Interview mit M.A.N.
Interview mit M.A.N in Wiesbaden am 01.03.09 Schwedische Groove-Institution mit Exotik-Faktor
M.A.N Nachdem die schwedischen Modern Metaller von M.A.N (bestehend aus Ex–Mnemic- und Transport League-Sänger Tony JJ, Gitarrist Rob Guz, Bassist Rob und Drummer Andreas) den Schlachthof bereits letzten September im Zuge einer eigenen Headliner-Tour in Support ihres neuen Albums Peacenemy beehrt hatten, führte es sie diesmal als Vorband für die Amis von Five Finger Death Punch zurück nach Wiesbaden. Vor der Show nahm sich die Band die Zeit, um einige Fragen zu beantworten. Warum das Rätsel um ihren Bandnamen nicht gelöst werden kann, wie es zu einer Zusammenarbeit mit Burton C. Bell (Fear Factory) kam, wie Gitarrist Rob Guz darauf kam, eigene Gitarren zu bauen und welch besondere Beziehung sie passenderweise zu einem Schlachthaus haben, erfahrt ihr in den nun folgenden Zeilen...

Dosenmusik:Zuerst einmal: Wie verlief die Tour mit Five Finger Death Punch bisher? Wie haben euch die Fans aufgenommen?
M.A.N: Oh, sehr gut, bisher ist alles echt super gewesen und wir wurden auch von den Fans sehr gut aufgenommen! Besonders die Show in Hamburg gestern war echt der Wahnsinn und das hat uns natürlich sehr gefreut.
Dosenmusik: Das hört sich gut an!
M.A.N: Ja, es war echt cool bisher. Wir hatten ein gutes Publikum und bekamen positives Feedback.
Dosenmusik: Nun mal eine allgemeine Frage: Wofür steht euer Name M.A.N denn genau? Wenn wir Deutsche diesen Namen hören, verbinden wir ihn oft zunächst mit einer bekannten Lkw-Firma, die denselben Namen trägt...
M.A.N: Nun ja, wir sind uns selbst nicht ganz über die Bedeutung des Namen im Klaren, aber wir arbeiten dran (lacht). Wir werden uns in naher Zukunft mal näher damit befassen.
Dosenmusik: Ist der Name denn eine Abkürzung oder wird er wie „Man“ ausgesprochen?
M.A.N: Das kann eigentlich jeder für sich selbst entscheiden, aber am Anfang wurde der Name wirklich wie „Man“ ausgesprochen und es gab keine Punkte zwischen den einzelnen Buchstaben. Wir haben die Punkte noch hinzugefügt, um die Leute zu verwirren und um genau diese Art von Fragen gestellt zu bekommen! (lacht)
Dosenmusik: Wie habt ihr euch denn als Band zusammengefunden?
M.A.N: Die Band selbst gibt es schon seit 2005 und das erste Line-up setzte sich aus Mitgliedern meiner [Tonys] alten Band Transport League zusammen. Aber nach einiger Zeit haben die anderen Mitglieder nach und nach die Band verlassen und ich erhielt Unterstützung von neuen Leuten: Rob am Bass, Andreas am Schlagzeug und schlussendlich Rob Guz an der Gitarre. Damit war dann das Line-up komplett.
Dosenmusik: Wie würdet ihr euren Sound allgemein beschreiben? Woher bezieht ihr eure Einflüsse?
M.A.N: Unser Sound basiert sehr stark auf Groove, daher könnte man ihn als eine Art groove-lastigen Metal bezeichnen. Er orientiert sich stärker an amerikanischen Bands als an europäischen Bands, daher würden wir definitiv amerikanische Bands wie z.B. Fear Factory, White Zombie oder Prong als Einflüsse nennen, aber wir werden auch von anderen Musikrichtungen inspiriert.
Dosenmusik: Ist das Songwriting und Komponieren immer Teamwork oder ist einer von euch der Haupt-Songwriter? Wie entsteht bei euch für gewöhnlich ein Song?
M.A.N: Eigentlich ist es immer eine Teamleistung. Rob und Tony könnten z.B. eine erste Song-Idee haben, an der wir dann alle gemeinsam weiterarbeiten, aber es ist nicht so, dass einer von uns einen kompletten Song alleine schreibt. Am Anfang ist da nur ein Fragment oder eine erste Idee, die wir dann alle zusammen weiterentwickeln und schlussendlich fertigstellen. Daher kann man sagen, es ist definitiv mehr Teamwork als eine Einzelleistung. Jeder bringt seine eigenen Ideen und Gedanken in die Songs ein und am Ende steht dann das Gesamtpaket.
Dosenmusik: Der Titel eures aktuellen Albums Peacenemy ist quasi ein Widerspruch in sich selbst. Warum habt ihr diesen Namen gewählt und was ist die Bedeutung dahinter?
M.A.N: Wir wollten mit dieser Wortkreation zwei Begriffe zusammenfügen, die das absolute Gegenteil zueinander darstellen. Zuerst war es nur ein reines Wortspiel, das wir mochten. Doch auf lange Sicht hin, als wir aufnahmen und Texte für das Album schrieben und quasi richtig an den Songs arbeiteten, begann der Titel für uns noch mehr Sinn zu ergeben, denn er stellte eine Art Verbindungsglied zwischen den einzelnen Songs dar und das fanden wir sehr gut.
Dosenmusik: Also haben die Songtexte insgesamt auch mit dem Wort „Peacenemy“ zu tun?
M.A.N: Ja, das kann man so sagen.
Dosenmusik: Könnt ihr ein paar wichtige Themen nennen, die ihr in euren Texten ansprecht?
M.A.N: Das ganze Album reflektiert die Dinge, die momentan in der Welt geschehen. Es behandelt das tägliche heuchlerische Leben der Menschen und beschäftigt sich auch kritisch mit der Geschichte der Menschheit. Man kann es als eine Art Nachrichtenprogramm ansehen, wie es auch im Fernsehen gezeigt wird. Manche Texte sind politisch angehaucht und andere handeln wiederum von Problemen in der Gesellschaft oder zeigen die Probleme eines einzelnen Menschen auf.
Dosenmusik: Auf eurer ersten Single “My Own Sickness” habt ihr mit Burton C. Bell von Fear Factory zusammengearbeitet. Wie war es, mit ihm zu arbeiten und wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
M.A.N: Mit dem ersten Line-up von M.A.N waren wir Support für Fear Factory in Skandinavien und spielten acht Shows mit ihnen. Auf dieser kleinen Tour haben wir uns mit Burton angefreundet. Er war auch schon ein Fan von Transport League gewesen und so ergab es sich, dass wir ihn fragten, ob er nicht Lust hätte, für einen Track mit uns zusammenzuarbeiten und er sagte direkt zu. Wir schickten ihm den Song ohne irgendwelche Anweisungen und Richtlinien und wurden vom Ergebnis echt umgehauen und haben dann unsere Parts hinzugefügt.
Dosenmusik: “Blood Vanish” ist eure zweite Single und ihr habt erst kürzlich ein Video dafür gedreht, das mir sehr gut gefällt. Es wurde in einem Schlachthaus gedreht und ihr tragt darin seltsame Schweinemasken. Wer hatte die Idee für dieses verrückte Video und was ist das Konzept dahinter?
M.A.N: Das Video hat eine symbolische Bedeutung und enthält sehr viele verschiedene Ideen und Gedanken. Natürlich kann das jeder auch für sich selbst interpretieren. Für uns repräsentiert z.B. die Schlachthaus-Kulisse die Gesellschaft im Allgemeinen, und die toten Schweine, die auf den Fleischerhaken hängen, stellen die Menschen dar. Wir als die Hauptprotagonisten mit den Schweinemasken sind quasi Führungspersonen, die wichtige bürokratische Handlungen vollziehen und kontrollieren. Davor, wenn wir die Anzüge und Krawatten tragen, schauen wir mit Respekt zu diesen Gesichtern auf. Das ganze Video erinnert ein wenig an die Stasi-Aktivitäten, die früher für Aufregung gesorgt haben.
Dosenmusik: Wo wurde das Video gedreht?
M.A.N: Außerhalb von Göteborg (Schweden), und manche Teile wurden auch in Göteborg selbst gedreht.
Dosenmusik: Was ich auch sehr interessant finde ist die Art und Weise, wie ihr die Single vertreibt. Ihr stellt sie quasi für einige Zeit als freien Download zur Verfügung, in einem Paket, das auch einen Bonus-Song, ein farbiges Booklet und das Video enthält. Warum habt ihr euch zunächst für diesen Weg entschieden?
M.A.N: Um ehrlich zu sein war das die Idee der Plattenfirma, und wir mochten diesen Ansatz und fanden das gut so, denn heutzutage muss man schon versuchen, in besonderer Form auf sich aufmerksam zu machen. Die kostenlose Single soll einfach eine nette Geste sein, quasi ein Geschenk für unsere treuen Fans und auch für neue Fans und für die Leute, die uns kennen lernen wollen, damit sie vielleicht später mal zu einer Show kommen oder sich nach diesem kostenlosen Download das Album besorgen.
Dosenmusik: Nun mal eine Frage an Rob Guz: Ich finde es sehr beeindruckend und interessant, dass du deine eigenen Gitarren baust und dass du ein paar wirklich außergewöhnliche Instrumente auf dem Album benutzt. Wie kam es dazu? Was hat dich dazu gebracht, alles selbst in die Hand zu nehmen?
Rob Guz (M.A.N): Das ist eine längere Geschichte... Aber um es kurz zu machen: Das alles begann vor etwa 15 Jahren. Damals fand ich es auf Dauer wirklich langweilig, normale Gitarren zu spielen, daher wollte ich das alles mal anders angehen. Ich dachte mir: Nun ja, entweder hör ich mal für eine Weile ganz auf zu spielen oder ich seh mich mal nach neuen Instrumenten um. Am Ende gelang mir beides: Ich spiele jetzt mit anderen Gitarren, die ich selbst kreiert habe, und benutze zudem ein paar exotische Instrumente. Ich habe auch versucht, das alles zu kombinieren, und das hat mir wirklich weitergeholfen und mich weitergebracht, sodass ich mich heute wirklich als Multi-Instrumentalisten sehe und nicht nur als Gitarristen.
Dosenmusik: Man kann also sagen, dass du damit auch deine künstlerische Seite auslebst?
Rob Guz (M.A.N): Ja, auf jeden Fall, aber ich habe mich nie selbst dazu gezwungen, und mir nie gesagt: „Ah, ich muss das machen.“ Das alles war eine natürliche Entwicklung. Momentan arbeiten wir gerade an neuem Material für unser nächstes Album und wir begeben uns wieder auf eine lange Reise. Man weiß nie, was noch passieren wird und wie es mit mir weitergehen wird und das ist eine spannende Sache. Es hängt natürlich auch alles von den anderen Jungs ab. Interaktion ist sehr wichtig, aber natürlich ist das, was ich mache, auf jeden Fall sehr künstlerisch.
Dosenmusik: Ich denke, es verleiht dem Ganzen einen einzigartigen Touch und hebt euch von anderen Bands ab.
Rob Guz (M.A.N): Oh ja, das stimmt. Zum Beispiel benutzen wir nicht wie andere Bands ein Keyboard oder einen Synthesizer, um coole Effekte zu erzeugen. Und das ist schon sehr cool.
Dosenmusik: Wie lange seid ihr alle schon im Geschäft oder wie lange spielt ihr schon in Bands?
M.A.N: Wir alle spielen schon seit etwa 15-20 Jahren in Bands. Manche von uns sogar schon seit mehr als 20 Jahren.
Dosenmusik: Das Musikbiz hat sich sehr verändert; im Moment befinden wir uns in einer digitalen Revolution und die CD-Verkäufe sinken sehr stark, während das Interesse an Live-Shows beispielsweise immer stärker wird. Wie habt ihr diese Veränderungen miterlebt? Wie würdet ihr sagen haben sich die Dinge im Vergleich zur Vergangenheit verändert, wenn man bedenkt, wie lange ihr schon im Geschäft seid? Und wie geht ihr mit der neuen Situation um?
M.A.N: Nun ja, das Internet ist definitiv eine wichtige und bahnbrechende Erfindung, die vor 15 Jahren eben noch nicht da war.
Dosenmusik: Also denkt ihr, das Internet ist heutzutage für die Musiker eher ein Vorteil anstatt eine Gefahr? M.A.N: Ja, natürlich, besonders mit Seiten wie MySpace, die Musikern wirklich eine große Plattform bieten. Es ist schon ein sehr nützliches Werkzeug. Zur selben Zeit ist da natürlich die Bedrohung durch die illegalen Downloads, aber ich bin der Meinung, dass es für kleinere Bands einfach hilfreich und von Nutzen ist, um ihre Musik einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen, selbst wenn die Leute die Songs kostenlos runterladen.
Dosenmusik: Was sind eure Pläne für die Zukunft?
M.A.N: Mehr touren, mehr rocken und weiterhin Promotion für das Album machen.
Dosenmusik: Wie sieht’s aus mit neuem Material?
M.A.N: Wir haben schon etwa fünf neue Songs soweit fertig und haben auch schon etliche neue Ideen, daher sind wir hoffentlich im Herbst fertig mit den Aufnahmen. Das ist zumindest unser Plan.
Dosenmusik: Werdet ihr heute abend neue Songs spielen?
M.A.N: Nein... Oder warte, doch, in gewisser Hinsicht schon. Wir haben ein Cover von dem Bob Marley-Song „Get Up, Stand Up“ aufgenommen und werden es heute abend vorstellen. Es ist wirklich mal was ganz anderes. Der Song ist sehr groovig geworden und ist verdammt cool!
Dosenmusik: Dann bleibt mir nur noch zu sagen: Vielen Dank dafür, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt, und ich bin gespannt auf euren Auftritt!

M.A.N sind:
Tony JJ (Gesang)
Rob Guz (Gitarre)
Rob (Bass)
Andreas (Drums)

Offizielle Homepage
MySpace

Autor: Lisa Ullrich (immortalsoul) | 01.03.2009
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