Interview mit Dying Fetus
E-Mail Interview mit Mike Kimball am 14.04.2006 Wir vertrauen darauf, dass intelligente Menschen verstehen werden was wir damit sagen wollen.
Dying Fetus Vielen Dank das Ihr Euch Zeit nehmt für dieses E-Mail Interview. Mein Name ist Helmi und ich schreibe Euch im Auftrag von Dosenmusik. Dosenmusik ist eine Online Community die zum O25 gehört, einem Club in Frankfurt am Main. Auf der Webseite finden sich neben zahlreichen CD Kritiken auch eine große Anzahl von Interviews mit bekannten Bands. Wir sind sehr stolz darauf, das Interview mit Euch führen zu können.

Dosenmusik: Es ist schon eine Weile her seit "Stop At Nothing" veröffentlicht wurde. Wieso dauerte es so lange? War der Aufnahmeprozess länger oder anders gegenüber dem alten Album?
Mike Kimball: Die Aufnahmen dauerten ungefähr genauso lang wie bei "Stop At Nothing", das war also nicht der entschiedene Faktor – es ist nur so, dass wir ein Jahr verloren haben während wie nach einem neuen Schlagzeuger suchten. Normalerweise planen wir zwei bis drei Jahre zwischen den Alben ein. Allein schon wegen dem Touren und wir wollen auch sicher gehen das das jeweils neue Album gut genug für eine Veröffentlichung ist.
Dosenmusik: Wie können wir uns das Entstehen eines Dying Fetus Songs vorstellen? Spielt jedes Bandmitglied eine bestimmte Rolle beim kreieren?
Mike Kimball: Hauptsächlich entsteht sich die Musik wenn wir uns die Riffs ausdenken. Manchmal wird ein Song nur von einem komponiert, ein anderes mal ist es echte Gruppenarbeit. Wenn ein Song erstmal ansatzweise steht, überlegen wir uns wo die Vocals hinkommen und ich schreibe die Lyrics und passe sie dem Song an. Dann wird der Song weiter veredelt während wir ihn ständig spielen. Als nächstes entstehen erste Demos, die dann ein paar mal angehört werden, dabei versuchen wir ein Gespür für jeden einzelnen Song zu entwickeln, bis alles passt.
Dosenmusik: Wie hat sich der kreative Prozess verändert gegenüber der vergangenen Jahren? Wenn man mal die ganzen Line-up Wechsel bedenkt die Ihr hattet.
Mike Kimball: Keinen Schlagzeuger zu haben verändert den Prozess sehr. Normalerweise kommt John immer mit einer Menge Riffs an die während einer Jamsession mit verschiedenen Drum-Parts entstanden sind. Er arbeitet dann die Ideen weiter aus, die grob beim Jam entstanden sind. Bei diesem Album haben wir das erste mal einen PC Drummer benutzt, so haben wir fast alle Drum Parts ohne einen wirklichen Drummer geschrieben.
Dosenmusik: Der letzte Wechsel war ja Duane Timlin für Erik Sayenga am Schlagzeug. Was ist der größte Unterschied zwischen den beiden und war es nötig Erik auszuwechseln?
Mike Kimball: Erik hat uns verlassen weil seine Verpflichtungen zu Hause ihn davon abhielten weiterhin in der Band tätig zu werden. Es war auf keinen Fall unser Wunsch uns von Ihm zu trennen, aber so läuft es halt manchmal. Duanes Stil ist dem vom Erik in vielem sehr ähnlich – es ist mehr eine charakterliche Umstellung, da Erik eher ein sehr ruhiger Typ war.
Dosenmusik: Eine anderes großes Gesprächsthema sind die Lyrics. Sie sind ja mehr an die Hardcore Szene gerichtet. Handeln sie zumeist von Krieg, kritisieren die aktuelle Politik, dem Gesundheitswesen usw. War es schwierig von den ganzen Gore Themen zu diesen politischen Themen zu wechseln?
Mike Kimball: Es war nicht schwer für mich, da ich ja erst zur Band kam als die ganzen Gore Themen schon abgehandelt waren. Ich persönlich finde es interessanter über mehrere Themen schreiben zu können, welches vorwiegend sozial kritische Ansichten vertreten. Natürlich habe ich aber absolut nichts gegen klassische Gore oder Gewalt Geschichten.
Dosenmusik: Was können wir also an Lyrics auf dem aktuellen Album erwarten? Und in wieweit unterscheiden sich die Lyrics gegenüber den früheren Veröffentlichungen von Dying Fetus?
Mike Kimball: Jedes Lied hat sein eigenes Thema, welche von Krieg, Politik, das Justizwesen, Verbrechen bis hin zum exzessiven Kommerziallismus reichen. Ich denke die Lyrics gehen da weiter wo wir bei "Stop At Nothing" aufgehört haben, obwohl das Gesamtkonzept ein wenig unterschiedlich ist.
Dosenmusik: Über das Cover und den Titel "War At Attrition" wurde ja schon viel geredet. Ich habe gelesen, dass Ihr ein wenig besorgt wart wie es vom Publikum aufgenommen wird. Wie waren die Rückmeldungen zu beidem bisher?
Mike Kimball: Ja, wir hatten ein wenig Sorge denn einige Bilder haben ja immer das Potential falsch interpretiert zu werden. Besonders von Leuten die bestimmte Ansichten verfolgen, aber letztendlich wollten wir unsere Ideen so vertreten wie wir sie sehen. Wir vertrauen darauf, dass intelligente Menschen verstehen werden was wir damit sagen wollen. Bisher war das der Fall – sogar an einigen Orten wo wir befürchten mussten, dass es negative Reaktionen hervorrufen könnte, waren die meistens doch sehr positiv.
Dosenmusik: Was wollt ihr mit "War At Attriton" sagen?
Mike Kimball: Der Hauptgedanke hat damit zu tun, dass man bombardiert wird mit Informationen von Leuten die dir was verkaufen wollen oder deine Sichtweise verändern wollen. Offensichtlich hat das Wort "Attrition" eine eher militärischen Assoziation, und diese Idee wollte ich schon seit Jahren umsetzten. Aber ich bin mehr daran interessiert Geschichten über Menschen zu erzählen, die tief im Konflikt jedes einzelnen Songs stehen, mehr als irgendwie Partei zu ergreifen oder eine bestimmte Ansicht voranzutreiben.
Dosenmusik: Meiner Ansicht nach ist das neue Album eher Death Metal lastig als Grindcore, würdet ihr mir da zustimmen?
Mike Kimball: Ja ich denke das ist die natürliche Weiterführung dessen wie sich die Band über die Jahre entwickelt hat. Seit unsere musikalischen Ideen und auch unsere Fähigkeiten als Musiker sich entfaltet haben, genießen wir die herausfordernden Death Metal Parts am meisten. Offensichtlich wollen wir aber unseren Stil beibehalten und balancieren so den Grind und Death Metal aus. Aber die Balance könnte sich eine wenig verschieben mit den Jahren.
Dosenmusik: Ist die Weiterentwicklung vom Grindcore hin zu mehr Death Metal heutzutage der beste Weg um mehr Publikum anzusprechen? Zum Beispiel der Begriff "Deathcore", der ja aus Mitte der 80ier stammt, trotzdem werden immer mehr Bands dieser Richtung jetzt bekannter. Wo seht ihr euch selber, da Ihr ja eine der ersten Bands wart die Hardcore mit Grindcore/Death Metal vermischt haben?
Mike Kimball: Wirklich, wir analisieren keine Trends und schreiben auch keine Songs die nur ein bestimmtes Publikum ansprechen. Alles was wir immer versuchen ist Songs zu spielen, die wir selber gerne hören wollen. Dazu bedienen wir uns aller unterschiedlichen Stile die uns beeinflusst haben. Man kann also sagen, dass unsere musikalischen Vorlieben bestimmen was wir spielen und schreiben. Es ist natürlich eine Ehre eine Stilrichtung mitentwickelt zu haben die von Menschen anerkannt wird. Ich denke aber, dass alle Bands eigene Nuancen haben in wieweit Ihre musikalischen Einflusse in ihre eigene Musik beeinflusst haben. Und genau das macht sie ja alle so einzigartig.
Dosenmusik: Würdet ihr auch sagen, das man über die musikalischen Grenzen eines Genres schauen muss um noch kreativer sein zu können? Oder meint ihr, dass im Death Metal allein schon so viele Variationsmöglichkeiten bestehen, dass man keinen neuen Hybrid entwickeln muss?
Mike Kimball: Ich denke das liegt im einzelnen Geschmack eines jeden Musikers. Offensichtlich riskiert man es Fans zu verlieren wenn man zu drastische Veränderungen vornimmt. Aber man sollte nicht ängstlich sein vor Einflüssen aus anderen Musikrichtungen die man mag. Ich glaube im Death Metal haben wir das große Glück mehr Freiheiten zu haben verschiedene Strukturen zu erforschen. Es gibt zum Beispiel in anderen Musikrichtungen, die engeren Grenzen, wie Klang, Tempo, Melodie oder Rhythmus unterliegen. Die Aggression und Brutalität die Death Metal zu dem macht was es ist hat schon eine sehr große musikalische Bandbreite.
Dosenmusik: Zurück zum neuem Album. Die Produktion ist um einiges besser als bei "Stop At Nothing". Was hat sich in der Produktion verändert?
Mike Kimball: Für mich ist die größte Verbesserung der Gitarrenklang. Wir haben meine Gitarrenausrüstung für die letzten zwei Alben genutzt, doch bei "Stop At Nothing" hatte ich andere Ausrüstung als zuvor. Ich mag zwar den Sound des Albums aber durch die Verdichtung der Gitarre klingt es bei wenig Lautstärke vielleicht etwas dünn. Ich hab erst kürzlich das alte Ampeg Head gekauft, das hat John auch immer genutzt, zusätzlich hab ich mir noch Marshall 1960 Cabinets geleistet. Die Idee dahinter war, dass wir wieder zum alten Sound zurück wollten - dem klassischen Sound für den wir bekannt sind. Jenseits davon gab es eine Menge Verbesserungen bei der Aufnahmeanlage was uns dann mehr Zeit für die Produktion gegeben hat. So konnten wir uns gezielt darauf konzentrieren das alles schön klar und fest klingt.
Dosenmusik: Welche Band hat euch am meisten inspiriert, Bands aus der Vergangenheit oder Gegenwart? Und welche Hardcore Band hat eure Musik am meisten beeinflusst?
Mike Kimball: Ich bin mir sicher John würde jetzt Bands wie Madball aufzählen, was so den Hardcore Bereich betrifft. Ich muss gestehen, dass ich nicht viel Hardcore höre. Mich haben am meisten Bands wie Slayer, Exodus, Suffocation und Cannibal Corpse beeinflusst. Die gibt’s schon ewig und sie bringen noch immer richtig gute Alben raus. Ich höre auch eine Menge Goatwhore und etwas Dimmu Borgir. Und Bands mit Shredder Gitarristen wie Alex von Testament, Joe Satriani oder sogar Racer X in seinen ersten Jahren.
Dosenmusik: Ihr werdet im April und Mai Europa betouren. Ist euch ein Unterschied aufgefallen im Publikum hier und in den Staaten? Ist die Vermischung von Hardcore Kids und Metalheads unterschiedlich?
Mike Kimball: Ich denke das Publikum in Europa und den Staaten ist sehr ähnlich. Ich sehe sogar in jeder individuellen Stadt verschiedene Variationen der Energie oder wo die Mischung der Metal und Hardcore Kids unterschiedlich sein kann. Das hängt natürlich auch immer von den Bands ab die mit einem auf Tour sind. In letzter Zeit sind wir mit größeren Touren unterwegs, was sich natürlich auch in größeren Publikumsmengen niederschlägt, in Europa und in den Staaten.
Dosenmusik: Gibt’s es darüber hinaus noch unterschiede zwischen einer Show hier und in den Staaten? Was ist der größte Unterschied zwischen den beiden Ländern beim touren?
Mike Kimball: Der größte Unterschied den wir in Europa bemerkt haben ist, dass es in jedem Ort sehr professionell aufgezogen ist, egal wie groß oder klein der Gig ist. In den Staaten muss man sich oft mit vielen Problemen rumschlagen zum Beispiel mit den lokalen Promotern, besonders bei kleineren Gigs. Natürlich sind diese Probleme nicht so wichtig, denn uns liegt es am Herzen den Fans eine gute Show zu liefern. Aber offensichtlich ist das viel einfacher wenn man sich um bestimmte Dinge keine Sorgen machen muss.
Dosenmusik: Was sind eure Ziele mit Dying Fetus und was können wir in Zukunft von euch erwarten?
Mike Kimball: Wir hoffen das wir auch weiterhin Alben machen und Touren können. Natürlich wünschen wir uns auch einen Anstieg der Fangemeine. Wir werden uns verbessern und reifen mit jedem neuen Gig und jeder neuen Platte, die wir raus bringen.
Dosenmusik: Famous Last Words?
Mike Kimball: Ich heb mir immer das beste bis zum Schluss auf. Ich möchte allen Fans danken, wir schätzen die vielen Jahre der Unterstützung und Loyalität, besonders während der schwierigen Zeiten. Wir hoffen Ihr genießt unser neues Album und kommt zu unseren Shows wenn wir in eurer Nähe spielen!
Dosenmusik: Danke an Dying Fetus für die Zeit die Ihr euch genommen habt. Wir freuen uns schon auf eure Live Show, viel Erfolg weiterhin und besonders mir eurem Aktuellen Album, "War Of Attrition".

Big John - Guitars/Vocal
The Beasley Bomber - Bass/Vocals
Mike - Guitars
Duaniac - Drums
www.dyingfetus.com

autor: CUBTB | 14.4.2007
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