Interview mit Panic! At The Disco
Interview mit Sänger Brendon Urie am 26.10.2006 in Köln Er würde nichts schreiben von dem er nicht will, dass ich es singe
Panic! At The Disco Dosenmusik: Hi, Mein Name ist Kirsten. Ich führe das interview für das E-Zine Dosenmusik.de und da wir wenig Zeit haben legen wir am besten gleich los.
Ich habe gehört, dass Ihr vor der Europa Tour mal ein paar Tage frei hattet. Wie war es für Euch, dem Blitzlichtgewitter mal für eine Zeit lang zu entkommen?
Brendon: Ja, wir hatten ein paar Wochen frei und konnten mal nachhause, das war die längste Zeit, die wir seit anderthalb Jahren frei hatten. Es war einfach großartig, wir brauchten wirklich dringend eine Pause... Aber sobald du wieder für eine Weile zuhause bist willst du eigentlich nur wieder auf Tour gehen, es ist also ein ständiges Hin und Her.
Dosenmusik: Konntest Du die Zeit dann überhaupt genießen oder warst Du gedanklich schon wieder im Tourbus?
Brendon: Naja, nach 2 Wochen wollte ich am liebsten wieder auf Tour, aber ich hatte mal Zeit zum Ausspannen und es gab natürlich Dinge, die man trotzdem erledigen muss, wie das halt immer so ist. Aber wir brauchten mal die Zeit nur für uns.
Dosenmusik: Wie kommt Ihr mit dem Schreiben für das neue Album voran?
Brendon: Oh! Damit haben wir noch gar nicht angefangen! Wir haben zwar schon ein paar Ideen, an denen wir arbeiten, aber damit fangen wir erst ab Januar richtig an. Hoffentlich, wenn alles nach Plan läuft, ist nächstes Jahr um diese Zeit schon eine neue Platte draußen.
Dosenmusik: Ich habe gehört, dass es Euch generell schwer fällt Songs zu schreiben während Ihr auf Tour seid, wohingegen andere Bands nur dort schreiben können. Woran liegt das?
Brendon: Hm, die Sache damit ist, dass es für uns persönlich schwer ist, weil wir a) ständig viel zu tun haben, mit der Presse und allem drumherum, und b) es ist einfach generell eine Umgebung, in der man sehr schwer etwas schreiben kann. Es sind immer Leute die in unseren Aufenthaltsräumen Party machen wollen, daher ist es schwierig, einen Ort zu finden, an dem man sich zusammensetzen kann, um Ideen niederzuschreiben.
Dosenmusik: Abgesehen von der Aufmerksamkeit, die Ihr von der Presse und den Fans bekommt, was hat sich an Eurem Leben in den letzten Monaten am meisten geändert?
Brendon: (Langes Nachdenken) Wir sind immer noch dieselben Menschen, aber ich denke mal, wir sind als Live Band wesentlich besser geworden und haben uns einen Namen gemacht, solche Dinge haben sich hauptsächlich im letzten Jahr geändert.
Dosenmusik: An Euch scheiden sich die Geister- entweder lieben Euch die Leute oder sie können Euch nicht ausstehen. War das etwas, dass Ihr mit diesem Album erreichen wolltet?
Brendon: Als wir dieses Album geschrieben haben dachten wir nicht wirklich daran, es für jemanden anderen zu schreiben. Wir wollten ein Album für uns schreiben, die Musik machen, die wir mögen und gerne hören. Genau dadurch scheint es aber zu kommen, dass die Leute uns entweder lieben oder wirklich abgrundtief hassen, aber ich denke, es ist gut, dass es keine Grauzone gibt.
Dosenmusik: Den Hass einiger Leute konnte man vor allem beim Reading Festival in England (a/n Brendon wurde mitten im ersten Lied von einer Flasche im Gesicht getroffen und war für einen Moment ohne Bewusstsein) beobachten, gehst Du seitdem mit einer anderen Einstellung auf die Bühne?
Brendon: Naja, ich wurde ja nur von einer Flasche getroffen, es ist ja nicht so, als ob ich angeschossen wurde oder etwas in der Art. Ich wurde zwar getroffen, aber das ändert nicht die Art und Weise, wie ich mich auf der Bühne fühle, ich denke ich bin jetzt nur wesentlich vorsichtiger, wenn ich irgendwelche Flaschen fliegen sehe (lacht)
Dosenmusik: Viele Lieder auf "A fever you can't sweat out" handeln von sehr persönlichen Dingen, wie ist es für Dich, diese Dinge zu singen, da ja nicht Du sondern Ryan schreibt? Weißt Du immer genau, was er meint?
Brendon: Ja. Als wir sie geschrieben haben, war es allerdings sehr frustrierend für ihn, mir das klar zu machen und seine Aussage richtig rüberzubringen- er hat mir das in der Art erklärt wie "Diese Zeile musst du so singen, mit diesem Ausdruck, diesem Gefühl".
Es ist mittlerweile so, dass ich die Stimme für seine Worte geworden bin, was auch heißt, dass ich sein volles Vertrauen brauche und das war anfangs gar nicht so leicht. Er erklärt mir aber alles, was in den Geschichten vor sich geht und es ist auch nicht mehr so schwer. Es gab allerdings ein paar Momente, in denen ich mir seine Texte durchgelesen habe und gedacht habe "Wow, Du willst wirklich, dass ich das singe?!" Es ist schon ein bisschen verrückt, aber ich denke, dass ist der Grund, warum ich es singe und nicht er. Wenn es durch mich gesagt wird, kann es ihm nicht vorgeworfen werden.
Dosenmusik: Hast Du nicht manchmal das Gefühl, dass Du etwas singst das zu persönlich ist?
Brendon: Das hängt völlig von ihm ab, ob er das Gefühl hat, dass es zu persönlich ist. Wir sind sehr eng befreundet und sagen uns fast alles, haben keine Geheimnisse, die wir vor dem anderen verstecken, daher würde er nichts schreiben von dem er nicht will, dass ich es singe.
Dosenmusik: Das Album ist in zwei Teile unterteilt, wie kam es dazu und wollt Ihr etwas in der Art bei dem nächsten Album beibehalten?
Brendon: Wir wissen noch nicht, ob wir es auf dem nächsten Album noch einmal machen wollen, vor allem wollen wir uns in eine andere Richtung weiterentwickeln. Bei diesem Album allerdings, was ja auch unser erstes war, da war es nicht einmal geplant, es am Ende zu unterteilen. Wir hatten die ersten fünf oder sechs Lieder geschrieben, die eher in Richtung Tanzmusik gingen, die aber anfingen uns zu langweilen. Wir wollten noch etwas anderes machen und es hat sich einfach natürlich angefühlt, Instrumente wie Cello und Akkordeon einzubringen.
Mir gefällt der zweite Teil besser, weil wir uns dort besser als Musiker beweisen konnten und unseren eigenen Geschmack und unsere Fähigkeiten besser einbringen konnten. Außerdem war die letzte Zeit im Studio sehr lustig, da die letzten Lieder erst dort entstanden sind und es hat uns Spaß gemacht zu experimentieren und neue Instrumente auszuprobieren. Es hat uns einfach generell mehr Spaß gemacht schätze ich.
Dosenmusik: In jedem Eurer Lieder erzählt Ihr eine Kurzgeschichte, könntest Du Dir vorstellen, dass Ihr mal ein großes Konzeptalbum mit einer Geschichte macht, die sich durch das ganze Album zieht?
Brendon: Das ist voll und ganz Ryan's Entscheidung. Ryan hat schon davon gesprochen, er brütet momentan viele Ideen in seinem Kopf aus, also wäre es auf jeden Fall eine Möglichkeit. Wir werden sehen, was daraus wird, ich bin selbst sehr gespannt - um ehrlich zu sein.
Dosenmusik: Hast Du Dir jemals gewünscht, dass die Band nicht so groß rausgekommen wäre?
Brendon: Hm, Ich weiß nicht aber.... Nein. Ich meine, bis jetzt war alles was bisher passiert ist einfach nur großartig, es gab eher das Für als das Wider. Wir wissen, dass es alles nächstes Jahr zuende gehen könnte, und das nächste Album ein totaler Flop werden könnte. Wir sind uns dessen wirklich sehr bewusst und wenn es passiert, dann passiert es, aber wir sind nie glücklicher gewesen als jetzt und es geht uns wirklich gut.
Dosenmusik: Was ist denn der größte Nachteil des Berufes?
Brendon: Es gibt keine wirklichen Nachteile in diesem Beruf, bisher ist alles wirklich sehr vorteilhaft gewesen- wir können jede Nacht Konzerte für mehrere tausend Leute spielen und das ist das, was wir am liebsten tun. Wir lieben es zu performen, einfach nur Musik zu machen, daher gibt es keine Nachteile, die mir spontan einfallen. Pressemäßig ist es natürlich sehr stressig und da werden wir dann auch manchmal ungemütlich und sind frustriert mit uns selbst- wir sind Perfektionisten, wenn es um unsere Musik geht. Aber man muss ja irgendwie beschäftigt bleiben, das ist ja immerhin unser Job.
Dosenmusik: Ich nehme also mal an, das, was Euch am Touren am meisten Spaß macht, sind die Konzerte?
Brendon: Ja, das gefällt mir auf jeden Fall am besten daran, aber auch Orte besuchen zu können, an denen wir vorher noch nie waren. Ich meine, wir sind jetzt bestimmt schon fünf oder sechs mal durch die USA getourt, und es ist merkwürdig, darüber nachzudenken, dass ich ohne diesen Job wahrscheinlich nie in meinem Leben nach Deutschland gekommen wäre, oder schon Japan oder Australien gesehen hätte. Durch diesen Job bin ich in der Lage, die Welt zu sehen, und das ist definitiv ein Vorteil.
Dosenmusik: Bist Du denn mit all der Arbeit wirklich in der Lage, soviel davon zu sehen?
Brendon: Da hast Du natürlich recht. Wir sind so beschäftigt mit der Presse, wenn wir an neue Orte kommen, aber die wenige Zeit, die wir haben um uns ein wenig umzusehen nutzen wir auch und wir wandern einfach ein bisschen durch die Straßen der Städte und versuchen, soviel zu entdecken wie wir können. Es passiert nicht häufig, aber das, was wir sehen mögen wir, wir genießen es.
Dosenmusik: Vor Eurem eigentlichen Konzert spielt Ihr heute im Saturn noch ein Akkustik-Set und gebt Autogramme. Sind solche Dinge fest eingeplant oder erfahrt Ihr davon in letzter Minute?
Brendon: Um ehrlich zu sein habe ich davon erst vor zwei Tagen gehört, und wir wussten davon vorher gar nichts, daher mal sehen was daraus wird (lacht). Es wurde geplant, ohne dass man es uns gesagt hat, was nicht häufig vorkommt, daher werden wir einfach probieren so etwas auf die Beine zu stellen.
Dosenmusik: In den USA und in Großbritannien seid Ihr mit großer Bühnenshow aufgetreten, habt Ihr sie hierhin auch mitgebracht?
Brendon: Nein, das konnten wir leider nicht. Es ist wirklich schwierig alles mitzubringen, mit den Performern und deren Zeitplänen und den großen Bühnenbildern.... Aber hoffentlich haben wir nächstes Mal wenn wir kommen ein besseres und extravaganteres Set!
Dosenmusik: Ist es für Dich ein großer Unterschied ob Du mit oder ohne Tänzer auftrittst?
Brendon: (überlegt) Als wir im Sommer mit ihnen in den USA auf Tour waren, war ich in einige der Tänze miteingebunden und musste einige Choreografien lernen, was schon irgendwie Spaß gemacht hat und eine neue Erfahrung für mich war, also schlecht war es nicht. Ich habe mich eigentlich sogar recht wohl gefühlt mit ihnen auf der Bühne, und sie haben es mir auch recht einfach gemacht. Sie waren wirklich toll und haben viele Sketche gespielt, was dem Publikum natürlich auch Spaß gemacht hat.
Dosenmusik: Da Ihr alle kein großes Interesse an Parties und Alkohol habt, wie kann man sich Euer Leben auf Tour vorstellen, wenn Ihr nicht gerade auf der Bühne oder mit der Presse beschäftig seid?
Brendon: Um ehrlich zu sein komme ich gerade aus dem Dressing Room und habe mit den anderen über Musik aus den 90ern diskutiert mit der wir aufgewachsen sind... Während andere Bands rauchen, trinken, auf Parties gehen und all diese Dinge tun sitzen wir meistens Backstage und unterhalten uns über neue Ideen für die Bühnenshow, neue Konzepte für Videos oder das neue Album, oder unterhalten uns einfach nur.
Dosenmusik: Also dreht sich bei Euch gewisserweise alles um Arbeit?
Brendon: Oh nein, aber das ist es was wir am liebsten tun. Wir lieben es, uns merkwürdige neue Dinge einfallen zu lassen oder über neue originelle Ideen zu reden, das ist einfach was wir gerne machen. Es gab bestimmt so drei vier mal, wo ich auch mal ausgegangen bin, aber da war es dann meistens mit Leuten von unserem Label oder unserem Management, und wenn ich da war und mit ihnen rumgehangen habe, war mir meistens nach 20 Minuten langweilig. Die meisten anderen waren dann betrunken und ich dachte nur "oh Mann, ich will zurück ins Hotel". Daher kommt es nicht so häufig vor, wir sitzen lieber im Bus und schauen uns Filme an.
Dosenmusik: Was ist die größte Fehleinschätzung über die Band?
Brendon: Die größte Fehleinschätzung? (langes Überlegen). Oh Gott, da gibt es so viele, da könnte ich Dir stundenlang welche aufzählen! (lacht). Ich weiß nicht…. Schubladen, in die die Leute uns stecken. Klischees, dass sie uns einfach in irgend eine Kategorie zu stecken versuchen, die nicht mal klar definiert ist, von der ich nicht mal weiß, was sie bedeutet. So was passiert nun mal, ich versuche einfach nicht zu sehr darüber nachzudenken. Ich weiß nicht einmal, was das Wort "Emo" genau heißen soll, daher kann ich auch nicht wirklich dagegen argumentieren.
Dosenmusik: Wie schafft Ihr es noch Kontakt mit Eueren Fans zu behalten? Ich habe etwas über einen Buchclub auf der offiziellen Homepage gehört? (Fans können sich auf www.panicatthedisco.com in einem Buchclub anmelden und untereinander, manchmal auch mit der Band, über aktuelle Literatur diskutieren)
Brendon: Ja, wir hatten einen Buchclub. Als wir damit anfingen hofften wir, dass wir dafür genug Zeit haben würden, aber dann wurde unsere Band immer größer und wir hatten soviel zu tun, dass wir kaum noch daran teilnehmen können. Wir brauchen mittlerweile schon jemanden, der unser Myspace oder den Buchclub für uns checkt, weil wir keine Zeit dafür haben. Es ist daher echt schwierig, Wege zu finden, um mit den Fans in Kontakt zu bleiben, aber wir versuchen eine enge Beziehung zu ihnen zu haben und denken auch viel darüber nach. Wir lieben die Beziehung, die wir zu unseren Fans haben und sind wirklich dankbar, dass sie uns sosehr unterstützen, aber wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir nicht mal mehr nach den Shows rausgehen können um Dinge zu unterschreiben, weil zu viele Leute da sind.
Dosenmusik: Wenn es schon so schwer ist mit den Fans in Kontakt zu bleiben, wie macht Ihr es da erst mit Euren Familien?
Brendon: Die wenigen Male, die ich dazu komme ins Internet zu gehen, versuche ich per Email mit ihnen in Kontakt zu bleiben, da es ein Vermögen kostet, sie von hier aus anzurufen, daher ist das auch sehr schwierig. Solange wir hier in Europa sind ist es echt hart, mein Sidekick funktioniert hier nicht einmal, daher dreht sich alles um meinen Laptop! (lacht)
Dosenmusik: Habt Ihr denn wenigstens bald noch mal ein paar Tage frei?
Brendon: Wir werden um Weihnachten herum wohl eine Woche Zeit für unsere Familien bekommen…
Dosenmusik: Also sind das 2 Wochen Urlaub in anderthalb Jahren?
Brendon: So in etwa. Es ist echt ein Vollzeit Job. (lacht) Aber was solls. Ich liebe es.
Dosenmusik: Vielen Dank für das Interview!
Brendon: Kein Problem, ich danke dir.


Ryan Ross - Guitar
Spencer Smith - Drums
Jon Walker - Bass
Brendon Urie - Vocals, Guitar

www.panicatthedisco.com

autor: Jerseydevil | 26.10.2006
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