Interview mit DevilDriver
Interview mit Schlagzeuger John Boecklin am 15.04.2007 No Bullshit, No Drama
DevilDriver Im Juni dieses Jahres haben DevilDriver ihr drittes Album "The Last Kind Words" veröffentlichen. Dosenmusik hatte bereits die Chance vorab die Platte zu hören und Drummer John Boecklin per Telefon dazu zu interviewen!

Dosenmusik: Wir kennen ja alle Dez Vorgeschichte mit Coal Chamber, aber was haben denn eigentlich die anderen von euch vor Devil Driver gemacht?
John: Jeff, Jon und ich kommen ursprünglich aus Michigan, wir haben da alle in verschiedenen Bands gespielt. Unsere Karrierechancen waren dort aber sehr gering, deshalb sind wir dann zusammen nach Kalifornien gezogen und haben da gemeinsam eine neue Band gegründet. Dort lernten wir dann auch Mike kennen. Wir lebten dann in Santa Barbara, einer relativ kleinen Stadt, und in der Szene dort kursierten Gerüchte, dass Dez ebenfalls dort wohnt, und auch gerade nach einer zweiten Band neben Coal Chamber suchen würde. Ich habe ihn dann auch tatsächlich in einer Bar getroffen. Wir haben da dann was getrunken, daraus wuchs dann eine Freundschaft und irgendwann haben wir dann einfach mal ein paar Demos zusammen mit ihm gemacht.
Dosenmusik: Wie seid ihr dann zu Roadrunner Records gekommen?
John: Dez hatte unser Demo ein paar Leuten von Roadrunner gezeigt, die sich daran auch sehr interessiert gezeigt haben. Sie sind dann extra aus New York zu uns rübergeflogen, waren bei uns im Proberaum, haben uns beim Proben zugesehen und dann hatten wir auch praktisch schon den Vertrag in der Tasche.
Dosenmusik: Habt ihr davor jemals live gespielt?
John: Hehe, nein, keine einzige Show! Wir verdanken also quasi alles mehr oder minder dieser einen Probe... na ja, und natürlich auch Dez Namen, der das ganze ja erst ins Rollen gebracht hat.
Dosenmusik: Dez steht bei euch ja schon stark im Mittelpunkt, die meisten Leute schenken ihm die meiste Aufmerksamkeit und es wird meist noch mal besonders betont, dass er Teil von Devil Driver ist. Wie gehst du damit um?
John: Es stimmt schon das Dez der Star in der Band ist, aber ich bin kein bisschen eifersüchtig oder strebe nach mehr Aufmerksamkeit, deshalb ist das nicht wirklich etwas was mich besonders beschäftigt. Dez ist in Sachen Interviews sehr gefragt, muss sich dann aber auch oft mit so Fragen wie "Was ist der Status der heutigen Metalszene" usw. herum schlagen, und ich bin ehrlich gesagt recht dankbar dass ich zu so etwas keine großartigen Statements abgeben muss. Ich will einfach nur über unsere Musik oder über mein Drumming reden, mehr nicht. Mir ist es ganz recht etwas im Hintergrund zu stehen, denn solange ich weiß, welchen Teil ich zu unseren Songs beisteuere, passt dass alles für mich schon irgendwie.
Dosenmusik: Cool, dann lass uns doch über Musik reden. Du warst ja ursprünglich Gitarrist bei Devil Driver, nicht wahr?
John: Ja, genau! Ich hab davor schon immer in anderen Bands Drums gespielt, wollte aber unbedingt mal Gitarrist sein, und sah dass als Chance an. Dann hatten wir aber das Problem einen Drummer zu finden. Ich hab mich dann zwar anfangs etwas gesträubt, mir dann aber gedacht, was soll`s, dann spiele ich halt Drums.
Dosenmusik: Euer Basser spielt ja auch Gitarre... wie ist das denn, wenn man quasi 4 Gitarristen in einer Band hat?
John: Also 4 Gitarristen sind definitiv besser als 3! Wir schreiben alle an den Songs, und wenn jemand mal mit einem Part nicht weiter kommt, dann kann einer von den anderen garantiert helfen Und wir haben alle ganz unterschiedliche Stile drauf, was gerade das neue Album sehr vielschichtig macht. Mike geht so in Richtung Goth/Black Metal, Jon hat einen sehr melodischen Ansatz, Jeff kümmert sich meist um Harmonien. Und ich bin eher der Pantera Typ, also Riffs und Rhythmen.
Dosenmusik: Ich schätze du hattest dann wohl viel Einfluss auf euer Debüt, dass ja eher etwas simpler gehalten ist, aber gerade deshalb so treibend nach vorne geht...
John: Ja, das Debüt... die Songs gehen zwar ab, aber wir hatten danach das Gefühl, dass wir das Album zu rasch rausgehauen hatten, dass wir noch nicht unsere ganze Bandbreite präsentiert hatten. Auf "Fury of our Makers Hand" ist uns dass dann aber gut gelungen denke ich, wir sind auf das Album sehr stolz.
Dosenmusik: Euer neues Album "The Last Kind Words" fängt ja auch genau da an, wo euer letztes Album aufgehört hat, ist vielleicht sogar noch etwas melodischer...
John: Hm, mehr Melodien, ja, stimmt schon, im Prinzip sind wir halt etwas progressiver, facettenreicher geworden, wir sind sowohl als Songwriter, als auch als Musiker gereift. Die Songs sind weniger berechenbar geworden denke ich.
Dosenmusik: Stimmt, zum Beispiel das Outro mit der Hammond Orgel in "The Axe shall fall"...
John: Das war eine eher spontane Aktion. Der Besitzer des Studios in dem wir aufgenommen haben hatte ein paar von den Dingern rumstehen und wir wussten, dass er ein Jazz Session Spieler ist, also haben wir einfach gebeten spontan was zu spielen. Das war definitiv was neues für uns, aber wir mochten den Vibe und deshalb haben wir es auch mit auf das Album genommen.
Dosenmusik: Einen ähnlichen starken Kontrast bilden ja auch die Akustikgitarren in "These Fighting Words"..
John: Der Part stammt z.B. von Mike, er hat so diesen melodischen, Euro-Metal Touch, und er ist auf den Teil auch sehr stolz.
Dosenmusik: Neben diesen entspannten Zwischentönen gibt’s aber natürlich auch härteste Kost. Besonders herausragend fand ich z.B. "Monster of the Deep".
John: Der Song stammt größtenteils von mir. Das ist kein Riff mit tausend Noten, sondern sehr direkt, ja fast simpel, aber groovy. Der Song zeigt in etwa unsere Crowbar Seite, also sludgy, fast schon doom mäßig. Für diesen Song haben wir auch erstmals 7-saitige Gitarren benutzt, und diese auch nochmals tiefer gestimmt.
Dosenmusik: Wie war den insgesamt die Stimmung während der Aufnahmen.
John: Es war super relaxed, das war wirklich die einfachste Aufnahme bisher für uns. Die Chemie zwischen uns und unserem Produzent Jason Suecof hat einfach gestimmt, er hat mit seiner homorvollen Art die Aufnahmen immer locker gestaltet. Und nach 4 Wochen waren wir dann auch schon fertig. Eigentlich gibt es gar nichts groß darüber zu erzählen, weil alles so reibungslos ablief. Da saßen halt ein paar Leute mitten im nirgendwo in einem Studio in Texas und haben eine Metal Platte aufgenommen, "no bullshit, no drama".
Dosenmusik: Dann kommen wir doch mal zu deinem Instrument, den Drums. Manche Drummer kommen mit einem sehr simplen Drumset aus, andere haben dutzendweise Becken usw. am Start. Was ist da dein Ansatz?
John: Also angefangen habe ich auf einem sehr kleinen, 5-teiligen Set, aber in letzter Zeit wächst mein Set kontinuierlich, vor allem auch in Sachen Becken, da ich da auch von verschiedenen Firmen unterstützt werde. Und wenn man dann mehr oder minder alles umsonst haben kann, denkt man sich auch oft, dass man das ja mal ausprobieren könnte... und wenn das dann alles vor dir rumhängt möchtest du das natürlich auch nutzen, ich probiere also schon mich technisch zu verbessern, ein Virtuose werde ich vielleicht nicht, aber ich ich tue mein Bestes um mein Spiel noch stärker im Ausdruck zu machen.
Dosenmusik: Welche Leute haben denn deine Spielweise beeinflusst?
John: Also an erster Stelle wohl Vinnie Paul...
Dosenmusik: Was ja nahe liegt, wenn du auch ein Pantera-Gitarren Typ bist....
John: Genau! Vinnie konnte mit den Drums einfach ganze Songs schreiben. In Zeiten in denen sich alles um Geschwindigkeit und Blastbeats drehte, hatte er sich bewusst zurück gehalten und sehr kontrolliert und geschmackvoll gespielt. Und wenn er dann mal richtig Gas gegeben hat, dann klang das auch härter als bei allen anderen.
Weitere wichtige Einflüsse sind auch noch Raymond Herrera von Fear Factory, Dave McLean von Machine Head und Willy Adler von Lamb of God.
Dosenmusik: Als Drummer kann man es heute im Studio relativ leicht haben, Samples und Beat Detective (Software, mit der man falsches Timing gerade biegen kann) machen es möglich... ist das nicht Schummelei? Was hältst du davon?
John: Die beiden Sachen muss man meiner Meinung nach getrennt beurteilen. Momentan ist es einfach gängig, dass man dem regulären Drum Sound Samples beimischt, jeder Produzent mit dem wir gearbeitet haben, bzw. den ich kenne, macht das um einen bestimmten Sound zu erzielen. Es kommt da auch immer darauf an, was man für einen Sound haben möchte... Demanufacture hat z.B. jede Menge Samples, aber es passt einfach auch zur Musik. Beat Detective, hm, das kommt drauf an wie man es nutzt. Manchmal hat man im Studio einfach Aussetzer, und da kann es extrem Zeit sparend und Nerven schonend sein, wenn man das schnell korrigieren kann. Und ich weiß ja auch, dass ich alle meine Parts ohne Probleme live spielen kann. Wenn aber jemand 3 Wochen damit verbringt deine Drumtakes zu editieren, weil du unfähig bist den Takt zu halten, dann ist das natürlich nicht so prickelnd.
Dosenmusik: Bei manchen Veröffentlichungen der neueren Zeit hört man leider sehr stark, dass da irgendwas komisch und unnatürlich klingt...
John: Ja, das stimmt, es gibt ein paar Alben, die recht nervig klingen, weil Snare und Base im Mix so weit vorne sind... aber wie gesagt, dass muss jede Band für sich entscheiden wie sie es haben möchte.
Dosenmusik: Ab wann kann man euch denn wieder auf europäischen Bühnen erwarten?
John: Es gibt da noch keine konkreten Daten, aber der grobe Plan ist so Anfang bis Ende Herbst auf das europäische Festland zu kommen und dort so lange wie möglich zu spielen. Genaueres kann ich momentan leider nicht sagen, aber wir dürften bald wieder da sein und sobald was fest steht, werden wir dass natürlich publik machen.
Dosenmusik: So, deine letzten Worte an unsere Leser!
John: Erstmal vielen Dank für euren Support! Unser neues Album kommt irgendwann im Juni raus, wann genau steht noch nicht fest [Anm.d.Red.: Es ist bereits veröffentlicht in Deutschland]. Aber ich wage es zu versprechen, dass niemand der unsere früheren Alben mag enttäuscht sein wird. Jeder der auf harte Musik ohne Sing-Sang steht sollte einfach mal reinhören!


Dez Fafara - Vocals
Mike Spreitzer - Guitar
Jeff Kendrick - Guitar
John Miller - Bass
John Boecklin - Drums

www.devildriver.com

autor: Vorstadtkind | 15.04.2007
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