Interview mit Mad Caddies
Interview mit Gitarrist Sascha am 20.06.2006 Ich ziehe kalten Wodka vor, aber wenn er Raumtemperatur hat trinke ich ihn auch
Mad Caddies Dosenmusik: Nur, damit Du bescheid weißt: Das Interview ist für dosenmusik.de, eine Musikcomunity mit über 3000 Mitgliedern. Es gibt bei uns eine große Metalfraktion, aber ein paar Leute versuchen zu zeigen, wie großartig Punkrock und ähnliche Genres sind.
Sascha: Cool.
Dosenmusik: So, wo wart ihr bis jetzt schon auf Eurer Tour?
Sascha: Wir sind seit einer Woche unterwegs, hauptsächlich in Deutschland, hatten ein paar Off-Tage in Slowenien und es war großartig bis jetzt. Wir dachten, einige Shows könnten wegen der Fussballweltmeisterschaft weniger gut besucht sein, aber alle Shows waren großartig.
Dosenmusik: Waren Eure Shows ausverkauft?
Sascha: Oh ja, die meisten waren sogar ausverkauft.
Dosenmusik: Ich bin mir nicht sicher, ob es heute Abend ausverkauft sein wird. Wenn ja, wird es ziemlich heiß.
Sascha: Oh nein, ich weiss. Neinnein, die Show heute ist wohl nicht ausverkauft.
Dosenmusik: Genießt Ihr es in Deutschland zu touren oder ist es einfach eines von vielen Länden durch die Ihr tourt?
Sascha: Deutschland ist auf jeden Fall eines der Lieblingsländer der Band. Unser Label sitzt in Berlin, unsere Booking Agentur sitzt in Berlin. Wir haben viel Freunde von hier bis Lindau und Hamburg. Natürlich auch in Berlin, überall. Und bei den Shows ist das Publikum erstaunlich. Die Clubs sind gut, wenn auch meistens sehr heiß, aber jeder Club hat uns bisher sehr gut behandelt. Es ist ein Vergnügen hier zu spielen.
Dosenmusik: Ich finde die Batschkapp ist ein sehr guter Laden für Shows wie diese. Ich freue mich sehr auf das Konzert nachher. Gab es irgendwelche Veränderungen oder Entwicklungen zwischen Euren verschiedenen Alben?
Sascha: Jaja, auf jeden Fall. Ich meine, wenn Du viel tourst, dann kommen immer neue Einflüsse hinzu. Ich höre mir immer neue Musik an und höre zum Beispiel nicht so viel Punkrock. Nicht mehr oder weniger als andere Musikrichtungen, aber eben auch HipHop, Dancemusic, Reggae, Dancehall, Funk, alle möglichen Latin-Music Richtungen. Wenn man sich mit Musik beschäftigt, wird man immer mehr beeinflusst. Es gab also definitiv Veränderungen.
Dosenmusik: Ich war überrascht, als ich las, dass keiner der Mad Caddies Mitglieder Ska gehört hat, bevor die Band gegründet wurde.
Sascha: Wir kamen aus einem kleinen Dorf und kannten so Zeug einfach nicht.
Dosenmusik: Aber Ihr kanntet Mighty Mighty Bosstones...
Sascha: ... und Fishbones und Madness und so Zeug, aber wir wussten damals noch nicht wie großartig es eigentlich war.
Dosenmusik: Wie sieht Eure weitere Planung aus? Das letzte Album mit neuem Material ist vor drei Jahren rausgekommen.
Sascha: Ja. Wir haben gerade 13 Songs fertiggestellt. Wir werden auch in Berlin sein, haben dort ein Studio gebucht, werden üben und neue Songs schreiben. Unser neues Album ist schon zur Hälfte fertig. Wir arbeiten momentan sehr hart daran.
Dosenmusik: Also wird ein Teil des neuen Albums in Berlin aufgenommen?
Sascha: Mmmmh, wir wissen es noch nicht. Wir versuchen einige Leute von Außerhalb zu finden, die uns bei den Songs helfen. Mixen und so Zeug.
Dosenmusik: Die Jungs von Lawrence Arms haben ein Themen-Album zum Thema Zirkus gemacht, Catch22 haben gerade erst ein Themen-Album über Trotsky herausgebracht. Kannst Du Dir ein Thema vorstellen, über das ihr ein Album machen könntet?
Sascha: Alkoholismus? (lacht) (wildes Gehupe und Autokolonnen unterbrechen das Interview)
Dosenmusik: Deutschland scheint das Spiel gewonnen zu haben! (Anm.: Deutschland gewann gegen Ecuador 3:0)
Sascha: Ja, ich weiss, wir haben das Spiel bis vorhin angeguckt. (wird angerufen). Oh Shit. +49 ist der Ländercode von Deutschland, oder?!
Dosenmusik: Ja, genau.
Sascha: Dann ist es okay! (steckt das Handy weg)
Dosenmusik: Wenn es wichtig ist können wir auch gerne unterbrechen.
Sascha: Nein, es ist nicht wichtig. Außer es ist meine Freundin. Und die ist in England! (grinst)
Dosenmusik: (lacht) Okay. Es gibt einige Songs wie zum Beispiel "aPethatic", die einen politischen Inhalt haben. Würdest Du sagen, dass die Mad Caddies eine politisch motivierte Band sind?
Sascha: Neinnein. Wir versuchen das zu vermeiden. Ersten gibt es andere Bands die das besser können. Und Zweitens will ich nicht den Scheiß nachquatschen: "George Bush ist scheiße. Das ist System ist scheiße!" Viele sagen nur "Zerstör dies, ändere jenes!" aber sie haben keine Antworten.
Dosenmusik: Das ist ja vielfach die Kritik an Bands wie Anti-Flag oder Propagandhi. Sie sagen eben dieses "Fuck Bush, Fuck Amrica" aber sie interessieren sich nicht für andere Problematiken und wirken deswegen unglaubwürdig in ihrem politischen Engagement.
Sascha: Ohja. In den letzten Jahren habe ich so viele Bands erlebt die alle "Fuck Bush!" geschrien haben, einfach um dazuzugehören und in die Szene reinzupassen. Weil es einfach cool ist, es zu sagen. Ich denke mir "Wie oft hast Du das schon gehört? Sag mal was anderes!"
Dosenmusik: Hier in Deutschland ist es ähnlich. Jeder der sich alternativ nennt meint, gegen Bush sein zu müssen, ohne sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Sascha: Um noch mal auf Deine Frage zurückzukommen: Politik ist für uns eine persönliche Sache, außerhalb unserer Musik. Wir sprechen in unserer Musik über... na ja hier und da hörst Du ein paar Songs über Politik, aber hauptsächlich geht uns darum, eine gute Zeit zu haben.
Dosenmusik: Also politisch motivierte Künstler, aber keine politisch motivierte Musik.
Sascha: Exakt.
Dosenmusik: Okay. Was hat Musik für Dich bedeutet, als Du jung warst?
Sascha: Oh, das ist eine gute Frage. Es fing an... die erste Band, die ich gehört habe, war Personalities. Davor hab ich einfach gehört, was so im Radio lief. Und Rockmusik.... na ja ich war nie wirklich gut in einer Sportart und es war das erste was ich richtig genossen habe. Ich habe stundenlang Gitarre gespielt. Damit hat meine musikalische Entwicklung angefangen. Dann habe ich die Ramones und Sex Pistols kennengelernt. Da habe ich gemerkt, dass Rock nicht alles ist und war froh. Das ganze Rockding, der Style und das Image – das war nicht ich. Ja, dann fand ich die ganze Punk Geschichte. Dann Bands wie Fishbone und Madness, Reggae, Ska und Jazz und dann gings immer wieter und weiter. Aber seit ich als Kid, so zwischen 12 und 15, damit anfing hab ich nie etwas anderes gemacht. Ich hatte nichts anderes im Kopf, als Musik.
Dosenmusik: Vor ein paar Wochen hatte ich die Möglichkeit mit Chris von The Lawrence Arms zu sprechen. Was er mir erzählte, ging in eine ganz ähnliche Richtung. Er sagte, dass die Musik ihm geholfen hat aufzuwachsen, ihm geholfen hat rauszufinden, wer er ist.
Sascha: Ich denke es ist wichtig etwas wie Musik zu haben, an dem man sich festhalten kann. Es ist auch wichtig etwas für sich selbst zu haben. Zum Beispiel für sich selbst Gitarre zu spielen. Du bist nicht Teil eines Teams, Du kannst nicht rausgeschmissen werden. Das ist wie eine Therapie.
Dosenmusik: Würdest Du sagen, dass Du in Deiner Heimatstadt ein Outsider warst?
Sascha: Nein, nicht wirklich. Meine Stadt war klein, aber ich hatte Freunde, die so waren wie ich.
Dosenmusik: Ist Deine Heimatstadt Goleta? Die Stadt, von der der gleichnamige Song handelt?
Sascha: Nein, Goleta ist ungefähr 20 Meilen weit weg von der Stadt, in der ich gewohnt habe. Wir leben jetzt dort, in Santa Barbara, Goleta. Aber wir sind in einer anderen Stadt geboren und aufgezogen worden.
Dosenmusik: Kannst Du uns ein paar CDs nennen, die Ihr hört, zum Beispiel im Tourbus?
Sascha: Klar. Ein Kumpel hat mir gerade ein paar Latin Music CDs gegeben und so habe ich die letzten fünf Tage nur Latin Music gehört. Aber gute Latin Music, aus den 30ern und 40ern. Musik aus Süd-Kolumbien und ähnliches. Da gibt es nen Kerl, Willy Colon, der wirkliche großartige Musik macht. Die kolumbianische Latin Music ist was ganz besonderes, wirklich toll. Es hat ein wenig was von Reggae. So Zeug höre ich viel zur Zeit. Mh, und Bands... (überlegt länger) Dosenmusik: Ist diese kolumbianische Latin Music etwas, das Du hörst oder die ganze Band?
Sascha: Nein, das ist eher etwas was ich höre. Bei uns läuft insgesamt viel Reggae. Reggae ist meine Lieblingsmusik. Keine Musik bewegt mich so wie Reggae.
Dosenmusik: Was ist mit Ska-Bands, wie The Specials oder...
Sascha: (fällt ins Wort) Ja, ich mag sie immer noch, weil sie meine Vergangenheit sind. Ich höre mir so Zeug immer noch gern in einer Bar oder so an, zum Spaß. Aber ich liebe es, nach neuer Musik zu suchen. Ich vergesse meine musikalische Vergangenheit nicht, aber ich versuche immer weiter zu kommen. Ich höre mir gern noch alte Sachen an, wenn ich betrunken bin um ein wenig in der Vergangenheit zu schwelgen. Eigentlich höre ich alles. Dub, Reggae, Dancehall, so Zeug.
Dosenmusik: Also nicht allzu viel Punk, Punkrock? Wie sieht es mit anderen Bands von Fat Wreck aus?
Sascha: Ich sehe nicht viele Bands... für mich steckt heute mehr Punk-Haltung in Reggae und ähnlichem. Es gibt Musik die wie Punk klingt und es gibt Musik, die den Punk-Spirit hat. Ich denke heute haben nicht mehr viele Punk Bands diesen Spirit. Vor einigen Jahren war das noch anders. Aber heute hat Reggae mehr Inhalt als diese scheiß "Fuck-Off"-Haltung. Man braucht mehr als drei Akkorde und ne coole Hook.
Dosenmusik: Eure Musik, die Ihr macht, geht also in die Punkrock Ecke, aber Du identifizierst Dich mehr mit Reggae und Ska.
Sascha: Ja, wobei nicht wirklich Ska. Mehr Reggae, Dancehall und so weiter.
Dosenmusik: Aber für die meisten Leuten steht Ihr eben für das Genre "PunkSka". Sascha: (überlegt kurz) Okay, das stimmt.
Dosenmusik: Okay, sehr gut. Wie bereitet Ihr Euch auf die Show vor? Auf Eurer Homepage steht etwas über "die selbstbehandelnde Wirkung von Bier" und die "Notwendigkeit, sich selbst zu betäuben, damit es weitergehen kann". Aber jetzt sitzt Du hier mit eine Cola Light in der Hand.
Sascha: (lacht) Ja, ich hatte heute schon etwas Alkohol. Ich habe immer Alkohol getrunken, inzwischen versuchen wir uns etwas zu beherrschen. Mein Drink ist Wodka. Ein paar Straight Wodka Shots und ein Bier.
Dosenmusik: (leicht angwidert) Purer Wodka? Warum nicht mit....
Sascha: (fällt ins Wort) Ich bin... Mein Körper ist dran gewöhnt. (lachen)
Dosenmusik: Aber er muss wenigstens kalt sein, oder?!
Sascha: Ich ziehe kalten Wodka vor, aber wenn er Raumtemperatur hat trinke ich ihn auch.
Dosenmusik: Buah, einmal und nie wieder...
Sascha: (lacht)
Dosenmusik: Du hast schon einige meiner Fragen beantwortet, ohne, dass ich sie stellen musste. Also gibt es sonst noch etwas, dass Du den Leuten in Deutschland sagen möchtest?
Sascha: Unser nächstes Album kommt hoffentlich früh im nächsten Jahr raus. Wir arbeiten sehr hart daran und ich habe ein gutes Gefühl dabei. Und: Have a good time all the time!
Dosenmusik: Vielen Dank für das Interview.
Sascha: War mir ein Vergnügen.


Chuck Robertson - Lead Vocals
Sascha Lazor - Guitar / Banjo
Keith Douglas - Trumpet / Vocals
Eduardo Hernandez - Trombone / Vocals
Mark Iversen - Bass Guitar
Brian Flenniken - Drums

www.madcaddies.com

Autor: Fubuki | 03.08.2006
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