Interview mit From Monument To Masses
Interview mit Matthew Solberg Ideen und Ideale
From Monument To Masses Dosenmusik: Hallo! Zu Beginn stell Dich und Deine Band kurz vor!
Matthew: Hi! Ich bin Matthew Solberg. Ich spiele Gitarre und bin verantwortlich für die Samples bei From Monument To Masses. Francis Choung ist unser Drummer, daneben spielt er noch das Midi-Keyboard und den Drum-Synthesizer und er programmiert die Begleitung auf dem Laptop. Sergio Robledo Maderazo spielt Bass, dazu ebenfalls Synthesizer und er zeichnet sich wie ich verantwortlich für die Samples. Wenn wir Vocals brauchen, wechseln wir uns mit dem Singen ab. Wir arbeiten als Kollektiv, um gemeinsam unsere Konzepte zu entwickeln und Musik zu machen.
Dosenmusik: Kannst Du uns einen Umriss eurer Band-Historie geben?
Matthew: Wir haben uns Ende 2000 in San Francisco getroffen. Ich hab Francis online kennengelernt. Er und Sergio kannten sich seit dem Studium in Santa Barbara. Beide sind in Süd-Kalifornien aufgewachsen. Ich stamme aus Omaha, Nebraska, hab dann einige Jahre in Chicago gelebt und bin anschließend nach San Francisco gezogen. Die Band bestand abgesehen von ein paar Remix-Projekten immer nur aus uns drei. Allerdings mussten wir bei der letzten US-Promo-Tour für unser Album „On Little Known Frequencies“ mit Dredg acht Shows mit einem Ersatz-Drummer spielen – Eric Kuhn, ein Freund von uns, der normalerweise in Silian Rail und Buit For The Sea Schlagzeug spielt.
Dosenmusik: Ist From Monument To Masses ein Vollzeit-Job oder müsst ihr euren Lebensunterhalt neben der Musik verdienen?
Matthew: Als Indie-Band hat man es grundsätzlich schwer. Aber so wie ich gehört habe, ist es für viele Bands auf Major Labels nicht einfacher, denn wenn es nicht gut läuft, schuldet man seiner Plattenfirma über kurz oder lang Geld. Wir alle fokussieren uns primär auf unsere Berufe – ich bin Vorarbeiter eines Bauunternehmens, Francis ist ein Videoregisseur und Editor und Sergio ist High School Lehrer – dann erst kommt die Musik.
Dosenmusik: Vielleicht seid ihr ja doch irgendwann so bekannt, dass ihr bei den Simpsons auftretet, immerhin habt ihr euch für MySpace simpsonisiert.
Matthew: Das war nur ein Spaß. Und alle lieben die Simpsons!
Dosenmusik: Was bedeutet euer Bandname?
Matthew: From Monument To Masses bezeichnet den Wechsel im Lern- und Verständnisprozess von Leben und Geschichte. Uns wird beigebracht, das sich Geschichte vorwärts bewegt. „Große Männer“, normalerweise „große weiße Männer“ haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Man sagt, dass diese „monumentalen“ Leute die Geschichte bestimmt haben, aber in Wahrheit wird Geschichte geschrieben von „Massen“ von Menschen, die sich aufgrund der Umstände oder für ein gemeinsames Ziel vereint haben. Wenn die Macht von einer auf eine andere Person übergeht, dann liegt das nicht daran, dass ein Mensch das verlangt hat, sondern weil Millionen von Menschen für eine Sache eingestanden sind. Genauso kann der Fortschritt in den Menschenrechten nicht nur einer Person wie Martin Kuther King Jr. Zugeschrieben werden. Man muss die Gruppen von Menschen, die Organisationen erkennen, welche die notwendige Arbeit gemacht haben, um diesen Wortführer den Weg zu bereiten. Wir wollen, dass Geschichte aus der Perspektive der Menschen erzählt wird, und zwar ab sofort und für immer.
Dosenmusik: Ihr seid eine politisch aktive Band. Falls es Dir möglich ist, kannst Du versuchen, uns eure Ideale und Ideen zu vermitteln?
Matthew: Wir versuchen, eine anti-imperialistische, dritte Welt Perspektive in unserer Musik zu vermitteln. Das bedeutet wir betrachten Macht im kleinen lokalen und im großen internationalen Rahmen. Letztlich geht es uns darum, die Ausbeutung der dritten Welt durch die Industriestaaten und deren Unterdrückung zu beenden. Mit der dritten Welt meine ich nicht nur die unterentwickelten Länder, sondern arme und minderprivilegierte Menschen überall. Menschen, die mit dritte Welt Zuständen zu kämpfen haben, mit zweite Klasse Nationalität oder mit dem vollständigen Fehlen von Bürgerschaft in der ersten Welt – „im Bauch der Bestie“! Wir vermitteln mit unserer Musik dieses Denken. Die Idee ist, den Hörern nicht zu sagen, was sie denken sollen, sondern ihnen diese Dinge näher zu bringen. Wir hoffen, dass die Hörer dann ein Interesse dafür entwickeln und selbst anfangen, die Punkte miteinander zu verbinden. Ganz grundsätzlich wollen wir die Leute inspirieren, frei zu sein und zu leben.
Dosenmusik: Wie transportiert ihr eure Message im Rahmen von Konzerten?
Matthew: Wir arbeiten immer noch daran, das zu verbessern. Eigentlich gehen wir auf die Bühne und spielen unsere Songs so gut wir können – sicher stellen, dass alle Elemente der Musik für jeden zu hören sind. Wir nehmen uns auch Zeit, um vor und nach einer Show mit dem Publikum zu sprechen. Uns interessiert, was in ihrem Leben passiert und welche Dinge ihnen wichtig sind - und natürlich um herauszufinden, wie sie auf unsere Musik reagiert haben.
Dosenmusik: Glaubst Du, eure Ideen können jedem Publikum gleichermaßen – egal welche Nationaltät – vermittelt werden?
Matthew: Auf keinen Fall. Wir machen uns nicht vor, diese Indie-Rock Szene wäre für jeden gleich zugänglich. Es ist ein kulturelles Ventil für viele. Obwohl es uns sehr wichtig ist, viele Stimmen miteinzubeziehen, um die Unterrepräsentierten zu repräsentieren und einer Kultur des Widerstands beizutragen, ist Post-Rock immer noch ein Stil, der außerhalb unserer Nische kaum wahrgenommen wird. Es gibt viele Reaktionen auf unsere Ideen und diese scheinen vom Land und von den Einwohnern abzuhängen und viel mehr noch von der sozialen und ökonomischen Geschichte eines Landes. Natürlich sind wir in Deutschland in heftige Diskussionen verwickelt gewesen über die Situation in Palästina – Deutschland ist diesbezüglich sehr geteilt und somit ist auch unser Publikum geteilt. Die zionistisch geprägten Leute tendieren dazu, sich nicht unseren Ideen zu diesem Thema zu öffnen.
Dosenmusik: Versucht ihr euch dann anzupassen?
Matthew: Nein. Anpassung wäre wenn überhaupt nur eine Gefälligkeit und eine unnötige dazu. Wir können nicht ändern, wer wir sind und wo wir herkommen. Dies ist ja auch zu großen Teilen die Grundlage unseres politischen Denkens. Wir versuchen soviel wie möglich über die Leute, die Politik und das System der Länder zu lernen, die wir besuchen. Dabei konzentrieren wir uns eher auf die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede.
Dosenmusik: Nutzt ihr andere Mittel und Weg, eure Vorstellungen zu demonstrieren, zum Beispiel als Mitglieder von Organisationen?
Matthew: Ja, wir waren alle in den letzten Jahren bei mehreren Organisationen involviert, aber das ist weniger ein Weg, eigene Ideen zu präsentieren, sondern mehr eine direkte Reaktion auf die Bedürfnisse der Gesellschaft oder die Verantwortung, sich einer anderen Gemeinschaft gegenüber solidarisch zu zeigen. Unsere Ideale spiegeln sich am ehesten in der Musik und in anderen kreativen Ausdrucksformen wider.
Dosenmusik: Wie kommt ihr eigentlich damit zurecht, dass ein Teil eurer Band an der West- und der andere Teil an der Ost-Küste befindet?
Matthew: Als Francis ankündigte, in das 3000 Meilen entfernte New York zu ziehen, hatten wir Angst, dass sich die Band auflöst. Doch wir haben schnell festgestellt, dass wir tatsächlich diese lange Distanz bevorzugen und sehr gern mit digitalen Werkzeugen arbeiten. Es passt einfach gut zu uns. Das hat auch unser Songwriting beeinflusst, aber auf eine gute Art und Weise. Schließlich ist dieser Zustand auch ein Grund, produktiv und effizient zu sein. Tourneen sind dadurch auch eher kurz, aber sehr intensiv und machen unglaublich viel Spaß.
Dosenmusik: Ok, danke schon mal soweit, Lust auf ein bisschen Trivia zum Abschluss? Welches Album hast Du Dir zuletzt gekauft?
Matthew: Faraquet's Anthology of EPs & Singles.
Dosenmusik: Was ist die beste Show, bei der Du als Gast warst?
Matthew: Del Ray in meinem Lager in Oakland vor gerade mal einem Dutzend Besuchern. Fucking genius!
Dosenmusik: Hast Du ein paar musikalische „guilty pleasures“?
Matthew: Oh, viele! 80s Hair Metal, besonders Manowar. Sergio hört tatsächlich Charts. Manchmal ist da auch für mich was cooles dabei.
Dosenmusik: Welches Buch hast Du zuletzt gelesen?
Matthew: „Written On The Body“ von Jeanette Winterson.
Dosenmusik: Was war der letzte Film, den Du gesehen hast?
Matthew: „Magic Of The Universe“, Teil einer DVD-Reihe mit dem Titel „Eastern Horror“. Hab ich an einem Truck Stop gekauft für 3,33 Dollar.
Dosenmusik: Habt Ihr Interesse, einen Film Soundtrack zu machen?
Matthew: Ja, das wollten wir schon immer machen!
Dosenmusik: Für welchen Regisseur?
Matthew: Persönlich würde ich Darren Aronofsky wählen. Aus politischer Sicht wäre es ein Film von Ken Loach, aber seine Geschichten passen nicht gut zu Rock-Musik. Eigentlich würden wir mit jedem arbeiten, Hauptsache ein Soundtrack.
Dosenmusik: Das beschließt dieses Interview. Vielen Dank und alles Gute für die Zukunft!

From Monument To Masses

Matthew Solberg - guitar, loops
Sergio Robledo-Maderazo - bass, keys, samples
Francis Choung - drums, keys, programming

www.monument-masses.com

Autor: coney (Simon Damm) | 07.07.2009
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