Interview mit Ignite
Interview mit Zoli Teglas am 12.07.2006 Wir müssen Leute dazu bringen, dass sie anfangen zu denken.
Ignite Im Zuge ihrer "Our Darkest Days Europatour" hatte Dosenmusik die Gelegenheit, sich am 12.7.2006 in Marburg mit Zoli Teglas, dem Sänger von Ignite, vor ihrem Konzert im Tourbus zu unterhalten. Dabei stellte sich Zoli als ein sehr freundlicher und bodenständiger Mensch raus, der sich wohl mehr Gedanken um seine Umwelt macht, als man vermuten will. Es war kein typisches Interview, um so interessanter das Ergebnis...

Zoli: he, wie geht´s dir? Für wen ist das Interview?
Dosenmusik: Gut danke, das Interview ist für Dosenmusik, eine Musikcomunity.
Zoli: Ok cool. Aber lass uns nicht über unsere Einflüsse und so Zeug reden, sprechen wir über das neue Album.
Dosenmusik: Ok, das erste was mir aufgefallen ist, als ich das neue Album gehört habe ist der Song Fear Is Our Tradition. Er war bereits auf der California United EP, warum habt ihr ihn auch auf diesem Album?
Zoli: Wir schreiben alle Sachen zusammen, egal ob für Ignite oder irgendwelche Sidebands und es ist ein spitzen Song, den wir alle mögen, daher haben wir ihn jetzt wieder auf dem Album. Er hat uns einfach gut gefallen und wir hätten immer noch 27 andere Songs, mit denen wir noch nichts gemacht haben.
Craig (Schlagzeuger): Ich mochte den Song schon immer und wir waren gerade den zweiten Tag im Studio, die Drums einspielen und Zoli gab mir die Cd und fragte, ob es mir was ausmachen würde, das Lied zu spielen. Wir haben es probiert und was raus kam war perfekt, daher haben wir den Song auf das Album gepackt.
Zoli: Wir alle schreiben die Musik, wir machen alles zusammen.
Dosenmusik: Das neue Album, ähnlich wie die California United Sachen, ist noch melodiöser geworden als alles, was ihr vorher mit Ignite gemacht habt. Wie kam das, lag es daran, dass ihr bei Abacus unterschrieben hat oder wolltet ihr melodischer klingen, welche Gründe gibt es dafür?
Zoli: Ok, wenn man älter wird, ist man von bestimmten Sachen nicht mehr so angepisst, wie das früher vielleicht war und die Songs kommen einfach so raus. Und beim neuen Album ist viel melodischer Gesang, weil ich nun mal gerne singe und weil ich melodische Parts mag. Ich glaube auch, dass das ein Punkt ist, der Ignite zu Ignite macht, weil ich singen kann und weil wir unterschiedliche Musik spielen. Das nächste Album wird genau so oder vielleicht noch melodischer. Ich kann singen, warum soll ich es dann nicht auch tun? Daher ist das Album wie es ist, wir versuchen nicht einen bestimmten Sound zu machen, es ist einfach der Sound den wir machen.
Dosenmusik: Um kurz noch mal auf California United zurück zu kommen, wird es da in Zukunft was zu hören geben?
Zoli: Ich werde möglicherweise nächstes Jahr ein neues California United Album rausbringen
Dosenmusik: Und wie sieht es mit einer Tour aus?
Zoli: Vielleicht, aber im Moment fokussieren wir uns nur auf Ignite, man kann nicht zwei Sachen machen, das wäre wie zwei Frauen zu haben. Daher konzentrieren wir uns auf das neue Album, wir haben gerade bei einem neuen Label unterschrieben, womit wir wirklich glücklich sind und nun beschäftigen wir uns erstmal damit, ein neues Ignite Album zu schreiben. Alle anderen Sachen sind eben nur Nebenprojekte und wenn wir einen guten neuen Song schreiben, dann will ich ihn nicht zu einer Sideband geben. Wir investieren unsere ganze Energie, um ein unglaublich gutes neues Album zu machen.
Dosenmusik: Aber wie kommt es dann, dass ihr Nebenprojekte habt? Wolltet ihr mal was anderes machen?
Zoli: Nein, das nicht. Das waren Sachen, die zu der Zeit nicht auf ein Ignite Album passten, aber so gut waren, dass wir sie nicht wegschmeißen wollten. So entstand California United.
Dosenmusik: Ok, um noch mal auf das aktuelle Album zurück zu kommen, ihr habt wieder viele politische Texte in euren Song. Geht es euch darum, euch selbst auszudrücken oder wollt ihr die Kids dazu bringen, darüber nachzudenken, bei ihnen ein politisches Bewusstsein anregen?
Zoli: Heutzutage ist viel Musik einfach nur blabla. Meiner Meinung nach sind Punkrock und Hardcore entstanden, um eine politische und soziale Bewegungen zu starten. Es kam aus der Arbeiterschicht und hat es weit geschafft.
Dosenmusik: Daher auch der Titel des neuen Albums?
Zoli: Genau, das neue Album trägt den Titel "Our Darkest Days" weil eine Menge schief läuft in dieser Welt. Die Bush Regierung, verrückte rechts-außen Politik in Israel, rechts-außen Politik in Amerika, überall in der Welt. Alles worum die Regierungen sich kümmern ist Krieg, Geld und nach neuem Land greifen. Das ist fast wie im ehemaligen Jugoslavien, wo jeder nur nach mehr und mehr Land griff und sich keiner um das Volk scherte.
Wir müssen uns wirklich viel mehr mit der politischen Lage der Welt auseinander setzen.
Wenn es mit der Politik so weiter geht, wird es immer mehr Kriege, immer mehr Terrorismus geben und wir werden keine Hardcore Shows mehr haben, da wir uns alle im Krieg befinden. So könnte es wirklich werden.
Wir müssen uns darüber bewusst sein, was in dieser Welt vor sich geht. Was in Afrika, im Sudan passiert, Amerika finanziert dort Warlords, da diese gegen die Mujahedin (Islamische Extremisten) kämpfen, die versuchen, Länder wie Sudan oder Somalia zu übernehmen. Somalia wird eine neue Brutstätte für die Taliban werden und in einigen Jahren werden wir eine riesige Terrorbedrohung von dort bekommen.
Es ist eine sehr kleine Welt, in der wir leben und wenn wir dem, was gerade passiert, keine Aufmerksamkeit schenken, werden wir in spätestens Zehn Jahren den Preis dafür zahlen.
So ja, wir sollten verdammt noch mal anfangen auf unsere Politik zu achten, anfangen Nachrichten zu schauen. Fangt an euch selbst zu bilden, zu wählen und geht raus und macht was gegen diese kranken Ideale des Krieges.
Anstatt Bomben abzuwerfen sollten wir den Völkern was geben, wofür sie leben können, was zu essen und ein dach über dem Kopf. Macht was in der Art, Teil ein wenig eures Reichtums.
Dosenmusik: Denkst du dabei an Länder wie zum Beispiel Nord Korea, mit einem sehr armen Volk und vermögenden Führern.
Zoli: Ja, die haben diesen kommunistischen, militant, verrückten Scheißkerl, Kim Jong-il. Kommunismus fing mit Russland an, als sie begannen, von den anderen Ländern zu stehlen und sie auszubeuten, daher hat Russland doch das ganze Geld. Aber als die Quellen vertrockneten hatten sie keine Mittelschicht um das Land zu stützen. Das Selbe hast du auch in Nordkorea, es gibt keine Mittelschicht. Es gibt verdammt viel arme Menschen und die ultrareichen Kommunisten.
Dosenmusik: Was mich zurück bringt zu eurem Song "Poverty for All"...
Zoli: Ja genau, der Song handelt von Ungarn 56 (Volksaufstand mit der Forderung einer Demokratischen Regierung, Zolis Onkel starb zu der Zeit in einem ungarischen Gefängnis.)
Er handelt von all dem Mist, das leidende Volk in Nord Korea, über das Volk auf Cuba, das unter der Diktatur von Fidel Castro leidet.
Fidel Castro ist mit einem geschätztem Vermögen von ca. 2 Billionen Dollar einer der reichsten Menschen der Welt und 50% der Frauen auf Cuba sind Prostituierte, da sie sich sonst ihr Leben nicht finanzieren könnten.
Alle Welt verurteilt USA wegen des Embargos gegen Cuba, es gibt kein Embargo von Europa, von Deutschland, nur von den Staaten. Was diese kommunistischen Führer machen, sie vergewaltigen ihr Volk, beuten es unter den Vorsätzen des Kommunismus aus und die Realität ist, dass das Volk verhungert. Das ist beschissener Kommunismus.
Dosenmusik: Du sagst, man solle was dagegen tun, aber was wäre für dich denn eine gute Staatsform?
Zoli: Schau dir Schweden an, Schweden hat eine kapitalistische Wirtschaft mit hohen Steuern, die aber für soziale Sachen zahlt. Sachen wie Sozialhilfe, Medizin, Schule.
Deine Regierung sollte für Medizin zahlen. Niemand aus unserer Band hat eine Krankenversicherung.
Dosenmusik: Ihr habt auch nicht wirklich ein Sozialsystem in Amerika.
Zoli: Nein, nichts.
Dosenmusik: Aber gerade America ist eins der reichsten Länder der Welt.
Zoli: Aber in Amerika ist der Kapitalismus wie eine Seuche. Wir sind so, ich glaub man nennt es überkapitalisiert, so gierig. Die Leute sterben wegen AIDS und Krebs weil ihnen niemand eine freie oder günstige Krankenversicherung gibt und die Regierung kümmert sich einen Scheiß darum. Sie lassen dich sterben wegen Hautkrebs, weil du deine Rechnungen nicht zahlen kannst. Es ist wahr, traurig und so falsch.
Dosenmusik: Siehst du irgendwelche Möglichkeiten, das zu ändern.
Zoli: Wie in Schweden, höhere Steuern und sie sollten für deine Krankenversicherung zahlen. Aber weißt du, Michael Moore bringt einen neuen Film heraus, über die Pharmaindustrie und deren Politik in den Staaten und das wird sicher wieder ein Hit. Denn die Pharmaindustrie in den Staaten macht mehr Geld als die Rüstungsindustrie. Diese kleinen Pillen, die ich nehmen muss, kosten 7 Dollar pro Pille und hätte ich nicht meine Exfreundin, die im Krankenhaus arbeitet und sie dort stiehlt, würden sie mich 7000 Dollar im Monat kosten.
Dosenmusik: Das ist wohl um einiges besser in Deutschland, da wir Krankenkassen haben, die einen großen Teil der Kosten übernehmen, aber trotzdem beschwert sich jeder.
Zoli: Ja diese Gutterpunks regen sich den ganzen Tag über das System auf, aber hängen in Jugendzentren rum, die von der Regierung unterstützt werden. Beklagen sich den ganzen Tag und tun nichts dagegen.
Dosenmusik: Nun gut, ich glaube, die meisten von ihnen realisieren überhaupt nicht, wie gut sie es eigentlich haben.
Zoli: Es ist sehr interessant, dass die Hippies alle zu Männern wurden, sie wurden Menschen, die sie nie sein wollten und die Punkrockers wurden zu den Hippies, faule Penner, die den ganzen Tag nur rum sitzen und nörgeln. Ich hab mich in Österreich mit so einem geprügelt.
Dosenmusik: Wie kam es dazu?
Zoli: Das sind einfach Idioten. Sie kommen auf dich zu, wollen mit dir kämpfen, du kämpfst mit ihnen und verhaust sie.
Dosenmusik: Aber es muss doch einen Grund gegeben haben?
Zoli: Er hat mir Rauch ins Gesicht geblasen. Ich habe über Mike Ness (Sänger von Social Distortion) gesprochen und wie sehr ich ihn und seine Band respektiere. Sie stellen sich in Amerika gegen die Bush Regierung und sind eine großartige Punkrockband. Mike Ness hat viel zu verlieren. Wenn du dich gegen die Regierung stellst, hören plötzlich alle Musiksender auf, deine Videos zu spielen, auf keiner Radiostation läuft mehr ein Song von dir. Und das schmälert dein Konto, dein Scheckbuch, wenn plötzlich nichts mehr von deiner Musik läuft.
Und der Typ kam auf mich zu und meinte, Mike Ness sei nicht Punk Rock, er sei Sell Out und der ganze Scheiß. Ich meinte nur, ich wolle nicht mit ihm darüber diskutieren, Mike ist ein guter Freund von mir, also belassen wir es einfach so. Dann wollte ich gehen, aber der Typ kam mir nach und hat mir zweimal Rauch ins Gesicht geblasen. Ich hab ihm einmal ins Gesicht geschlagen, er fiel hin und fing an zu weinen. Ich hasse es, gewalttätig zu sein.
Dosenmusik: Aber bekommt ihr nicht auch oft zu hören, dass ihr selbst Sell Out seid? Ich meine, ihr versucht doch auch nur davon zu leben.
Zoli: Ok, schau dir AFI an, Davey Havok ist ein guter Freund und er spielte lange in einer Hardcore Band, die Band ist nicht mehr Hardcore. Nenn es Pop oder was auch immer, ist mir auch egal.
Es ist doch nur gut für ihn, ich hoffe er wird Millionäre mit seiner Musik, weil er ein guter Freund ist und ich mich für ihn freue. Wenn jemand erfolgreich wird, warum nicht? Gut für Robbie Williams.
Dosenmusik: Aber ist das nicht typisch für die Hardcore Szene? Du musst eigentlich klein bleiben, nur im "Underground" bekannt sein, sonst bist du direkt uncool. Wie viel Leute haben sich über die Reunion von Turmoil beschwert. Die versuchen doch nur von dem zu leben, was sie machen.
Zoli: Aber es ist schwer, sich davon sein Leben zu finanzieren, es wäre viel einfacher von 9 bis 17 Uhr zu arbeiten. Wenn du von Musik leben kannst ist es spitze. Warum nicht?
Aber viele verstehen nicht, um was es geht.
Schau dir Green Day an. Viele Menschen mögen Green Day nicht, aber sie haben eine "Rock against Bush Tour" gemacht. Sie sind auf einem Label, das unter den Fittichen von Clear Channel steht, was wiederum eine rechte Organisation in Amerika ist. Green Day haben ihre Karriere riskiert, um diese Tour zu machen, aber sie haben es gemacht. Sie haben das amerikanische Volk über ihre Regierung aufgeklärt. Das ist verdammt noch mal Punk Rock.
Punk Rock bedeutet so was wie Mutter Teresa, raus gehen und anderen Menschen helfen. Punk Rock bedeutet nicht, die ganzen Klamotten zu tragen aber gleichzeitig nichts Soziales zu tun. Ich kümmere mich nicht um andere Meinungen, ich habe meine eigene und ich sage sie auf der Bühne. Ich habe das Recht dazu, ich habe das Mikrophon. Wenn ihr was sagen wollt, macht eine Band und sagt es.
Dosenmusik: Um noch mal auf euer Album zurück zu kommen, warum ist Sunday Bloody Sunday wieder drauf?
Zoli: Der Song war nur auf der europäischen Version von "A Place Called Home", nicht aber auf der amerikanischen Pressung. Nun sind wir bei Century Media, einem wundervollen Label und ich bin sehr froh, dass wir dort gelandet sind. Wir wollten den Song auch in Amerika veröffentlichen, da es für mich eine sehr gute Möglichkeit ist, über die Situation zu Hause zu sprechen.
Dosenmusik: Ich danke dir vielmals für das interessante Interview, gibt es noch irgendwas, was dir auf dem Herzen liegt, was du loswerden willst?
Zoli: Wenn ihr in einer Band seid: Im Moment haben wir wirklich verdammt gefährliche Zeiten, macht euch Gedanken. Macht ein Statement, singt nicht über eure Exfreundin oder euren Vater, der mal wieder gemein zu euch war. Versucht was zu machen, was eine positive Veränderung herbeiführen kann und bleibt dabei. Wir müssen Leute dazu bringen, dass sie anfangen zu denken. Nachdenken über all den Mist, der gerade läuft, wir leben in einer verrückten Zeit und man weiß nie, was als nächstes passieren wird. Vielen Dank.


Zoli Teglas - Vocals
Brett Rasmussen - Bass
Nik Hill - Guitar
Brian Balchack - Guitar
Craig Anderson - Drums

www.igniteband.com

autoren: ed_moses | 10.08.2006
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