Interview mit Jr. Ewing
E-Mail Interview mit Andreas Tylden von Jr. Ewing im November 2005 Wir haben das Beste aus uns und dem Album gemacht
Jr. Ewing Dosenmusik: Hallo Jungs! Vielen Dank, dass Ihr Euch Zeit für dieses Interview genommen habt. Fangen wir an mit den Klassikern! Gib uns einfach mal einen kurzen Überblick über die Geschichte der Band! Wie seid Ihr zur Musik gekommen und habt Ihr vor JR Ewing in anderen Bands gespielt?
Jr. Ewing: Ich selbst und Erlend haben JR Ewing im Frühjahr 1998 gegründet. Zu dieser Zeit bestimmten gerade diese ganzen Old School Hardcore Bands die Szene. Man musste die passende Kleidung tragen und immer die richtigen Dinge sagen und machen. Wir wollten eben auf diesen Trend reagieren und eine Fuck Off Band gründen! Und wir haben da doch tatsächlich für einigen Aufruhr gesorgt, als wir anfingen, unser Equipment zu zerstören. Damals hatte noch niemand von den langweiligen Hardcore Kids von solchen Bands wie Antioch Arrow, Universal Order Of Armaggeddon and Clikatat Ikatowi gehört und die Kids waren geschockt. Seitdem ist die Band aber ernsthaft geworden. Mittlerweile haben wir 3 Full-Lengths rausgebracht und sind durch die ganze Welt getourt.
Dosenmusik: Ihr habt eine FAQ-Sektion auf Eurer Webseite, so dass jeder die Antworten auf die am häufigsten an die Band gestellten Fragen nachschauen kann. Also wenn Dich die folgende Frage nervt, dann denk Dir einfach irgendeine Antwort aus! (Sorry, aber diese Fragen stelle ich Dir so oder so...) Was ist Eurer aktuelles Lineup und gab es da seit Eurer Gründung große Veränderungen?
Jr. Ewing: Wir hatten in den vergangenen Jahren schon einige Wechsel innerhalb der Band. Das war aus ganz unterschiedlichen Gründen. Aber seit mittlerweile 4 Jahren siehts so aus: Ich bin verantwortlich für die Vocals und spiele gleichzeitig Gitarre, die anderen Gitarren spielen Erlend und Haakon, Snekkern spielt Bass und Kenneth sitzt an den Drums.
Dosenmusik: Ihr kommt ursprünglich aus Norwegen. Erzähl uns mal etwas über die Musikszene in Eurem Heimatland! Gibt es da ein paar Bands, auf die man achten sollte?
Jr. Ewing: Die Szene hier ist großartig, weil sie so klein und überschaubar ist. Wenn du mal an einem Samstag Abend ausgehst, kann es passieren, dass du Black Metal und Jazz Leute zusammen trinken siehst. Ich denke wir sind hier echt priviligiert, weil es hier einfach keine Grenzen gibt und alle vollkommen aufgeschlossen und ohne Vorurteile sind. Was die Bands betrifft checkt mal Rumble In Rhodos, The Shining und Myrkskog!
Dosenmusik: Auf unserer Website gibt es eine große Community von Menschen, die einen ähnlichen Musikgeschmack haben. Aber es gibt immer noch einige Besucher unserer Seite, die bisher noch nichts von JR Ewing gehört haben. Also versuch also mal Euren Sound jemanden zu beschreiben, der noch keinen eurer Songs gehört hat! Oder vielleicht kannst Du Eure Musik mit anderen Bands vergleichen, die JR Ewing ähnlich sind!?
Jr. Ewing: Wir haben angefangen mit unseren Wurzeln tief in der San Diego Postpunk Art Hardcore Szene. Bands die uns damals wie heute inspiriert haben, sind Drive Like Jehu, Heroin und frühe Emo Bands wie Harriet The Spy, Portraits Of Past, Iconoclast und die anderen üblichen Verdächtigen. Das neue Album ist allerdings immer weniger an den Sound irgenwelcher anderen Bands angelehnt und spiegelt einfach viel mehr unsere Leidenschaft für Musik wieder. Ich denke man kann da einige Elemente der 70er Jahre Musik raushören, wie den Rhythmus von Deep Purple und Yes, und auch die psychedelischen Elemente und verzerrten Gitarrensounds der späten 60er. All das ist meiner Meinung nach doch eher untypisch für eine Postpunk Band.
Dosenmusik: Wenn Du Dir einen einzigen Song aussuchen müsstest, der Eure Musik am besten beschreibt, welcher Songs wäre das und warum?
Jr. Ewing: Ich denke es wäre der Song "For We Are Dead". Als wir angefangen haben, ihn aufzunehmen, haben wir nicht allzu viel davon gehalten, aber letztlich wurde er zu etwas, was wir uns niemals vorgestellt hatten. Bizarre Vocals, akustische 12-Saiter und zuletzt haben wir 20 Leute eingeladen, um während des letztes Refrains mit ihren Füßen auf dem Boden rumzustampfen!
Dosenmusik: Wie sehr und in welcher Weise hat sich der Sound von JR Ewing über die bisherigen Veröffentlichungen verändert? Wo siehst Du die Band in 5 Jahren?
Jr. Ewing: Wir haben uns sehr verändert, aber unsere Einstellung und der Gitarrensound ist geblieben. Veränderung ist uns sehr wichtig und wir wollen immer weiter vorankommen und neue Dinge ausprobieren. Wenn das nicht so wäre, dann hätte das ganze doch keinen Sinn mehr! Und was ist in 5 Jahren... keine Ahnung. Hoffentlich machen wir immer noch Musik, die uns interessiert. Wenn nicht, dann wären wir nicht mehr in einer Band.
Dosenmusik: Was sind Eure Kompositionstechniken? Wie entwickelt ihr neue Songs und trägt die gesamte Band zum Songwriting bei?
Jr. Ewing: Wir spielen einfach einige Riffs und machen daraus so etwas wie Skizzen, die wir dann im Proberaum alle gemeinsam zu Songs verarbeiten. Jeder von uns trägt zum Entstehen der Musik bei und so funktionierts schon seit ein paar Jahren. Wir hatten auch eine Menge Hilfe, vielleicht passt das Wort 'Input' besser, von Mike Hartung, der "Maelstrom" produziert hat. Er hatte Null Erfahrung mit Punk oder Hardcore, so dass er einen ganz frischen und unverbrauchten Blick auf die Dinge werfen konnte. Ich schreibe die meisten Lyrics selbst. Ich setze mich niemals irgendwo hin und schreibe gezielt den Text für einen Song, sondern ich habe ein Notizbuch, in das ich andauernd irgendwas hineinschreibe und dann zu ganzen Sätzen und schließlich zu einem Songtext verbinde. Am Ende ergibt das dann auch tatsächlich einen Sinn!
Dosenmusik: Mit welchen Themen setzt Du Dich in deinen Texten auseinander? Über was schreibst und singst Du am liebsten?
Jr. Ewing: Da gibt es keine speziellen Themen, ich schreibe einfach über das, was mich in dem Moment beschäftigt. ich erinnere mich, dass ich als Kind Joy Division Lyrics gelesen habe und das hatte einen enormen Einfluss auf meine eigenen Texte. Ich hatte keine Ahnung, dass man tatsächlich solche unglaublich persönlichen Lyrics schreibt, wie er es gemacht hatte. Also ich denke meine Texte sind auch sehr persönlich mit einem Hang zur dunklen Seite. Irgendwie ist es schwierig, über meine Texte zu reden, wenn es nicht um bestimmte Songs geht. Manchmal weiß ich selbst nicht so wirklich wovon sie handeln.
Dosenmusik: Euer neues Album "Maelstrom" wurde bereits vor 5 Monaten in Norwegen veröffentlicht und endlich ist auch die internationale Veröffentlichung offiziell geplant für den 2. Dezember. Nachdem Ihr jetzt einige Zeit hattet, Euch mit dem fertigen Album auseinander zu setzen, seid Ihr zufrieden mit dem Ergebnis?
Jr. Ewing: Yeah, absolut! Ich finde wir haben wirklich das beste aus uns und dem Album herausgeholt. Natürlich gibt es im Nachhinein immer irgendwas, was man gern anders gemacht hätte, wenn man noch eine Chance erhalten würde, aber letztlich sind wir alle sehr zufrieden.
Dosenmusik: Seid ihr während der Aufnahmen nach einem bestimmten Schema vorgegangen?
Jr. Ewing: Nein, wir wußten nur, dass wir die Grenzen sprengen mussten. Wir hatten nichts zu verlieren. Es wäre sinnlos gewesen, ein weiteres "Ride Paranoia" aufzunehmen.
Dosenmusik: Ihr seid zurzeit auf Tour in Europa. Welche Bands habt Ihr dieses mal mit auf den Trip genommen und mit welchen Bands wart Ihr zuvor schon auf Tour?
Jr. Ewing: Wenn wir nach Deutschland kommen, dann bringen wir wohl Rumble In Rhodos mit, sie verdienen es einfach, aber das ist noch nicht sicher, eher eine Idee zu diesem Zeitpunkt. Ich weiß nicht, vielleicht läuft es auch darauf hinaus, dass wir eine Band supporten und nicht als Headliner auftreten. Über die Jahre sind wir mit vielen Bands auf Tour gewesen: Pretty Girls Make Graves, The Locust, Turbonegro, The Mars Volta...
Dosenmusik: Erzähl uns mal was über Eure Erfahrungen mit dem Publikum der verschiedenen Länder, in denen Ihr aufgetreten seid! Wann kommt Ihr nach Deutschland?
Jr. Ewing: So wie es momentan aussieht machen wir ein paar exklusive Shows in Deutschand im Dezember und dann eine komplette Tour im Frühjahr 2006. Wir hatten eine ganze Menge unterschiedlicher Erfahrungen mit dem Publikum in den ganzen Ländern, in denen wir auf Tour waren. Mit ein paar Ausnahmen war es in den USA immer großartig. In den skandinavischen Ländern kann das Publikum sehr langweilig sein. In Deutschland hatten wir auch schon einige sehr schöne Shows.
Dosenmusik: Welche Bands und Musiker haben Euch am meisten inspiriert?
Jr. Ewing: Jon Anderson, Keith Moon, Brian Eno, Sam Mcpheetes, Prince, David Crosby, Michael Nesmith, Colin Blunstone, David Bowie, Alvin Lee and the list goes on....
Dosenmusik: Machen wir es einfach mal so: Ich denke mir eine Situation aus und Du nennst mir die Bands und Musiker, deren Musik auf die entsprechende Situation am besten passt! Ok, legen wir los...
- das letzte Album, was Du dir angehört hast?
Jr. Ewing: Born Against: "Battle Hymns Of The Race War"
Dosenmusik: - Album in der Heavy Rotation im Tourbus?
Jr. Ewing: Weezer: "The Green Album"
Dosenmusik: - Bands, mit denen Du am liebsten auf Tour gehen würdest?
Jr. Ewing: The Who
Dosenmusik: - die Lieblingsbands Deiner Eltern?
Jr. Ewing: Van Morrison, Them, The Zombies, The Monkees
Dosenmusik: - die Lieblingsbands Deiner Freundin (wenn Du eine hast)?
Jr. Ewing: The Cardigans, Haakan Hellström
Dosenmusik: - zu welchern Bands machst Du Party/tanzt Du?
Jr. Ewing: alles von Nile bis zu Prince :)
Dosenmusik: - was verführt die Ladies?
Jr. Ewing: natürlich Prince
Dosenmusik: - zu welcher Musik schläfst Du ein?
Jr. Ewing: letzte Nacht habe ich Mogwai gehört
Dosenmusik: Was ist das beste und das schlechteste daran, in einer Band zu sein?
Jr. Ewing: Das schlechteste ist, dass es viel unserer Zeit und Energie in Anspruch nimmt, ohne dass wir damit Geld verdienen. Das beste daran ist, dass wir Länder besuchen, Menschen treffen und Erfahrungen sammeln, die die meisten Leute Ihr Leben lang nicht machen.
Dosenmusik: Ok, ich denke wir können das Interview an dieser Stelle beenden! Möchtest Du den Besuchern unserer Seite noch etwas mit auf den Weg geben?
Jr. Ewing: Come see us live and have a blast!
Dosenmusik: Danke nochmal für das Interview! Viel Glück und alles Gute.
Jr. Ewing: Danke! Andreas


Andreas Tylden – Vocals
Erlend Mokkelbost - Guitar
Kenneth Lamond - Drums
Petter Snekkestad - Bass, Vocals
Håkon Mella - Guitar

www.jr-ewing.de

autor: Coney | 11.11.2005
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