Interview mit Maroon
E-Mail Interview mit Tom, dem Bassisten von Maroon, am 25.10.2007 Jeder soll sich unsere Musik ohne Vorurteile anhören können
Maroon Dosenmusik: Erzählt uns doch mal wie ihr euch kennen gelernt habt und wo euer erster Auftritt war?
Tom: Wir kennen uns alle schon aus Kindertagen und haben schon lange vorher in verschiedensten Konstellationen zusammen Musik gemacht. Unser erstes Konzert war in einem Dorf 5km von unserem Dorf entfernt. Und es war schrecklich!
Dosenmusik: Ich weiß jetzt ehrlich gesagt gar nicht wie alt ihr alle seit. Aber vielleicht könnt ihr mit der Frage trotzdem was anfangen. Wie war es damals in der DDR aufzuwachsen und wann und wie kamt ihr das erste Mal mit Hardcoremusik in Berührung?
Tom: Wir sind alle Ende 20. Mein Bruder André (Gesang) ist schon 33, der kam noch zu DDR Zeiten mit Punk und HC in Berührung, bei uns anderen kam das erst kurz nach der Wende, so 1991/ 1992. Durch meinen Bruder habe ich natürlich als Kind schon immer mal etwas ungewöhnliche Musik mitbekommen. So kam ich zum Beispiel schon sehr früh in den Genuss einer sehr schlechten Radioaufnahme von NAPALM DEATH, aufgenommen mit einem sehr schlechten DDR- Radio! Ich glaube wenn man als Kind in der DDR aufwuchs hat man daran natürlich nur gute Erinnerungen, aber das lag mit Sicherheit nicht an dem Staat in dem ich groß geworden bin. Denn normalerweise sind Kindheitserinnerungen ja immer positiv, egal wo man aufwächst.
Dosenmusik: Nun seid ihr sogar in Japan und Süd Amerika auf Tour gewesen. Ist die Stimmung und das Publikum in diesen Ländern komplett anders als hier in Deutschland?
Tom: Na ja, schon. Es ist überall unterschiedlich und in Europa ist die Stimmung bei den Konzerten schon relativ ähnlich. Aber in Südamerika, Japan oder auch Russland ist es wirklich grundverschieden. Vielleicht kommt einem das alles auch nur so anders vorm, weil dort eben alles komplett anders ist. Ich meine, Japan oder Brasilien lassen sich nun so gar nicht mit Deutschland vergleichen. Gerade in Süd- Amerika waren die Leute echt verrückt. Wir hatten auf unserer letzten Show 1000 Leute die komplett ausgerastet sind, und das war 2003! Ich spiele sehr gerne in Deutschland und meistens ist die Stimmung hier phänomenal, aber auf eine andere Weise als in diesen Ländern. Was mich ein wenig stört ist, dass man überall eine Veramerikanisierung bemerken kann. Dieses blöde Violent Dancing- Kram ist in Russland genauso angesagt wie in Brasilien. Aber wenn du Leute gut drauf sind, ist jedes Konzert super, egal wo man spielt.
Dosenmusik: Was waren denn eure persönlichen Highlights mit der Band, gerade auch im Bezug auf Überseekonzerte?
Tom: Da gibt es viele. Unsere erste große Festival Show, damals auf dem With Full Force, wird uns allen wohl immer in Erinnerung bleiben. Bei mir sind es aber eher so banale Dinge: Das man am Morgen in einem Hotel in Tokio aufwacht, dann mit einem Fahrer zur Show gefahren wird und dort vor mehreren Hundert Leuten spielt. Das hätte ich mir nie erträumen lassen. Das wir mit der Band mal so etwas erleben werden.
Dosenmusik: Euch steht nun bald eine Tour mit As I Lay Dying, Darkest Hour und Himsa ins Haus, seid ihr schon aufgeregt oder hat sich das mit den Jahren gelegt? Wie fühlt es sich an mit diesen Bands eine Bühne zu teilen?
Tom: Aufgeregt sind wir vor solchen Touren immer, weil es da einfach immer sehr viel zu organisieren gibt. Zum Glück haben wir jetzt Leute die sich um dieses ganze Drumherum kümmern. Trotzdem weiß man nie was einen erwartet. Diese Tour war aber definitiv eine der Besten. Es war einfach ein Traum. Alle Bands waren so dermaßen nett und wir alle hatten eine super Zeit!
Dosenmusik: Wie sieht es eigentlich mit deutschen Bands z.B. Caliban oder Heaven Shall Burn aus, seit ihr im Grunde eine große Familie oder besteht da doch auch eine gewisse Art von Konkurrenzkampf?
Tom: Nein, gar nicht. Gerade bei diesen beiden Bands. Wir kennen uns jetzt schon 10 Jahre und haben zusammen angefangen, zusammen scheiß Konzerte vor 50 Leuten gespielt und sind dadurch alle sehr enge Freunde geworden. Es ist jedes Mal wie eine Familienfeier wenn wir auf HSB oder CALIBAN oder auch Bands wie DESTINY oder NARZISS stoßen. Aber gerade HSB und CALIBAN und NARZISS haben von Anfang an mit uns gespielt und wir alle haben zusammen am Anfang viel Scheiße erlebt. Das schweißt schon zusammen.
Dosenmusik: Ich hab euch vor einem Jahr auf dem Summer Blast Festival das erste Mal live gesehen. Wie wichtig sind solche Festivals für die deutsche Hardcore/Musikszene?
Tom: Was soll ich da jetzt sagen? Jedes einzelne Konzert ist wichtig für junge Bands oder für Bands allgemein. Es ist ja nicht mehr so wie früher, dass Bands von ihren Royalties leben konnten. Heute gibt es Soulseek, da kaufen immer weniger Leute Platten. Also sind, denke ich, Konzerte heute wichtiger denn je für jede Band!
Dosenmusik: Eure Songs handeln vorwiegend von Tier- und Umweltschutz, Veganismus und Straight-Edge im Allgemeinen. Erwartet ihr von euren Zuhörern, dass sie nach den gleichen Grundsätzen leben oder ist euch das egal?
Tom: Das ist uns im Großen und Ganzen egal. Natürlich ist uns das Thema Veganismus sehr wichtig und es macht mich traurig zu sehen wie viele Leute immer noch Tiere essen, aber die Musik steht mittlerweile mehr im Vordergrund. Die Themen der Songs haben sich ja auch erweitert. Es ergibt einfach keinen Sinn immer wieder über dieselben Sachen zu reden. Jeder einzelne der durch uns auch nur über manche Sachen nachdenkt macht mich froh! Aber jeder soll sich unsere Musik ohne Vorurteile anhören können.
Dosenmusik: Wenn ihr neues Material zusammenstellt, schaut ihr euch dabei auch an was ihr früher geschrieben habt und nehmt darauf erneut Bezug? Ich meine damit, Reflektiert ihr euer eigenes Material oder sind diese Themen nach dem Schreiben für euch abgeschlossen?
Tom: Ich glaube das passiert automatisch. Aber eigentlich gehen wir immer ohne irgendwelche konkreten Gedanken an neue Songs ran… wir fangen einfach an Songs zu schreiben und gucken dann wo es hingeht.
Dosenmusik: Engagiert ihr euch auch persönlich, außerhalb der Band, wenn es um Tier- und Umweltschutz oder Veganismus geht? Fördert ihr zum Beispiel die Errichtung von weiteren veganischen Restaurants oder ähnliches?
Tom: Ich glaube nicht dass wir in einer Position sind so etwas voranzutreiben, aber auf kleiner Ebene funktioniert das schon. Wir haben hier in Nordhausen zum Beispiel einen Imbiss in den wir schon seit über 10 Jahren gehen. Dort gibt es jetzt eine riesige Auswahl an veganen Gerichten und jeder begrüßt das. Wir unterstützen privat alle auf ganz unterschiedliche Weise die Tierrechtsbewegung. Das möchte ich hier aber nicht weiter ausführen.
Dosenmusik: Findet ihr, dass sich mehr Bands bei so was engagieren sollten? Seht ihr das als eine Aufgabe der sich mehr Bands stellen sollten?
Tom: Natürlich. Ich denke halt Punk, HC und auch Metal ist immer mit dem Gedanken entstanden sich von der apathischen Masse abzuheben und sich eigene Gedanken zumachen über die Welt in der wir leben. Diese Subkulturen waren für mich immer Ausdruck einer gewissen Rebellion und Unangepasstheit. Und über die Jahre haben wir gemerkt, dass in großen Teilen unserer Gesellschaft nichts rebellischer ist als sich vegan zu ernähren! Eigentlich völlig kurios aber so ist es.
Dosenmusik: Es gab ja damals eine große Unzufriedenheit als ihr die X’se aus eurer Internetseite genommen habt. Wie sieht es denn heute aus, ist es noch immer ein Kritikpunkt einiger Fans?
Tom: Es gibt immer Leute die meinten sie könnten "ihren" Bands diktieren was sie zu tun oder lassen haben. Die wird es immer geben. Aber die meisten von denen, die damals einen Aufstand gemacht haben sind heute nicht mehr Straight Edge. Wir haben schon damals nicht viel auf solche Kommentare gegeben. Am Ende entscheiden immer noch wir was wir machen. Es sind aber eh kaum noch Leute aus der Szene von damals übrig!
Dosenmusik: Wie steht ihr im Allgemeinen zur aktuellen Hardcore Szene? Wird sie euch zu Mainstreamig und/oder vermisst ihr den ursprünglichen Charakter der hinter der DIY Ethik steht? Wohin geht die Entwicklung, weg vom eingeschworenen Kreis hin zum Modetrend Hardcore?
Tom: Ach, ich bin froh über jeden Käufer mehr und über jeden einzelnen Konzertbesucher. Ich mache mir da keine Gedanken. Ich fand es schon immer sehr arrogant und elitär eine ganze Musikrichtung für sich beanspruchen zu wollen. Es gab da immer solche Szene Nazis, die Leute für würdig oder unwürdig erklärten. Und das ist vollkommen lächerlich. Jeder soll die Musik hören die er mag! Außerdem glaube ich nicht, dass irgendjemand eine Musikrichtung kaputtmachen kann. Wie soll das funktionieren. Wir haben jahrelang mit so genannten DIY- und Independent- Leuten zusammengearbeitet. Jeder von denen hat uns beschissen! Am Ende denken die auch nur an ihren eigenen Profit! Das ist auch vollkommen OK. Jeder muss irgendwie sein Geld verdienen. Aber unter dem Deckmantel der Szeneverbundenheit immer und immer wieder Bands abzuzocken ist heuchlerisch. Es kamen schon mal so Anfragen wie: Könnt ihr nicht auf unserem DIY Konzert für 400€ spielen und am Ende haben 300 Leute 10€ Eintritt bezahlt und wir hatten nicht mal richtiges Essen!
Dosenmusik: Wie entstehen eigentlich Maroon Songs? Gibt es für jeden eine Rolle die er übernimmt? Ist nur einer von euch zuständig für die Lyrics und die anderen für die Musik oder ist es ein Gruppenprozess?
Tom: Andre (Gesang) und ich teilen uns immer die Texte. Bei der Musik läuft es meistens so, dass einer der beiden Gitaristen mit nem Riff oder ner groben Idee kommt und wir dann alle zusammen daran weiterbasteln. So entstehen eigentlich meistens die Songs!
Dosenmusik: Was kommt eigentlich zuerst, die Lyrics oder die Musik? Und wie kommt ihr auf neue Songarrangements, wird gejamed oder alles vorher aufgeschrieben und dann weiter getüftelt?
Tom: Wir schreiben immer erstmal so 5 oder mehr Songs und wenn die einigermaßen stehen, fangen Andre und ich mit den Texten an. Nebenher schreiben wir weiter neue Songs, und so geht das dann immer weiter bis wir alle Songs mit Gesang haben. Es kommt aber auch oft vor, dass wir den Gesang für 1 oder 2 Stücke erst im Studio machen.
Dosenmusik: Welche musikalischen Vorbilder habt ihr? Gerade wenn man sich "When Worlds Collide" anhört wird die Straight-Edge Szene sehr oft als Referenz herangezogen?
Tom: Die Vorbilder sind da ganz unterschiedlich. Unsere Musik wird von so vielen Bands beeinflusst, aber auch von einigen bestimmten Büchern oder Filmen. Das fließt dann alles zusammen und man kann definitiv nicht sagen, dass wir uns einer bestimmten Szene zugehörig fühlen, dafür sind die Einflüsse viel zu verschieden.
Dosenmusik: Wie sieht die Zukunft von Maroon aus, wann können wir das nächste Album erwarten?
Tom: Ha ha! Das neue ist doch gerade erst raus! Ich glaube das dauert noch 1 oder 2 Jahre. Wir sind jetzt erstmal wieder ständig auf Tour, und zwischendrin machen wir gar nichts ha ha!
Dosenmusik: Famous Last Word.
Tom: VIVA HATE!

Andre Moraweck - Vocals
Sebastian Grund - Guitar
Tom-Eric Moraweck - Bass
Nick Wacksmuth - Drums
Sebastian "Riechtor" Rieche - Guitar

www.maroonhate.com

Autor: CUBTB | 25.10.2007
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