Interview mit Funeral for a Friend
Interview mit Matt Davies und Kris Roberts am 09.10.2007 in Köln Vorbei sind die Tage, in denen eine Band zu einer Lieblingsband über Jahre hinweg werden konnte.
Funeral for a friend Vor ihrem Konzert im Bürgerhaus Stollwerck hatten wir die Gelegenheit ein Interview mit den sympathischen Walisern in dem (ausnahmsweise) aufgeräumten Tourbus zu führen.

Dosenmusik: Ihr solltet heute Abend ja eigentlich im Prime Club spielen, wurdet aber wegen großer Nachfrage ins Bürgerhaus Stollwerck verlegt. Geht ihr dadurch anders an die Show ran?
Matt: Hm, ich weiß nicht ob ich mich dadurch anders fühle, ich bin einfach nur sehr froh, dass es hier so viele Leute gibt, die uns sehen wollen.
Kris: Das es überhaupt wen interessiert.
Matt: Ja genau, so sehr sogar, dass sie unsere Tickets kaufen! Das zeigt eindeutig, dass es hier Liebe für Funeral for a Friend gibt.
Kris Wir versuchen aber auch immer dieselbe Show zu spielen, egal wie viele Leute uns letztendlich zuschauen.
Dosenmusik: Die Venues, die ihr im UK füllt sind ja um einiges größer als hier, was ist euch lieber, große Hallen oder intime Clubshows?
Kris: Ich denke beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile. Ein Teil von mir mag diese Art von Shows wesentlich lieber, weil man dem Publikum näher ist. Und die Show heute Abend ist auch keine kleine Show mehr, eher irgendwo dazwischen. Die grossen Shows sind natürlich viel besser, wenn es um den Komfort geht.
Matt: Vor allem hat man viel mehr Platz auf der Bühne, aber ich mag auch die kleinen Shows lieber.
Kris: Der Sound ist auch viel besser, man ist so nah beieinander dass man die anderen direkt hört. Kleinere Shows machen einen aber auch wesentlich unsicherer, weil man die Gesichter der Leute sieht während man spielt. Bei den größeren kann man die nicht mehr erkennen.
Matt:Ich kann eh niemanden sehen, egal ob wir kleine oder große Shows sehen, da ich auf der Bühne meine Brille nicht anhabe.
Kris: (lacht) Ja, er ist praktisch blind.
Dosenmusik: Von den Konzerten zu euerem Album- ich habe gelesen, dass es fast gar nicht zustande gekommen wäre, da ihr kurz davor gestanden habt das Handtuch zu schmeißen?
Matt: Das waren die normalen Frustrationen die man hat, wenn man gerade von der Tour kommt und sich sofort in den Schreibeprozess stürzt, um festzustellen, dass man eigentlich noch gar nicht bereit ist mit dem Schreiben anzufangen. Man hat so viele geniale Ideen, so viele Hoffnungen und Erwartungen und wenn die sich nicht direkt umsetzen lassen ist man erst mal entmutigt. Wir haben etwa neun Songs geschrieben als wir von der "Hours"- Tour zurückkamen, und zu dem Zeitpunkt dachten wir einfach "Hey, wir schreiben mal drauf los und schauen was daraus wird". Als wir dann aber genug Zeit hatten, uns die Songs noch mal anzusehen, waren wir ein bisschen enttäuscht, sie hatten sich nicht auf die Art und Weise entwickelt, wie wir es wollten. Danach haben wir uns eine kleine Auszeit genommen, Ryan's Tochter ist in der Zeit zur Welt gekommen, also haben wir Pause gemacht. Ich hatte sowieso ne beschissene Schreibblockade, und war definitiv nicht gerade in guter Stimmung. Es tat echt gut, erst mal die Batterien wieder aufzuladen. Als wir dann wieder zusammengekommen sind hatten wir plötzlich echt gute Ideen, haben das alte Zeug komplett verworfen und uns auf die Aspekte konzentriert, die uns an der Musik schon immer wichtig waren.
Kris: Ich glaube, einer der größten Fehler, die wir gemacht haben war es, direkt nach der Tour für "Casually Dressed" anzufangen "Hours" zu schreiben, wir hatten keine Pause, es müssen drei oder vier, eher vier Jahre gewesen sein, in der wir keine Pause von der Band gemacht. Wir kamen an den Punkt, wo wir wieder sofort anfangen wollten zu schreiben, und es hat sich angefühlt als würden wir stagnieren.
Matt: Es war, als ob wir es mit Macht vorantreiben wollten, es war nicht...
Kris: Natürlich.
Matt: Ja genau. Es ging nicht so einfach wie bisher, und wir haben realisiert, dass wir wie ausgebrannt waren. Ich war ausgebrannt, was meine Kreativität anging. Vollkommen trocken und das hat mir ziemliche Sorgen bereitet. Darum war ich echt froh über die vier Wochen, in denen wir einfach "Fuck it" sagen konnten und wieder normale Leute sein konnten.
Dosenmusik: War es nachher einfacher dadurch, das ihr das Album in Wales aufgenommen habt?
Matt: Das war es. Man hatte dadurch eine gewisse Stabilität, man wusste wo man ist, theoretisch konnte man jeden Tag nachhause gehen wenn es einem zuviel wurde, und man war nicht so weit von seiner Familie und den Freunden entfernt. Es hat uns definitiv erlaubt, uns in unserer Umgebung wohler zu fühlen.
Kris: Was auch erwähnt werden muss ist, dass man in seinem eigenen Bett schlafen konnte.
Matt: Ja, am Wochenende war es echt wunderbar, unter der Woche waren wir im Studio und am Wochenende konnten wir nachhause, Spaß haben. Ich denke es hat ein sehr förderndes Arbeitsklima geschaffen, in dem wir alle wirklich konzentriert waren. Wir hatten auch schon eine Pre-Produktion, wodurch wir dann genau wussten was wir taten,als wir ins Studio gingen.
Kris: Das hat das Aufnehmen an sich dann sehr einfach gemacht.
Dosenmusik: Matt, du hast mal gesagt, dass du Angst davor hattest ein "Malen nach Zahlen" Funeral for a Friend Album zu schaffen, und euch das bei diesem Album fast passiert sei. Ist das ein Problem das ihr jetzt nicht mehr haben werdet, da ihr es schon einmal überwunden habt.?
Matt: Ah, wer weiß, wer kann das schon sagen.(lacht)
Kris: Hm, ich denke, dass wir mit den letzten drei Alben sehr verschiedene und eigenständige Alben gemacht haben. Ich habe das Gefühl, dass wir an einem Punkt angekommen sind an dem nichts, was wir bei dem nächsten Album machen, nicht jemanden überraschen wird. Die Leute wissen nicht mehr, was sie von uns erwarten sollen, was uns die Freiheit gibt das zu schreiben, was wir auch wirklich schreiben wollen, und das ist wirklich schön.
Matt: Das ist sehr schön. Denn weißt du, die Erwartungen dieser Band sind wahrscheinlich von Person zu Person unterschiedlich. Es gibt wahrscheinlich Leute, denen die ersten beiden Alben nicht gefallen haben, die aber das neue wirklich mögen. Und es wird Leute geben, die das erste Album mögen und die letzten beiden nicht. Wir haben Fans über die Alben verteilt, und sie sind immer noch da und finden es auch gar nicht so schlimm. Sie mögen ein Album vielleicht mehr als die anderen, aber sie warten ab, wohin wir uns entwickeln. Wir in der Band sind alle sehr verschieden, haben sehr unterschiedliche Musikgeschmäcker, Ideen und Temperamente. Für mich ist es das schlimmste, wenn Bands immer und immer wieder dasselbe Album machen. Das regt mich wirklich auf. Ich mag vielleicht die ersten zwei Alben eine Band, und dann kommt das dritte heraus und es klingt genauso, aber das Herz und die Leidenschaft der Vorgänger fehlt. Ich würde nie in einer Band sein wollen, die so was tut.
Dosenmusik: Habt ihr euch denn Gedanken darüber gemacht, wie die Fans reagieren wenn ihr eine andere Richtung einschlagt?
Matt: Der Gedanke ist uns schon ein oder zweimal gekommen. Aber nie in der Art von "Scheiße, unsere Karriere ist damit dann im Arsch." Es war eher so, dass wir gehofft haben, dass wir eine größere Reaktion bekommen. Denn beim letzten Album, "Hours" haben wir zwar gute Resonanz bekommen, aber die Leute haben keine klare Stellung bezogen - sie mochten das Album, aber sie haben es nicht geliebt und auch nicht gehasst. Bei diesem Album wollten wir das ein bisschen verändern, um zu sehen, wer zu uns steht und wer sich etwas neues sucht.
Kris: Das ist ziemlich ironisch wenn du das so sagst, denn ich erinnere mich daran, dass wir in einem Interview gesagt haben, nein warte, das stand sogar so in unserer Band- Biografie, dass wir mit Hours ein Album machen wollten, bei dem die Leute nicht einfach keine Stellung beziehen können, und das ist genau das, was sie verdammt noch mal getan haben!
Matt: (lacht) Stimmt. Diesmal sollte es deshalb so sein, dass man es entweder liebt oder abgrundtief hasst. Ich glaube, dass wir uns unbeabsichtigterweise auf die melodischen Aspekte der Band konzentriert haben, und das hat die Fans beunruhigt. Sie hatten Angst, dass wir zu poppig werden, und es ist halt wirklich sehr melodisch.
Kris: Ja, aber es gibt einen großer Unterschied zwischen melodisch und poppig.
Matt: Es hat schon wesentlich stärkere Pop-Elemente als unsere bisherigen Alben.
Kris:Oh, das auf jeden Fall. Also einige der Lieder...
Matt: Im generellen würde ich sagen, dass die Art, wie die Lieder präsentiert werden, die Art, wie sie produziert wurden, sehr clean und glänzend ist. Und genau das wollten wir haben, wir wollten etwas schaffen, woran wir wirklich arbeiten mussten damit es gut wird. Das letzte Album wurde dafür kritisiert, dass es angeblich overproduced klingt, wobei es wenn überhaupt underproduced war. Es war echt bizarr, dass Leute das geglaubt haben, wir haben nicht einmal die Saiten gewechselt, alle Gitarren wurden innerhalb von drei Tagen aufgenommen, genau wie die Drums, wie kann da jemand sagen, Hours war overproduced?! Darum haben wir diesmal gedacht, zur Hölle mit den Kids, lass uns das Album einfach so machen wie wir meinen, und wir sind sehr stolz auf das Album. Es war eine Kombination aus harter Arbeit, Fleiß und all diesen Dingen die das Schreiben von Musik lohnenswert machen. Wir haben viele Hindernisse überwunden, viele Dinge gesehen und erlebt, die heutzutage nicht allzu viele Leute erleben können, darum denke ich, war es ein mutiger Schritt uns auf unsere melodische Seite zu konzentrieren.
Dosenmusik: Wie seid ihr auf die Idee gekommen ein Konzeptalbum zu machen?
Matt: Das weiß ich bis heute selbst nicht! (lacht) Aus irgendeinem mir unerklärlichen Grund habe ich, während wir geschrieben haben, angefangen progressiven Rock zu mögen, wahrscheinlich dank Ryan und Darren, das sind ziemliche Prog-Heads. Ich habe Bands wie Genesis, Rush und Dream Theater gehört und es kam einfach so. Ich war auf der Suche nach etwas, über das ich schreiben konnte, abgesehen von dem normalen Bullshit, den Mist über den ich davor geschrieben habe, bei dem ich aber das Gefühl hatte, mich nicht noch einmal damit beschäftigen zu können. Ich wollte über etwas Interessantes, Neues schreiben, das mich herausfordert und so bin ich auf die Konzept Idee gekommen, basierend auf einem Lied, dass wir schon geschrieben hatten. Ich habe dann versucht, diese Idee auszubauen, auf eine filmische Art und Weise und sie auf das ganze Album anzuwenden. Ich hatte eigentlich schon ein Konzept für das letzte Album geplant, aber das hat dann nicht so funktioniert wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war zu schrullig, zu dramatisch, um von uns präsentiert zu werden.
Kris: Ich persönlich würde jetzt nicht gleich das Wort "schrullig" verwenden.
Matt: Egal, jedenfalls habe ich diese Idee dann weiter ausgearbeitet und die Lyrics mit zur Probe gebracht, wo die Jungs schon dabei waren, geniale Songs zu schreiben, und meine Worte haben auf Anhieb gepasst. Als die anderen dann realisiert haben, dass es diesmal ein Thema, eine Geschichte gibt, die erzählt wird, war die Reaktion dann etwa "Oh.Okay. Passt schon."
Kris: Passt schon?! Oh Mann, ich glaube, dass ist tatsächlich genau so, wie wir reagiert haben.
Matt:Ich glaube alle waren einfach nur erleichtert, dass ich wieder dabei war, Sachen zu schreiben, da ich echt für eine Zeit lang dachte, ich könnte nichts mehr schreiben.
Kris: Ich war einfach nur dankbar, dass du mal Lyrics geschrieben hast, die du uns auch erklären konntest.
Matt:Ja, wir hatten ein paar Lieder, wo die anderen mich gefragt haben, worum es geht, und ich konnte immer nur mit "Keine Ahnung" antworten. Das war anfangs, glaube ich, mein Hauptproblem mit den Liedern, die ich geschrieben habe, ich hatte selber keine Ahnung worum es ging. Und bei anderen Songs, wo ich wusste was ich geschrieben habe, war mir klar, dass es nicht der Weg ist, den ich für die Band will. Manchmal ist es nicht gerade gut, wenn man eine persönliche Meinung über die Plattform einer Band präsentiert, vor allem wenn die anderen Band Mitglieder vielleicht ganz anders darüber denken.
Dosenmusik: Würdest du sagen, dass die Art, wie du jetzt schreibst, die größte Entwicklung ist, die du in der Band gemacht hast? Im Vergleich zu dem neuen Album sind die Lyrics auf "Casually dressed" ja schon noch sehr abstrakt
Matt: Ja, schon. Wenn man eine Geschichte erzählen will kann man nicht mehr abstrakt sein, außer man heißt David Lynch. Aber bei Büchern oder Erzählperspektiven im allgemeinen braucht man einen roten Faden, dem man folgen kann, und die größte Herausforderung für mich bestand darin, es nicht kitschig wirken zu lassen, aber es auch nicht in Metaphern untergehen zu lassen.
Kris: Ich glaub, etwas was du auch versucht hast, ist nicht maßlos zu sein. Was normalerweise passiert, wenn Bands ein Konzept-Album machen, ist ,dass sie 12 minütige Lieder schreiben, die ewig scheinen und unendlich viele Gitarrensolos haben.
Matt: Ich finde, man kann das durchaus rechtfertigen, aber nicht, wenn man in einer Band wie Funeral for a Friend ist!
Kris: Obwohl wir ein Konzept Album gemacht haben, können die Songs aber auch für sich stehen. Wenn man nur unsere Musik mag, kann man sie sich stückchenweise anhören, ohne sich um den Rest zu kümmern. Aber es gibt noch etwas viel tiefgründigeres, auf das man sich einlassen kann.
Dosenmusik: Wie sieht es eigentlich live aus, wenn ihr das neue Material spielt? Nervt es da nicht, wenn die Fans trotzdem jedes mal "Juneau" oder "Escape Artists" hören wollen?
Matt: Nein, das ist eigentlich okay, wir haben mittlerweile akzeptiert das...
Kris: (unterbricht) 10 fucking scene points. Das werden wir nie spielen Kids.
Matt:Ich verstehe einfach nicht, warum die Leute nach B-Seiten schreien. Man produziert eine B-Seite, und dieser Song ist wahrscheinlich das härteste, was man bisher gemacht hat, und genau das wollen sie hören.
Kris: Es gibt einen Grund, warum es nur eine verdammte B-Seite ist.
Matt: Wir gehen eigentlich immer die Alben durch und wählen die Songs aus, bei denen wir das Gefühl haben, dass wir gute Reaktionen vom Publikum kriegen, die sowohl das Publikum als auch uns selbst motiviert. Wir spielen einen Mischmasch aus alten und neuen Liedern, aber ich glaube, wir haben noch nie ein Set ohne Escape Artists gespielt.
Dosenmusik: Würdet ihr sagen, das Escape Artist demnach auch der Song ist, der euch als Band am besten repräsentiert oder gibt es da einen anderen?
Matt: Das Lied, was uns vielleicht zwar nicht am besten als Band vertritt, aber zeigt, welche kreative Entwicklung wir hinter uns haben, ist glaube ich was vom neuen Album, wie zum Beispiel "Sweetest Wave" oder All Hands on Deck I & II, die zeigen, wie weit wir gekommen sind. Aber ein Lied was uns am besten zusammenfasst...(überlegt) Ich denke "Roses for the dead" wäre es für mich. Es zeigt die Talente der einzelnen Mitglieder der Band am besten, und es sind die ersten Lyrics, bei denen ich wirklich das Herz auf der Zunge getragen habe.
Kris: Das war, glaube ich, auch der erste Song, den wir zusammen als Band in einem Raum geschrieben haben. Normalerweise teilen wir uns immer in kleine Gruppen auf, um Lieder zu schrieben, das war das erste mal, wo wir alle zusammen gesessen haben und ich denke, der Song fasst uns daher auch gut zusammen.
Dosenmusik: Welche Aspekte mögt ihr an der Musikindustrie so, wie sie heute ist, am wenigsten und am meisten
Matt & Kris: Mögen? Nichts! (lachen)
Matt:Nein, jetzt mal ernsthaft, ich denke, dass die Musikindustrie in einer absoluten Notlage ist und viele Probleme hat. Obwohl, noch nicht mal die Musikindustrie, sondern eher die einzelnen Plattenfirmen, die sind ziemlich verzweifelt. Sie sind dabei zu realisieren, dass Bands sehr viele Dinge alleine tun können, woran sie kein Geld mehr verdienen.
Kris: Ich denke, das Internet hat ziemlich viel zu verantworten. Es ist zwar gut, um seine Band bekannt zu machen, aber zur selben Zeit kommen so viele Bands raus, die von den Plattenfirmen aufs Kreuz gelegt werden. Das, worum es in der Musikindustrie hauptsächlich geht, ist ,dass alle mehr Geld machen als die Leute, die Musik erschaffen. Das Internet hat es für die Bands, was das angeht, besser und schlechter gemacht. Es ist einfacher, Leute auf deine Band aufmerksam zu machen, aber du verkaufst auch weniger Alben, wodurch du wiederum eher vom Label verarscht wirst. Zum Glück sind wir nicht mehr in der Situation, da wir schon vor Sachen wie Myspace da waren.
Matt: Ja, als wir angefangen haben gab es noch Friendster. Das war zu meiner Zeit erfolgreich.
Kris: Alles verändert sich. Die Labels verlieren soviel Geld, dass die Bands immer weniger kriegen. Vor allem, wenn Leute kostenlos Sachen runterladen, kriegen die Bands fast nichts mehr. Ich werde jetzt nicht hier sitzen und sagen, dass jeder der Musik runterlädt schlecht ist, denn wie jeder andere auch habe ich es zu meiner Zeit auch getan. Es sollte aber eine gesunde Balance geben. Wenn du eine Band wirklich gut findest, kauf ihre Alben. Wenn du sie nur magst aber nicht liebst, geh zu ihren Konzerten. Die Balance ist wichtig, denn ansonsten werden einige Bands nicht in der Lage sein, neue Alben aufzunehmen.
Dosenmusik: Wie steht ihr zu der Geschwindigkeit, mit der Bands durch Seiten wie Myspace auftauchen aber auch wieder verschwinden?
Kris: Das ist sozusagen Wegwerf-Musik.
Matt: Musik ist in der Gefahr, ein entbehrliches und entsorgbares Medium zu werden. Vorbei bzw. auf dem Abzug sind die Tage, in denen eine Band zu einer Lieblingsband über Jahre hinweg werden konnte. Das man eine Band hat, der man jahrelang folgt und von denen man jedes Album kauft, ist jetzt nicht mehr der Normalfall. Jetzt gibt es soviel Auswahl, die Plattenfirmen verpflichten so viele Bands, die sie als das Next best Thing verkaufen, um mehr Geld zu machen bzw. einen Teil von dem Geld zurückzukriegen, den sie so verlieren. Die nehmen jeden unter Vertrag der z.B. wie My Chemical Romance klingt, eine Band, die wirklich einen Eindruck hinterlassen hat, in der Hoffnung Geld herauszuholen.
Kris: Das ist meiner Meinung nach ein weiterer Grund, warum wir konstant versuchen uns weiterzuentwickeln und zu verändern, wir können uns nicht auf dem ausruhen was wir bisher gemacht haben. Als wir angefangen haben gab es nicht wirklich viele Bands, die auch nur annähernd wie wir geklungen haben. Jetzt gibt es tausende. Für all die Leute die also Sachen mit Geschrei mögen gibt es genügend Bands, die sie hören können, und wir versuchen den Leuten etwas anderes anzubieten.
Dosenmusik: Welches der Labels, die ihr aufgedrückt bekommt, regt euch eigentlich mehr auf, Emo oder Metal?
Kris: Ich finde es schon lächerlich wenn man drüber nachdenkt, wie können gerade diese beiden Sachen zusammen existieren? Wie kann man zur selben Zeit eine Emo Band und eine Metal Band sein? Der schlimmste verdammte Ausdruck den ich allerdings je gehört habe ist "Extremo".
Matt: Meiner Meinung nach sind Metal- und Punk-Elemente nie wirklich ineinander übergegangen.
Kris: Das was dem am nächsten kommt wäre Hardcore, und selbst das ist keine wirkliche Mischung der beiden Sounds.
Matt: Das ganze ist wirklich ziemlich beunruhigend, ich meine, wir sind keine Emo Band, wir sind keine Hardcore oder Metal Band, wir sind ein bisschen von allem. Es zeigt, denke ich, das was ich vorhin gesagt habe, jeder von uns hat einen sehr eigenen Geschmack, der die Band auf verschiedene Arten beeinflusst, und durch den Funeral for a Friend zustande kommt.
Kris: Außerdem behauptet momentan jeder in einer Rock Band zu sein, darum sind wir eine Roll Band. Wir rollen die Musik.
Matt: Wir sind Angry Nerdcore. Also mir wäre es ganz lieb wenn meine Musik als Angry Nerdcore bezeichnet wird. Ich glaube wir wären die einzige Band in der Kategorie, zusammen mit Weezer.
Kris: Wir sind alle auf unsere Art und Weise Nerds, das stimmt schon. Wir sind alle besessen von irgendwelchen Dingen die uns den Stempel "Nerd" einhandeln würden.
Matt: Tief im inneren ist jeder ein Nerd. Jeder sollte zu dem Nerd in sich stehen.
Kris: Das stimmt, stell dir jemanden vor der alles über Football weiß, was es zu wissen gibt, dann ist derjenige ein verdammter Nerd. Wenn man alles über etwas weiß ist man ein Nerd, das ist es worum es geht, nicht darum, ob man gut in Naturwissenschaft war. Denn wenn ich darüber nachdenke, von uns war keiner gut in Naturwissenschaften. Aber trotzdem sind wir Nerds.
Dosenmusik: Matt, du hast gerade noch mal die verschiedenen Musikgeschmäcker innerhalb der Band angesprochen, war das der Grund für dich, dein Nebenprojekt "The Secret Show" zu starten?
Matt: Ja, ich schätze mit Funeral for a Friend könnte ich nie Countrymusik machen.
Kris: Sag niemals nie! (lacht)
Matt: Na gut, ich gebe zu das es zwei Songs gibt, die wir aufgenommen haben, die einen leichten Country Einschlag haben. Einer hat es aber nicht aufs Album geschafft.
Kris: Moment, welcher Song mit Country Einschlag hat es denn aufs Album geschafft?
Matt: Naja, meine Vocals bei "One for the Road" sind schon ziemlich countrymäßig. Mir haben auch ziemlich viele Leute gesagt, dass sie die Einflüsse da raus hören, es ihnen aber gefällt, also ist alles in Ordnung. Es ist einfach wie mit allen Kreativen Dingen gewesen, ich habe ziemlich viele Ideen , die mir im Kopf rumschwirren, und mag halt sehr unterschiedliche Arten von Musik, und ich habe mich irgendwann dazu durchgerungen etwas in der Richtung aufzunehmen. Eigentlich war es eine Art von Just for Fun, nichts mehr, nichts weniger. Es tat auch gut etwas zu tun, was genau das Gegenteil von dem war, was Funeral zu dem Zeitpunkt getan haben. Es hat mir den kreativen Freiraum gegeben Countrymusik zu machen, ohne dafür komisch angeguckt zu werden. Okay, ich wurde trotzdem komisch angeguckt, ich meine, Countrymusik? Viele Kids, die zu den Shows gekommen sind haben ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt, nach dem Motto "Was zum Teufel tut der da?" die waren ziemlich überrascht, dabei gab es keine Zweifel darüber was für Musik wir gemacht haben, wenn man sich unser Myspace angeguckt hat.
Kris: Auf unserem neuen Album haben wir jetzt auch ein 28teiliges Orchester, das dürfte die Leute auch verwundert haben.
Dosenmusik: Gibt es, nachdem ihr mit einer Band wie Iron Maiden auf Tour wart, in dieser Richtung noch irgendwas, das euch Angst machen kann?
Matt: Nein.
Kris: Oh nein, aber es gab etwas wesentlich schlimmeres als die Tour mit Iron Maiden, und das war auf dem Fury Fest aufzutreten.
Matt: Na, wenigstens haben die Leute nicht unser gesamtes Set lang nach Maiden gerufen.
Kris: Nein, dafür sind knapp 5000 Leute einfach rausgegangen! Das Fury Fest ist ein Deathmetal Fest in Frankreich, für das man uns aus Versehen gebucht hat. Ich hatte glaube ich noch so viel Angst davor irgendwo aufzutreten.
Matt: Ich glaube wir sind auf der falschen Bühne aufgetreten.
Kris: Ich glaube wir sind auf dem falschen Festival aufgetreten! Als wir das Line-up gesehen haben bestand noch die Hoffnung auf der selben Bühne aufzutreten wie Walls of Jericho, wir sind aber letztendlich zwischen "Skinless" und "Die and feed us" aufgetreten. Das sind echt nette Kerle, aber das Publikum hat uns glaube ich nicht wirklich verstanden.
Matt: Absolut nicht. Sie sind aber nicht alle rausgegangen, einige sind schon geblieben und haben auch nichts nach uns geworfen. Auf der Maiden Tour sind wir beworfen worden, aber auch nichts dramatisches, keine Leichen oder irgendwas in der Art.
Kris: Ich glaube am schlimmsten ist es bei so was im UK, in Deutschland drehen die Leute dir einfach den Rücken zu, was auch interessant ist. Aber es ist mir lieber das sich die Leute umdrehen anstatt Sachen nach uns schmeißen.
Matt: Wann war noch mal die Geschichte mit dem Joghurt, vor zwei, drei Jahren?
Kris: Ohja. Die haben einen Joghurt nach mir geschmissen. Ich weiß nicht ob extra auf mich oder generell in Richtung der Band, aber wahrscheinlich mochte die Person mich einfach nicht sonderlich. Ich meine, was für eine Marketing Idee ist es überhaupt Joghurt auf Festivals im Sommer auszuteilen? Oder irgendwelche Milchprodukte? Egal, jedenfalls flog dieser abgestandene, warme Joghurt direkt auf meine Gitarre, ist geplatzt und heute, drei Jahre später klebt er immer noch in einigen Ecken aus denen ich ihn nicht rausbekommen habe. Son of a bitch, wenn ich je herausfinde wer du bist…
Dosenmusik: Was steht für euch als nächstes an?
Matt: Touren....sehr viel touren.
Kris: Die Europa Tour geht bald zuende, aber wir sind an sehr viele Orte gekommen an denen wir noch nicht waren. Wir werden bald noch in Prag und Russland aufgetreten, und in Luxemburg.
Matt: Naja, das kann man aber kaum ein Land nennen, da bin ich mal in etwa einer Stunde komplett durchgefahren! Aber nach dieser Tour haben wir erst mal wieder einen Monat frei, das wird sicher gut.
Kris: In der Zeit können wir uns dann wieder daran erinnern das wir Familien und ein eigenes Leben haben, und doch keine Maschinen sind. Wir sind gewissermaßen Tour- Maschinen. Darauf folgt nämlich eine zugepackte UK Tour die bis Weihnachten geht, und im neuen Jahr geht's dann auch wieder los!
Dosenmusik: Dann wünsche ich euch viel Spaß heute Abend und bedanke mich für das Interview.
Kris: Nichts zu danken, wir danken dir!

Matt Davies - Vocals
Kris Roberts - Guitar
Darren Smith - Guitar
Gareth Davies - Bass,backing Vocals
Ryan Richards - Drums,Shouter

www.ffaf.co.uk

Autor: Jerseydevil | 17.10.2007
Dosenmusik : der neue Shop
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