Interview mit Narziss
E-Mail Interview mit Narziss am 22.08.2006 Über die Band, New Metal und vieles mehr
36 crazyfists Dosenmusik: Hi ich bin Helmi und herzlichen Dank an Euch, dass Ihr euch Zeit nehmt für dieses Interview. Es wird auf Dosenmusik erscheinen, einer Online Community in der er sich Hauptsächlich um Musik und Bands dreht.
Schildert uns den Werdegang von Narziss, wie ist die Band entstanden?
Narziss: Willst du das wirklich? Das könnte nämlich etwas länger dauern, da ich da etwas ausholen muß (lacht). Das war im Dezember 1998. Man hatte die Idee eine Band zu gründen und prompt wurden dafür Gleichgesinnte gesucht und auch gefunden, wenn auch nur für kurze Zeit, da drei Leute der damaligen Narziss noch in einer anderen Band namens Nail spielten, mit der wir Ende 1999 auch eine Split veröffentlichten. Johannes, unser Gitarrist ist das einzige noch verbliebene Gründungsmitglied von Narziss. Aus dieser Zeit stammt auch der Name der Band, der einfach beibehalten wurde. Es fanden sich schnell neue Leute für Narziss zusammen. Man kannte sich vorher schon und musste sich praktisch nur im weiteren Freundeskreis umsehen. Ich kam dann auch als Sänger dazu und wir nahmen gleich im Mai 1999 nach ein paar Proben ein Demotape in unserem Proberaum auf. Davon wurden 500 Stück gemacht. Im Herbst kam es dann zur Split-CD mit Nail, die schnell vergriffen war. Im Frühjahr 2000 nahmen wir dann von dem bei Auftritten erspartem Geld die "Ebenbilder"-EP auf und veröffentlichten sie als Band selbst. Bei dieser Studio-Session nahmen wir auch die Songs für Split mit Destiny, Should have known und Self Conquest auf, welche bei Beniihana-Records im März 2001 erschien. Wir spielten eine Menge Auftritte und im März 2002 verließ ich die Band, da meine Prioritäten damals anders lagen. Es kam der Micha für mich ans Mikrophon und sang die "Die Hoffnung stirbt zuletzt" ein. Johannes gründete Circulation Records und brachte bis zur "Neuen Welt" alle Platten von Narziss heraus. Als auch Micha die Band verließ, holten Narziss dann Rayk Sommer, der damals noch bei Self Conquest aus Brandenburg sang. Der verewigte sich dann auf der "Hope dies"-EP, die im Januar 2003 veröffentlicht wurde. Als Narziss dann 2004 die Aufnahmen für "Neue Welt" starten wollten, fragte man mich, ob ich denn nicht mit ins Studio kommen wolle, um Rayk zu unterstützen. Ich fing wieder Feuer und wir sangen zusammen auf der Platte. Die Band hatte jetzt zwei Shouter. Aber nur bis Ende 2004. Da Rayk knapp 300 km fahren musste, um an einer Probe teilzunehmen und dazu noch beruflich mehr eingespannt wurde, verließ er Narziss. Es gab dann noch einen Wechsel von einem Gitarristen und einem Bassisten, auf den ich aber jetzt nicht weiter eingehen werde, sonst raucht dir der Kopf (lacht). Ich hoffe, das hat deine Frage weitgehend beantwortet (grinst).
Dosenmusik: Das Auffälligste an Euch ist ja erstmal, dass Ihr auf Deutsch singt. Wie kam das zustande, hattet Ihr es satt immer nur Englisch zu hören?
Narziss: Deutsch ist eine lyrische und reiche Sprache. Sie ist nicht so limitiert wie die englische Sprache. Wir konnten uns in unserer Muttersprache immer schon besser ausdrücken, wenn es hieß, einen Text zu schreiben. Wir bedienen uns da sehr oft der Gedichtsform und bringen diese dann in Einklang mit dem Song. Außerdem kann jeder im deutschsprachigen Raum die Texte verstehen und sich damit auseinandersetzen. Ich kann nur vermuten, wie oft das die Leute bei englischen Texten machen. Man ist sich bewußt, was man mitschreit und das gibt dem Ganzen doch eine völlig andere Ebene. Wir bekamen schon oft Interpretationen unserer Texte zugeschickt. Es ist einfach schön zu wissen, dass sich Leute damit auseinandersetzen und irgendwas in den Texten für sich entdecken.
Dosenmusik: Wie wird das von den Zuhörern aufgenommen. Ist es eher hinderlich Deutsch zu schreien oder seht Ihr da keinen Unterschied?
Narziss: In Deutschland ist es für die meisten eigentlich gar nicht hiunderlich. Man braucht evtl. eine gewisse Gewöhnungsphase, aber dann ist das kein Thema mehr. Im Ausland braucht man etwas länger, aber da gibt es auch Leute, die den Text mitsingen. Wir singen englische Texte in Deutschland ja auch mit (grinst).
Dosenmusik: Glaubt Ihr dadurch, dass Ihr Deutsch singt, vielleicht auch den Amerikanischen Markt stürmen zu können wie damals Rammstein, weil Ihr Euch halt von den anderen Moshcore-Band unterscheidet?
Narziss: Das kann ich leider nicht einschätzen. Rammstein haben ein anderes Zielpublikum und sie haben stimmlich eine völlig andere Artikulation. Es wird alles übertrieben und damit wird natürlich auch provoziert. Sie spiegeln damit, nicht nur bei den Amerikanern, das Bild wieder, was alle Menschen von den Deutschen erwarten und was die Leute denken zu kennen. Es werden Klischees bedient. Sie versinnbildlichen all das in ihrer Musik. Der Sinn dahinter öffnet sich aber nicht jedem. Eine sehr intelligente Band.
Dosenmusik: Seht ihr Euch als Pioniere für den deutschsprachigen Moshcore?
Narziss: Nein, es gab vor uns auch schon deutschsprachige HC-Bands. Nur haben die nicht solange durchgehalten. Es ist immer die Frage mit welcher Intensität man eine Sache betreibt und wie gut man letztendens ist. Die deutschen Lyrics sind ein Markenzeichen und es gibt auch heutzutage HC-Bands, die ausschließlich auf deutsch singen. Natürlich freut es uns, wenn junge Musiker sich entschließen deutsche Texte zu schreiben. Wer ist der ausschlaggebende Grund dafür? Keine Ahnung (lacht).
Dosenmusik: Wie kommen die Lyrics zustande, welche Themen werden meistens verarbeitet und wer schreibt die Lyrics?
Narziss: Reden wir mal vom neuen Album. Wie schon gesagt, schreiben wir die Texte meist als Gedicht. Texte schreiben der Johannes und ich. Wir haben auch schon welche zusammen geschrieben. Die Themen sind sehr weitläufig. Auf dem neuen Album geht es zum Beispiel um persönliche Beziehungen, Mobbing, Sextourismus, Vergewaltigung, die Vertriebenenproblematik jetzt und in der Vergangenheit und natürlich um die Liebe.
Dosenmusik: Als Lokale Band wie wichtig ist die Unterstützung der Szene, findet Ihr, da müsste mehr kommen?
Narziss: Die Szene lebt von diesen Bands. Auch wir spielen sehr oft in kleineren Clubs, um die Szene und Clubs zu unterstützen. Diese Sache ist uns sehr wichtig. Ohne diese Clubs könnte keine Band existieren bzw. wachsen. Eine Band muß sich aber auch um Auftritte außerhalb der Region kümmern, sonst stagniert das irgendwann.
Dosenmusik: Wie hat sich der Wechsel von Circulation Records auf Alveran Records auf das neue Album ausgewirkt?
Narziss: Auf die Produktion hat sich das gar nicht ausgewirkt. Die wäre genauso gewesen. Lediglich die Promotion und die Möglichkeiten für uns als Band haben sich geändert. Was da noch alles auf uns zukommt werden wir sehen. Man hat einen Partner mit Alveran im Rücken, der einem mehr Rückhalt und Support geben kann.
Dosenmusik: Gab es von Alveran Records eine Andeutung das Ihr vielleicht auch mal englische Songs spielen könntet?
Narziss: Nein, gar nicht. Man diskutierte am Anfang der Verhandlungen über die deutschen Texte und über die Möglichkeiten der Promotion. Es wurde aber nie gefordert, dass wir englische Texte machen sollen. Das wäre ja auch armselig gewesen (lacht). Allerdings hatten wir als Band nach der "Neuen Welt" mal die Idee eine Platte zweisprachig aufzunehmen. Das wurde aber schnell wieder verworfen. Die deutschen Texte sind unser Markenzeichen. Und dabei bleibt es auch.
Dosenmusik: Bei dem neuen Album wird der klare Gesang ein wenig mehr in den Vordergrund gerückt so ein wenig im Gegensatz zum doch eher Death Metal inspirierten Songaufbau, war das eine bewusste Entscheidung oder hat sich das eher zufällig ergeben?
Narziss: Beim Komponieren der Songs wussten wir, dass die Struktur einiger Lieder mehr Gesang erfordern würde. Das hatte man einfach im Gefühl. Im Studio wurden die Gesangslinien mit Hilfe von Alexander Dietz ausgefeilt oder es kamen völlig neue Impulse seinerseits. Die Zusammenarbeit mit ihm hat uns in dieser Hinsicht sehr viel gebracht. Von daher war es schon eine bewusste Entscheidung.
Dosenmusik: Wie empfindet Ihr die musikalische Entwicklung momentan in Deutschland? Versumpft die Szene in zu Metalcore lastigen Bands und ist daher eine Rückbesinnung auf die Death Metal Zeiten angesagt? Heaven Shall Burn, zum Beispiel sind ja auch mit Ihrem aktuellen Album eher Death lastiger.
Narziss: Rückbesinnung würde ich das nicht nennen. Es ist eine Weiterentwicklung. Man versucht seine Grenzen zu erweitern. Und wenn Bands andere Wege gehen, dann kann ich das nur gutheißen. Stillstand ist der Tod für jede Szene.
Heaven Shall Burn sind auf ihrer neuen Platte etwas direkter und nicht ganz so verspielt. Und deathlastig war die Musik der Kollegen schon immer (grinst).
Dosenmusik: Mit dem neuem Label und dem neuen Album wird es sicherlich eine Tour geben, in welcher Stadt hattet Ihr bisher das beste Konzert?
Narziss: Wir werden acht Shows der Hell-on-Earth-Tour spielen. Dann spielen wir noch eine Menge Shows an den Wochenenden, um die Platte zu promoten.
Es gab schon viele schöne Konzerte. Am aufregendsten bisher war aber unser Auftritt beim WithFullForce 2005. Einfach unbeschreiblich vor so vielen Menschen zu stehen.
Dosenmusik: Welches Line-Up wäre National Euer Favorit und welches International?
Narziss: Narziss, die Checker von Aggro Berlin und unser Freund H. P. Baxter von Scooter (lacht). International ist da schon schwieriger. Ich hätte Queen gern auf der Liste, aber das wird ja nichts mehr. Dazu wären Beastie Boys und Guns'n Roses sehr nett (grinst).
Dosenmusik: Famous Last Word, welche Message sollen unsere Leser noch unbedingt erhalten.
Narziss: Macht viele Kinder, damit meine Rente gesichert ist.


Alexander Bartsch (Vocals)
Steven Kretschmar (Bass)
Steffen Adolf (Drums)
Johannes Müller (Guitar)
Sebastian Metzner (Guitar)


www.narziss-hc.de

autor: CUBTB | 22.08.2006
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