Interview mit Neaera im August 2007
Interview mit Sänger Benny Hilleke von Neaera im August 2007 Bei einer Heaven Shall Burn/Neaera-Split hatten die Leute gleich das Original und die Kopie auf einer CD.
Neaera Dosenmusik: Allein schon beim Schreiben eures Bandnamens muss man doppelt nachschauen, ob man nun Neaera richtig geschrieben hat. Spätestens wenn diesen jemand mit zwei Promille aussprechen will, entstehen ganz witzige Verwurstungen. Was war eure kurioseste Geschichte in Bezug auf den Bandnamen?
Benny Hilleke: Ja, das mit den Ausspracheproblemen hören wir häufiger, aber wirklich kuriose Geschichten in Bezug auf den Namen gibt es leider nicht. Noch nicht. Es ist immer nur ganz witzig, in welchen Schreibkombinationen der Name auf Flyern oder Postern auftaucht. Da hatten wir von Nahera bis Nereaeaerara auch schon alles Mögliche dabei. Ich glaube, ich fange bald an die wenigen Flyer zu sammeln, auf denen der Name richtig geschrieben steht.

Dosenmusik: Neaera kommt aus der griechischen Mythologie. Was fasziniert eigentlich so dermaßen viele Bands an diesen alten Geschichten?
Benny Hilleke: Das kann ich dir auch nicht genau sagen. Als wir damals in einem Buch auf den Namen gestoßen sind, hatte uns dieser in erster Linie wegen seiner Schreibweise, aber auch seiner ungewöhnlichen Aussprache gefallen. Wir wussten also weder wer oder was Neaera überhaupt war, noch dass es sich um etwas aus einer Mythologie handelte. Aber ich muss auch ehrlich gestehen, als wir herausfanden, dass Neaera eine Figur aus der griechischen Mythologie war, hat das positiv zu der finalen Namensentscheidung beigetragen.

Dosenmusik: Und warum benennt man sich überhaupt nach einer Nymphe oder etwas solzialer ausgedrückt, einer Hetäre?
Benny Hilleke: Naja, wenn es sich bei Neaera um einen ultrafiesen Dämon aus der Unterwelt oder ähnliches gehandelt hätte, hätte ich sicherlich auch nichts dagegen gehabt, aber eine Nymphe war irgendwie auch ganz interessant. Wäre Neaera andererseits eine Obst- und Gemüsehändlerin gewesen, hätten wir uns das wahrscheinlich doch noch einmal überlegt. Das Wort Hetäre kannte ich im Übrigen bis gerade eben gar nicht, also vielen Dank, das merke ich mir jetzt für die nächsten Interviews vor.

Dosenmusik: Komischerweise liest man bei euch diese typische Bandnamen-Story auch nirgendwo. Seit ihr das nie gefragt wurden, obwohl es sich ja zwangsläufig aufdrängt oder blockt ihr das immer ab, weil es einfach nervt?
Benny Hilleke: Nein, wir blocken grundsätzlich gar keine Fragen ab. Alles wird brav beantwortet, selbst wenn gewisse Fragen dabei sind, bei denen einem die Antwort vielleicht nicht mehr so auf der Zunge brennt. Die Bandnamen-Frage taucht aber eigentlich recht oft in Interviews auf, aber wie du schon sagtest, ist die Frage ja auch nahe liegend. Wenn ich mir Interviews zu Bands mit ungewöhnlichen Namen durchlese, interessiert mich persönlich ja die Geschichte zur Namensentstehung auch, deswegen ist das legitim.

Dosenmusik: Wie nervig war es denn eigentlich, in den Anfangstagen immer als Kopie von Caliban oder Heaven Shall Burn abgestempelt zu werden, obwohl dazwischen ja im Grunde auch schon Welten liegen?
Benny Hilleke: Klar war das ein bisschen nervig, aber man konnte das den Leuten auch nicht wirklich übel nehmen, man wurde ja förmlich zugeschissen mit Bands wie uns. Dass man als Hörer dann irgendwann keine Lust oder kein Ohr für die vielleicht vorhandenen Unterschiede zu Caliban oder Heaven Shall Burn hat, ist kein Wunder. Aber ein paar Ähnlichkeiten sind ja nun auch nicht von der Hand zu weisen, schließlich erfinden wir auch nichts Neues. Wahrscheinlich hätte ich damals selbst zu den Leuten gehört, die uns als Kopie bezeichnet haben.

Dosenmusik: Dennoch: Gerade mit dem ersten Album "The Rising Tide Of Oblivion" seit ihr regelrecht von heute auf morgen durch die Decke geschossen. Danach wurde es etwas ruhiger bis sehr ruhig um euch. Woran lag das? Kam das alles viel zu schnell so im Nachhinein gesehen?
Benny Hilleke: Für uns wurde es eigentlich alles andere als ruhig, denn wir spielten mehr und mehr Konzerte und hatten das Glück bei einigen Tourneen als Support mitfahren zu können.

Dosenmusik: Trotzdem habt ihr "Let The Tempest Come" ziemlich schnell nach der ersten Platte veröffentlicht und jetzt legt ihr "Armamentarium" wieder sehr schnell nach. War "Let The Tempest Come" also nur ein halbes Übergangsalbum, was ihr schnell verdrängen wolltet? Immerhin gab es viele gespaltene Meinungen dazu.
Benny Hilleke: Nun, gespaltene Meinungen gibt es immer, das ist klar. Insgesamt gesehen hatte "Let The Tempest Come" bei dem Großteil der Reviews sogar noch etwas besser abgeschnitten als "The Rising Tide Of Oblivion". Es ist für uns aber alles andere als ein Übergangsalbum. Unser bisheriger Veröffentlichungsrhythmus von einem Jahr hört sich vielleicht kurz an, aber letzten Endes haben wir über ein Jahr lang an den Songs gesessen. Viele Bands schließen sich für ein paar Monate im Studio ein und schreiben ein komplettes Album. Das würde bei uns wahrscheinlich nicht funktionieren, deswegen schreiben wir kontinuierlich und über das Jahr verteilt. Und wenn ein Song oder Album unserer Meinung nach fertig ist, warum sollten wir dann noch weiter daran rumschrauben? Dann geht es also schnell ab ins Studio.

Dosenmusik: "Armamentarium" ist nun das berühmt-berüchtigte dritte Album, das ja immer als Wegweiser gilt. Ist da wirklich was dran?
Benny Hilleke: Das sehe ich nicht so. Ich meine, es ist ja auch nicht so, dass wir auf "Armamentarium" etwas völlig Anderes machen als auf den Vorgängeralben. Als Musiker entwickelt man sich von Album zu Album weiter, ob nun zum Besseren oder zum Schlechteren sei aber erst einmal dahingestellt.

Dosenmusik: Inwiefern unterscheidet sich dann eurer Meinung nach "Armamentarium" von seinen Vorgängern?
Benny Hilleke: Ich denke "Armamentarium" ist noch einmal eine Ecke härter als seine Vorgänger und es wird häufiger mit der Bolt-Thrower-Panzerfaust geschossen, ohne allerdings dabei die Melodien völlig außer Acht zu lassen.

Dosenmusik: Was ist das Ziel, das ihr mit diesem Album verfolgt habt? Habt ihr bewusst irgendetwas anders gemacht als zuvor?
Benny Hilleke: Natürlich hatten wir den Ansporn, keinen Müll abzuliefern, aber dass wir bewusst anders an die Sache rangegangen sind oder wir ein bestimmtes Ziel mit diesem Album verfolgt haben, war nicht der Fall.

Dosenmusik: Das Album klingt insgesamt etwas atmosphärischer und weniger songorientiert. Eine Entwicklung, die zum Beispiel Caliban erst nach mindestens fünf Alben gelernt haben. Ist dieser Prozess wirklich so schwierig und entwickelt sich erst mit der Reife einer Band?
Benny Hilleke: Schwierige Frage. Da wir nicht bewusst etwas anders gemacht haben, muss es ja irgendwie an einem Reifungsprozess einer Band liegen, den man allerdings selbst unter Umständen gar nicht so richtig wahrnimmt.

Dosenmusik: Wie geht es dann nach der Veröffentlichung für euch weiter? Es steht eine kleinere Tour im Oktober mit Deadlock auf dem Plan, aber längerfristig?
Benny Hilleke: Es sind ein paar Shows und Touren im Ausland im Gespräch, aber da ist noch nichts in trockenen Tüchern, also abwarten, was da noch so passieren wird. Wirklich planen kann man sowieso nicht, denn sobald man sich auf irgendwas einstellt, kommt eh irgendwas dazwischen und man wirft alle alten Pläne über den Haufen.

Dosenmusik: Ganz groß im Kommen scheinen ja wieder Split-CDs zu sein. Das wäre doch was für euch als weiterer Plan. Mit wem würdet ihr denn dann gerne einmal eine Split aufnehmen? Oder liegt vielleicht doch so ein Plan sogar schon in der Schublade?
Benny Hilleke: Nein, da gibt es keine konkreten Pläne. Ich bin gegenüber Split-Cds auch eher geteilter Meinung, weil beide Bands nur eine halbe Platte dazu beisteuern und dann irgendwie etwas Ganzes daraus geschustert wird. Gut, wenn einem beide Bands gefallen, ist das vielleicht eine coole Sache. Findet man aber nur eine Band toll, kauft man zwangsläufig ein halbes Album zum vollen Preis und bezahlt die andere Hälfte für eine Band, die man im schlimmsten Fall richtig kacke findet. Nichtsdestotrotz gibt es sicherlich Bands, mit denen ich mir so was gut vorstellen könnte. Misery Speaks, Fear My Thoughts oder Heaven Shall Burn zum Beispiel. Im Falle einer Heaven Shall Burn/Neaera-Split hätten die Leute dann auch direkt das Original und die Kopie auf einem Album.

Dosenmusik: Ein Punkt, der auch immer gerne diskutiert wird, sind die Cover und Artworks. Welchen Stellenwert hat bei euch diese Kunst um das hörbare Album drumherum?
Benny Hilleke: Während die beiden Vorgängeralben vom graphischen Stil her noch nichts über den musikalischen Inhalt verraten sollten, haben wir dieses Mal bewusst auf ein düsteres Artwork gesetzt. Es muss halt irgendwo die Musik wieder zu finden sein.

Dosenmusik: Sonstige momentane Gedanken ...
Benny Hilleke: Argh, da bin ich schlecht drin. So ganz spontan habe ich gerade ein Bild von Homer Simpson vor Augen, auf dem sich in seiner Denkblase zwei Affen den Kopf lausen.


Gitarre - Tobias Buck
Schlagzeug - Sebastian Heldt
Gesang - Benny Hilleke
Bass - Benjamin Donath
Gitarre - Stefan Keller

www.neaera.com

autor: Christoph Schwarze | 24. August 2007
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