Interview mit Fotos
Interview mit Frieder und Deniz am 06.11.2006 im Cocoon Club in Frankfurt Der goldene Ringelpulli, ja. Der goldene Seitenscheitel!
Fotos Cocoon Club Frankfurt, Montag, der 6. November. Die Fotos kommen wegen Zugproblemen ihres Mischers viel zu spät in Frankfurt an. Schnell noch den Soundcheck hingelegt - und schon öffnen sich die Club-Türen. Dennoch schieben die Jungs keinen Stress. Während Sänger Tom und Schlagzeuger Beppo für die hr3-Rocklounge vor der Kamera posieren, stehen Bassist Frieder und Gitarrist Deniz völlig entspannt, nett und locker Dosenmusik Rede und Antwort.

Dosenmusik: Wuppertal, Köln usw. - da liegen eure Wurzeln. Im Pressetext eures Plattenlabels steht nur "ihr habt euch gefunden". Wie war das wirklich?
Frieder: Das ist eigentlich ganz einfach. Wir haben uns in Hamburg, wo Tom und ich wohnen und das du bisher ausgelassen hast, gefunden. Da haben Tom, Beppo und ich beim so genannten Kontaktstudiengang Popularmusik an der Musikhochschule teilgenommen und uns kennengelernt. Es war noch ein anderer Gitarrist dabei, der mit uns am Anfang gespielt hat. Der hat uns aber verlassen, um sich - sag ich mal - seinem eigenen Projekt zu widmen. Er hat uns aber netterweise in Köln beim Saufen Deniz vorgestellt. Tja, und jetzt ist Deniz unser Gitarrist.
Dosenmusik: Bessere Wahl als euer alter Gitarrist?
Frieder: Also es ist perfekt. Keine Ahnung, wie das mit einem Anderen gewesen wäre. Es ist super. Wir sind auf jeden Fall sehr glücklich. Deniz, was meinst du?
Deniz: Ich habe mich auch in einem mehrtägigen, langwierigen Casting qualifiziert. Ich musste viele Schritte durchlaufen - sowohl gitarristisch, als auch privat.
Frieder: Als auch artistisch. Wir sind da nicht so anspruchslos, ne? Also wir haben da so einen schönen Parcours für ihn aufgestellt und zwanzig Mann sind losgerannt und am Schluss, blutüberströmt, verschwitzt...
Deniz: Also eigentlich habe ich nur gewonnen, weil ich so'n paar Handtricks kann, oder? So'n paar Zaubertricks mit den Fingern.
Frieder: Genau. Wir waren eigentlich schon ganz schön gelangweilt an dem Tag. Und da kam Deniz an und hat uns super unterhalten. Wir haben gedacht, verflixt, der kann ein paar lustige Zaubertricks, da ist es sicher immer lustig im Tourbus mit ihm. Und es hat sich als total wahr herausgestellt.
Dosenmusik: Wohnt ihr eigentlich mittlerweile zusammen? Ein gemeinsamer Wohnsitz, damit es sich besser künstlerisch arbeiten lässt?
Deniz: Nein. Wir wohnen tatsächlich noch alle verstreut. Die eine Hälfte, Frieder und Tom, in Hamburg und die andere Hälfte, Beppo und ich, wir wohnen im Rheinland bzw. im Bergischen Land, Wuppertal und Köln. Und das bleibt auch noch die nächsten Monate so - Jahre weiß man nicht. Und es funktioniert auch irgendwie. Man fährt einfach viel rum. Ich habe mittlerweile den Respekt vor langen Distanzen komplett verloren. Von Köln nach Hamburg in vier Stunden mit dem Auto oder Zug ist kein Problem. Für ein Wochenende kann man das schon machen.
Frieder: Und spätestens jetzt, wo wir auf Tour sind, ist es eigentlich egal. Da setzt man sich einmal in den Tourbus und fährt einen Monat durch die Gegend und es ist wurscht, wo die Leute herkommen.
Dosenmusik: Aber für's neue Album wäre es doch viel praktischer...
Frieder: Ja, für's neue Album - es ist immer komisch, über's neue Album zu reden, wenn wir gerade für das erste Album, das erst erschienen ist, auf Tour gehen. Aber für's neue Album haben wir uns vorgenommen, uns erstmal drei, vier Wochen in ein Haus in den Dünen zu vergraben - keine Ahnung, ob das dann wirklich so aussieht - und da Ideen auszutauschen und zu gucken, was so rauskommt. Klar, wir sind dann natürlich wieder in unterschiedlichen Städten, aber das ist glaube ich kein Problem. Wir werden nächstes Jahr auch wieder so viele Konzerte spielen, dass wir eh zusammen sind. Dann können wir auch in irgendeiner Stadt, die gerade in der Nähe ist, proben.
Dosenmusik: Schon bevor ihr als Band überhaupt großartig in Erscheinung getreten seid, bevor irgendjemand von den Leuten draußen auch nur einen Fetzen eurer Musik gehört hat, wurde in den dunklen Ecken des Musik-Biz getuschelt, dass es da eine ziemlich junge, neue Band gäbe, die bald Unruhe und Begeisterung stiften wird - wie es eure Plattenfirma so schön schreibt. War das alles nur ein riesiger Marketing-Gag, um auf euch aufmerksam zu machen oder ist da was Wahres dran?
Deniz: Marketing-Gag ist ehrlich gesagt gar nichts, was diese Band betrifft. Ich weiß nicht, vielleicht bezieht sich das darauf, dass alles einfach relativ schnell ging. Wir haben uns in dieser Konstellation vor einem knappen Jahr kennengelernt. In der Zeit ist das Album aufgenommen worden. In der Zeit ist der Kontakt zur Plattenfirma zustande gekommen und die ersten Support-Gigs und so weiter. Alles ist innerhalb eines Jahres, eigentlich noch innerhalb von vielleicht zehn Monaten entstanden. Das ist ja schon irgendwie ziemlich schnell. Wir wussten halt sofort, mit wem wir was zusammen machen wollen und mit wem nicht und was wir wollen und was wir nicht wollen. Und irgendwie hat da glücklicherweise auch von Anfang an jede Hand ineinander gegriffen. Aber ich meine, im Endeffekt ist es so, dass wir jetzt zum ersten Mal auf Tour gehen, zum ersten Mal vor ein paar Leuten spielen, die vielleicht wegen uns kommen. Jetzt am Freitag ist unser erstes Konzert alleine. Bis dahin prallt das eigentlich ziemlich an uns ab. Es ist halt alles so wenig greifbar. Wir sind einfach ein wenig in der Presse aufgetaucht, was uns sehr freut. Aber wer jetzt im Endeffekt vielleicht "Fan" wird oder ist, das wissen wir noch nicht so genau.
Frieder: Mir ist dazu noch Folgendes eingefallen: Wir haben die Platte ja in Eigenregie aufgenommen, mit Berend Intelmann zusammen, den wir davor kannten, als wir noch keinen Plattenvertrag hatten. Und ich glaube, so ein Teil dieses Mythos - ich glaube, du hast das Wort Mythos verwendet? Komisches Wort; warum Mythos? Fotos (lacht wegen dem Reim), nein. Ein Teil hat damit zu tun, dass Tom, unser Sänger, und eben Berend, der Produzent, als die Platte aufgenommen war und wir erste grobe Mischungen hatten, zu Plattenfirmen gegangen sind. Und plötzlich hatten wir die Situation, dass verschiedene Plattenfirmen interessiert waren. Die Branche ist ja eigentlich sehr klein. Klar, dass dann alle Leute irgendwie wussten, aha Fotos, ihr seid Fotos. Obwohl wir eigentlich überhaupt nicht bekannt waren. Ich glaube, daher kommt das.
Dosenmusik: Madsen haben es mit ihrem zweiten Album "Goodbye Logik" ja irgendwie verfehlt, den Titel der Deutschen Indie-Rockstars abzuräumen. Ihr werdet als heiße Kandidaten für den Titel gehandelt...
Frieder: Kann man dafür gewählt werden? Wann findet die Wahl statt? (lacht)
Deniz: Kann man da seinen Verwandten irgendwie Bescheid sagen...
Frieder: Ja, wir müssen mal kurz los. Und ich glaube, wir müssen kurz einen Newsletter rumschicken. Wo kann man abstimmen? Und wie war der Titel noch mal?
Dosenmusik: Indie-Rockstars von Deutschland...
Frieder: Und wir sind jetzt Anwärter dafür? mmh...
Deniz: Geil. Das gibt bestimmt einen geilen Preis. So einen goldenen Ringelpulli oder so.
Frieder: (lacht) Der goldene Ringelpulli, ja. Der goldene Seitenscheitel!
Dosenmusik: Seht ihr euch selbst so?
Frieder: Quatsch. Also das kann man selber auch überhaupt nicht machen. Wenn das irgendjemand behauptet, dann ist das interessant und mitunter belustigend - aaaber sonst ist man am Schluss Napoleon, der sagt, ich setze mir die Krone selber auf und erkläre mich zum Kaiser. Und wie das ausgegangen ist, das wissen wir. Der ist auf einer einsamen Insel einsam gestorben. Das wollen wir nicht. Also lassen wir den Quatsch sein.
Dosenmusik: Mir kommt es ein bisschen so vor, als würde die Plattenfirma versuchen, euch dem Indiepoprock-Hype verfallenen Publikum schmackhaft zu machen. Bedeutet: In den ersten zig Reihen bei euren Konzerten werden kreischende Teenie-Mädels stehen. Traum oder Alptraum?
Deniz: Also weiß ich nicht. So wie du das gerade beschreibst, nehmen wir das nicht wahr. Zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Und was dieses von der Plattenfirma in eine Ecke gedrückt werden angeht: Es ist tatsächlich so - obwohl das von jeder Band immer so plakativ genannt wird - dass einfach alles so passiert ist, wie es halt passiert ist. Wir wurden auch immer nur so dargestellt, wie wir auch sind. Zum Beispiel die Platte. Die ist in zehn Tagen live eingespielt worden. Da ist auch nicht viel gekünstelt, Overdub-mäßig verändert oder in irgendeine Richtung produziert worden. Das Album war ja - wie Frieder schon sagte - auch fertig, bevor irgendein Kontakt zu einer Plattenfirma da war. Zum Zweiten die ganze Öffentlichkeitsarbeit, was das Bild von Fotos nach außen angeht: Bei jeder Foto-Session war weder ein Make-Up-Typ da, noch haben wir uns ein Konzept überlegt. Wir haben einfach Quatsch vor der Kamera gemacht und es wurde abgedrückt. Und irgendwie ist alles einfach so passiert, wie wir so sind und wie wir das wollten.
Frieder: Ich glaube, das hat sich für uns auch total bewährt, oder? Das würde sich komisch anfühlen, wenn sich jemand ein Konzept ausdenkt und dann sagen würde, hey, ihr seid doch die und die und der und der. Und du bist doch der und der Typ - nee. Ich muss jetzt mal ganz kurz die 15-jährigen Mädels ansprechen, die natürlich auch bei Konzerten hier mit Phoenix da waren. Und sicher nicht wegen uns, weil der Eintritt kostet ja 25 Euro und wir sind nicht an einem Punkt, wo irgendjemand 25 Euro für ein Fotos-Konzert zahlen würde.
Dosenmusik: Ihr unterschätzt vielleicht die kleinen Mädels...
Frieder: Ja, aber vielleicht überschätzt du ihren Geldbeutel. Das haben sie doch alles schon für Handy-Klingeltöne ausgegeben (lacht). Nein, keine Ahnung, aber das ist tatsächlich auffällig, dass die auch bei Phoenix bevorzugt in den ersten Reihen stehen, wenn sie da sind. Es sind ja relativ Wenige. Aber die 15-jährigen Mädels - okay, Pubertät und meinetwegen übertriebene Idolisierung - die sind extrem begeisterungsfähig. Was man dem deutschen gitarrenmusikinteressierten Publikum nun wirklich nicht nachsagen kann. Und das finde ich total erfrischend. Das heißt, wenn ich nicht plötzlich nur vor einer - in Anführungszeichen - "Teenie-Horde" spiele, finde ich das überhaupt gar nicht schlimm.
Dosenmusik: Denkt ihr, ihr werdet als Vorgruppe von Phoenix unter deren Publikum neue Fans für euch rekrutieren können? Überschneidet sich das irgendwie?
Deniz: Wir haben jetzt ja schon vier Konzerte mit Phoenix gespielt. Das heute Abend hier in Frankfurt ist das Fünfte. Wir haben uns das auch gefragt, wie das Publikum von Phoenix aussieht. Und es ist tatsächlich im Schnitt älter, als ich gedacht hätte. Aber absolut musikinteressiert. Das merkt man echt nicht oft bei Vorbands. Ich gehe auch oft auf Konzerte und merke das selber, dass man einfach auf eine Vorband keine Lust hat oder das man gar nicht richtig zuhört, noch gar nicht da ist, an der Bar steht und Bier kauft und sich einen Platz sucht. Irgendwie war das Publikum in den letzten Tagen erstaunlich aufmerksam, hat echt zugehört...
Frieder: Ja Moment, 'tschuldigung, also das wissen wir auch zu verhindern!
Deniz: Ja. Jaaa, wir haben natürlich auch Vollgas gegeben. (Frieder lacht im Hintergrund) Aber es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man zumindest weiß, dass Leute zuhören und dann vielleicht auch Zwei, Drei klatschen. Drei Leute haben auch getanzt, insgesamt.
Frieder: Ja, das waren wieder die 15-jährigen Mädels.
Dosenmusik: Wie kam es überhaupt dazu, dass ihr euch den Platz als Vorgruppe von Phoenix angeln konntet?
Frieder: Vorab: Phoenix sind in Deutschland bei der gleichen Plattenfirma wie wir. Da war es so, dass unsere Plattenfirma die Idee in den Raum gestellt und gemeint hat, Phoenix würde auf Tour kommen. Die wären eine Band, mit der man sehr angenehm auf Tour gehen kann. Weil sie super Publikum anziehen - das Musikinteressierte - und weil sie außerdem wahnsinnig sympathisch sind. Genau diese Kombination: extrem wahnsinnige Band, tolle Musik und unfassbar nette Typen - wie wir jetzt auch festgestellt haben. Nachdem die Plattenfirma das angeregt hatte, kam es dazu, dass Phoenix Teilen von uns auf dem Melt-Festival vorgestellt wurden. Dann haben sie sich unsere Musik angehört. Das machen die tatsächlich noch, dass sie sagen, okay, Vorband, nehmen wir gerne mit, aber wir würden gerne davor die Musik hören. Das haben sie dann auch gemacht. Sich auf myspace die drei Songs angehört und dann gesagt, jo, haben wir Lust drauf, nehmen wir mit.
Dosenmusik: Ein Glücksfall...
Frieder: Ja, da sind wir natürlich sehr geschmeichelt. Deniz muss was dazu sagen, er ist nämlich der größte Phoenix-Fan von uns...
Deniz: Bin ich der größte Phoenix-Fan von uns? Ich bin auf jeden Fall groooßer Phoenix-Fan, ja. Ich weiß nicht, wann das feststand, dass wir mit Phoenix im Herbst auf Tour gehen können. Das ist jetzt glaube ich drei, vier Monate her. Seitdem habe ich auf jeden Fall wenig geschlafen und wenig gegessen.
Dosenmusik: Ihr macht Musik zum Tanzen, sagt ihr selbst. Tanzt ihr in der Disse auch selbst oder markiert ihr eher die coolen Betrachter am Seitenrand?
Deniz: Wir gehen ja nicht so...
Frieder: Rede mal für dich.
Deniz: Okay, ich rede mal für mich. Ich bin sowohl als auch. Also ich stehe gerne rum und gucke Leuten beim Tanzen zu. Ich tanze aber auch, auf jeden Fall.
Frieder: Ja, würde ich auch sagen...
Deniz: Frieder ist ein begnadeter Tänzer.
Frieder: Ich bin ein... ouh ja, gerne Salsa, Merengue (lacht). Nein. Als alter Grunge-Fan habe ich angefangen zu untanzbarer Musik zu tanzen und jetzt gibt es tanzbare Musik mit Gitarren - da tanze ich noch viel lieber dazu.
Dosenmusik: Texte seien für euch nicht so wichtig...
Frieder: Äh, Moment, das ist abgedruckt in einem Interview worden, das war ein totales Missverständnis. Sehr schön, dass wir das hier klarstellen können. Tom, unser Sänger, schreibt die Texte, der kann das jetzt nicht geraderücken. Das Missverständnis ist folgendermaßen abgelaufen: Tom beginnt mit Musikideen. Das heißt er bastelt, von mir aus, eine Schlagzeug-Loop und fängt dann an, mit der Gitarre drüber zu spielen. Anschließend schreibt er auf die musikalische Idee einen Text. Die Musik ist also als Erstes da. Daher rührt das Missverständnis. Er meinte irgendwie, zu dem Stadium ist der Text erstmal nicht wichtig. Da setzt er sich zunächst an die Musik. Und plötzlich haben wir in dem Interview gelesen - ich glaube sogar wiederholt - Texte sind nicht wichtig. Also das ist totaler Quatsch. Texte sind sehr wichtig, aber sie stehen nicht am Anfang des Songwritings.
Dosenmusik: Ach so. Weil gerade wegen euren Texten mögen euch die Leute ja auch so...
Frieder: Also ich finde die Texte - auch wenn ich sie nicht geschrieben habe - super. Sie sind auf jeden Fall ein sehr zentraler Punkt.
Dosenmusik: Tom hat dieses Album quasi in Eigenregie geschrieben. Stimmt das?
Frieder: Ja, er hat quasi die Blaupausen am Computer geschrieben und die waren teilweise ziemlich elektronisch. Er ist riesen Daft Punk-Fan und hat eigentlich einen sehr diskoiden Hintergrund. Und plötzlich standen wir mit zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug im Raum und haben uns überlegt: Mmh, okay, und wie soll das jetzt auf CD sein? Wir wussten, dass wir die CD in einem kurzen Zeitraum aufnehmen werden, da wir kein Budget hatten und somit wenig Zeit. Da war klar, dass das eine relative Live-Umsetzung werden muss. Also haben wir diese Vorlagen umarrangiert auf Band. Je nach Song merkt man das gar nicht so sehr - im Verhältnis zu der Idee, die Tom am Anfang hatte. Manche Stücke wurden aber total umgekrempelt. Das Album ist jetzt also sehr nah an dem dran, was wir live auf der Bühne spielen. Zusammengefasst: Ja, es ist schon so, dass Tom beim Songwriting am Anfang eine große Rolle spielte.
Dosenmusik: Wird es beim nächsten Mal anders sein? Wollt ihr euch dann mehr mit einbinden?
Frieder: Das ist das Vorhaben. Ich glaube, wir müssen einfach gucken, was sich ergibt, was am Besten funktioniert.
Deniz: Das zweite Album ist ja doch noch in ziemlich weiter Ferne. Aber wir haben zumindest schon mal Pläne, wie wir das Ganze angehen. Dass wir uns einen Monat Zeit nehmen und uns einfach zusammen irgendwo einschließen. Fernab von irgendwelchen äußeren ablenkenden Einflüssen. Und dann wollen wir zusammen schreiben, dass jeder einfach von Anfang an mehr einbringt. So ist der Plan.
Dosenmusik: Der Sänger von Broken Social Scene hat euch ja einmal auf einem Festival gesehen und ihm hat eure Musik total gut gefallen - obwohl er ja gar kein Deutsch spricht. Denkt ihr, mit deutschsprachiger Musik kann man im Ausland auch Erfolg haben - auch ihr? Oder konzentriert ihr euch jetzt mehr auf Deutschland selbst?
Frieder: Das ist komisch. Kevin Drew von Broken Social Scene hat da so eine kleine Tradition gestartet. Wir haben zwei Konzerte vor We are Scientists gespielt, in Hamburg und Berlin. Bei den Konzerten ist eine Gruppe von 20 britischen Teenagern mitgereist. Von denen wollten ungefähr zehn nach dem Konzert eine CD kaufen - die wir zu dem Zeitpunkt nicht hatten. - Noch eine ganz tolle andere Geschichte: Nach dem Berliner Konzert mit We are Scientists kam eine 18-jährige Französin an und meinte, dass sie die Musik toll findet. Und wir so, ja, klar, dankeschön und so, mhmh. Sechs Wochen später hat sie uns über myspace kontaktiert: Wenn ihr in Paris spielen wollt - ich würde mich total freuen, ich organisiere euch ein Konzert. Und wir dachten so, ja, alles klar Mädel, mach mal - und haben geantwortet: machen wir natürlich. Die hat tatsächlich in Paris eine Booking-Agentur aufgetrieben, die für Februar zwei Konzerte organisiert hat. Das heißt, wir spielen am 20. und 22. Februar tatsächlich in Paris! Und jetzt frag uns mal, wie gespannt wir sind, wie wir da ankommen! Nachdem wir nun angesprochen worden sind, ist es tatsächlich so, dass wir mit der Idee total angefixt sind, auch mit deutschen Texten vielleicht ein kleines Publikum im Ausland gewinnen zu können. Aber natürlich ist Deutschland - und Österreich, Schweiz nicht zu vergessen - schon mal erste Priorität.
Dosenmusik: Dann wünsche ich euch ja mal viel Erfolg.
Deniz: Danke.
Dosenmusik: Ja, letzte Frage: Was sind eure hehren Ziele für die Zukunft?
Deniz: Erstmal den November mit Touren hinter uns bringen. Hoffentlich gesund bleiben. Die ersten zwei Grippen haben wir schon hinter uns. Frieder hat die Grippe gleich von Anfang an mit in die Tour reingeschleppt. Tom hat sie übernommen und jetzt ist hoffentlich erstmal Pause. Im Dezember haben wir dann ein bisschen Leerlauf. Ich glaube da sind zwei, drei Konzerte. Silvester zum Beispiel haben wir ein Konzert in Berlin. Am 10. Januar geht's wieder auf Tour bis Ende Februar. Somit sind die nächsten drei, vier Monate so ziemlich verplant mit ganz viel touren, ganz viel spielen. Dann: Album schreiben, Festival-Saison, Tour, zweite Platte. Das ist mein Plan. Und deiner?
Frieder: Ach, Deniz, ich hätte es nicht schöner zusammenfassen können.
Deniz: Ach, vorher noch zerstreiten, auflösen und verklagen.
Frieder: Ach so, das ist natürlich der Alternativ-Plan. Mit der ersten Platte einen Mythos gründen - du hast Mythos gesagt, ich hab's mir nicht ausgedacht - und dann ganz schnell auflösen, genau...
Dosenmusik: Ja, und dann von der Plattenfirma viel Geld bekommen, um sich wieder zusammenzuschließen...
Frieder: Nee, falsch falsch. In so einem Fall ist es eher so, dass du als Band, wenn du deinen Vertrag nicht erfüllst, wahrscheinlich wahnsinnige Konventionalstrafen eingehst. Aber ich würde denjenigen, der das schneidet, bitten, das aus dem Interview zu nehmen (lacht).
Dosenmusik: Dankeschön euch beiden.
Frieder und Deniz: Bitteschön.


www.fotosmusik.com

autor: Martinchen | 06.11.2006
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