Interview mit Koroded
Interview mit Sänger Jan am 19.04.2006 Jeder Song den wir schreiben ist eine neue Chance
Koroded Am 19. April war die aufstrebende Aachener Band KOroded während ihrer Europa Tour mit Betzefer zu Gast im Heidelberger Schwimmbadclub, um ihr neues Album zu promoten. Dosenmusik war dort anwesend, um einen kleinen Plausch mit Jan - seines Zeichens Sänger und Sprachrohr der Band - zu halten und die neusten Infos rund um Koroded, die neue Platte "to have and to unhold" und die laufende Tour zu erhalten.

Dosenmusik: Hey Jan, schön dich mal wieder zu sehen. Danke schon mal dafür, dass Du dich dazu bereit erklärt hast, dieses Interview mit Dosenmusik zu halten… Vielleicht erst einmal generell gefragt, sagt dir Dosenmusik etwas?
Jan: Ja, ihr veranstaltet Konzerte und Discoabende rund um Frankfurt, nicht wahr?
Dosenmusik: Jau, desweiteren bietet die Webseite www.dosenmusik.de das Heim einer Community, in der alles was Musik der härteren Gangart betreffend diskutiert wird. Auf dieser Webseite wird auch dieses Interview zu lesen sein...
Jan: Das mit der Community wusste ich noch nicht, das ist auf jeden Fall ne coole Sache...
Dosenmusik: Okay, dann lass uns mal starten… Ihr seid mitten in eurer Tour, die euch einen Monat lang quer durch Europa treiben wird. Wie läuft es denn bis jetzt?
Jan: Die Tour mit Betzefer ist am 4. April in England gestartet und hat uns über Holland nach Deutschland, und dann zu den drei Fuck Easter Festivals in Hamburg, Köln und Stuttgart gebracht. Bis jetzt ist alles echt super gelaufen, bis auf England, da war es ein wenig durchwachsen.
Dosenmusik: Inwiefern durchwachsen?
Jan: Leider gab es hier und da ein wenig Stress mit den lokalen Promotern und es war generell ein wenig ungewohnt und irritierend, weil die Clubs dort eine etwas andere Auffassung davon haben, wie Sie Bands behandeln wenn es um Sachen wie Essen und Trinken oder einen geordneten Backstage Bereich geht. Aber trotz allem war es cool, wir hatten einige sehr gut laufende Shows dort drüben.
Dosenmusik: War es euer erstes Mal in England?
Jan: Nein, wir waren letztes Jahr im März schon mal drüben, im Zuge der Tour für unsere letzte Platte, "The Absurd Beauty of being alone".
Dosenmusik: Habt ihr denn auf der Insel mittlerweile auch ein paar Fans?
Jan: Nun ja, die Leute waren grundsätzlich nur wegen Betzefer auf den Shows, aber wir konnten ein paar Leute von uns überzeugen. Wir sind CD's und Merch losgeworden, also war es auf jeden Fall ne gute Sache.
Dosenmusik: Das hört sich doch schon mal gut an! Was erwartest Du denn vom weiteren Verlauf der Tour?
Jan: Natürlich was sich jede Band von solch einer Tour erhofft: Unser Bekanntheitsgrad soll gesteigert werden, denn immerhin kostet so was ne Menge Geld und ist harte Arbeit. Andererseits soll es einfach weiterhin soviel Spaß machen, wie es bisher der Fall war… Mit drei Bands in einem Bus geht schon einiges ab und wir haben uns alle untereinander gut angefreundet.
Der schönste Nebeneffekt an der ganzen Sache ist, eine ganze Menge Leute wieder zu treffen, die man jetzt schon über ein Jahr nicht mehr gesehen hat… Und weiterhin lernt man immer wieder neue nette Menschen kennen. Daher sind wir zufrieden, was den Verlauf der Tour angeht.
Dosenmusik: Das freut mich, hört sich alles in allem ja doch sehr positiv an. Im Hinblick auf den kommenden Sommer: habt ihr denn schon Festivalauftritte geplant? Letztes Jahr habt ihr ja schon das Summer Breeze gespielt…
Jan: Bis jetzt haben wir nur das Suffering-Life Festival am 9. Juni in Wachenroth auf der Liste. Ein Festival mit einer Menge Death Metal Bands… Vielleicht sind wir da ja ein wenig deplaziert, he he, aber es wird trotzdem spaßig. Soweit ich weiß sind noch weitere Festivals in Planung, aber inwiefern da schon was fix ist, kann ich dir grad nicht sagen, ich hab da grad nicht so den Überblick…
Dosenmusik: Okay, dann werden wir das mal weiter beobachten. Vielleicht kannst Du uns jetzt mal einen Tag auf Tour schildern. Wie verbringt ihr die Zeit zwischen den Auftritten - abgesehen von Bus fahren, Party feiern und so weiter…?
Jan: In meinem Fall sieht das momentan so aus, dass ich gegen 12 Uhr aufstehe. Meistens sind wir um die Zeit schon am jeweiligen Club und können rein. Ich machs mir dann Backstage bequem und schreib ein wenig an meiner Diplomarbeit um mein Sozialpädagogik Studium beenden zu können. Dann wird untereinander wie üblich ne Menge Blödsinn gequatscht… Ein Spaziergang hier und da ist auch drin...
Dosenmusik: Ihr schaut euch also auch schon mal die Städte an, in denen ihr spielt?
Jan: Klar, bei unserem ersten DayOff in Edinborough hab ich mir natürlich die Stadt mal angeschaut. Heute hab ich auch nix für meine Diplomarbeit gemacht, sondern bin mal durch Heidelberg gelaufen. Das war sehr angenehm, ist wirklich eine superschöner Ort. Wenn das Wetter so schön wie heute ist, ist das auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung zur miefigen Luft im Tourbus oder Club.
Dosenmusik: Jetzt können wir uns vorstellen wie das bei euch so abläuft. Ihr spielt sicherlich auch neue Songs auf dieser Tour, oder?
Jan: Natürlich, wir spielen ein gemischtes Set aus Songs unserer beiden aktuellsten Platten. Bei der uns zugesicherten Spielzeit von 45 Minuten ergibt das ein Set aus 9 Songs, 3 von TABOBA, und 6 von THATU.
Dosenmusik: Lass uns doch jetzt mal über eure neue Platte "to have and to unhold" sprechen: Gibt es eine besondere Geschichte zu dem Titel?
Jan: Das Album sollte eigentlich komplett anderes heißen, und zwar "The Night the Earth stood still", aber da hab ich mich dagegen gesträubt, weil mir der Titel zu lang war und es auch ein Zungenbrecher ist. Wir haben dann halt diesen Song auf der Platte, der "Unhold" heißt, und das kann man auf zwei Arten lesen: Entweder deutsch, als "Der Unhold" oder als englischen Neologismus "unhold", ein Wort dass es ja eigentlich gar nicht gibt, aber wohl das genaue Gegenteil von "hold" darstellt. Es gibt im Englischen die Redewendung "to have and to hold", was im Falle einer Heirat bedeutet, dass man seinem Partner auf ewig die Treue hält. Durch diese Kombination ist dann auch der Titel entstanden.
Dosenmusik: Okay, das ist eine interessante Geschichte...
Jan: Ja, zusätzlich dazu ist wohl interessant zu wissen, dass meine Beziehung während des Songwriting-Prozesses in die Brüche gegangen ist, und sich das natürlich auch in den Texten niedergeschlagen hat. Dann kam da noch die Trennung von unserem Bassisten dazu und somit hatte alles um uns herum mit Trennungsaspekten zu tun. Dieser Titel drückt das alles sehr gut aus und stellt unsere Situation zum Zeitpunkt der Entstehung der Platte sehr gut dar.
Dosenmusik: Hört sich ja alles recht traurig an, aber bestätigt irgendwie die Gedanken die ich beim ersten Mal mit eurer neuen Platte hatte: Zunächst ist mir das sehr düstere Design aufgefallen und wenn man dann die CD einlegt wird man vom Sound und den ersten Riffs erst mal schön zusammengefaltet...
Jan: Ja, von der Produktion her wollten wir das Ganze sehr organisch halten. Jacob (Sänger von Hatesphere) hat uns aufgenommen und wir haben wert drauf gelegt, dass Koroded so dargestellt wird, wie Koroded auch wirklich ist. Das heißt, wir haben auf technische Spirenzien verzichtet, hier und da aufgenommene Gitarren- und Gesangsspuren auch wieder weggeworfen. Es sollte sich mehr nach einer Livesituation anhören, so dass es bei Auftritten auch reproduzierbar bleibt.
Dosenmusik: Und das habt ihr meiner Meinung nach auf jeden Fall geschafft. Generell würde ich den Sound als "erdrückend", aber im positiven Sinne beschreiben...
Jan: Damit hat bestimmt auch das komplette Umfeld in dem wir die Platte aufgenommen haben zu tun. Wir waren auf einem kleinen Bauernhof mitten im nirgendwo von Dänemark. Eingeschlossen, Einsam... Ein Haus mit niedrigen Decken, in dem wir meist bis tief in die Nacht gearbeitet haben. Solche Einflüsse sollte man nicht unterschätzen wenn es um die Atmosphäre eines Albums geht.
Dosenmusik: Wie sieht es denn mit Erwatungen aus, die ihr in die Veröffentlichung dieser Platte legt... Wie soll es hier weiter gehen?
Jan: Es wäre toll, wenn uns diese Platte weitere Türen öffnen würde, so dass wir einfach weiter Konzerte spielen können wie zum Beispiel die Fuck Easter Festivals. Es ist definitiv ein ganz anderes Level, wenn Du Gigs mit Soilwork und Hypocrisy spielen kannst. Und in diese Richtung wollen wir uns weiter bewegen.
Dosenmusik: Wenn man sich die ersten Bewertungen ansieht, scheint das wohl auch zu funktionieren. 5 von 7 Punkten im Metal Hammer, 7,5 von 10 Punkten im RockHard, das sind doch schon mal Hausnummern.
Jan: Es sind aber schlechtere Bewertungen als zu unserer letzten Platte, was ich leider ein wenig schade finde und auch nicht wirklich nachvollziehen kann. Es liegt wohl daran, dass es ein Album ist, das auf jeden Fall ein paar Durchläufe benötigt, bis es sich einem komplett erschließt.
Dosenmusik: Das kann sein, schließlich sind es keine einfachen Punksongs, die mal schnell runtergeknüppelt werden. Man merkt schon, dass ihr euch ausgiebig mit dem Songwriting beschäftigt. Eer ist denn da federführend bei euch?
Jan: Für den Grossteil der Songs sind Andreas (Gitarrist) und ich verantwortlich. Frank, unser neuer zweiter Gitarrist, ist erst während dem Songwritingprozess dazu gestoßen und hat daher nicht mehr viel Einfluss nehmen können, das soll aber in Zukunft anders werden. Die Arrangements und Melodien von "God of Nothingness" sind zum Beispiel dadurch entstanden, dass wir einen Abend beim Andi in der Küche gesessen und Kaffee getrunken haben, und er auf der Akustikgitarre vor sich hin klimpert. Irgendwann kommt dann was, wo man sagt, "hey, das hört sich cool an" und dann spielt man weiter damit rum. Dann zeigt man das den anderen Jungs im Proberaum und die bringen ihr Ideen mit ein, bis der Song dann komplett steht.
Wir sind momentan auf jeden Fall eine sehr gesangsorientierte Band, wobei wir bei dem nächsten Album wieder mehr riffbasierte Songs schreiben wollen.
Dosenmusik: Habt ihr denn schon Zeit gefunden, um weitere neue Lieder zu schreiben?
Jan: Ja, wir haben auch schon neues Material, nur sind wir gerade unterwegs, und deswegen heben wir uns das für daheim auf...
Dosenmusik: Wie sieht es denn mit Einflüssen aus, was sind denn eure Inspirationsquellen?
Jan: Meiner Meinung nach wächst man über eine Zeit mit bestimmten Musikeinflüssen auf und die bleiben dann in einem drin, so dass man diese Inspiration grundsätzlich immer wieder mit einfließen lässt. Bei uns handelt es sich dabei um Bands wie Machine Head, Sepultura und eine ganze Menge Old School HardCore. Was Melodien angeht steh ich total auf die Deftones, weil das keine Hitmelodien sind, sondern die kommen eher von hinten durchs Auge… Andreas auf der einen Seite ist auch gar kein typischer Metalgitarrist, der hackt nicht so auf seiner Gitarre rum, sondern bei ihm läuft das eher fließender ab, fast schon punkig. Frank hingegen weiß genau was er tut, er kennt sich blind in Harmonielehre und solchem Kram aus. Das ergänzt schon sehr gut.
Wir stellen uns jetzt auch nicht in den Proberaum und sagen "hey, das muss jetzt so klingen wie das oder das", daher ist unsere Inspiration eher die generelle Gefühlswelt und das was um uns herum passiert, wie wir gerade drauf sind.
Dosenmusik: Also habt ihr auch nicht wirklich was mit dem momentan anhaltenden MetalCore Trend zu tun… Was habt ihr denn momentan selbst im CD-Player laufen?
Jan: Da kann ich jetzt nur für mich sprechen, weil ich nicht genau weiß, was die anderen so hören. Ich bin eigentlich eher ein Radiohörer, ich hab da so meine Sender mit viel Klassik und Jazz, und lasse mich gerne berieseln. Ich höre generell einfach gerne Musik, und daher lass ich mich da immer wieder gerne überraschen. Wenn ich es aber auf Metal-Alben beschränken soll, dann fallen mir als erstes die neue Bleed The Sky und die aktuelle DieCast ein. Beides sehr coole Platten. Und dann hab ich letztens erst die aktuelle WuTang Clan und eine alte GraveDiggaz (die HipHop Jungs mit den goldenen Zähnen, net die langhaarigen True Metaller ;-)) geschenkt bekommen, die hör ich auch immer wieder gern.
Dosenmusik: Das ist auf jeden Fall eine interessante Mischung... Welche Bands würdest Du denn mal gerne zusammen spielen lassen, wenn Du dazu die Möglichkeit hättest?
Jan: Du meinst Geld wäre kein Problem? Und nur für mich persönlich?
Dosenmusik: Ja Mann, tob dich aus!
Jan: Das wäre dann wohl ein Festival mit den Beach Boys in der 68er Besetzung, Pink Floyd zum Ende der Siebziger, Pantera zur Zeit der Great Southern Trendkill... Dann noch die Suicidal Tendencies in der 94er Besetzung und Metallica zu Master of Puppets Zeiten... Das wäre mein Traum, whoa, alsoecht...
Dosenmusik: Hehe, da ist wohl für jeden etwas dabei... Hast Du denn diese Master of Puppets remastered schon gehört?
Jan: Noch nicht komplett, aber das Battery von Machine Head ist der Hammer... Den Song mit so einem Drumsound zu hören... einfach geil... Trivium ist auch ganz cool... und Mastodon... ja, Machine Head und Mastodon finde ich wohl am besten...
Dosenmusik: Jetzt haben wir uns ja schon ne Weile unterhalten… zum Abschluss: Wo siehst Du Koroded in der nächsten Zeit? Wo liegen da deine Erwartungen?
Jan: Ich vermute, dass es noch eine zeitlang so weitergehen wird, wie bisher. Seitdem wir den Plattenvertrag bei Silverdust haben, hat sich schon einiges getan, unser Bekanntheitsgrad hat sich auf jeden Fall schon gesteigert. Wenn man die letzten Shows bedenkt, haben wir schon hier und da Leute kennen gelernt, die sich unsere Platte in irgendeinem Laden gekauft haben, und voll über uns Bescheid wissen… Vielleicht sind das wirklich schon "Fans"... Und wenn wir uns nicht zu dumm anstellen und wir weiter die Musik machen auf die wir Lust haben und auf unser Herz hören, dann wird das höchstwahrscheinlich auch noch mehr werden. Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass das noch zwei drei Jahre so weitergeht, wie es bisher der Fall ist, weil es macht einfach ne Menge Spaß.
Dosenmusik: Und das Ultimative, was Du dir diesbezüglich vorstellen könntest?
Jan: Das Ultimative wäre eine eigene Headliner Tour, bei der wir jeden Abend vor 500-1000 Leuten spielen dürfen die Spaß dabei haben und gut abgehen.
Dosenmusik: Ganz schön vernünftig...
Jan: Ich habs lieber etwas kleiner, in einem netten Club mit Leuten die man hier und da schon mal gesehen hat... Alles ein wenig familiärer...
Dosenmusik: Okay...
Jan: Vergiss das, natürlich jeden Abend vor 10.000 Leuten spielen, und blaaaahhh (allgemeines Gelächter)
Ach Quatsch... ich bin einfach dankbar, wenn jemand unsere Cd kauft, und zu unserer Show kommt. Das ist schon eine sehr coole Sache, mehr brauch ich nicht...
Dosenmusik: Nun denn Jan, dann danke ich dir für das Gespräch und hoffe, dass ihr noch eine Menge Spaß und Erfolg auf der Tour habt… Man sieht sich!
Jan: Ich danke euch für das Interview, und viel Spaß beim Tippen, ich hab ja jetzt schon ne Menge gelabert, he he... Viel Spaß bei der Show!

Und den Spaß hatte ich dann noch, die neuen Songs von Koroded kommen live meiner Meinung nach noch einen Tick besser rüber, und man kann gespannt sein, was in Zukunft noch von den Jungs zu hören sein wird.


Jan Röder - vocals
Andreas Leifeld - Guitars
Frank Fleckenstein - Guitars
Ben Overmann - Drums

www.koroded.org

autor: DasOZ | 19.04.2006
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