin.
Dosenmusik: November schon?
Winston: Ja, im November, Aarhus oder so.
Dosenmusik: Haha, vielleicht krieg ichs ja hin, meine Familie da oben zu besuchen und nen Schlafplatz zu organisieren.
Winston: Haha, das wär cool! Wir wollen auch noch nach Sibirien und dann irgendwann nach Südamerika, Süd-Ost- Asien, das sollte cool werden.
Dosenmusik: Südamerika soll gut sein, weil die Leute alles supporten, was ins Land kommen.
Winston: Ja, die drehen durch, das ist gut. Denn an vielen Orten fangen die Leute an, es als selbstverständlich anzusehen, dass man dort spielt, also ist es cool an Orten zu spielen, wo die Kids sich dermaßen darüber freuen.
Dosenmusik: Also, dann jetzt mal die obligatorische Cliché- Lifestyle- Frage: Ist irgendjemand in eurer Band Straight Edge, Veganer, was auch immer?
Winston: Ich bin Straight Edge und Vegetarier, die andern Jungs essen alles, was blutet.
Dosenmusik: Ahahaha...
Winston: Aber unser Drummer Ben ist Straight Edge und unser Basser Jia auch. Also wir haben da so eine Mischung am Start.
Dosenmusik: Ist doch cool für die Jungs hier, mit dem Burger King um die Ecke.
Winston: Eher weniger das, die stehen mehr auf Steaks. Hahaha, ich bin echt kein Fan von dem Kram aber ich hab wirklich schon ne Menge Zeugs gesehen, was von diesen Typen gefuttert wurde. (lacht)
Dosenmusik: Hahahaha, oh man. Aaaalso, was ich von vielen Rezensenten gelesen hab, ist, dass sie eure Musik als von Bands wie At The Gates und Morning Again und den ganzen Sachen beeinflusst beschreiben.
Winston: Das ist geil! Wir sind eigentlich von keiner dieser Bands beeinflusst worden, haha!!
Dosenmusik: Das dacht ich mir fast. Ich hab mir das irgendwie so vorgestellt, dass ihr im Proberaum sitzt und irgendjemand dann sagt "Hey, lasst uns mal ein paar Metalriffs schreiben!" und dann sagt irgendjemand anders "Ja verdammt!" und plötzlich spielt ihr top notch Metalcore!
Winston: Ja, haha, so wars eigentlich auch genau. Ich mein, ich war schon ziemlich geflasht, als Leute uns mit diesen Bands verglichen haben, weil die alle der Hammer sind, aber ich glaube, dass nicht viele Bands uns in dem Sinne beeinflusst haben, dass wir Songs mit deren Musik im Hinterkopf schreiben, wir haben irgendwann einfach angefangen, solche Musik zu schreiben, weil wir Lust darauf hatten und es cool fanden. Wir versuchen einfach, Riffs zu schreiben, die möglichst hart oder so klingen und nicht Riffs, die wie diese und jene Band auf dem und dem Album klingen. Einfach nur hartes Zeug schreiben und das alles irgendwie zusammenkleben, so dass wir es uns auch selbst anhören würden.
Dosenmusik: Hörst du dir immernoch die selben Bands an, wie als ihr als Band so richtig in Gang gekommen seid?
Winston: Ich glaube nicht. Einfach weil ich die Bands, die ich damals gehört hab, schon 100x gesehen hab. Alle diese Metalcore- Bands, mit denen waren wir schon so oft auf Tour und sind jetzt mit denen befreundet. Und ich denke, dass die Bands, die ich zur Zeit gerne höre eher so "normale" Hardcore Bands sind, zu denen ich nicht so den ständigen Zugang habe, weil ich auf Tour so viele Bands mehrere Wochen am Stück ständig sehe...
Dosenmusik: Ja, das ist wahrscheinlich auf Dauer auch eher langweilig, wenn man Bands zu oft hört.
Winston: ...also hör ich mir viel Oldschool Kram an und eine Menge Hip Hop, wie Nas oder Kanye West.
Dosenmusik: Magst du auch so den ganzen alten Hip Hop Kram?
Winston: Ja, das ist mir eigentlich egal, ich bin so ziemlich offen für alles, weil- wie du gesagt hast- es auf Dauer einfach etwas langweilig wird, immer die gleichen Bands zu hören. Nach einer Show pro Abend hat man auch einfach Lust auf etwas anderes, was entspannteres.
Dosenmusik: Okay, dann noch eine hoffnungsvolle Frage: Habt ihr vor, eure Musik irgendwann noch auf Vinyl rauszubringen?
Winston: Wow, die Idee hab ich auch schon die ganze Zeit, das wär echt cool.
Dosenmusik: Ja, ich würde es lieben, euren Kram auf Platte zu kaufen!
Winston: Wirklich?
Dosenmusik: Ja, ich glaub, da gäbe es auch genügend andere in Europa, die sich eure Alben gerne auf Vinyl holen würden. Ich sollte vielleicht ein Label starten und eure Sachen auf Vinyl rausbringen!
Winston: Das ist sogar eine ziemlich coole Idee, haha! Ich hätte aber nie gedacht, dass die Art Musik, die wir spielen, auf Vinyl funktionieren würde. Einfach weil die Kids heutzutage nicht so sehr auf dieses altmodische Objekt abfahren sondern eher Sachen runterladen oder auf CD kaufen. Tapes gibts auch kaum noch...unser Demo war zB auf einem Tape!
Dosenmusik: Ach, hier in Deutschland gibts ab und zu noch Bands, die Tapes rausbringen.
Winston: Das ist cool!! Naja, es wird halt alles eine altmodische Technologie und ich hätte einfach nicht gedacht, dass überhaupt die Kosten für die Pressung beim Vinyl wieder reinkommen würden, vor allem nicht in Australien.
Dosenmusik: Hm...in Europa wird zumindest im Hardcore- Bereich fast alles auch auf Vinyl rausgebracht, auch Heaven Shall Burn zB.
Winston: Ja die kenn ich, die sind super! Machen die immer noch Vinyl?
Dosenmusik: Ja, die spielen auch nach wie vor zwischendurch mal so richtig kleine Shows. Irgendwann vor Weihnachten haben die mal in Ostdeutschland vor 100 Leuten oder so gezockt.
Winston: Wow, das ist echt geil!
Dosenmusik: Ja, einfach Spritkohle, Essen und so weiter...
Winston: Super Band auf jeden Fall!
Dosenmusik: Okay, noch irgendwelche letzten Worte, weil ich glaube This Is Hell fangen gerade an und die muss ich sehen!
Winston: Oh, ich auch, haha! Also, ähm, ja, danke auf jeden Fall an jeden in Deutschland der uns irgendwie supportet hat bisher, danke an dich, danke an alle hier, es ist immer wieder geil hier zu spielen, danke!!
Dosenmusik: Okay, danke für das Interview und viel Spaß!
Winston: Dir auch, man! (lacht)

Winston McCall: Vocals
Luke Kilpatrick: Gitarre
Jeff Ling: Gitarre
Ben Gordon: Drums
Jia O'Connor: Bass

www.parkwaydriverock.com

Autor: sop_yannick | 21. Mai 2008
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