Interview mit Madball
Interview mit Madball am 05.08.2007 in Marburg Wir wollten keine Reunion. Wenn wir zurück kommen dann 100%
MadballVor ihrem Auftritt im KFZ in Marburg standen uns Hoya Roc (Bass) und Mitts (Gitarre) für ein Interview zur Verfügung.

Dosenmusik: Ihr seid eben erst mit der Persistance Tour hier gewesen, nun seid ihr allein unterwegs. Was gefällt euch mehr, mit Freunden zu touren oder als Headliner?
Mitts: Eine Tour wie die Persistance Tour ist schon mehr Spaß, die Shows sind alle riesig und fast schon übertrieben. Jeder Stopp auf der Tour ging in die Geschichte ein und so ein Lineup wird es wahrscheinlich nie wieder, na ja vielleicht irgendwann mal wieder geben. Aber wir mögen auch Touren wie diese, wo wir kleinere Shows spielen und die Leute auch nur wegen uns kommen, es ist ein wenig intimer.
Dosenmusik: und ihr könnt auch noch etwas länger spielen?
Mitts: Ja wir spielen schon etwas länger, vor allem spielen wir einige Lieder, die wir auf der Persistance Tour nicht zwangsläufig spielen würden. Aber wie bereits gesagt, wenn es um den Spaß geht, dann ist es auf jeden Fall besser so was wie die Persistance Tour zu spielen, da man mit Freunden die man sehr gut kennt unterwegs ist.
Dosenmusik: Da ihr erst vor einem halben Jahr hier gewesen seid und jetzt wieder, scheint es, dass ihr gerne nach Europa kommt. Gibt's denn für euch bestimmte Unterschiede zwischen Europa und USA? Hoya: Hard Core ist auf jeden Fall wesentlich anerkannter hier in Europa. In Amerika hast du Metal und erst weit dahinter kommt Hard Core. Hier ist es eher zusammengemixt und Hard Core hat eine ähnliche Basis wie Metal. Außerdem sind die Fans und Leute bei den Shows auf jeden fall loyaler. Madball kommen nun schon seit 15 Jahren nach Europa und es ist immer gut wenn nicht sogar jedes Mal besser. Europa war immer schon eine sehr starke Szene.
Dosenmusik: Vielleicht liegt es einfach daran, dass wir hier nicht so häufig die Chance haben Bands wie euch zu sehen.
Hoya: (Lacht) Oh doch das habt ihr.
Mitts: Wir sehen manche Leute hier häufiger als zuhause.
Dosenmusik: Ich meinte damit, wenn man zum Beispiel in New York lebt, kann man sich so gut wie jeden Tag einen andere HC-Show anschauen.
Hoya: Ja das stimmt wohl, ich weiß was du meinst. Aber es werden auch hier immer mehr HC Bands und wenn es so weiter geht, habt ihr hier bald mehr Bands als wir in USA weil alle hier her kommen.
Dosenmusik: Meint ihr das kommt wegen der Festivals?
Hoya: Ja, wir haben nicht so viele große Festivals. Ich weiß was du meinst, es ist weltweit verbreitet aber Hard Core ist in Europa am größten, in Amerika ist es wesentlich selektiver.
Dosenmusik: Nach eurem Album "Hold It Down" habt ihr euch getrennt und es war zu lesen, dass ihr nicht mehr zurückkommen würdet vor allem nicht als Madball. Was waren die Gründe?
Hoya: Wir haben uns wegen vieler persönlicher Probleme, nicht zwischen Freddy (Sänger) und mir, aber mit den anderen Bandmitgliedern, getrennt. Finanzielle Sachen, Ziele. Zu der Zeit war alles gegen uns. Freddy und ich haben uns immer gesagt, wir wollen Madball nicht zu einer Band werden lassen, die immer mit neuen Mitgliedern zurückkommt. Wir wollten es als eine Hinterlassenschaft, etwas Respektiertes enden lassen, nicht als einen Witz. Und damals sagten wir uns, wenn wir nicht 100% zu der Band und der ganzen Sache stünden, dass wir es beenden. Daher sagten wir damals, es sei vorbei. Wir hatten zwar kein Geld aber es war vorbei, es war keine Abstinenz sonder wirklich vorbei. Ich hörte auf überhaupt Bass zu spielen, ich hab ihn zerschlagen und war sogar kurz davor überhaupt keine Musik zu machen. Ich war einfach abgeturned. Ich hab zwischendurch ein paar andere, ein paar Hip Hop Sachen gemacht.
Uns wurde einiges an Geld geboten um einzelne Comeback Shows zu spielen aber wir sagten immer nein. Falls wir zurückkommen sollten dann nicht nur um Geld für eine Reunion zu bekommen. Entweder richtig druckvoll oder gar nicht. Freddy und ich fingen wieder an zu reden und Leute, besonders in Europa fragten mehr und mehr nach: "Wir wollen Madball sehen".
Wir fühlten es noch immer und es half uns zu sehen, dass Leute uns immer noch sehen wollten, das gab uns immer mehr Motivation. Also sagten wir uns irgendwann fuck, lass es uns wieder machen und wenn dann richtig.
Dosenmusik: Da es damals ja nur Freddy und du waren, war es schwer für euch, die richtigen Musiker zu finden, die in die Band passten und auch die selben Ziele verfolgten?
Hoya: Es war überhaupt nicht schwer. Das waren Leute bereits da, die schon in Bands gespielt hatten und bei denen wir wussten, dass sie bereit waren auf Tour zu gehen. Es viel uns sozusagen in den Schoß. Als Freddy und ich uns dazu entschlossen Madball zu beenden machten wir eine Abschiedstour durch Europa, aber unser Gitarrist und Drummer haben uns davor verlassen, also hatten wir sie zu ersetzen. Wir fanden einen Ersatzschlagzeuger und als Gitarrist hatten wir Mitts mit, der zur der Zeit noch bei Skarhead spielte. Wir kannten ihn und wussten, dass er die Songs spielen konnte.
Als wir entschlossen zurück zu kommen wussten wir, dass er spielen konnte, er war nicht mehr bei Skarhead. Daher fragten wir ihn, ob er nicht mitmachen wollte. Wir schauten eher nach Freunden als nach irgendwelchen Fremden. Mit Riggs (Drummer) waren wir bereits befreundet. Er spielte zuerst noch bei Hatebreed, aber als er dort aufhörte wollte er eben weiterhin spielen und so kam das eine zum anderen.
Dosenmusik: Und dann habt ihr zu Ferret gewechselt?
Hoya: Als wir zurück kamen hatten wir erstmal kein Label.
Dosenmusik: Also seid ihr nicht wirklich zufrieden mit Roadrunner gewesen?
Hoya: Die Leute vergessen immer, dass nach Roadrunner noch Epitaph war. Und das Album auf Epitaph war letztendlich der Grund, warum sich Madball auflöste. Nicht unbedingt das Album aber Freddy war zu der Zeit im Gefängnis und Epitaph hatte eine Band unter Vertrag, die nicht wirklich ein Album hatte und waren sich etwas unsicher damit. Nicht, dass es wirklich irgendwelche bösen Vibes gab. Aber für sie waren wir wohl eher verrückte Typen. Es waren einfach zwei komplett verschiedene Welten, die nicht zusammen passten.
Als wir zurückkamen, haben wir mit vielen Labels gesprochen. Ferret kam auf uns zu und uns gefiel die Art wie sie dachten und wir sind sehr glücklich, dass wir uns für Ferret entschieden haben. Etwas ärgerlich war, dass wir in Europa trotzdem von Roadrunner vertreten wurden. Ich mein, ich will nicht so schlecht über Roadrunner reden aber offensichtlich waren wir nie so eine große Priorität, da wir keine große Metalband waren. Nun, wo wir auf I Scream sind, ist Europa wirklich besser für uns, da sie eher in Kontakt mit unseren Fans, mit den Hard Core Kids sind.
Dosenmusik: Und sie unterstützen euch besser als es Roadrunner gemacht hat?
Hoya: Auf jeden Fall. Und Europa unterstützt Madball so sehr, dass wir nicht mal ein Video oder so was brauchen. Es reicht schon, wenn wir ein Album draußen haben, dann wissen wir, Leute werden es sich besorgen. Und wir hoffen, dass I Scream das mit dem neuen Album auch machen wird und wir sind uns da recht sicher.
Dosenmusik: Ihr habt einige Kollaborationen mit anderen Bands gemacht aber auf euren eigenen Alben habt ihr kaum Gastmusiker. Wie kommt das?
Hoya: Zum Teil ist der Grund dafür genau derselbe, warum du die Frage stellst. Jeder macht das.
Dosenmusik: Aber ihr macht das auch für andere Bands?
Hoya: Ja ich mag diese Kollaborationssache aber immer wenn Madball ein neues Album machen, haben wir selbst soviel zu sagen. Auf dem neuen Album singt Mitts einen Song mit Freddy, ich singe ein paar Sachen mit ihm. Wir haben selbst genug Münder, die was sagen wollen und haben daher irgendwie nicht wirklich drüber nachgedacht noch andere Sänger einzuladen.
Mitts: Wir haben auf dem letzen Album damit angefangen, dass Hoya und ich zusammen einen Song singen und machen das auf dem neuen Album auch wieder. (P.Y.I.T.F.)
Dosenmusik: Wie du schon vorher erwähnt hast, hast du ein Paar Hip Hop Sachen gemacht, Freddy hat ein Projekt mit DJ Stress. Habt ihr sonst noch irgendwelche Nebenprojekte?
Mitts: Ich hatte vor einigen Jahren noch eine Band namens Ragmen. Das waren Ich und Riggs am Schlagzeug. Außerdem hatten wir Jorge von Merauder als Sänger und Bulldog von Earth Crisis als Bassisten. Das war vor ca. 4 Jahren, momentan nimmt Madball die ganze Zeit ein, aber wenn ich Zeit finde will ich auf jeden Fall noch ein Album mit Ragmen machen. Das alte kam in Europa auf Gangsytle Records raus.
Dosenmusik: Aber im Moment bleibt wahrscheinlich überhaupt keine Zeit dafür, oder?
Mitts: Ich mein, ich schreibe immer an neuen Songs, habe neue Ideen für Musik und spreche auch mit den anderen Jungs darüber. Ich hab also die volle Absicht ein neues Album zu machen, aber eben nur wenn ich mich 100% darauf konzentrieren kann.
Dosenmusik: Nachdem euer Tourplan ziemlich voll gepackt ist, 22 Shows an 22 Tagen, habt ihr auf so einer Tour wahrscheinlich weniger Zeit neue Songs zu schreiben.
Hoya: Also so Sachen wie Freddy Hip Hop Geschichte ist recht einfach, da du sie am Computer zusammenstellen kannst. Dasselbe mit Mitts, er schreibt ständig neue Sachen und die Jungs sind alle gute Musiker und es dauert dann auch nicht so lang, die Stücke zu proben. Ich hab auch noch einiges Zeug, was ich gerade zusammenstelle. Ich weiß zwar nicht wofür, ein paar harte Sachen mit denen ich mich später beschäftigen werde.
Dosenmusik: Wie ihr bereits beide schon gesagt habt, bleibt euch neben Madball nicht so viel Zeit, wie sieht es bei euch mit Familie aus?
Mitts: Was wir machen sind Extreme, nicht wie jemand der einen normalen Job von 9 bis 17h, Montag bis Freitag hat, nach hause kommt, isst und ins Bett geht. Wir sind für lange Zeit weg, dann wieder für drei Wochen zuhause, wo du dann Zeit hast alles zu tun, was du willst. Keine Arbeit, gar nichts. Es ist schwer mit so was umzugehen und wirklich eine Beziehung einzugehen, Hoya und ich sind beide Single nur Freddy ist verheiratet. Seine Frau ist sogar gerade mit uns mit. Aber diese Extreme sind schon sehr schwer für jemanden der verheiratet ist.
Dosenmusik: Aber könnt ich vorstellen irgendwann mal eine Familie zu gründen, euch niederzulassen und einem bodenständigen Job nachzugehen?
Hoya: Ich lass mich jeden Abend nieder (lacht). Weißt du was es ist? Wir sind begnadet und verhext zur gleichen Zeit. Denn wir können, Gott sei dank, davon Leben aber wir sind nicht reich. Uns geht es auch nicht darum reich zu werden aber wenn wir eben nicht spielen, kommt auch kein Geld rein. Wir haben das Glück von dem zu leben, was wir lieben und wir haben Madball nicht gestartet um viel Geld zu verdienen. Sonst wären wir eine Popband oder so was. Im Hard Core gibt es eben nur eine Hand voll Bands, die davon leben könnnen und glücklicherweise sind wir eine davon. Man muss für so eine Art von Leben gemacht sein.
Dosenmusik: So wie Boy Sets Fire, die sich aufgelöst haben, da sie ihren alltäglichen Jobs nachgehen mussten.
Hoya: Genau, 9 von 10 Bands können nicht davon Leben.
Mitts: Genau aus diesem Grund wechseln Hard Core Bands auch so häufig ihre Mitglieder. Da gibts Bands die ja schon fast jede Woche neue Mitglieder haben. Wirklich nur die Hand von Topbands ist in der Lage genug Geld damit zu verdienen, um nur von der Musik zu leben. Und das heißt noch lange nicht, dass wir im Überfluss leben.
Hoya: ich lebe in New York in einem Apartment mit meinem Bruder zusammen und könnte es mir alleine gar nicht leisten.
Dosenmusik: Also hat MTV Cribs noch nicht an eure Tür geklopft? (alle lachen)
Mitts: Haha. Nein, nicht wirklich. Ich lebe zwar in einem Haus, aber hab es geerbt, als meine Eltern verstorben sind. Wenn ich Miete oder Hypotheken abzahlen müsste, alles was man sonst noch so zahlen muss, ich wäre mir nicht sicher, ob ich mir das leisten könnte. Ich wäre es möglicherweise aber könnte wahrscheinlich nie essen gehen und jeden Penny umdrehen. Es ist nicht so leicht.
Hoya: Und da hilft es auch wieder, dass wir Single sind. So haben wir auch ein bisschen Geld für uns, das wir für unseren Mist ausgeben können. Wenn du jetzt noch eine Partnerin hättest wäre es offensichtlich schwerer, da wir einfach nicht so viel verdienen.
Aber das ist nun mal der Lebensstil den wir leben, wenn es dir um einen schicken Lebensstil haben willst, dann ist das nicht der richtig Platz dafür.
Dosenmusik: Aber habt ihr mal darüber nachgedacht was anderes zu machen?
Hoya: Glaub mir, jeden Tag denke ich drüber nach etwas anderes zu mache, was mehr Geld bringt. Aber ich liebe es einfach Musik zu machen und wenn ich das machen kann und dafür Geld bekomme, dann werde ich das bis an mein Lebensende machen. Auf jeden Fall solange mich die Menschen sehen wollen.
Mitts: Jedes Jahr mehr, welches ich Musik machen kann ist ein Jahr weniger, indem ich einem Job nachgehen muss, denn ich nicht leiden kann. Ich überlebe und mach Musik. Ich höre Musik seit ich 2 Jahre alt bin und die Chance raus zu gehen und mit meinen eigenen Händen Gitarre zu spielen ist einfach das Beste, was mir passieren konnte. Es ist soviel besser als irgendein Job wo man nur schwere Sachen rumschleppt oder irgend so ein Scheiß. Das ist ein Segen, es ist das glücklichste Leben, das ich leben kann und wenn ich das machen kann bis ich 70 Jahre alt bin, werde ich das machen und ich werde einen Weg finden.
Weißt du, ich hab schon häufiger Leute gehört die meinten, dass sie das nicht für immer machen wollen. Ich dachte auch so, als ich noch jünger war. Nun bin 36 und will es machen wie Vinny Stigma (Gitarrist von Agnostic Front), ich will auch mit 52 noch in der Lage sein Musik zu machen.
Dosenmusik: Lasst uns ein bisschen über eure Musik reden, ihr habt viele Texte die scheinbar für eine bestimmte Person geschrieben sind.
Hoya: Wir haben nie Sachen erfunden, wir schreiben immer über Zeug, was wir, Freunde oder Bekannte erlebt haben. Daher ist es einfach das Beispiel vor dir zu haben und darüber zu schreiben. Wie bei "Down By Law". Es geht eigentlich um eine bestimmte Person aber gilt eben für einige Leute, die wir nicht leiden können.
Dosenmusik: Also sind die Texte nicht über eine bestimmte Person sondern eher allgemein gehalten?
Hoya: Nicht immer. Auf dem neuen Album ist ein Song der wirklich gezielt für eine Person ist. "No Escape" war wirklich für eine Person die ich nur noch einen Witz nenne. Er ist bei der Band Slapshot.
Dosenmusik: Oh ja, ich hab gelesen, dass du ein paar Probleme mit ihm hattest und ihm eine gelangt hast.
Hoya: Genau, er hat viel Mist über uns erzählt und ich musste das einfach tun. Er fing eben auch an schlecht über meine Freunde zu reden usw. Ich meine, es ist ok zu sagen, Madball gefällt mir nicht, ich mag ihren Stil nicht oder so was. Aber wenn du mich persönlich beleidigst, dann haben wir eben Ärger und ich lasse so was auch nicht auf mir sitzen.
Dosenmusik: Daher auch die Zeile "run and hide you can't escape what's coming.."
Hoya: Ja genau, er meinte ich sollte sterben und so ein Blödsinn. Freddy nennt ihn auch einen Witz der nicht mal in seinem eigenen Hinterhof spielen kann, weil er einfach so voll mit Scheiße ist. Und es geht nicht um Toughguy oder Softguy, dieser oder jener Guy. Es geht einfach nur darum, wenn du Scheiße über etwas verbreitest, womit du nichts zu tun hast kommt es eventuell zurück zu dir. Er hat sich eben darüber ausgelassen, er ist einfach ein nichts für mich. Ich meine, ich habe ihn früher respektiert da sie eine Oldschoolband gewesen sind. Aber er redete die ganze Zeit weiter, schrieb einen Song über uns in dem er sagt wir sollten alle sterben und New York sollte niederbrennen. Und all das nur, weil sich einfach kein Mensch mehr für seine Band interessiert und er das nicht verkraftet.
Dosenmusik: Für wen habt ihr "Our Darkest Days" geschrieben?
Mitts: Freddy hat den Song für seine Frau geschrieben. Es ist lustig, da viele Leute dachten, er schriebe über Gott und dachten, es sei ein religiöser Song. Aber man darf nicht vergessen, Freddy hatte sehr schwere Zeiten und sie war diejenige, die ihn da wieder raus holte. Ihn davon abhielt sich einfach nur noch gehen zu lassen. Er fiel in ein tiefes schwarzes Loch und sie hat ihn da wieder rausgeboxt und ihm geholfen das alles zu verarbeiten. Es kann dir viel helfen, so was dann eben in einem Song zu verarbeiten.
Dosenmusik: Lasst uns über euer neues Album sprechen. Ich hab gelesen, dass ihr euch nicht so sehr für Politik interessiert. Aber der Titel und auch gerade die ersten drei Songs lassen anderes vermuten.
Hoya: Das stimmt, es ist schon politischer aber eher allgemein gehalten. Es ist nicht so, dass wir gegen eine bestimmte Ansicht oder gegen bestimmte Politiker sind.
Dosenmusik: Also eher für Gleichheit und Gerechtigkeit?
Hoya: Nehmen wir den Song "Infiltrate the System". Es geht mehr darum, dass es inzwischen Hard Core Leute in den verschiedensten Bereichen gibt, Ärzte, Anwälte oder sind Bosse von Plattenfirmen mit der richtigen Mentalität, einer Hard Core Mentalität. Diese Leute haben eben die Möglichkeit Dinge zu verändern.
Leute wie die Jungs von Ferret, sie wissen einfach genau, wonach sie schauen müssen. Es geht eben mehr um die Musik und nicht mehr wie bei den Leuten aus den 50ern, das sind nicht mehr die 50er. Wer weiß, vielleicht haben wir irgendwann mal sogar einen Präsidenten, der mal Hard Core gehört hat. In dem Song geht es also darum, dass wir mehr von diesen Leuten brauchen, um die "normalen" Menschen zu infiltrieren bis eben die Hard Core Kids nicht mehr nur Outcasts sondern eben auch "normale" Menschen sind.
Mitts: Wenn du erstmal eine Person drin hast, bringt diese dann mehr und mehr mit.
Hoya: Dasselbe haben wir mit Madball auch gemacht, als wir das erste Mal die Chance hatten nach Europa zu kommen. Das zweite Mal kamen wir mit Crown of Thornz, das dritte Mal hatten wir 25 Ta Life dabei. Wenn du einen von uns rein lässt, öffnen wir die Tür für den Rest von uns. Es ist so, als ob du dich in einen Club schleichst und dann die Hintertür aufmachst, damit alle deinen Freunde rein können und das wollen wir eben mit der Gesellschaft machen.
Dosenmusik: Also ist Infiltrate The System eure Chance eine große Masse zu erreichen. Wie ist es mit dem Song "Take Over"? Ist es eine Art Abrechnung mit der Musikindustrie?
Hoya: Ja, es geht um die gesamte Musikindustrie, nicht ein bestimmtes Plattenlabel oder eine Person. Auch hier geht es im gewissen Sinne um die Mentalität der Leute "we are at war with the industry until we take it over.." oder anders gesagt, Leute sind einfach ein bisschen aufgeschlossener und realistischer in den Labels. Es sind nicht mehr nur alte Männer, die nur auf die Verkaufszahlen schauen. Wir haben in den Labels inzwischen genug Leute, die die Musik lieben und es trotzdem schaffen, ein Geschäft zu führen.
Dosenmusik: Euch geht es da ähnlich, oder? Die Zeile "we are not the average band, we're self-content.."
Mitts: Genau, wir brauchen niemanden, der uns sagt, was wir zu tun haben. Wir brauchen niemanden außer uns selbst. Wir machen einfach alles selbst, so wie es uns passt. Und jetzt stell dir vor, wir könnten das eben auch mit größeren Sachen machen. Mit Sachen, die der Musik, der Szene und den Menschen helfen würden.
Hoya: Ich will Hard Core genau so groß sehen wie Metal. Das die Musik genau so respektiert wird. Weil ich denke, es ist die ehrlichste und beste Form von Musik, auch wenn ich es nicht jeden Tag höre. Dosenmusik: Worum geht es in Novelty? Eine Art Fingerzeig an "onehitwonders"? "Where have you been, show some respect?"
Mitts: Es ist für viele Bands. Bands wie Madball, Sick Of It All, Agnostic Front haben sich selbst aufgeopfert um diese Musik all die Jahre zu machen. Es geht um Bands, die vor 20 Jahren mal ein Album raus gebracht haben und jetzt zurückkommen und viel Geld für Reunions bekommen. Ich meine das ist toll und da ist nichts falsch dran, aber sie sollten wissen, warum das überhaupt noch möglich ist und wer die Szene über die ganzen Jahre am Leben gehalten hat.
Hoya: Diese Bands (MB, AF, SOIA...) sind quasi die Lebenslinie des Hard Cores. In den schweren Zeiten saßen all die anderen Jungs zuhause oder sind ihren Jobs nachgegangen um Geld zu verdienen. Nun kommen sie zurück, da sie sehen, wie groß Hard Core inzwischen geworden ist. Nun kann ich nach Europa kommen und richtig große Festivals spielen, dafür haben wir über 15 Jahre gebraucht. Nun versuchen die Bands nur viel Geld zu machen und machen das alles aus den falschen Gründen.
Also der Song geht an alle Bands die denken, dass wir vielleicht über sie reden und wenn sie so denken, dann tun wir es vielleicht auch.
Und um noch mal auf deine Frage von vorher zurück zu kommen. Wir hatten keine Reunion wir sind richtig zurückgekommen. Wir haben auch einiges an Geld angeboten bekommen aber ich wollte nie eine dieser Bands sein, über die nachher gesagt wird, wir hätte das alles nur des Geldes wegen gemacht. Wir haben es immer zu unserer eigenen Zufriedenheit gemacht, so wie wir es wollten. Ob das gut oder schlecht war, ist nicht so wichtig, aber wir sind uns immer treu geblieben.
Dosenmusik: Was sich ja auch recht deutlich in eurer Musik widerspiegelt. Ihr seid diesem NYHC Style über die Jahre immer treu geblieben.
Hoya: Wir haben immer versucht zu wachsen aber haben nie versucht zu ändern, wer wir sind. Wir sind nicht mehr 20 und wiegen auch keine 60 Kilo mehr. Wir sind alle älter geworden, haben viele Sachen durchlebt und haben uns eben auch als Musiker weiterentwickelt. Das wollen wir eben auch mit der Musik, wir hören uns nicht wie Victim in Pain oder Black Flag an. Das war zwanzig Jahre her und wir wollen zeigen, dass wir keine Angst vor Veränderungen haben, weil Veränderungen auch Wiedergeburt bedeuten.
Dosenmusik: Aber was denkt ihr über den zunehmenden Einfluss von Metal im Hard Core. Ich hab vor kurzem Sworn Enemy gesehen und die sind inzwischen ja schon mehr Metal als Hard Core.
Mitts: Nun ja. Das ist, was sie machen, wenn es sich dahin entwickelt, dann ist es ok. Als Madball raus kam wurde auch gesagt, sie seien zu sehr Metal, als Cromags ihr erstes Album raus brachten hieß es von Kids die Sachen wie Minor Threat hörten auch, das sei Metal. Aber es muss sich eben auch weiter entwickeln, es kann nicht einfach immer dasselbe bleiben.
Hoya: Ich denke auch, dass einige Bands zu schnell und zu sehr solche Änderungen annehmen und das geht häufig schief. Auf unserem letzen Album wurden wir auch ein bisschen metalischer aber wir hatten auch immer schon einen gewissen Metaleinfluss. Madball war eben immer schon eine Mischung aus alten und neuen Stilen. Der neue Stil ist nicht mehr der von 1990 sondern 2007. Madball ist ein Produkt der Umgebung. Es ist immer eine Entwicklung. So lange du es machst, weil du es willst ist es ok. Mach was immer dir gefällt, spiel Solos oder was auch immer. Aber mach es weil du es willst und nicht, weil es andere Bands so machen. Das ist es arm und Leute werden es auch schnell merken, wenn Bands nur versuchen hinein zu passen.
Dosenmusik: Wofür steht PYINTF?
Mitts: Haha, das steht für Punch You In The Face Part III. Es ist ein Witz. Paul von Sheer Terror rief Hoya an und erzählte ihm, dass unser neues Album doch so heißen sollte.
Hoya: Er rief mich um 4 Uhr morgens, vollkommen betrunken an und meinte nur, er wisse nicht warum aber wir sollten es doch so nennen.
Dosenmusik: Aber was ist mit dem Text?
Mitts: Der Text hat nichts mit dem Titel zu tun. Wir haben uns gedacht, lass uns eine lange Abkürzung auf das Album packen, dann fragt uns jeder danach.
Ich habe dann einen Teil geschrieben und den anderen hat Hoya geschrieben. Es geht um Leute die gerne angeben, um Fakes.
Dosenmusik: Und wieder niemanden speziell?
Hoya: Nein wieder niemand spezielles. Aber auch hier ist es so, wenn du drüber nachdenkst, dass der Song für dich sein könnte, dann ist er vielleicht auch genau über dich geschrieben.
Die Zeile "for all you rock stars that try to act hard with all your bodyguards.." ist halt für Kerle die den Harten raushängen lassen und einen auf Gangster machen. So wie die Jungs von Korn zum Beispiel, die auf Festivals rummachen, als seien sie die krassesten Gangster überhaupt aber Backstage dann mit fünf Bodyguards rumlaufen, dass ist einfach lächerlich.
Dosenmusik: Aber ihr habt eh auch häufig so kurze Songs auf euren Alben.
Mitts: Ja es ist immer ein Spaß und wir machen so was sehr gerne. Es ist so, als ob du dir ein D.R.I. Album hörst, 30 Songs in 25 Minuten.
Dosenmusik: Der letzte Song auf dem Album ist eine Hymne für eure Heimatstadt?
Hoya: Das ist, wo es alles her kam und es ist noch immer da.
Dosenmusik: Ihr wohnt alle in NYC, könnt ihr euch vorstellen woanders zu leben?
Hoya: Auf jeden Fall, ich könnte mir sehr gut vorstellen in Thailand zu leben, haha. Nein, ich mach nur Witze. "Stand Up" ist eine Hymne für die Stadt, die wir am meisten lieben und alle anderen sollen sehen, das wir immer noch da sind. Heutzutage ist NYC nicht mehr das Herz des Hard Cores.
Mitts: Wir wollen einfach etwas an die Szene zurückgeben, die alles erschaffen hat. Für uns hat Hard Core in NYC angefangen und wir zollen Respekt, dem Hard Core im Allgemeinen.
Dosenmusik: Noch irgendwelche weltbewegende letzten Worte?
Hoya: Auf jeden Fall. Kauft alle das Album.
Mitts: Ja genau, mindestens fünfmal.
Dosenmusik: Habt ihr das Album dabei?
Mitts: Leider nicht, wir haben es noch nicht mal richtig gesehen. Wir haben gestern ein Interview bei einem Radiosender gemacht und der Kerl hatte das Album da, das war das erste mal, dass wir es wirklich gesehen haben. Es kommt in Europa am 17. August und in den Staaten am 21. August raus. Also kauft es alle mindestens fünfmal und macht uns wahnsinnig reich. (beide lachen)
Beide: Nein Quatsch, vielen Dank für das Interview hat Spaß gemacht und genieße die Show.
Dosenmusik: Ich danke euch, dass ihr euch die Zeit genommen habt und wir sehen uns gleich drinnen.


Freddy Cricien - Vocals
Hoya - Bass
Mitts - Guitar
Rigg Ross - Drums

www.madballnyhc.com

autor: ed_moses | 20.08.2007
Dosenmusik : der neue Shop
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