Interview mit Isis
Interview mit Jeff Caxide vom 23.06.2007 beim Southside Festival "Irgendwann ist alles vorbei"
Jeff und Simon während des Interviews Das tapedeck hatte seinen geist aufgegeben und das diktiergerät zickte ein paar minuten rum. aber nach einem batteriewechsel und peinlichen entschuldigungen in richtung unseres gesprächspartners jeff caxide konnte das interview endlich losgehen - im backstage-bereich des southside festivals, direkt hinter der bühne, auf der er mit seiner band isis gerade einen der besten auftritte des gesamten wochenendes abgeliefert hatte.

Dosenmusik: es war unglaublich! gutes wetter, sonnenschein, angenehm warm, eine riesige bühne und menschen in feierlaune - nicht gerade die voraussetzungen, um isis live zu sehen. aber ihr habt das publikum gerockt!
Jeff: danke! es dauert auf festivals manchmal etwas lang, um die leute für einen zu gewinnen. unsere songs sind lang und passen nicht gerade auf so eine bühne an tagen wie diesen. dazu sind wir ja auch recht hart. das kann die leute genauso runterziehen wie die langen ruhigen phasen während unserer lieder. aber andererseits kann es die leute auch mitreißen, sogar auf so einem festival.
Dosenmusik: ihr passt ja auch nicht gerade perfekt in das lineup.
Jeff: das ist uns auch aufgefallen. manchmal ist das richtig gut, so eine band zu sein, aber es gab auch auftritte, die waren ein desaster.
Dosenmusik: wir hatten gestern ein interview mit me first and the gimme gimmes. die haben uns erzählt, dass sie bei einem auftritt in einem baseballstadion in pittsburgh von 35.000 menschen direkt nach dem start der show von der bühne geschrien wurden.
Jeff: sowas ist uns zum glück noch nie passiert! wir waren auch schon mit großen bands auf tour, aber hatten nie das pech, dass die fans unsere musik nicht mochten.
Dosenmusik: ihr wart mit tool unterwegs. da passt eine gemeinsame tour wie die faust aufs auge. immer wenn wir ein review einer eurer alben veröffentlichen, steht tool in der rubrik ähnliche bands.
Jeff: wir werden häufig mit tool verglichen. und immer wieder werden uns fragen gestellt über sie, weil wir mit ihnen auf tour waren.
Dosenmusik: keine sorge, das machen wir nicht.
Jeff: (lacht) das ist schon ok. ich kann das verstehen. schließlich ziehen sie ihr eigenes ding durch und sind nahezu unnahbar in den medien. es war auf jeden fall eine sehr gute tour.
Dosenmusik: ihr spielt bei eurem aktuellen trip in kleinen clubs und auf großen festivals. was magst du lieber?
Jeff: das liegt an der tagesform und an der gefühlslage. festivals können sehr stressig sein, aber nach deinem auftritt ist es vorbei und du kannst dir andere bands anschauen. clubshows auf der anderen seite nehmen dich den ganzen tag und die ganze nacht in anspruch. man ist mittags bei der halle und verbringt dort zeit bis 1-2 uhr in der nacht. man hängt rum, macht so gut wie garnix den ganzen tag. auf festivals kann man wie gesagt besser entspannen und sich andere bands angucken.
Dosenmusik: welche hast du dir angeschaut?
Jeff: leider keine. nach der show machen wir interviews - aaron sitzt ja gerade hinter uns und spricht auch mit einigen leuten - und dann gehts weiter zum hurricane, wo wir morgen um 9 uhr morgen schon sein müssen, weil wir direkt als erste auf der bühne stehen.
Dosenmusik: oh, das ist hart! sonntag mittag, die erste band - die leute werden alle müde und geschafft sein vom wochenende und sicherlich wirds nicht voll bei eurem auftritt.
Jeff: ja, wir haben den hangover-slot! (lacht) aber danach haben wir den ganzen tag zeit, um uns zu entspannen und spaß zu haben.
Dosenmusik: und dann habt ihr auch mal zeit für die anderen bands?
Jeff: ja, weil wir erst am nächsten tag weiter müssen.
Dosenmusik: pearl jam sind der headliner morgen auf dem hurricane.
Jeff: oh, echt? die wollte ich schon immer mal sehen! und ich will interpol anschauen. vielleicht noch queens of the stone age und placebo.
Dosenmusik: viele bands - zum beispiel callisto, pelican und cult of luna - bezeichnen euch als ihre vorbilder. was hat dich als musiker beeinflusst, als du angefangen hast, musik zu machen?
Jeff: so vieles! offensichtlich neurosis. auch wenn dieser vergleich manchmal nervt. es gibt zwar ähnlichkeiten, aber im detail betrachtet sind wir so unterschiedlich. dazu noch led zepellin, pink floyd - das sind bands, die wir alle als einflüsse auflisten. wir haben uns nie überlegt, wie wir klingen wollen. es gab eine art rahmen - heavy math - das war der anfang. und dann ließen wir die dinge sich einfach entwickeln. hoffentlich haben wir das richtig so gemacht.
Dosenmusik: irgendwas habt ihr auf jeden fall richtig gemacht. ihr spielt konzerte, reist durch die welt...
Jeff:...das stimmt. manche leute würden mich umbringen, um mit mir zu tauschen. ich bin wirklich sehr glücklich mit meinem leben und mit meinen lebensstil.
Dosenmusik: ihr seid jetzt seit 5 jahren auf mike patton's ipecac label. dort gibt es nur deals für jeweils ein album. seid ihr zufrieden mit der zusammenarbeit oder plant ihr einen wechsel?
Jeff: sie sind großartig. es gibt kein besseres label für uns. wir fühlen uns wohl und major labels sind für uns kein thema - mal abgesehen davon, dass noch keins bei uns angeklopft hat. wir haben es bei befreundeten bands erlebt, die ein wechsel zu einem major kaputt gemacht hat. wir sind jetzt seit 10 jahren in diesem geschäft und wissen schon, wie was funktioniert. wir sind cleverer, als dass wir uns in sowas reinziehen lassen.
Dosenmusik: hat mike patton tatsächlich ein auge auf alles, was bei ipecac passiert?
Jeff: ich hab ihn getroffen und kenne seine bands, aber das wars auch schon. von seinem einfluss und der arbeit mit dem label weiß ich nichts. zumindest spüren wir davon nichts.
Dosenmusik: er bringt sich gern bei den bands seines labels als eine art gaststar mit ein. habt ihr auch schon mal darüber nachgedacht?
Jeff: nein, bisher nicht, aber wir haben für die oceanic remix-alben mit anderen musikern zusammengearbeitet.
Dosenmusik: und ihr habt zusammen mit aereogramme die "in the fishtank" reihe fortgesetzt.
Jeff: ja, das ist richtig.
Dosenmusik: der song "low tide" auf dem album ist grandios.
Jeff: danke! die arbeit hat wirklich spaß gemacht. 2 bands und 2 tage studiozeit um alles zu schreiben und aufzunehmen - mehr ist nicht erlaubt für diese serie. heraus kamen 3 songs und eben "low tide", der wirklich auch einer meiner favorites ist.
Dosenmusik: aereogramme sollten ja auch hier auf dem southside auftreten...
Jeff:...ja, ich weiß! und es hat nicht geklappt, was wirklich schade ist. immerhin ist es eine ihrer letzten shows und ich wollte sie mir gern angucken.
Dosenmusik: eine der bühnen ist in einem sturm vor ein paar nächten zerstört worden und sie konnte nicht rechtzeitig wieder aufgebaut werden. einer der sanitäter ist dabei ums leben gekommen.
Jeff: ist das dein ernst? das ist ja furchtbar!
Dosenmusik: ja, es war sogar die rede davon, das ganze festival abzusagen, aber ich finde es gut, dass sie es nun doch stattfinden lassen.
Jeff: ja, das ist sehr wichtig.
Dosenmusik: wir hatten gerade über aereogramme geredet...
Jeff:...ja, es ist sehr schade, dass sie sich auflösen! so eine tolle band und ein jammer, dass sie so unbeachtet geblieben sind und nun so unbemerkt von der bühne verschwinden. ich mag die idee, dass wir irgendwann mal zusammen die songs live spielen. vielleicht passiert das ja noch eines tages!?
Dosenmusik: auf diesem album habt ihr mit elektronischen elementen experimentiert. kannst du dir vorstellen, auch electronics auf einem isis album unterzubringen?
Jeff: naja, wir spielen damit schon ein bisschen rum, für die drums beispielsweise. aber echte elektronische beats? ich denke eher nicht. ich glaube das passt nicht zu unserem eigenen sound. aber wer weiß!? hier und da blitzen ja doch schon ein paar elektronische spielereien heraus.
Dosenmusik: für die letzten alben hattet ihr immer matt balyes als produzenten verpflichtet. was macht ihn so besonders? was kann er zu eurer musik beitragen, was kein anderer produzent kann?
Jeff: wir haben ihn kennengelernt durch seine arbeit mit botch und wir haben einfach festgestellt, dass er super zu uns passt. warum hätte man das ändern sollen? er holt das beste aus uns und unserem sound raus. wenn wir müde sind und keinen nerv mehr haben, um an einem song weiterzumachen, arbeitet er trotzdem noch 2 stunden länger daran und schafft es so, sich als eine art bandmitglied einzubringen. er versteht unsere musik sehr gut. deshalb kamen wir bisher immer wieder zu ihm zurück, wenn wir ein neues album aufnehmen wollten. aber vielleicht werden wir bei der nächsten platte die dinge etwas anders angehen.
Dosenmusik: vielleicht auch selbst produzieren?
Jeff: eigentlich machen wir das ja jetzt schon zum teil. arrangements und so, aber ein komplettes album produzieren? Nein!
Dosenmusik: euer aktuelles album "the absence of truth" hat mehrere konzepte. zum beispiel hassan-i-sabbah, ein islamischer kultführer aus dem 11. und 12. jahrhundert. er hat damals die gruppe "hashshashin" gegründet, die unter dem namen "assassins" bekannt wurde. da ich zu eruem album keine lyrics finden konnte, wie habt ihr dieses konzept verarbeitet?
Jeff: wir wollten eine geschichte darum machen. es soll ein geheimnis bleiben. bei unserem vorgänger "panopticon" haben wir unsere konzepte offen dargestellt und erklärt, aber irgendwann waren wir es leid, darüber zu reden, so dass wir uns für "the absence of truth" entschlossen haben, ein geheimnis daraus zu machen und alles unter verschluss zu halten, dass wir nicht mehr darüber reden müssen. es hat wie "oceanic" eine geschichte, aber diese ist den leuten, die es hören, nicht bekannt und das ist auch unsere absicht gewesen. jeder soll für sich selbst überlegen, was er hört und was es bedeutet. wir mögen diese einstellung, gerade weil heutzutage zu viele informationen für fast alle menschen extrem leicht verfügbar sind. man kann ins internet gehen und alles über ein band erfahren, sogar was für eine setlist sie spielen, wenn man am nächsten tag auf ihr konzert geht. wir wollen das nicht. bei uns soll es immer dieses gefühl geben, dass wir unberechenbar sind und nicht absehen kann, was passiert.
Dosenmusik: am besten benennt ihr euch um in: "isis?"
Jeff: (lacht) haha, sorry! wir bleiben undurchsichtig.
Dosenmusik: das ist ok! das ist unter anderem das, was ich an euch so mag. wenn ich eure musik höre, dann läuft ein film in meinem kopf ab. "the absence of truth" hat fast ein cinematisches gefühl in mir als zuhörer hervorgerufen. habt ihr jemals darüber nachgedacht, einen soundtrack zu machen?
Jeff: na, sicher! wenn uns jemand fragt, machen wir es sofort.
Dosenmusik: vielleicht für einen bestimmten regisseur?
Jeff: die meisten meiner lieblingsregisseure benutzen für ihre filme keine rockmusik. ich finde, dass rockmusik auch in einigen filmszenen total unangebracht ist und nur aufgrund der vermarktung dort platziert wurde. "a history of violence" - einer meiner lieblingsfilme - ich kann mir einfach keine rockmusik darin vorstellen. genausowenig wie in filmen der großen regisseure wie zum beispiel terry gilliam. naja, vielleicht in manchen filmen. aber es würde nicht zu uns passen. wir müssten unsere art zu schreiben komplett verändern...
Dosenmusik:...wenn ihr keine rockmusik für einen soundtrack schreiben wollt.
Jeff: ich hab mit dominic von mogwai geredet, die ja am soundtrack zu dem film "the fountain" gearbeitet haben. er meinte auch, dass sie in ihrer art, musik zu schreiben, große veränderungen durchgemacht haben, um die passende musik für den film zu komponieren. aber grundsätzlich habe ich großes interesse daran, einen soundtrack zu machen. ach ja, wir waren übrigens mit einem song auf dem soundtrack zu der serie "friday night lights" und zu dem belgischen film "ex-drummer", den ich mir aber noch ansehen muss. uns fehlt aber noch die anfrage, einen echten original soundtrack ohne rockmusik zu komponieren.
Dosenmusik: solange ihr nicht auf dem soundtrack zum nächsten tony hawk spiel dabei seid...
Jeff:...genau! (lacht) das wäre ja mal was! um ehrlich zu sein, gab es mal eine möglichkeit, zu einem videospiel einen song beizutragen, aber daraus ist nie was geworden.
Dosenmusik: ihr passt jedenfalls nicht zu einem sport spiel.
Jeff: vielleicht irgendein horror-mystery spiel.
Dosenmusik: ihr habt letztes jahr eure erste dvd veröffentlicht. darauf fokussiert ihr euch mehr auf altes material. sollte es ein release sein, nach welchem ihr dann einen neuanfang machen könnt?
Jeff: ja, das stimmt. ursprünglich wollten wir dazu eine dokumentation machen, aber das hat leider nicht geklappt. also haben wir uns dazu entschlossen, eine live-dvd zu machen. wir sind echt zufrieden damit und wir werden wohl demnächst wieder eine neue live-dvd rausbringen. eventuell gibts danach etwas, was mehr in richtung dokumentation, behind-the-scenes geht. wir werden sehen. ich weiß nicht, ob wir uns dabei wohl fühlen, wenn leute das sehen oder vielleicht interessiert es auch niemanden.
Dosenmusik: hast du noch eine arbeit neben isis?
Jeff: nein, ich hab schon seit einigen jahren keinen normalen job mehr gehabt.
Dosenmusik: ist es dann nicht gefährlich, nur songs zu machen, die ganz und gar nicht radiotauglich sind? ich meine ihr habt ja nicht gerade eine menge airplay in den radios und bei den musiksendern.
Jeff: wir finanzieren unser leben sehr ökonomisch. wenig techniker, roadies, etc. - daran sparen wir im vergleich zu anderen bands, die das meiner meinung nach viel zu sehr übertreiben. wir halten alles auf einem moderaten level und bemühen uns, nicht abzuheben. ich meine wir werden sicherlich keine millionäre mit isis und es wird nicht bis in die ewigkeit mit dieser band weitergehen. irgendwann ist alles vorbei.
Dosenmusik: ihr habt ja auch damals nicht angefangen mit der absicht, davon leben zu können.
Jeff: es war auf jeden fall eine sehr unrealistische vorstellung. aber es funktioniert und das schon länger. und solange ich von der musik leben kann, warum nicht!?
Dosenmusik: was machst du in deiner freizeit neben der band?
Jeff: ich bin verheiratet.
Dosenmusik: haha! ein vollzeit-job.
Jeff: und ich hab eine stieftochter. das nimmt neben isis einen großen teil meiner zeit in anspruch. und ich sammel dvds und ich lese sehr viel. aber am meisten genieße ich die zeit mit meiner familie. seit kurzem arbeite ich mit meinem freund john von candiria an einem nebenprojekt. er hat das ins leben gerufen und dafür viele andere musiker verpflichtet für einen eigenen beitrag. ich habe mich da in letzter zeit gut eingebracht. ein paar jungs von dillinger espace plan machen auch mit. da werde ich in zukunft weiter mitarbeiten. vielleicht mache ich irgendwann auch mal mein eigenes ding - mein imaginäres sideproject - aber das geistert bisher nur in meinem kopf herum.
Dosenmusik: wie geht es mit deiner hauptband weiter?
Jeff: unser 10-jähriges jubiläum steht an. da planen wir einige sachen - ein paar shows zum beispiel. dann beginnen auch bald wieder die arbeiten an einem neuen album.

ein neues album, welches sicher mit spannung erwartet wird! ich kann nach der performance und dem sympathischen gespräch jedenfalls nicht mehr stillsitzen und genieße isis seitdem mehr denn je. irgendwann ist es sicherlich vorbei, aber bis dahin haben isis noch einiges vor.


Aaron Turner - Vocals und Gitarre
Michael Gallagher - Gitarre
Jeff Caxide - Bass
Aaron Harris - Drums
Cliff Meyer - Electronics

www.isistheband.com

Autor: coney | 30.09.2007
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