Interview mit Fall Out Boy
Interview mit Patrick Stump am 03.02.2006 Haben wir Emo? Okay, check!
Fall Out Boy Vor Ihrem einzigen Deutschland Gig auf Ihrer Europatour war der Sänger der Band Fall Out Boy, Patrick Stump, bereit einige Fragen zu beantworten - sehr freundlich, offen und unkompliziert.

Dosenmusik: Hi, wie geht es Dir?
Patrick: mir geht's gut, danke. wie geht's dir?
Dosenmusik: mir geht's auch gut, danke. Was denkst du über Deutschland? Hast du irgendwas gesehen oder nur das Innere Eures Tourbusses?
Patrick: Die große Ironie auf einer weltweiten Tour zu sein ist, dass du die Welt nur aus dem Inneren eines Tourbusses siehst. Ich hätte gern mehr gesehen, aber dazu kommt es leider nicht.
Dosenmusik: Kannst Du Dir anders ein Bild von Deutschland machen? Durch Gehörtes zum Beispiel?
Patrick: Nicht wirklich. Vielleicht würde ich es mögen (Pause) aber ich weiss es nicht! (lacht)
Heute morgen habe ich versucht wenigstens Kirchen und so Sachen zu sehen, aber ich (überlegt, lacht dann) kam nicht dazu. Das war wohl meine große Chance und ich hab sie verpasst!
Dosenmusik: Hattet ihr Einfluss auf die Tatsache, dass Ihr nur eine Show in Deutschland spielen werdet?
Patrick: Das war eine Organisationssache. Wir hätten gerne mehr Shows in Deutschland gemacht.
Dosenmusik: Nun ich habe gehört jeder von Euch beiden (Anm.: nur Bassist Pete und Sänger Patrick gaben Interviews, jeweils separat) hat heute 7 Interviews auf dem Plan, Euer Konzert ist ausverkauft und, ich weiss nicht ob Ihr das mitbekommen habt, aber sie haben extra die Location gewechselt, weil so viele Leute zu Eurem Konzert wollten.
Patrick: Oh, das wusste ich nicht. Wie gesagt ich würde hier gerne mehr Shows hier und zum Beispiel in Berlin spielen. Ich hätte auch gerne mehr von Köln gesehen....
Dosenmusik: Du hast außer dem Dom nicht viel verpasst.
Patrick: (lacht) Oh, dann ist gut! Nein, wir hatten nur sehr viel zu tun und mussten die Shows deswegen gut verteilen.
Dosenmusik: In den USA seid ihr inzwischen sehr populär, habt einen MTV Award bekommen, werdet in Late Night Shows eingeladen usw. – in Deutschland seid Ihr zwar auch populär, aber nicht in diesem Maße. Werdet ihr versuchen, das zu ändern?
Patrick: Wir werden bestimmt wiederkommen und mehr Shows in Deutschland machen. Aber versprechen will ich es lieber nicht....
Dosenmusik: Aber es darf Hoffnung geben?
Patrick: Es gibt Hoffnung! (lacht)
Es würde mir auch Spaß machen es auszuprobieren. Selbst wenn wir in Deutschland nur vor zehn Leuten spielen würden wäre ich glücklich.
Dosenmusik: Wie gesagt, die Show heute ist ausverkauft, also werden so ungefähr 1000 Leute da sein!
Patrick: Das sind ein wenig mehr als zehn! (lacht)
Dosenmusik: Genießt Du Eure Popularität?
Patrick: Es gibt Dinge die ich daran mag, es gibt Dinge die ich nicht mag. Die große Aufmerksamkeit ist etwas was ich nicht bevorzuge oder anstrebe. Aber ich hatte dadurch die Möglichkeit mit tollen Musikern zu arbeiten, mit eindrucksvollen Musiker zu sprechen oder auch mit beeindruckenden Menschen im Allgemeinen zu sprechen.
Ich wäre auch nicht da wo ich jetzt wäre. Ich würde wahrscheinlich nie hier nach Köln kommen, sondern würde immer noch in meinem kleinen Plattenladen in Chicago arbeiten. (lachen)
Das ist toll. Ich genieße das sehr und ich genieße es auch jede Nacht zu spielen und mit den Kids zu sprechen. (überlegt) Manche Fans regen sich auf und fragen: "Warum beschwert Ihr Euch? Ihr habt den besten Job überhaupt!" Aber manche Dinge sind einfach lästig. Wie manche Leute zum Beispiel denken.....(überlegt) Okay, wir waren mal in so einer Fernsehshow. Vor dem Sender haben ein paar Kids auf uns gewartet aber unser zeitplan war einfach voll, so wie heute. Es war einfach keine Zeit anzuhalten und Autogramme zu geben. Sie waren stinksauer. "Hey, es ist nicht so, dass wir jetzt gehen um uns zu entspannen und Champagner trinken, sondern wir gehen arbeiten! Es ist nicht so, dass wir nicht anhalten wollen würden! Es ist nicht so, dass Ihr uns egal seid!" Wir wollen nicht, dass Leute schlecht gelaunt sind wegen uns aber manchmal haben wir eben sehr viel zu tun.
Dosenmusik: Die Geschichte leitet gut zu meiner nächsten Frage über: Was denkt ihr über euer Publikum? Vor allem über das Alter von manchen Fans?
Patrick: Ich finde es toll. Es sind wirklich coole Kids. Ich finde sie auf den Shows großartig, weil sie Spass haben, sie uns ernst nehmen aber auch herumblödeln können, ohne gewalttätig zu werden. Ich mag unsere Shows und ich mag die Kids die zu unseren Shows kommen.
Dosenmusik: Ihr habt Hardcore- bzw. Metalcore-Wurzeln. Richtig?
Patrick: (sehr überzeugt) Ja!
Dosenmusik: Fühlt Ihr nicht manchmal einen Konflikt mit Eurer Populraität? Vor allem Andy, der in einer radikalen Straight Edge Band gespielt hat?
Patrick: Nein. Die Sache ist, Andy ist immer noch Straight Edge – wir mussten uns nicht verändern. Untereinander verhalten wir uns immer noch als wären wir eine Hardcoreband. Es ist nicht so, als ob wir irgendwas anders machen würden. Ich fühle keinen Konflikt. Wir haben auch immer noch viel mit der Hardcoreszene zu tun. Ich bin immer noch auf dem Laufenden. Es cool wie es ist.
Dosenmusik: Auf Eurer Homepage steht, dass Ihr während Ihr "From Under The Cork Tree" aufgenommen habt andere Musik gehört habt als bei der Entwicklung von "Take This To Your Grave"? Kannst du ein paar Bands nennen?
Patrick: Das wichtige ist, dass "Take This To Your Grave" sehr viel Lebensgefühl beinhaltet, zum Beispiel haben wir viel Green Day gehört. Es hat viel Spaß gemacht die Platte aufzunehmen, aber wir wollten nicht eine einfach Wiederholung davon machen.
Wir hören viele verschiedene Musikrichtungen und haben somit auch viele verschiedene Musikrichtungen beim neuen Album eingebracht. Viele Metal und Soul Elemente zum Beispiel. Das erste was wir gehört haben und gesagt haben "Ja, das gefällt mir!" waren Sachen wie The Smiths, Joy Division, New Order oder Buzzcocks. Oder auch The Cure, das war wichtige Musik für uns. Aber wir haben eben auch versucht Soul reinzubringen und auch versucht mehr Hardcore Elemente reinzubringen – wir sind Hardcore Kids, also macht das Sinn. Wir haben vieles verschiedenes ausprobiert.
Dosenmusik: Zwischen "Take This To Your Grave" und "From Under The Cork Tree" ist ja ein merklicher Unterschied. Ich würde sagen, Euer neues Album ist mehr Rock, weniger Punk. Würdest Du dem zustimmen?
Patrick: Ich denke ... (überlegt) Ja, doch, das ist richtig. "From Under The Cork Tree" gehört nicht wirklich in den Punkbereich. Wobei ich denke, dass das eine wesentliches Notwendigkeit des Punk ist, seine Verantwortung: sich selber zu verändern. Punk muss sich verändern, er kann einfach nicht immer gleich bleiben.
Wir wollten ein besonderes Album machen und nicht einfach ein weiteres Punk-Album. Wir haben alles getan um etwas anderes zu machen.
Dosenmusik: Hat das was mit dem Erwachsen werden zu tun? Vor allem bei Joe und Dir, Ihr seid ja "erst" 21.
Patrick: Bestimmt auch, wobei ich denke älter werden heisst nicht unbedingt weiser, besser zu werden. Es hat nicht nur damit zu tun, ich denke einfach wir haben mehr ausprobiert.
Auf "Take This To Your Grave" hatten wir den einen Sound. Beim neuen Album waren wir experimentierfreudiger. Zum Beispiel haben wir uns überlegt "Was könnte diesen Song nach "Panthera meets..." klingen lasen?"
Ich denke nicht, dass die Veränderung viel mit dem jünger und älter zu tun hat.
Dosenmusik: Wart ihr der Beginn der Emopoppunk-Welle wie Panic! At The Disco oder The Academy Is? Sowas wie Pioniere?
Patrick: Ich weiss nicht. Die Begriffe sind schwierig einzuordnen. Zum Beispiel sagst du Emo und für den einen ist das Rites Of Spring und für den anderen ist es Fugazi. Und dann gibt es jemanden der sagt Fall Out Boy und Dashboard Confessional, also zwei Sounds, die nicht zusammenhängen.
Ich denke aber nicht, dass wir uns so bezeichnen würden. Die Leute versuchen immer Kategorien zu finden aber wir setzen uns nicht mit einer Checkliste hin.... (lachen)
Dosenmusik: Auf der Emo und Punk stehen.....
Patrick: Genau. "Haben wir Emo? Okay, check!"
Dosenmusik: "Hey lasst uns da noch mal mehr punk reinbringen!"
Patrick: Genau! (lacht) Wir sind halt Fall Out Boy. Und wir helfen einander einfach. Wir versuchen anderen Bands zu helfen und haben deswegen Bands wie Panic! At The Disco oder The Academy Is mit auf Tour genommen. Es sind Freunde von uns und das hat nichts mit diesem Kategoriedenken zu tun. Die Jungs von The Academy Is waren Freunde von uns, lange bevor es The Academy gab.
Dosenmusik: Ist es möglich den Inhalt der Fall Out Boy Texte in ein paar Worten zusammenzufassen? Wenn mich jemand fragen würde "Wovon handeln die Fall Out Boy Texte", was müsste ich demjenigen sagen?
Patrick: Ähm, um es ganz kurz zu sagen... ähm (überlegt lange , versucht mehrmals anzusetzen, lacht dann) Nein, ich kann es nicht in wenigen Worten sagen. Pete (Anm.: Bassist der Band und hauptsächlich an den Texten beteiligt) als Songwriter schreibt einfach über seine Einstellung und seine Gefühle.
Dosenmusik: aufgeführt. Kann man da einen Schritt in die Unabhängigkeit reininterpretieren?
Patrick: Oh nein. Decaydance ist einfach ein Sache mit der Pete sein eigenes Ding durchziehen will. Wir sind sehr zufrieden und stolz bei Islandrecords zu sein. Wir sind sehr glücklich mit Island.
Dosenmusik: Wie sieht Euer Verhältnis zu anderen bekannten Bands aus Chicago aus, wie zum Beispiel Lawrence Arms? Gibt es Kontakte?
Patrick: Es gibt vor allem viele junge Bands in Chicago. Wir haben natürlich auch Kontakte in Chicago, zum Beispiel zu Rise Against durch ehemalige gemeinsame Bands. Aber Chicago ist sehr groß. Größer als New York, auch wenn dort weniger Leute leben. Im Osten weißt Du nicht was im Westen los ist. Deswegen ist es auch schwer eine "Chicago Szene" auszumachen.
Dosenmusik: Ich hab schon das Zeichen bekommen, dass meine Interviewzeit vorbei ist. Schade ich hätte noch ein paar Fragen gehabt. Zuletzt: Möchtest Du Euren Fans in Deutschland oder denen, die es sein sollten, noch etwas sagen?
Patrick: Ja, es tut uns leid, dass wir nur so kurz in Deutschland sind, aber wir kommen zurück!
Dosenmusik: Vielen Dank für das Interview!
Patrick: Ich danke Dir!


Andrew Hurley: Drums
Joseph Trohman: Guitar/Vocals
Patrick Stumph: Vocals/Guitar
Peter Wentz: Bass/Vocals

www.falloutboyrock.com

Autor: Fubuki | 03.02.2006
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