Interview mit Heaven Shall Burn
Email-Interview mit Schlagzeuger Matthias im Februar 2008 Wir sehen uns gar nicht auf einer anderen Stufe, als die Leute, die unsere Musik hören
Heaven Shall BurnAnlässlich der Veröffentlichung ihres neuen Albums nahm sich Matthias Voigt von Heaven Shall Burn Zeit uns ein paar Fragen per Mail zu beantworten.

Dosenmusik: Mittlerweile sind zehn Jahre seit eurer ersten Veröffentlichung vergangen, was hat sich in dieser Zeit für euch persönlich und als Band am meisten geändert?
Matthias: Na ja, da hat sich natürlich allerhand getan. Wir sind alle nicht jünger geworden und man hat auch in der Regel nicht mehr soviel Zeit zur Verfügung wie damals. Das ist generell wohl der größte Unterschied im Vergleich zu früher. So doof es auch klingen mag, aber für uns als Band und an unserer Herangehensweise hat sich nicht soviel geändert. Klar, wir sind erfolgreicher als früher, aber ehrlich gesagt nimmt man das gar nicht so auf, wie viele das vielleicht erwarten würden. Persönlich hat sich bei niemandem von uns etwas durch die wachsende Popularität verändert. Man nimmt das zur Kenntnis, freut sich darüber und das war's dann auch schon. Irgendwie ist das alles cool, aber eigentlich am Ende des Tages auch relativ unwichtig, wie viele Platten man verkauft. Es gibt weitaus wichtigere Dinge im Leben. Also wir wissen das alles schon zu schätzen, aber ich denke, dass man von "außen" so etwas noch einmal anders sieht, als wir selbst. Da wird immer viel zu viel Lärm um alles gemacht. Die Entwicklung bei uns ist irgendwie recht fließend verlaufen und ich denke auch dass das ein Grund ist, warum uns die nie so umgehauen hat.
Dosenmusik: Ihr habt letztes Jahr wieder einige Shows in Japan gespielt, welche Eindrücke habt ihr von dort mitgenommen und wie war es nach so einer Tour wieder in Deutschland zu spielen?
Matthias: Coole Leute und coole Shows kann man überall haben. Ich sehe den Unterschied zwischen dem japanischen Publikum und dem deutsche gar nicht so groß. Es gibt halt die kulturellen Unterschiede, die man erlebt, wenn man was von Land und Leuten kennerlernt, aber HC- oder Metal-Kids ähneln sich auf der ganzen Welt schon ziemlich. Solche Sachen wie die Japan-Tour sind aber nichtsdestotrotz Erfahrungen, die man für immer behält und das macht die ganze Sache dann schon wieder etwas spezieller. Wenn man mal etwas länger darüber nachdenkt, dann ist das ja schon krass, dass man 12 Stunden im Flieger sitzt und dann irgendwo ankommt, wo einen die Leute auch noch kennen. Als wir irgendwann mit der Musik angefangen haben, hat es schon gekribbelt, wenn es mal einen Auftritt 20km vom Proberaum entfernt gab. Die Eindrücke, die man von so einer Tour mitnimmt sind natürlich vielfältig. Es gibt einen ganzen Haufen gute Bands in Japan, die wohl bei uns nur wenig Beachtung finden. Ich denke da vor allem an Sand, Endzweck, Loyal To The Grave oder auch Birthplace. Auf der anderen Seite gibt es dann die Eindrücke vom Land. Das ist für mich persönlich sogar der wichtigere Aspekt. Es tut einfach gut, etwas von der Welt zu sehen und einfach mal über den Tellerrand zu blicken. Diese Eindrücke sind dann auch völlig losgelöst von den musikalischen Erlebnissen dort.
Dosenmusik: Welches Konzert ist euch bis heute am besten im Gedächtnis geblieben?
Matthias: Da kann und will ich mich gar nicht so festlegen. Wacken 2007 war sicherlich ein denkwürdiges Ereignis, aber auch 2001 unsere erste Show mit unseren Idolen Bolt Thrower... So etwas bleibt natürlich hängen.
Dosenmusik: Ich habe mehrfach gelesen, dass ihr euch bewusst entschieden habt, die Band nicht zu euerem Hauptberuf zu machen, damit die Musik nicht zu einem Job, den man halt machen muss, verkommt. Gibt es irgendwelche Umstände, unter denen sich das noch ändern könnte?
Matthias: Ich glaube nicht, dass das bei uns jemals ernsthaft zur Debatte stehen wird. Da bin ich einfach Realist. Es mag sein, dass vielleicht mal über einen längeren Zeitraum hinweg der Fokus auf der Musik liegt, aber ansonsten sind wir alle ganz zufrieden mit unserem anderen Leben. Das möchte keiner von uns missen. Außerdem wollen wir uns auch einfach den Spaß an der Musik erhalten. Das geht nun mal schlecht, wenn du alle möglichen Shows spielen musst, egal ob du willst oder nicht.
Dosenmusik: Wie kriegt ihr die Band, eure Arbeit und euer Privatleben (gerade bei steigendem Bekanntheitsgrad) noch unter einen Hut?
Matthias: Wir übernehmen uns einfach nicht und spielen nur dann, wenn wir wirklich Zeit und Lust haben. Da wir finanziell nicht von Hsb abhängig sind, können wir uns diesen Luxus auch gönnen.
Dosenmusik: Aber kommen wir zu eurem neuen Album: Wie würdest dz Iconoclast (Part 1: The Final Resistance) für jemanden beschreiben, der es noch nicht gehört hat?
Matthias: Das ist immer etwas blöd, wenn man die eigene Platte beschreiben soll. Man selbst hört sie ja mit ganz anderen Ohren als jemand, der nie an der Scheibe mitgearbeitet hat. Unterschiedliche Leute hören eben auch unterschiedliche Sachen. Am Reinhören führt also kein Weg vorbei.
Dosenmusik: Wie war es, wieder mit Tue Madsen zu arbeiten?
Matthias: Es war super! Tue wusste von Anfang an, was wir wollten und alles ist am Ende auch so geworden. Ansonsten wurde ja nur der Mix und das Mastering bei ihm gemacht. Wirklich gearbeitet, im Sinne von "Album aufnehmen" haben wir ja mit ihm gar nicht.
Dosenmusik: Welches Lied von dem neuem Album ist dein persönlicher Favorit und warum?
Matthias: Sicherlich "Endzeit". Man versucht ja immer, den der eigenen Meinung nach stärksten Track, am Anfang zu platzieren.
Dosenmusik: Wie seid ihr auf die Idee zu dem Konzept des Albums gekommen?
Matthias: Wir bzw. unser Gitarrist Maik hat sich mit der ganzen Geschichte um die Ikonoklasten auseinander gesetzt und dann eine Geschichte darum herum aufgebaut, die im Prinzip gar nicht so weit von den Themen entfernt ist, die wir auch schon früher aufgegriffen haben. Also ganz einfach soziale Themen, Freiheits- und Widerstandskampf, Religionskritik usw. Also am Anfang schwirrte nur der Begriff "Ikonoklast" im Kopf herum und nach dem Auseinandersetzen mit der Materie wurden dann auch konkret die Texte geschrieben.
Dosenmusik: Beschäftigt es euch, dass Leute eure Texte und ihre Aussagen falsch verstehen könnten?
Matthias: Nee, eigentlich nicht. Man kann ja auch immer über alles reden und Unklarheiten beseitigen, wenn Verwirrung besteht. Falsche Interpretationen gibt es ja auch recht selten, sondern nur verschiedene/ individuelle. Ich glaub auch kaum, dass man einen HSB-Text total falsch auslegen kann, dass er dann komplett falsch verstanden wird.
Dosenmusik: Die auf eurer Homepage jeweils von euch aufgelisteten Lieblingsbands/Einflüsse gehen z.T. sehr weit auseinander, ist das etwas, was euch beim Schreiben von neuem Material hilft oder eher zu Diskussionen führt?
Matthias: Bei uns wird eigentlich gar nicht diskutiert. Wir schreiben die Songs einfach aus dem Bauch heraus. Da wird also vorher keine Grundrichtung oder ähnliches festgelegt. Zwar hat alles, was wir hören, Einfluss auf das HSB Material, aber eine gewisse Grundrichtung haben wir eigentlich meist. Da kann auch ein eventueller Ausreißer im individuellen Geschmack nichts dran ändern.
Dosenmusik: An welchem Lied habt ihr bisher am längsten/intensivsten gearbeitet?
Matthias: Das kann ich dir beim besten Willen nicht sagen. Ich meine nur, mich erinnern zu können, dass "The Weapon They Fear" eine ziemlich schwere Geburt war. Da haben wir tausend mal den Anfang verändert und am Ende hat mich der Songs schon regelrecht angekotzt. Eigentlich uns alle... Irgendwie war dann aber wieder alles in Butter, nachdem der Track im Kasten war und wir nun hören konnten, wie es geworden ist. Wir mögen den Song auch heute noch sehr.
Dosenmusik: Die meisten Alben, die ihr bisher veröffentlicht habt haben fast durchweg positive Reviews bekommen, inwieweit verstärkt sich dadurch für euch der Druck, etwas noch Besseres zu schaffen?
Matthias: Gar nicht, solche Reviews sind ja immer etwas absolut Subjektives. Wir wollen einfach beim nächsten Mal wieder etwas machen, was und selbst gefällt und auf das wir stolz sein können. Einen Druck von außen gibt es da nicht. Wir machen uns da einfach nicht verrückt und der Rest kommt von alleine. Allen kann man es sowieso nicht recht machen. Deswegen verschwenden wir auch keine Gedanken an eventuelle Reaktionen auf neues Material. Wenn wir selbst wissen, dass es gut ist, reicht uns das.
Dosenmusik: Sowohl auf dem Metal Hammer Forum als auch bei Mypace postet ihr Sachen wie Tourtagebücher oder Fotos aus dem Studio. Wie wichtig ist euch der Kontakt zu den Fans?
Matthias: Wir sehen das alles etwas anders. Wir sehen uns gar nicht auf einer anderen Stufe, als die Leute, die unsere Musik hören. Das Wort "Fan" mag ich also in dem Zusammenhang nicht so sehr. Wir wollen einfach Kontakt zu den Leuten pflegen, die die gleiche Musik hören, wie wir. Das ist vollkommen entspannt und da gibt es eben Leute, mit denen man sich gerne unterhält und aber auch welche, mit denen man weniger zu tun haben will. Wir sehen uns als Band auch nicht irgendwem gegenüber verpflichtet, Kontakt zu halten. Wir machen das aus freien Stücken oder eben nicht. Dazu gehören immer 2 Seiten. Wir gehen ja auch oft nach den Shows noch raus und quatschen da mit Leuten, aber das ist eben auch je nach Laune. Wir fühlen uns nicht wohl in so einer Rolle als Idole und ich glaub die meisten Leute sehen uns auch eher als normale Typen mit Bodenhaftung. Solche Sachen wie Myspace oder Tourtagebuch im Metal Hammer Forum gehören dann halt dazu und wir machen das auch gerne.
Dosenmusik: Famous last words?
Matthias: Die kommen doch erst kurz vorm Ableben und soweit sind wir noch nicht. Wir wüschen aber allen noch ein gutes 2008, auch wenn es fast schon vorbei ist.

Matthias Voigt - Schlagzeug
Maik Weichert - Gitarre
Alexander Dietz - Gitarre
Eric Bischoff - Bass
Marcus Bischoff - Gesang

www.heavenshallburn.com

Autor: jerseydevil | 13.02.2008
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