Interview mit Heaven Shall Burn
Interview mit Schlagzeuger Matthias am 17.06.2006 die "antigone" war zwar nicht die schlechteste platte, die wir gemacht haben, aber sicherlich auch nicht die beste
Heaven Shall Burn dosenmusik: bisher haben wir heaven shall burn in unseren beiträgen schon fast sträflich vernachlässigt. eines unserer ziele ist es, sämtliche deutsche bzw. deutschsprachige bands dieser genres mindestens 1x zu interviewen. maroon, caliban, machinemade god, cataract, destiny, neaera usw. .... ihr fehlt u.a. noch in dieser liste!
matthias: wir sind auch lange nicht so oft unterwegs wie die anderen bands. das vorhin war erst der 5. oder 6. auftritt dieses jahr.
dosenmusik: das letzte mal war vor 3 wochen?
matthias: nein, letzte woche haben wir auf der hochzeit eines freundes gespielt.
dosenmusik: (lacht) davon habe ich gelesen. wie kam das denn zustande?
matthias: ein mitglied einer befreundeten band hat am 06.06.06 geheiratet und hat uns dann gefragt, ob wir nicht am 10.06. bei seiner feier auftreten wollen. war ganz lustig das ganze.
dosenmusik: habt ihr da eure songs gespielt oder gabs vielleicht auch mal ein liebeslied zwischendurch?
matthias: nee, schon unsere songs. so viele leute waren jetzt nicht da, also haben wir reise nach jerusalem mit denen gespielt.
dosenmusik: (lacht) im ernst!? ihr hört mitten im song auf und die leute mussten sich dann schnell hinsetzen?
matthias: ja, sicher! so funktioniert das spiel doch, oder!? (grinst) aber für andere songs im sinne von liebes- oder hochzeitsongs hatten wir nicht ausreichend vorbereitungszeit.
dosenmusik: schade! ok, wie du schon sagtest, ihr seid nicht oft auf tour und wenn, dann nicht für lange zeit. eure auftritte sind oftmals an wochenenden. wie kommt es dazu? habt ihr noch jobs, denen ihr nachgeht?
matthias: ein paar von uns studieren noch, die anderen arbeiten und außerdem haben wir auch kein bock ständig alles mitzunehmen. wir wollen uns einfach den spaß an der sache erhalten.
dosenmusik: na gut, aber für die meisten bands, die ich jetzt kenne, ist das touren einfach das wichtigste.
matthias: fast alle bands haben spaß auf der bühne, aber das drumherum nervt mich. man fährt ständig rum, ist weit weg von zuhause, man macht 95% des tages überhaupt nichts außer warten und das schlägt dann immer alles aufs gemüt.
dosenmusik: ihr habt vor kurzem einen eurer gitarristen gewechselt. was ist da passiert?
matthias: naja, er ist jetzt in seinem letzten jahr an der uni und steht kurz vor seinem abschluss. er will sich dann auch einen richtigen job suchen und hat dementsprechend einfach keine zeit mehr für die band. jetzt ist es zwar so, dass wir auch alle anderen tätigkeiten nachgehen, aber es kann eben sein, dass es wegen der arbeitsplatzsituation bei uns dazu kommt, dass er für einen job umziehen muss und dann klappt das auch nicht mehr mit dieser doppelbelastung.
dosenmusik: wo wohnt ihr?
matthias: saalfeld, weimar, erfurt - alle um die ecke. (grinst)
dosenmusik: und alexander dietz, euer neuer gitarrist, wohnt in der nähe?
matthias: ja, auch in saalfeld.
dosenmusik: ich hab auf eurer homepage eure bandbiographie gelesen und da sind u.a. auch eure persönlichen einflüsse bzw. eure lieblingsbands genannt. bei alex unterscheidet sich das komplett von euch anderen. zum beispiel cro-mags bei euch und pearl jam bei ihm. bringt er dadurch frischen wind in eure band?
matthias: ja, das stimmt. er kommt aus einer völlig anderen ecke und hat vorher bei alternative bands wie honeytoast gespielt. sagt dir wahrscheinlich nix!? (grinst) er sieht die musik unter ganz anderen gesichtspunkten. das heißt jetzt nicht, dass er mit einem foo fighters riff ankommt oder so, er hört ja auch harte musik, aber er ist so ein riesiges musikalisches talent.
dosenmusik: er kannte euch schon vorher und hat eure musik gehört?
matthias: ja, sicher. aber als wir ihn fragten, ob er schnell bei uns einspringen kann, hatte er noch nie solche riffs gespielt und hatte nur knapp 2 wochen zeit, sich alles einzuprägen, weil wir mit ihm dann auf tour gehen wollten. mittlerweile ist er so an seinen aufgaben gewachsen. das neue album haben er und unser anderer gitarrist maik fast im alleingang geschrieben. früher haben wir das meistens alles zusammen gemacht, auch wenn maik da schon immer die ideen hatte. dieses mal haben sich die beiden mit ihren gitarren an den rechner gesetzt, den drumcomputer angeschlossen und einen song nach dem anderen geschrieben. innerhalb von 3 wochen war das ding inkl. einiger kleiner veränderungen fertig.
dosenmusik: wer ist verantwortlich für die lyrics?
matthias: auch der maik.
dosenmusik: also markus ist daran garnicht beteiligt?
matthias: nee, der maik ist bei uns der kreative kopf. wir besprechen danach gemeinsam die texte.
dosenmusik: welche themen spielen auf der neuen platte eine rolle?
matthias: es geht alles in eine politische ecke. da gibts zum beispiel einen song über den aufstand im warschauer ghetto von 1944 und der titel "deaf to our prayers" ist angelehnt an ein gedicht von heinrich heine über die situation der schlesischen weber. alles auf dem album und in den texten ist als parallele gedacht zu der heutigen zeit.
dosenmusik: ihr seid schon eine band mit einer message...
matthias: ...eine message schon, aber keine festgefahrene ideologie. wir vertreten unsere eigenen meinungen und nicht die von anderen menschen.
dosenmusik: wenn man eure entwicklung betrachtet, dann war "antigone" ein melodischeres, eingängigeres abziehbild eures bisherigen platten. wie passt "deaf to our prayers" in diese entwicklung? der neue song vom konzert eben ging ja schon etwas in die bolt thrower ecke.
matthias: ja, so ungefähr. es ist alles wieder schneller und mehr death metal. die "antigone" war zwar nicht die schlechteste platte, die wir gemacht haben, aber sicherlich auch nicht die beste. vor allem sind wir alle mit der zeit einfach unzufrieden damit. wir haben davor schon viel bessere songs geschrieben. die "whatever it may take" ist meiner meinung nach unsere beste platte. von den songs her hat da alles gepasst. die "antigone" war vom sound her sehr gut, aber das ist ja nicht, woraus es letztlich ankommt. ich kann erst immer nach ein paar jahren wirklich sagen, ob ich eine platte gut finde oder nicht.
dosenmusik: das neue album ist ja gleichzeitig auch wieder eine neue chance...
matthias: ...und ich bin dieses mal auf jeden fall zufriedener als davor. wie gesagt, es dauert, bis ich das neue material wirklich einschätzen und bewerten kann, aber ich habe ein gutes gefühl. wobei, ich war bei der "antigone" vorher auch hin und weg und jetzt fallen mir so viele dinge auf, die wir hätten anders machen können.
dosenmusik: songs wie "the weapon they fear" funktionieren aber immer noch sehr gut, egal ob in clubs oder bei euren shows.
matthias: gerade der ist uns am schwierigsten von der hand gegangen. wir haben uns gezofft, 1000x was geändert...
dosenmusik: ...aber dann ein video dazu gedreht!?
matthias: ja, seltsam, oder!? (grinst) nach ein paar wochen haben wir eben festgestellt, dass das der beste song auf der ganzen platte ist.
dosenmusik: ihr lebt alle nach dem straight edge prinzip bzw. ihr seid alle veganer?
matthias: 4 von uns sind veganer und auch straight edge, alex ist vegetarier und trinkt und raucht nicht.
dosenmusik: war das auch mal anders?
matthias: ja, schon, es war ein prozess. bei mir war das auch nicht anders. ich bin jetzt seit 12 jahren vegetarier und seit 9 jahren veganer. früher hatte ich eine freundin, die war vegetariern, alsich es noch nicht war. die hat mich die ganze zeit nur verarscht deswegen. (lacht) aber wie gesagt, wenn man sich mit der sache auseinandersetzt, dann muss man früher oder später zu der erkenntnis kommen, dass man das zeug nicht essen kann.
dosenmusik: nochmal eine frage zu eurer bandgeschichte. wie seid ihr zu eurem namen gekommen und was bedeutet er heute noch für euch?
matthias: der name stammt von einem album der black metal band marduk - nicht dass wir große fans von marduk waren - der name hatte für uns sofort eine bestimmte bedeutung. heaven - also der himmel - ist für uns sowas ein sinnbild einer falschen vorstellung, welche die menschen in ihren köpfen tragen, eine art falsches paradies. sie stellen es sich vor, als sei alles gut, aber ihnen soll ein licht aufgehen und sie sollen ihre augen öffnen. außerdem fanden wir den namen einfach cool. gerade in den usa fühlen sich viele leute einfach angepisst davon, weil sie denken, wir sind eine satanistische band. (lacht) dabei sind wir das ja absolut nicht.
dosenmusik: stichwort usa - plant ihr da mal eine tour?
matthias: den plan gab es schon öfter, aber bisher ist immer irgendwas dazwischen gekommen. nächstes jahr wollen wir es dann wohl endlich nochmal versuchen. es kostet halt alles geld und dadurch dass wir alle an jobs und studium gebunden sind, wird es nicht auf mehr als 1-2 wochen hinauslaufen. das muss dann im vorfeld alles gut geplant sein.
dosenmusik: vielleicht als support einer großen band?
matthias: ja, zum beispiel as i lay dying. das würde ganz gut passen und dann tragen wir auch nicht so ein großes risiko, als wenn wir als mainact unterwegs wären. es ist ganz komisch, wir verkaufen relativ viele platten in amerika, vielleicht durch caliban, die ja da mittlerweile häufiger unterwegs sind und durch die beiden splits, die wir mit ihnen gemacht haben. durch eine caliban tour verkaufen sich die dinger wahrscheinlich ganz gut, also müssen wir uns wohl bei caliban dafür bedanken.
dosenmusik: wie gehts jetzt weiter bei euch?
matthias: ende september gibts eine tour, die hell on earth tour spielen wir dieses jahr auch wieder mit - ich glaube da sind wir auch wieder in der batschkapp in frankfurt - dann sicherlich noch ein paar einzelne auftritte und dann vielleicht noch eine kleine tour um weihnachten rum... mal sehen, was sich so ergibt.
dosenmusik: und irgendwann ist man 35, 36 oder noch älter - und was kommt dann und worauf blickt ihr zurück? das thema usa hatten wir gerade, aber was ist mit asien...
matthias: ...wir waren schon mal in japan! (grinst)
dosenmusik: ok, wie siehts aus mit der produktion anderer bands? spielen diese gedanken eine rolle oder ist dieser abschnitt eures lebens irgendwann einfach vorbei?
matthias: im moment denkt niemand von uns ans aufhören. die vorstellen an sich ist eigentlich absurd, aber wer weiß, was in ein paar jahren ist!? grundsätzlich werden wir immer weiter machen, auch wenns nur 2 auftritte im jahr sind. wir haben nie musik gemacht, um den durchbruch zu schaffen, sondern weil wir einfach bock drauf haben.
dosenmusik: sowas finde ich bewundernswert. bei keiner anderen band habe ich das bislang kennen gelernt. immer gehts nur um records sales und majordeals.
matthias: wir möchten uns auch nicht unter wert verkaufen. wenn wir gute angebote bekommen für eine tour und das auch zeitlich passt, dann nehmen wir das gern an. oder wenn wir ein musikvideo drehen können. das ist zwar auch eine kommerzielle sache, aber wenn wir lust drauf haben, dann nehmen wir das auch mit.
dosenmusik: den clip zu "the weapon they fear" kann man auch als 5 minuten workout video für die ganzen kung fu kids vermarkten.
matthias: (lacht) naja, das war ja auch nicht so ernst gemeint.
dosenmusik: aber in der form gabs das, als ihr angefangen habt, auch noch nicht...
matthias: es war anders, aber in belgien zum beispiel war das schon gang und gebe und vor allem härter als heute. das war so 97/98. bands wie liar oder earth crisis haben uns in den 90ern nach dem ganzen death metal und hardcore gezeigt, wie man die dinge vereint. wir haben dann einfach drauf los gespielt und alles vermixt, was wir an einflüssen miteinbringen konnten. das ist es auch, was mich nervt an den bands heutzutage. sie fragen sich die ganze zeit, was man machen muss, um erfolgreich zu sein, wie man einen plattenvertrag bekommt, wie man auftritte buchen kann und ich sage immer nur, sie sollen ihren eigenen weg gehen und nicht versuchen, den weg anderer bands nachzuahmen. wir sind auch von anderen bands beeinflusst, aber wenn sich junge musiker von unserer musik inspirieren lassen, dann sollen sie sich auch mit uns als band und dem weg, den wir gegangen sind auseinandersetzen und auf diese weise erkennen, dass man sich um die eigene identität kümmern muss und nicht andere kopieren sollte. das soll ncht arrogant klingen, aber die motivation heutzutage ist eine ganz andere als damals. wir wollten spaß haben, sie denken nur an equipment, merchandise, eine eigene homepage und myspace. ich wünsche mir einfach, dass sich die leute auch mit der einstellung mancher bands auseinandersetzen.
dosenmusik: dein wort in den ohren der jungen leute! zu guter letzt - deine berühmten letzten worte!
matthias: was soll ich sagen...!? testet das neue album! (grinst)
dosenmusik: das machen wir!


Matthias Voigt - Drums
Maik Weichert - Guitars
Eric Bischoff - Bass
Alexander Dietz - Guitars
Marcus Bischoff - Vocals

www.heavenshallburn.com

autor: Coney | 25.06.2006
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