Interview mit Folly
E-Mail Interview mit Jon Tumillo am 10.03.2006 über die vergangenen jahre haben wir viele grenzen überschritten
Folly dosenmusik: hallo jon! vielen dank, dass du dir zeit nimmst für dieses interview! wenn man eure letzten beiden alben mit der ersten ep "for my friends" vergleicht, dann fällt einem sofort auf, wie sehr sich eure musik weiterentwickelt hat. in einfachen worten: vom ska-punk zum ska-hardcore! war diese entwicklung ein natürlicher prozess oder habt ihr euren sound mit absicht geändert?
jon: über die vergangenen jahre haben wir viele grenzen überschritten, um dahin zu kommen, wo wir jetzt sind. wir haben niemals gesagt: "oh, let's try to sound like this to fuck with people's brains!" wir haben nie versucht, irgendwas zu machen, es war immer ein resultat unserer vorlieben und immer geprägt durch die musik, mit der wir aufgewachsen sind. wir alle haben unterschiedlich ausgeprägte stile, die wir miteinbringen. über die jahre ist das für uns zu einer art routine geworden, ohne große mühen, alles ganz natürlich.
dosenmusik: wie komponiert man bei folly neue songs?
jon: agim (gitarre) schreibt fast die gesamte musik und zeigt sie dann den anderen jungs, die noch ihre 2 cents dazu beitragen. in der zwischenzeit nehmen wir von den songs einen rough mix auf, den ich mir dann anhöre, um die musik auf mich wirken zu lassen. so nach und nach überlege ich mir dann die passenden lyrics. danach treffen wir uns wieder im studio und arbeiten gemeinsam an den songs, bis sie fertig sind. auf tour an neuen songs zu schreiben ist total verrückt. wir machen alles mit unseren stimmen und händen. wir schreien rum und schlagen auf die sitze. this requires a shit-load of beer! es macht einfach unheimlich viel spaß und wenn wir dann wieder im studio sind, haben wir schon ein paar gute ideen im gepäck.
dosenmusik: wie denkst du dir deine lyrics aus und gibt es themen, die du bevorzugt ansprichst?
jon: ich denke, dass ich wie alle musiker und künstler, die texte schreiben, dinge über sich und ihre umwelt herausfinden wollen. meine themen sind nicht fest definiert. ich schreibe über alles, was mich beschäftigt. auf dem aktuellen album hab ich mich dazu entschlossen, in jedem song eine bestimmte emotion, ein bestimmtes gefühl aufzugreifen. einmal gehts um angst, ein anderes mal um verwirrung usw. es ist eher selten, dass eine bestimmt situation in meinen lyrics auftaucht. eine ausnahme ist ein song über einen guten freund, der seinen bruder bei einem autounfall verloren hat. man schreibt, um den dingen sinn zu geben, die um einen herum passieren.
dosenmusik: ich habe mir die übersetzung des begriffs "folly" rausgesucht und es heißt soviel wie verrücktheit, umheimlichkeit, wahnsinn und irrsinn - alles irgendwie passende bezeichnungen für eure musik. wie seid ihr zu eurem bandnamen gekommen?
jon: wir haben den namen gewählt, ohne vorher genau zu wissen, was er eigentlich alles bedeutet. er kam aus unserem alltäglichen leben - wir sind alle ziemlich bescheuerte und verrückte typen, die sich selbst nicht wirklich ernst nehmen. das passt also schon ganz gut. "folly" = ein kostspieliges unterfangen, das ein absurdes, verderbliches ergebnis zur folge hat"
dosenmusik: ihr hattet mit einigen besetzungswechseln zu kämpfen, seit eurer gründung im jahr 1997. habt ihr immer noch kontakt zu den gründungsmitgliedern?
jon: wir versuchen den kontakt zu so vielen wie möglich zu halten, aber es ist nunmal im leben einfach so, dass viele menschen, die einem wichtig sind oder waren, andere dinge tun und dann in vergessenheit geraten. es hat für mich den anschein, dass es mit der zeit immer schwieriger wird, den kontakt zu halten, sogar zu unseren besten freunden außerhalb der band. wir sehen sie so unregelmäßig, aber das mussten wir eben akzeptieren. converge sagen es am besten: "how we get older, how we forget about each other." we miss our old buds, and we seldom see them, but when we do we really cherish the moments.
dosenmusik: hattet ihr probleme mit euren familien, als ihr euch für diesen lebensstil entschieden habt?
jon: am anfang, besonders wenn wir auf tour gegangen sind, war es schwer für unsere eltern zu akzeptieren, dass diese band kein hobby mehr für uns ist, sondern eher eine lebensart. es ist ein lebensstil, der sehr viele opfer fordert. wie in jedem vollzeit-job muss man eine menge zeit investieren, um die dinge zu tun, die man einfach tun muss, weit weg von seiner familie, seinen freunden und denen, die man liebt. aber über die vergangenen jahre haben unsere eltern realisiert, dass wir eine selbstversorgende tourende band sind, die sich tatsächlich einen namen machen. sie sehen die kids mit unsren bandshirts oder hören, wie man über uns redet. ich denke das ist eine rauhe realität, mitzukriegen wie sein sohn oder seine tochter etwasmacht, wovon andere leute notiz nehmen. jetzt da wir endlich ein paar alte rechnungen begleichen können, glaube ich, dass man mit uns und unserer entscheidung mittlerweile auch zufrieden ist.
dosenmusik: in einem anderen interview habe ich gelesen, dass dein vater selbst musiker war, bevor er dann musiklehrer wurde. hat er dich von anfang an unterstützt?
jon: musik war schon immer ein teil meines lebens, egal ob ich sie gehört oder selbst gespielt habe. als kleiner junge war ich erst drummer, meine brüder haben trompete und saxophon gespielt und meine kleine schwester spielt bis heute trompete. sie ist großartig! mein vater war 35 jahre musiklehrer und er hat sein ganzen leben in bands gespielt. er war in rock bands, hochzeitsbands und momentan ist er in einem brass quintett. was er am meisten bedauert, ist, dass er nie auf tour war. er hatte eben sehr früh die entscheidung getroffen, eine familie zu gründen und musiklehrer zu sein. ich glaube er hat indirekt anteil an meiner aktuellen tätigkeit, da er jetzt im ruhestand und die meiste zeit zuhause ist und seinen sohn beobachtet, wie er sich musikalisch weiter bewegt. musik ist eine art kommunikation zwischen uns und wir brauchen manchmal nichts zu sagen und wissen doch, dass viel vitalität zwischen uns und in uns steckt. meine eltern sind mein rückhalt. sie mussten so viel durchmachen, dass ich diese möglichkeit bekam. sie haben mir das leben geschenkt und ihr leben für mich aufgegeben. sie haben mich immer gestresst, die uni fertig zu machen, was ich letztlich auch tatsächlich getan hab. sie werden immer diejenigen sein, die mich dazu pushen, der beste zu sein und immer hart zu arbeiten. sie sind sehr stolz auf die band und auch sehr dankbar, dass wir das tatsächlich so lange durchziehen.
dosenmusik: habt ihr immer noch "normale" jobs außerhalb der band?
jon: wenn wir von der tour nach hause kommen, haben wir glücklicherweise immer wieder die möglichkeit, in unsere jobs zurückzukehren, um etwas geld nebenher zu machen. arben, agim und ich arbeiten in einer agentur, die zurückgebliebenen erwachsenen pflege und fürsorge anbietet. wir arbeiten in wohnheimen und helfen psychisch beeinträchtigten menschen bei ihrer alltäglichen routine (medizin, hygiene, geld etc.). es ist wirklich ein klasse job - wir arbeiten mit tollen menschen zusammen für eine gute sache. irgendwie ist es eine möglichkeit, unserer community etwas zurück zu geben.
dosenmusik: für "insanity later" hattet ihr einen deal mit triple crown records abgeschlossen. erzähl uns mal etwas über eure zusammenarbeit!
jon: sie haben uns eine chance gegeben, als andere labels kein interesse an uns hatten. kein label konnte sich mit der tatsache vereinbaren, dass wir so viele unterschiedliche genres mixen. man dachte wir sind eine joke-band, die man überhaupt nicht ernst nehmen sollte, but we are not a fucking joke-band! wir schreiben songs, die für uns die welt bedeuten. es war ein total beschissen, den leuten zu vermitteln, dass wir ska spielen. what the fuck, man!? die leute denken, ska ist tot. das ist quatsch! ska ist nur für die leute tot, die nach nach dem neuen, coolen sound suchen. ska ist nicht nur ein musikalischen genre, sondern eine lebensart und eine form sich auszudrücken. zu unserem glück wurde unsere fanbase immer größer je öfter wir konzerte gegeben haben. fred feldman (der eigentümer von triple crown) kam zu einer unserer shows im verprogramm von converge in new jersey. natürlich waren die meisten da, um converge zu sehen, aber er war erstaunt, wie viele kids folly-songs kannten und mitgesungen haben. es ist unser heimat-staat und die kids aus new jersey stehen immer hinter ihren bands. es sind die besten fans der welt. sie tanzen am krassesten und haben die verrückteste zeit. das war alles, was er sehen musste und kurze zeit später hatten wir den deal! seitdem war die zusammenarbeit einfach exzellent. man lässt uns viel freiraum. fred gehts gut, solange wir hart arbeiten, auf tour gehen und weiter das machen, was wir jetzt schon seit jahren machen. wir sind sehr zufrieden mit allem und schulden den leuten bei triple crown eine ganze menge.
dosenmusik: auf "insanity later" habt ihr eine neue version des laten songs "piano player" veröffentlicht. was ist mit "broken", einem der favorites bei uns? werdet ihr den auf das neue album "resist convinience" draufpacken?
jon: wir haben "broken" exra für dieses album nochmal neu aufgenommen. wir wurden von unseren fans so oft gefragt, ob wir es auf ein reguläres album packen, da wir es vorher nur als demo aufgenommen hatten. für die fans haben wir das jetzt gemacht und sinn macht es ja schließlich auch, denn so lang ich mich erinnere, haben wir "broken" immer bei unseren shows gespielt.
dosenmusik: ihr kommt aus new jersey. erzähl mal was über die musikszene eurer heimat!
jon: new jersey ist ein toller ort für musik. es gibt eine million bands, die da ihren usprung haben. es ist schon fast verrückt! dillinger escape plan, thursday, nora, my chemical romance, the banner, senses fail, armor for sleep, the number 12 looks like you... und das ist nur der anfang! nj ist der staat mit der größten bevölkerungsdichte in den usa (usa - 75 menschen pro quadratmeile, nj - 1134)! wie überall wollen die kids raus aus ihren grenzen und spaß haben. sie wollen raus aus ihrem haus, aus ihrer umgebeung und in einer band sein und auf tour gehen etc. wir sind sehr froh, ein teil dieser bewegung zu sein.
dosenmusik: werdet ihr irgendwann auch mal für ein paar konzerte nach deutschland kommen?
jon: das ist eines unserer größten ziele - aus den usa rauszukommen! nach deutschland zu reisen, wäre großartig. ich habe deutsche vorfahren (neben meinen irischen und italienischen wurzeln) und es wäre schon klasse, dem tribut zu zollen. ich glaube, dass wenn wir tatsächlich mal dahin kommen, werden wir viel lernen können. wenn du hier bist, dann bist du amerikaner. du hast nicht die wahl, andere kulturen kennenzulernen, weil diese anderen kulturen von dem american way of live assimiliert werden. ich will da raus kommen und neue erfahrungen machen, neue kulturen kennenlernen und mal etwas ganz neues erleben.
dosenmusik: was wäre dein traum-lineup für eine tour?
jon: folly, dillinger escape plan, the toasters, mr. bungle, mephiskapheles, flaming lips und converge
dosenmusik: euer neues album (release date: 21.02.2006) heißt "resist convinience". gibt es eine geschichte zu dem titel?
jon: eigentlich war es der name des opening tracks, aber wir haben ihn geändert und "resist convinience" als albumtitel gewählt. er hat seinen ursprung durch das viele touren durch die usa, als wir viel über unser land kennengelernt haben. ich weiß nicht, wie es in deutschland ist, aber in den usa hat man den eindruck, dass alle städte gleich aussehen, überall die gleichen geschäfte sind und man überall das gleiche gefühl hat. vor 50 jahren war das noch komplett anders. man konnter den süden vom osten unterscheiden, aber heute sieht die route 35 in georgia genauso aus wie die route 10 in new jersey. große firmen übernehmen alle kleinen geschäfte. der albumtitel ist ein aufruf an die menschen, der bequemlichkeit und der einfachheit zu widerstehen und auch mal an alternativen zu denken. take the windy road, do what you can do to denounce total conformity!
dosenmusik: nach der ganzen harten arbeit, seid ihr zufrieden mit eurem neuen album?
jon: wir sind alle sehr zufrieden mit dem ergebnis. zurückblickend haben wir schon eine menge zeit damit verbracht, aber die arbeit hat sich definitv gelohnt. jeder song hat sein eigenes gesicht. sie sind alle wie unsere kinder. alles in allem verblasst die zeit, die wir dafür gebraucht haben, neben der tatsache wie mühelos uns jetzt alles erscheint. wenn das schreiben von songs so ein natürlicher prozess ist und so sehr vom herzen kommt, dann ist es letztlich sehr leicht, die songs zu entwickeln und wachsen zu sehen.
dosenmusik: nach dem großartigen vorgänger, was können eure fans von "resist convinience" erwarten?
jon: das neue album ist dem alten schon sehr ähnlich. es ist eine erweiterung unseres stils, der sich zwar nicht verändert hat, aber der einfach ausgeprägter ist. der siund ist um einiges besser als auf dem vorgänger. wir fühlten uns alle sicherer, wie ein folly-album klingen sollte, entgegen der situation während des ersten albums, als wir alle dachten "mal schauen, wie das so klingt". das war eher ein experiment, aber jetzt wissen wir, was wir tun.
dosenmusik: meiner meinung nach ist euer sound einer der originellsten dieses genres innerhalb der letzten jahre. heutzutage mangelt es der "harten" msuikszene an originalität und mode ist mittlerweile wichtiger als die musik an sich. was denkst du über diese thematik?
jon: ich denke es ist egal, was du spielst, denn solange du das spielst, was dein herz dir sagt, dann ist deine band einfach gut. ich persönlich höre kaum neue bands aus den hardcore- und metalgenres. ich glaube der hardcore in den usa hat seinen gipfel um das jahr 2000 erreicht. der sound wirkt zunehmend fabriziert und gewollt. viele der jungen bands sind aus den falschen gründen in diesem geschäft. fashion is destroying style - die mode zerstört den stil! hardcore ist nicht nur die musik einer band, sondern es ist eine message, der grund und der zweck. wo ist die überzeugung? wo ist das herz? gut, dass es da draußen noch einige bands gibt, die aus den richtigen gründen diese musik machen. es liegt an jedem selbst, sie zu finden und sie zu unterstützen.
dosenmusik: an dieser stelle danke ich dir nochmal für das ausführliche interview. zeit für deine brühmten letzten worte!
jon: menschlichkeit ist das instrument. wir schaffen die symphonien des lebens dadurch das wir unsere eigenen instrumente sind. danke für deine fragen! hoffentlich sind wir irgendwann in deutschland, trinken bier und gehen ab mit euch! aber ich verspreche euch: ich werde es nicht wie grace slick machen, als jefferson airplane in deutschland aufgetreten sind und euch alle als nazis beschimpfte und fragte "wer hat den krieg gewonnen!?!".

Hans Gruber aka. Jon Tummillo (vocals)
Marty McFly aka. Agim Colaku (guitar)
Jeffrey Lebowski aka. Jeff Towle (guitar)
Derek Zoolander aka. Arben Colaku (bass)
Simon Phoenix aka. Anthony Wille (drums)

www.follynj.com

autor: Coney | 10.03.2006
Dosenmusik : der neue Shop
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