Interview mit DevilDriver
Interview mit Jeff Kendrick am 20.12.2005 vor dem Konzert im o25, Frankfurt devildriver überrollen das o25 & jeff kendrick spricht über die produktion des albums, die symbolik von titeln und die langen tourneen der band.
Devil Driver devildriver haben am 20.12.2005 ein konzert der extraklasse abgeliefert. der kurzfristig bestätigte headlinergig sollte meine kühnsten erwartungen an diese band noch übertreffen. wie eine dampfwalze überrollten die songs von "the fury of our makers hands" jeden der eine karte für die ausverkaufte show ergattern konnte. eine sympathischere haut als dez fafara als frontmann ist wohl auch schwer zu finden, er animierte das bereits ausrastende publikum zur höchstformen, so dass auch der letzte in sich gekehrte headbanger die pommesgabel gen himmel streckte um zudem genau wie die frontreihen am nächsten tag mit einem ordentlichen muskelkater im nackenbereich aufzuwachen. für die amtlichen riff-attacken bei devildriver sind bei dem santa barbara-vierer mike spreitzer und jeff kendrick verantwortlich.

drehen wir die zeit an dieser stelle etwas zurück. es ist mittags, kurz nach dem load-in. während techniker beginnen den drum-raiser für john boecklin zu errichten und jon miller an seiner bassanlage rumschraubt, begebe ich mich mit jeff, seines zeichens gitarrist und ruhender pol in der band, auf die "rote couch" um etwas über das aktuelle album und die vergangenen tage der tour zu plaudern.

dosenmusik: vielen dank für deine zeit jeff. wie läuft die tour? seit wann seit ihr unterwegs?
jeff: lass mich kurz überlegen... die tour begann eigentlich im mai. Ist also schon recht lange her, seit wir gestartet sind. wobei diese etappe der tour auf der wir uns gerade befinden jetzt drei monate andauert. dazwischen liegen immer ein paar off-days. aber die sind nicht wirklich nötig eigentlich... schließlich mache ich das hier um zu spielen, nicht um auf der faulen haut zu liegen. (grinst)
dosenmusik: um das ganze ausmaß der tour in europa ein wenig darzustellen, kannst du grob umreißen durch welche länder sich die tour hier zog?
jeff: sicher. also hier in deutschland waren wir in hamburg, berlin, münchen, köln und heute hier in frankfurt natürlich. ansonsten umfasste die tour teile englands, belgien, holland, italien, österreich. das wäre es so grob. heute spielen wir noch diese eine show in deutschland, danach noch einen gig in paris und fliegen dann zurück nach hause in die staaten.
dosenmusik: war es das dann erst mal mit dem touren oder wie geht es weiter?
jeff: nein. wir gönnen uns nur einen monat pause. anschließend gehen wir mit in flames in den u.s.a. auf tour.
dosenmusik: wie läuft es mit der band heute im allgemeinen aus deiner sicht? wir haben uns mit dez vor ca. einem jahr zum letzten album unterhalten. das hatte bereits einen vielversprechenden grundstein gelegt. wie schätzt du die situation heute ein?
jeff: es hätte nicht besser laufen können, man. ich denke zunächst mal, dass das neue album besser ist als unser erstes. das scheint den hörern ähnlich zu gehen, die positiven reaktionen auf dieses album übertrafen ebenfalls die des debüts.
dosenmusik: meinst du es lag u.a. auch daran, dass mike spreitzer in die band kam? wann war das doch gleich? er war zum ersten mal dabei als ihr 2004 mit in flames auf tour gewesen seid, richtig?
jeff: ja genau, mike hat sich zur in flames tour der band angeschlossen und ist auch geblieben. ich denke schon, dass mike seinen teil dazu beigetragen hat. wir kommen sehr gut miteinander klar was die gitarrenarbeit angeht. das macht viel aus und hat sicher einen anteil daran, dass ‚the fury of our makers hands' so fett geworden ist.
dosenmusik: wie kam es dazu, dass mike zur band stieß?
jeff: der rest von uns war mit ihm schon seit jahren befreundet und man hat zusammen in diversen lokalen bands gespielt. es gibt da wo wir herkommen (santa barbara, californien anm. d. verf) nicht wirklich viele musiker und bands die metal spielen und auch noch gut sind. also haben wir ihn gefragt, er hat zugesagt und seither ist er mit im boot (grinst). er hat einfach die position perfekt ergänzt.
dosenmusik: das hat das songwriting sicher positiv beeinflusst, oder?
jeff: ganz klares ‚ja' an dieser stelle. er hat einen ganzen haufen geschrieben auf dem neuen album. er hat einen eigenen spielraum in dem er sich bewegt und das ist gut so. er hört neben metal viel rock und industrial, das gibt seiner spielweise eine ganz eigene note. jeder ist anders und steuert seinen teil dazu bei. in diesem fall führte es zu einem guten ergebnis.
dosenmusik: aber ihr habt schon eher zu gleichen teilen am album geschrieben, oder?
jeff: ja natürlich, wie ich schon sagte, jeder trägt seinen teil bei. bei devildriver gibt es nicht "den" songwriter. bei uns entsteht das album durch zusammenarbeit aller bandmitglieder.
dosenmusik: wenn wir nun mal weiter auf das aktuelle album eingehen, wie kommt es, dass sich religiöse motive darauf wiederspiegeln? also zumindest macht es den anschein...ich denke da z.b. an titel wie "pale horse apocalypse" oder den albumtitel selbst.
jeff: (leichtes stirnrunzeln) weiß du, das kann man vielleicht religiös nennen oder einfach als symbolik für vieles verstehen. nur weil die wörter darin vorkommen, muß es nicht notwendigerweise unbedingt um religion gehen. ‚the fury of our makers hand', das könnte was mit gott zu tun haben, kann aber auch die welt meinen oder vielleicht einfach eine einzelne person. ich sehe in den bestandteilen eher große elemente, die man zusammensetzten kann wie es einem passt.
dosenmusik: es fällt ein bisschen auf, deshalb war das lediglich eine vermutung, dass es da vielleicht eine art religiösen hintergrund geben könnte.
jeff: wie gesagt, kann man so interpretieren, muß man aber nicht. ich würde das ganze nicht auf etwas religiöses zurückführen. dez hat sich z.b. als sänger und mit seinen texten auch entwickelt und ist ein noch besserer sänger geworden, so wie die ganze band in ihrer entwicklung fortgeschritten ist. wir sind bessere musiker geworden und dez ein besserer sänger. vielleicht hat er auch ein paar neue bücher gelesen die ihn inspiriert haben, wer weis. insgesamt kann ich dazu sagen, dass die band gewachsen ist. die songs sind interessanter, ebenso die texte. so ist das eben entstanden.
dosenmusik: wo ist das neue album entstanden?
jeff: wir haben in el paso in texas aufgenommen diesmal. 2004 so im november/dezember.
dosenmusik: diesmal alles in einem studio? ich erinnere mich, dass ihr zum ersten album zwischen zweien gependelt seit.
jeff: diesmal alles auf einen schlag in einem studio. es war toll. wir hatten uns auf so einer ranch im nirgendwo eingerichtet. da hat man seine ruhe. war eine schöne zeit.
dosenmusik: wie lange haben die aufnahmen gedauert?
jeff: zwei monate.
dosenmusik: nur zwei monate? wow. richtig schnell.
jeff: ja, alles lief rund. danach vielleicht noch so eins zwei wochen für ein paar extras und dann war alles im kasten.
dosenmusik: habt ihr viel geprobt vorher oder auch vieles spontan direkt im studio auf band gebracht?
jeff: wir haben viel am computer geschrieben vorher, eine menge demos und all so ein zeug. und dann sind wir ins studio und haben es rausgedonnert. es waren immer recht lange tage. 15-stunden-tage. und das fast jeden tag. (grinst) wir waren also auch die meiste zeit während der aufnahmeperiode wirklich im studio. (grinst)
dosenmusik: mit welchem equipment hast du aufgenommen und spielst du in der regel am liebsten?
jeff: mein persönliches zeug besteht eigentlich überwiegend aus esp gitarren. ampmäßig einen mesa boogie. und einen ganzen haufen boss tretmienen und noch ein bißchen schnick-schnack in einem rack für diverse spielereien.
dosenmusik: wie sieht es mit der gitarrenarbeit aus? was gefällt dir da? was hörst du privat und wer hat dich beeinflußt?
jeff: ein ganzer haufen metal bands natürlich. aber auch so zeug wie u2 und viel classic rock. die leute die für und mit der band arbeiten sind alle schon etwas älter und haben teils einen anderen geschmack, der mehr auf die klassische rock schiene geht. und da hört man natürlich auch rein irgendwann und übernimmt auch elemente.
dosenmusik: welche metal bands im besonderen?
jeff: (deutet auf sein shirt) die jungs hier! superjoint ritual. das was sich jeder wahrscheinlich denken konnte (grinst): pantera, slayer, metallica. ich mag in flames sehr gerne, genauso wie children of bodom. lamb of god sind auch eine großartige band. ich überlege gerade, aber ich glaube es sind einfach zuviele. ich könnte noch unzählige nennen.
dosenmusik: wann hast du angefangen selbst zu spielen?
jeff: das ist so 11,12 jahre her. ich habe immer schon viel aufgenommen damals, es anderen gezeigt und in verschiedenen bands ausprobiert. wieder was aufgenommen, es angehört und verbessert usw.
dosenmusik: macht insgesamt den eindruck, als ob ihr rund um die uhr beschäftigt seid. tour, studio usw. wie passt da dein privatleben noch rein. freundin, familie, kinder und all das?
jeff: ich hab eine freundin aber keine kinder. ich meine, es ist schon schwierig. den januar über haben wir jetzt einen monat off bis es wieder losgeht. da bleibt wieder etwas zeit. es bleibt natürlich nicht dabei und ist, wie ich sagte, auch nicht leicht, aber ich bekomme von ihr die unterstützung die ich brauche. wir habe uns das ausgesucht, weil wir es lieben musik zu machen und bekommen es alle irgendwie hin.
dosenmusik: aber du freust dich schon irgendwie auf ein kleines break oder?
jeff: ja natürlich. ein paar wochen pause sind eine feine sache. aber ich freue mich genauso auf die tour mit in flames im anschluss.
dosenmusik: hast du schon wieder neues zeug für neue aufnahmen geschrieben in der zwischenzeit?
jeff: sicher. ein paar riffs existieren auf jeden fall und wir werden, wenn die zeit da ist, auch an den 4-5 rohen songs weiterschrauben, die existieren. wann und ob die auf das nächste album kommen, kann ich noch nicht genau sagen.
dosenmusik: wie hälst du solche ideen fest?
jeff: mike, unser anderer gitarrist, hat einen ziemlich guten computer mit einigen extras zum aufnehmen bei sich zuhause. ich gehe dann zu ihm und wir nehmen was an seinem computer auf, alles was uns so durch den kopf schießt. so läuft das meistens. auf tour haben wir beide einen einfachen line 6 pod dabei (digitaler mini amp, der verschiedene verstärker simuliert anm. d. verf.), mit kopfhörern um zu spielen und ideen zu entwickeln, wenn es eben gerade passt. computer equipment mitzunehmen ist ein wenig umständlich, weil es recht viel ist und auch kaputt gehen kann und da haben wir keinen bock drauf. wir versuchen aber das beste daraus zu machen auch wenn es nur mit einem pod ist. (grinst) ich meine, es gibt bands, die nehmen auf tour gar nichts auf. aber das geht schon. wir haben hinten im bus so eine kleine mini-lounge. da ist platz um sich mit den gitarren breit zu machen und dann passt das auch (grinst). das ist wie mit den konzerthallen. letztlich ist es egal, ob du in einer arena spielst oder in einem kleinen laden. solange das ding ausverkauft ist und der sound stimmt und wir und die leute eine gute zeit haben... genauso verhält es sich mit dem songwriting... es kommt darauf an das du was gutes schreibst und da ist es erstmal egal ob ich es fett produziere auf einem tollen rechner oder die idee oder das riff auf meinem pod spiele...
dosenmusik: zuletzt noch die frage zu den neuen sachen für ein drittes album. was denkst du was wir erwarten können? auch wenn jetzt noch nicht viel geschrieben ist.
jeff: also was wir immer versuchen, ist natürlich als musiker zu wachsen und an unseren instrumenten noch besser zu werden und das soll sich natürlich auch auf die musik niederschlagen. mit unserem songwriting sind wir sehr zufrieden, also der stil der songs wird schon ähnlich bleiben. es wird nicht plötzlich so etwas wie wunderschöne melodische refrains geben. so etwas wird nicht passieren.
dosenmusik: wunderbar. das rundet das ganze sehr schön ab. ich wäre dann durch soweit. nochmal vielen dank für deine zeit jeff.
jeff: vielen dank für deine. take care, man.

dez fafara - vocals
jeff kendrick - guitar
john miller - bass
mike spreitzer - guitar
john boecklin - drums

www.devildriver.com

autor: shavo | 11.01.2006
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