Interview mit Machine Head
Interview mit Phil am 15.11.04 im Schlachthof in Wiesbaden Stairway to Machine Head...
machine head pfeifende verstärker, ein mit ausgebreiteten armen im scheinwerferlicht stehender rob flynn verabschiedet sich mit einem "....and she’s buying an stairway to heaven" von der tobenden menge. mit einem passenderen satz hätte man dieses konzert wohl auch nicht beenden können. nach einem unglaublich set mit allen brachialen songs wie imperium, seasons wither, bulldozer, take my scars, ten ton hammer, davidian, dem unglaublichen descends the shades of night und zu ende block mit dem wohl größten circle pit den ich je auf einem live konzert gesehen habe ist wohl jeder bereit für seinen stairway to heaven. über die hauptakteure muß man denke ich nicht mehr viel verlieren, nur dass sie seit diesem fest am 15.11.04 für mich endgültig in den olymp der besten live bands aufgestiegen sind.

zurück zum beginn des montags der zu einem der tage wurde die man so schnell im leben nicht mehr vergisst...
nachdem wir uns unausgeschlafenerweise ausschließlich mit "seasons wither" in peds wohnung auf das bevorstehende konzert eingeschworen hatten begaben wir uns um drei uhr mittag auf den weg nach wiesbaden um rechtzeitig zum interview termin einzutreffen. völlig ausgehungert erreichten wir um virtel vor vier die halle und beschlossen einstimmig: erst rock n roll, dann essen! und so begab ich mich mit knurrendem magen zum hintereingang des schlachthofs und stiefelte in die halle. die war bis dato nur bevölkert von ein paar technikern die gerade mit der justierung der scheinwerfer beschäftigt waren, vor der bühne ein zerlegtes drumset, auf dem sich zu späterer abendstunde der drummer von "god forbid" austoben sollte. ich drehe den kopf nach oben und ein zufriedenes grinsen macht sich auf meinem gesicht breit: bühnenbild ganz im "through the ashes of empires"-cover stil und in der mitte trohnt dave mcclains imposantes drumset mittig über der bühne. ich schnappe mir den erstbesten, vermutlich ein crewmember oder mitglied von god forbid und frage ihn wo den phil sei. der verschwindet sofort im backstage. etwas abwesend und die atmosphäre genießend träumte ich drei sekunden lang vor mich hin, als plötzlich phil um die ecke biegt und mich mit einem:"hey you look familiar!" begrüßt.etwas geplättet, dass er sich an mich erinnert gebe ich ihm die hand, ist immerhin schon über ein jahr und diverse bartlängen her. ped stößt hinzu und phil bittet uns freundlich ins backstage, wo wir auf einer bequemen couch das folgende gespräch mit einem gut gelaunten, entspannten phil demmel führen.

dosenmusik: grüß dich phil, schön dich wiederzusehen. ist ja schon eine ganze weile her.
phil: ja, schön das du den weg wieder zu machine head gefunden hast.
dosenmusik: kaum zu glauben, das du dich an mich erinnerst bei der aüßerlichen veränderung und den tausenden interviews die du innerhalb des letzten jahres auf tour gegeben hast, das ist mir echt noch nicht passiert, freut mich sehr.
phil: ja, irgendwie kam mir dein gesicht sofort bekannt vor, ein paar leute merkt man sich eben doch. und so viele interviews sind es ja auch nicht (lacht)
dosenmusik: wenige interviews? das soll ich dir glauben? (lacht)
phil: es geht wirklich...(grinst)
dosenmusik: es gehört ja auch irgendwie zu deinem job oder? oder empfindest du es eher als lästig?
Phil Demmel phil: nein überhaupt nicht, ich unterhalte mich ganz gerne mit der presse. das füllt den tag aus, man kann ein bißchen was erzählen und wie du schon gesagt hast, es gehört einfach dazu. es gibt leute die sind da sofort angenervt, ich denke, wenn du keine lust darauf hast, solltest du auch nicht in einer band spielen. oder besser, du solltest in keiner guten band spielen (lacht)
dosenmusik: schöne einstellung zu dem thema, gefällt mir. wie wars eigentlich gestern abend auf der show in amsterdam...?
phil: oh, sehr genial. die gesamte band hatte eine menge spaß. die show war ausverkauft und die menge hat auch sehr viel spaß gehabt. wir haben es diesmal sogar geschafft, noch ein wenig in der stadt rumzulaufen und etwas shoppen zugehn. ein angenehmer tag war das.
dosenmusik: wie gehst du damit um jetzt in machine head zu sein? die band hat ja schon eine art vorbildfunktion für viele menschen was diese art von musik angeht.
phil: es ist großartig in machine head spielen zu können. wie du sicher weißt, kennen wir uns ja auch schon ewig. in den 90ern ging das alles recht schnell mit machine head’s erfolg, kurz nach dem rob von violence wegging.
gut und heute...ich kannte die songs und war ein fan der band, und deshalb viel die wahl auch unter anderem auf mich. und dann ging alles recht schnell. schön zu hören wenn die musik bei den leuten so gut ankommt. das gibt einem ein sehr gutes gefühl.
dosenmusik: die frage ging an dich weil mir die musik auch persönlich soviel bedeutet. sie hatte schon eine gewisse lehrfunktion was mein gitarrenspiel angeht.
phil: ausgezeichnet, freut mich zu hören.
dosenmusik: es gibt auch einen persönlichen neuen lieblingssong von der neue platte übrigens.
phil: welcher ist es denn?
dosenmusik: der der nicht auf der europäischen release drauf ist! (grinst)
phil, dosenmusik: seasons wither!! (gleichzeitig, grinsen)
phil: alright...(nickt zustimmend)
dosenmusik: kannst du bitte nochmal erläutern warum er nicht auf der europäischen release drauf ist?
phil: (lacht) ganz einfach, zu dem zeitpunkt war er noch nicht geschrieben.
Phil Demmel dosenmusik: also habt ihr ihn erst zwischen den zwei releases geschrieben?
phil: ja wir haben ihn erst geschrieben. die europäische release war im oktober letztes jahr und ‚seasons wither‘ haben wir erst im... (überlegt)....januar geschrieben, als wir hier in europa auf tour waren. zurück in den staaten dachten wir uns: hey verdammt guter song und hier kommt die platte erst im april raus, also nehmen wir ihn auf und packen ihn noch mit drauf. diesmal war es mal anders, sonst bekommt ihr immer die specials (grinst)
dosenmusik: der song ist die platte! ‚seasons wither‘ vereint alle elemente der neuen platte in sich oder wie siehst du das?
phil: er hat schnelle parts, ausgefeilte druckvolle riffs, breakdowns, solos, schöne gitarrenharmonien, melodischer gesang neben dem üblichen und dave setzt unter die harmonien noch seine druckvollen toms, ein sehr runder song, doch das kann man so sagen.
dosenmusik: der letzte teil des solos, den rob und du zusammen spielen ist...
phil: ...die zweistimmigen gitarrenharmonienen?
dosenmusik: genau, der teil ist genial. ich liebe diese art des gitarrenspiels. hast du den geschrieben?
phil: ja, die solos und die harmonien für diesen song sind von mir. ich habe sie auch für das album komplett eingespielt, live spielen wir sie allerdings logischerweise zu zweit. das hauptriff habe ich auch geschrieben.
dosenmusik: der ist unglaublich schwer zu spielen. kaum zu glauben wie ihr das so perfekt live hinlegt...
phil: nunja, wir spielen ihn ja auch schon eine weile jetzt (grinst)
dosenmusik: vom stil des gitarrenspiels her hebt es sich völlig von der ‚supercharger‘ ab, gut aber da war auch noch ahrue luster in der band.
phil: ahrue ist ein sehr guter gitarrist und die riffings die er gespielt haben auch in diese zeit von machine head gepasst. aber ich denke das er für sich einfach was neues gefunden hat und da letztlich auch besser aufgehoben ist. gut, und da er nicht mehr in der band war hat sich das ganze auch verändert und machine head haben was diesen teil betrifft eine andere stilrichtung eingeschlagen.
dosenmusik: mal eine frage zu deinen gitarren auf denen du diese neuen tollen riffs zauberst: wieso greifst du eigentlich auf jackson zurück und nicht auf ESP?
phil: ich spiele jackson jetzt schon....(überlegt).... seit 18 oder 19 Jahren ungefähr. das war und ist die gitarre die ich immer gespielt habe. und dann kamen plötzlich jackson auf mich zu und haben mir ein sponsoring angeboten, was eine sehr tolle sache ist, wenn du die gitarren von deinem lieblings gitarrenhersteller plötzlich einfach vor die tür gestellt bekommst. die jackson‘s spielen sich einfach am besten finde ich.
dosenmusik: du spielst die weiße jackson überwiegend als hauptgitarre oder? die sieht fast auf jedem foto...
phil: (lacht) ja, die wird wohl in die ‚rock n roll hall of fame‘ eingehen. aber das liegt wohl eher daran das ich die immer für die ersten drei songs benutze und die fotographen ja bekanntlich nur die ersten drei songs knipsen dürfen. deshalb ist fast immer die weiße drauf. ansonsten benutze ich noch eine rhoads und ich habe auch noch eine warrior die ich einsetzte .die beiden spiele ich genau so gerne. die werden heute abend auch wieder alle zu sehen sein.
dosenmusik: und sie werden auch auf der kommenden dvd zu sehen sein richtig?
Phil Demmel phil: yes das ist richtig, dass werden sie. wir machen dieses dvd shooting in london und zwar am fünften dezember in der brixton academy während der show. wir haben ebenfalls die ‚burn my eyes‘ anniversary show in philadelphia, usa aufgezeichnet. dort haben wir alle songs der burn my eyes gespielt. das packen wir zusammen und bringen es auf dvd raus. es werden auch noch backstage shoots darauf sein, gemischt von allen uk shows inkl. der brixton academy show. es wird noch eine andere scheibe rauskommen auf der live mitschnitte zu hören sind, solche songs wie "the rage to overcome" zum beispiel.
dosenmusik: wie ist das eigentlich mit dem gitarren tuning bei den alten sachen wie "the rage to overcome"? das ist im gegensatz zu heute in b, richtig?
phil: das ist nicht ganz richtig so, ja okay wir spielen sie heute in b aber auf der ‚burn my eyes ‚ sind auch eine ganze menge in standard dropped-d tuning drauf.
dosenmusik: davidian?
phil: davidian war (überlegt) dropped-c....wiegesagt, etwas durcheinander auf der ‚burn my eyes‘ jetzt spielen wir sie in b. alle songs eigentlich.
dosenmusik: dropped-b ?
phil: ja wieso?
dosenmusik: nun ich dachte ihr spielt sie un-dropped...ich spiele sie nämlich so.
phil: nun, da machst du es dir schwieriger als nötig...(lacht)
dosenmusik: wie sieht es mit neuem material aus?
phil: momentan konzentrieren wir uns aufs touren, insofern ist eigentlich noch nicht wirklich etwas vorhanden. sicher, wir merken uns gute riffs irgendwie wenn sie uns in den kopf schießen.
dosenmusik: schreibt ihr eher zuhause?
Phil Demmel phil: ich war noch nicht in dieser band als sie für das nächste album geschrieben haben, deshalb weiß ich nicht wie es in der vergangenheit ablief. wir haben ‚seasons wither‘ on the road geschrieben. von allen seiten kamen die riffs, in diesem fall überwiegend von mir. rob hat sie zusammengesetzt, er ist sehr gut darin, die songs zu strukturieren.
dosenmusik: also könnte man schon sagen songwriting findet eher auf tour statt.
phil: ja sicher, ich meine du sitzt da mit deiner gitarre, dir fällt was ein, anschließend nimmst du es mal mit in den soundcheck, dave packt einen drum-wirbel mit drauf...der eine sagt "versuchs mal so" der andere "genau an dieser stelle break"
dosenmusik: aber ihr nehmt ideen nicht gleich auf im bus? andere bands habe ein kleines mini-studio im bus z.b.?!
phil: oh nein. im bus schlafen wir. wir sind alt (lacht)

vielleicht etwas älter, aber das macht sich auch an der erfahrung bemerkbar. und ich glaube das hat wohl an dem abend jeder gespürt, ob es nun der fünfte oder der erste machine head gig war. es war schön zu beobachten wie ruhig und gelassen sich die bandmitglieder auf den abend vorbereiten. da macht jeder für sich das was am meisten entspannt um am abend die energie auf der bühne rauszublasen. dave mcclain mit einem mp3 player in der einen ecke des raumes. rob und adam hielten sich wohl die meiste zeit bis zum soundcheck im bus auf. um dem ganzen tag noch die krone aufzusetzten lud uns phil freundlicherweise nach dem interview noch zum soundcheck ein. da saß ich nun in der leeren halle und plötzlich erklang in meinen ohren "seasons wither".

"...and she’s buying a stairway to heaven."

Phil Demmel

robert flynn – vocals, guitars
phil demmel - guitars
adam duce – bass
dave mcclaine - drums

www.machinehead1.com

interview: ped & shavo | autor: shavo | bilder: phobie | 15.11.2004
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