Interview mit Ill Nino
Interview mit Bassist Laz Pina am 25.04.2008 Ein Boxer geht auch nicht in den Ring um zu verlieren!
Ill Nino Im Zuge der diesjährigen Album Release von "Enigma" befinden sich Ill Nino 2008 auf Welttournee. Laz Pina von Ill Nino erklärt uns vor der Show Ende April im Aschaffenburger Colo-Saal warum Ill Nino so fokusiert und erfolgreich arbeiten seit sie 2001 ihre erste Tour als Support von Machine Head absolviert haben, warum Sie Roadrunner Records verließen und wie wichtig die Fans weltweit für die Band sind.
Dosenmusik: Hi Laz! Schön das du heute die Zeit gefunden hast für das Interview. Mir scheint es so, dass Ill Nino eine der Bands ist, die sehr gut promotet wird und das Ihr euch sehr viel Mühe damit gebt. Sowohl die Bandmitglieder, als auch das Management. Woher kommt das?
Laz: Das ist sehr spezifisch für New York und insbesondere die Ostküste, wo wir herkommen. Dieses Street – Element, die Attitüde sich selbst nach vorne zu pushen, das ist sehr typisch für die New Yorker Szene. Deshalb, würde ich sagen, sind wir so geradeaus und verfolgen sehr nachdrücklich unsere Ziele.
Dosenmusik: Denkst du, dass das der einzige Faktor ist, der Grund das Ihr aus New York bzw. Von der Ostküste kommt?
Laz: Das ist die einzige Sache, mit der man es treffend beschreiben kann, die mir spontan einfällt. Und ebenso, dass wir Latinos sind. Wir sind Einwanderer im Land der Einwanderer, den U.S.A. Unsere Kultur ist sehr wichtig für uns, die macht uns zu dem was wir sind, ausdrücken und sein wollen. Wir haben kein Problem damit das zu vermitteln, weil wir es natürlicherweise auch einfach wollen. Wenn wir also etwas tun, dann gibt es kein Abstriche, dann sind wir von dem was entsteht sehr überzeugt und zwar zu 100%. Ein Boxer geht auch nicht in den Ring um zu verlieren. Das ist ein guter Vergleich. Wenn wir also auf die Bühne oder ins Studio gehen, wollen wir gewinnen. Wir spornen uns dann umso mehr gegenseitig an, dass es zu einem guten Ergebnis kommt.
Dosenmusik: Daran sind sicher alle beteiligt!
Laz: : Natürlich. Ich meine, wir sind mit unserer Musik eine Minderheit im Genre Metal, also schauen die Menschen von vorne herein schon etwas anders auf die Band. Vielleicht fragen sich auch einige: Wie kann das sein? Deren Kultur passt doch gar nicht ins Metal Genre! Wieso machen die das? Und dem geben wit Kontra, weil wir es genauso gut können, wie jeder andere aus dem Genre auch! Egal ob es um das Songwriting geht oder einen bestimmten Stil, den wir in einem Song verarbeiten oder zeigen wollen. Das kommt wiegesagt sehr aus unserer Gegend und von unseren Erfahrungen, die die Band und jeder einzelne mit sich bringt. Hardcore Bands waren uns immer sehr wichtig, deshalb hat unsere Show auch sicher vom Gefühl her etwas hardcorelastiges. Damit meine ich vom Einfluß her Bands wie Agnostic Front, Madball oder Biohazard. Die stehen alle für diese Crew die sich DMS nennt und das steht für ‚ demonstrating my style’. Diese Einstellung und der Stolz den sie haben, das hat uns imponiert und wir haben uns das zu eigen gemacht. Das ist der Grund warum wir sicher auch ein breites Spektrum an Musik und Metal anbieten oder spielen. Konventionelles Riffing wie es im Metal üblich ist, einfach schnell und hart, das können wir auch, aber sicher auch andere Dinge und Stilistiken.
Dosenmusik: Ich finde das spürt man und es hebt euch ab und macht euch in gewisser Weise einzigartig!
Laz: Eine große Inspiration für das neue Album ‚Enigma’, welches erst kürzlich erschienen ist, waren zum Beispiel Bands wie Led Zepplin oder Pink Floyd. Das Album schickt einen auf eine Reise von Emotionen. Wir fangen hart an, aber dann kommt noch soviel mehr was wir ausdrücken und anders spielen. Wir stören uns nicht daran, auch andere Dinge auszuprobieren die auf dem Weg des Erwachsenwerdens der Band auf uns einströmen, weil das sind eben wir und wahrscheinlich ist dies auch der Grund warum wir immer noch am Start sind. Wir nehmen unsere Einflüße aus verschiedenen Ecken. Der Grundstein war der Metal. Aber es gibt soviel mehr zu entdecken. Ich liebe die Ramones, The Clash und bin ein großer Led Zepplin Fan. Ich höre mir Jazz an, Charly Parker völlig eigenständiges anderes Zeug. Der Geschmack jedes Bandmitgliedes ist sehr übergreifend auf verschiedene Richtungen und die werden in einen Topf geschmissen und so entsteht Platte für Platte. Das ist so ziemlich genau das was wir tun.
Dosenmusik: Denkst du das sich viel für Dich und die Band verändert hat seit der ersten Platte bis heute?
Laz: 100%ig. Wenn du mit Menschen so lange Musik machst, versteht man sich immer besser mit der Zeit. Insbesondere was die einzelnen Charaktere in der Band und ihre Geschmäcker angeht. Der Respekt vor jedem einzelnen steigt mehr und mehr mit den Jahren, was unsere Fähigkeit Songs zu schreiben mitlerweile zu einer ganz besonderen macht. Und dann die unzähligen Shows über die Jahre, da wird man einfach zwangsläufig routinierter und besser. Wenn nicht, würde auch irgend etwas nicht stimmen. Und ich denke schon, dass wir uns mit jedem Album weiterentwickelt haben, einfach weil wir Menschen sind, die nach vorne blicken. Warum sollten wir uns wiederholen? Mal das erste Album als Beispiel: Es war gut, also sollte man es so genießen wie es ist. Und dann ist Zeit für etwas neues. Es wäre unnatürlich wenn das zweite, dritte und vierte noch genauso wären.
Dosenmusik: Könntest Du mal etwas genauer auf jedes einzelne Bandmitglied eingehen? Wie ist jeder einzelne so drauf bei euch?
Laz: Alle sind sehr verschieden und sehr einzigartig. Auch in der herangehensweise an diese Band. Und das ist gut so. Fangen wir mit Dave Chavarri (Drums) an: Dave ist am längsten im Geschäft von uns allen. Er bringt seine ganze Erfahrung mit ein die er in der Vergangenheit gemacht hat mit seinen anderen Bands. Ich würde nicht sagen das er eine Vaterfigur für uns alle darstellt, aber er hat hervorragende Führungsqualitäten, mit denen er die Band erfolgreich durch die Welt leitet. Dann haben wir da Cristian (Gesang): Ein sehr interessanter Kerl. Extrem kreativ. Ich bin mir manchmal nicht sicher, ob die Leute verstehen, wie kreativ und aufopfernd er eigentlich wirklich in Bezug auf Musik ist. Er ist sehr focusiert und ein unglaubliches Talent. Er hat Visionen. Und er hört nicht auf sie umzusetzten, bis er erreicht hat was er möchte. Man muss ganz genau hinhören auf den Alben. Es gibt für ihn nichts wichtigeres außer Musik. Als nächstes kommt Ahrue (Gitarre): Er ist warscheinlich der größte Metalhead in der Band. Alle Arten von Metal die irgendwie je in der Band verarbeitet wurden, stammen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschließlich von Ahrue. Er hält die Metal Fahne ganz weit nach oben. Für mich ist der der wahre Metaler der Band. Danny (Percussion) ist wohl der Typ, der immer gerne eine gute Zeit hat. Er ist derjenige der nach den Shows gerne feiert, Spaß hat, noch einen trinkt und zwar mit jedem den er trifft. Er ist die Party Maschine. Unser anderer Gitarrist Diego ist eher ein ruhiger, entspannter Mensch. Er zieht sein Ding durch, aber eher diskret im Hintergrund. Wenn er in einen Raum kommt, könnte er alles und jeden abscannen und auschecken ohne das es irgendwer überhaupt merkt. So ein kleiner heimlicher Privatdedektiv. (lacht) Auf der anderen Seite kann er auch umswitchen. Aber sehr diskret. Wer ist noch übrig? Ach stimmt, ich selbst. (lacht) Scheiße man, das ist schwer. Ich finde es immer sehr schwierig sich selbst zu beschreiben. Ich versuche einfach mal es so zu beschreiben wie es meine Bandkollegen tun würden: Ich bin wohl von der Art her der, der am meisten Punk-Rock ist. Uns sonst bin ich wohl der optimistischste in der Band. Würden wir in einem abgefuckten Baumhaus leben würde ich es zu einem Palast hochreden (lacht). Ich versuche negative Dinge in positive umzuwandeln oder zumindest das gute in Ihnen zu sehen. Ich hauche der Band die Magie ein.
Dosenmusik: : Die Release von ‚Enigma’ hatte sich verschoben. Warum das? Verbesserungen am Album?
Laz: Oh nein, das war längst fertig. Daran war unser neues Label Schuld. Es nervt etwas, dass wir uns dafür entschuldigen müssen. Wir mögen es nicht Menschen und Fans zu entäuschen, aber haben auch keine Scheu zu sagen, dass das amerikanische Label es einfach versaut hat. Wegen Ihnen haben sich sämtliche Release Dates weltweit verschoben. So kam die Verzögerung zu stande. Nicht mehr und nicht weniger. Aber trotz allem war das feedback bis jetzt großartig. Und das gibt einem sehr viel, da wir diesmal sehr viel Arbeit hinein gesteckt haben. Wir sind diesmal extra nach Los Angeles gefahren und haben dort alle zusammen gewohnt während den Aufnahmen. 24/7 straight den ganzen Tag durch haben wir während der Zeit hart gearbeitet und waren damit sehr erfolgreich wie ich finde. Irgendwie etwas was man eher macht wenn man noch jünger ist. Je älter man wird, desto mehr hat jeder einzelne sein eigenes Privatleben, deshalb fand ich die Idee umso besser, daraus auszubrechen und konzentriert an der Scheibe zu arbeiten.
Dosenmusik: Ein besserer Vibe also, wie man so schön sagt?
Laz: Auf jeden Fall. Jeder ist sich viel bewußter in welche Richtung es geht und wenn man nach Hause geht abends, tut man es zusammen und es verschwindet nicht jeder in sein Privatleben. Dafür ist nach den Aufnahmen Zeit. Es war unglaublich, die Musik hat einfach an keinem Tag aufgehört. Die Magie auf ‚Enigma’ ist sicher auch so entstanden. Viele Veränderungen und Gitarren oder was auch immer sind manchmal zwischen 3 und 4 Uhr morgens entstanden, weil wir aben die ganze Zeit zusammen gelebt haben.
Dosenmusik: Habt Ihr direkt im Studio gewohnt?
Laz: In Appartments in der Nähe des Studios. 3 Stück nebeneinander. Ich war mit Cristian in einem Zimmer und unser Raum ist zu dem geworden, wo wir uns alle immer getroffen haben um abzuhängen, mal zu jammen oder einfach nur einen Film zu schauen oder einen Drink zu nehmen oder ein paar Freunde einzuladen. Es war so richtig cool. Ich hatte noch nie soviel Spaß bei den Aufnahmen zu einem unserer Alben wie bei diesem.
Dosenmusik: Ihr habt euch von Roadrunner Records getrennt. Wie kam das?
Laz: Es war Zeit sich weiterzuentwickeln. Sie haben unsere Karriere weltweit gestartet und haben großartiges für die Band geleistet. Roadrunner hätte es gerne gesehen, wenn wir uns musikalisch mehr in der Richtung der letzten beiden Alben bewegt hätten, aber das ging einfach nicht. Die Band ist gewachsen wie ich erzählt habe und da hat es einfach nicht mehr so gepasst. Also haben wir uns friedlich ohne Streit getrennt. Wir sind immer noch Freunde. Sie wünschen uns auch das beste. Mein Betreuer aus der A&R Abteilung bei Roadrunner war letztes Jahr auch bei einigen Shows. Aber ich finde wir passen nicht mehr in dieses Schema rein wie z.B. Killswitch Engage oder Trivium oder solche Bands. Wir gehören woanders hin. Wir möchten nicht mehr, das jemand zur Tür reinkommt und sowas sagt wie: Wir hätten jetzt gerne eine bestimmte Anzahl an Songs die für Singles zu gebrauchen sind und so und soviele müssen bitte hart sein. Ich habe immer gesagt: Lasst uns einfach ein Album schreiben und sehen was dabei herauskommt. So hat man selbst mehr Kontrolle. Und es war besser es auf diesem Weg zu lösen.
Dosenmusik: Ihr seit nun auf Tour mit dem Album. Wie sieht ein typischer Tag auf einer Ill Nino Tour aus?
Laz: Ich habe mich kürzlich erst mit Diego über die Routine auf Tourneen unterhalten. Also wenn man in den Club kommt mittags in dem man spielt ist das erste was man sucht ein sauberes Bad und ein Klo. Wie gesagt, erst mal duschen, dann sucht man meist den erstbesten Internetanschluss um online gehen zu können. Dann unterhält man sich darüber meist mit seinen Leuten zuhause, Familie, Freunde und all sowas. Dann kommen meist Interviews. Tagsüber ist es eher uninteressant backstage abzuhängen, aber abends kann es manchmal lustig werden. Wenn Freunde zum abhängen und feiern vorbeikommen oder Leute die man neu kennen gelernt hat. Das meiste lustige passiert einfach abends, tagsüber sind es einfach Vorbereitungen für die Shows und die ähneln sich dann doch immer sehr. Wenn was abgeht, dann meist nach den Shows. Im Bus oder wo auch immer.
Dosenmusik: Welche Worte möchtest Du noch an deine Fans richten? Und was können sie nach dieser Tour noch neues von Ill Nino erwarten?
Laz: Zuerst möchte ich mich natürlich bei allen Fans bedanken. Ohne Sie wären wir nichts und könnten das was wir tun nicht in dem Ausmaß erleben die ganzen Jahre über. Diese Loyalität beeindruckt mich schon sehr. Das motiviert neben allem anderen sehr weiterzumachen und ihnen eine gute Zeit zu bereiten mit neuen Alben und Shows. Für die Zukunft möchten wir Südamerika bereisen und dort Shows in Ländern wie Brasilien, Argentinien und Chile spielen. Im September kommt dann der östliche Teil Europas dran. Ungarn, Kroatien und auch Russland sind im Gespräch. Wir wollen einfach noch mehr Teile der Welt abdecken. Es ist einfach ein großes Abenteuer und es hört nicht auf und das soll es auch gar nicht. Wir möchten unsere Musik auch mit Menschen teilen, die bislang nicht die Möglichkeit hatten uns zu sehen. Festivals in Europa werden wir dieses Jahr nicht spielen, dazwischen liegen noch Länder wie Australien, Japan und Korea. Dieses Jahr liegt der Fokus auch auf den Menschen die lange darauf gewartet haben und uns noch nie sahen. Auch denen möchten wir danken. Und zwar höchst persönlich.
Dosenmusik: Sounds good. Danke für deine Zeit Laz. Genießt die Zeit und bis zur nächsten Deutschland Show.


Cristian Machado - vocals
Laz Pina - bass guitar
Ahrue Luster - guitar
Diego Verduzco - guitar
Dave Chavarri - drums
Danny Couto - percussion

www.illnino.com

Autor: Shavo | 25.05.2008
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