Interview mit Despised Icon
Interview mit Alexandre am 09.04.2007 Wir haben keine größeren Experimente gemacht
Despised Icon Bei ihrer Europa Tour zusammen mit Unearth und Job For A Cowboy konnte man Despised Icon auch im Colos-Saal in Aschaffenburg erleben. Im Rahmen dieses Tourstopps ergab sich nach dem Konzert auch die Gelegenheit zum Interview mit Frontmann Alexandre.

Dosenmusik: Also, wer zur Hölle sind Despised Icon?
Alexandre: Hehe, also Despised Icon ist eine Band aus dem Osten Kanadas, genauer gesagt Montreal, also dem französischen Teil von Kanada. Wir sind seit ungefähr 5 Jahren zusammen und touren. Aber dies ist unsere erste Tour durch Europa, bislang haben wir nur in den USA und Kanada gespielt. Musikalisch gesehen pendeln wir zwischen Deathmetal und Metalcore, wir probieren eben diese beiden Stilistiken zu mixen.
Dosenmusik: In eurem Line Up gab es neulich einen Wechsel... wenn ich richtig informiert bin habt ihr einen neuen Gitarristen?
Alexandre: Ja, das stimmt. Das ist anfangs etwas komisch gewesen, wir hatten nie große personelle Änderungen in der Band, eigentlich blieb die Besetzung die letzten 5 Jahre konstant, aber dann hat einer unserer Gitarristen geheiratet und Kinder bekommen, weshalb es verständlich ist, warum er nicht mehr touren konnte, bzw. wollte. Wir haben dann verschiedene Leute vorspielen lassen, größtenteils über Videos die sie uns geschickt haben. Al, der auch bei Burn in Silence spielt, hat uns dann am meisten überzeugt. Er hat nicht nur die Songs perfekt gespielt, sondern hat auch menschlich gesehen gut zu uns gepasst. Eben ein echter Freund, was sehr wichtig ist wenn man lange auf Tour ist, denn dann nützt es nichts, wenn jemand super Gitarre spielen kann aber sonst ein Kotzbrocken ist. Er kommt aus den USA, aus Boston, aber er lernt grad schon französisch.
Dosenmusik: Ihr sprecht untereinander also ausschließlich französisch?
Alexandre: Genau, wie gesagt, wir kommen aus dem französischsprachigen Teil Kanadas, unter uns sprechen wir nur französisch, nur auf Tour reden wir Englisch.
Dosenmusik: Ich verschone euch lieber mal mit meinen Kenntnissen in Französisch... kommen wir lieber zur nächsten Frage: Wie würdest du die letzten 5 Jahre in der Band zusammenfassen?
Alexandre: Also es ist einfach unglaublich gewesen, ich hätte nie gedacht, dass wir es so weit schaffen können. Musik ist unsere Passion. Es fühlt sich schon gut an, wenn man bedenkt dass wir es damit um die halbe Welt, von Kanada bis nach Deutschland geschafft haben.
Dosenmusik: Ihr seid schon etwas länger im Geschäft. Seid ihr da nicht manchmal auch ein klein wenig neidisch, wenn ihr wie jetzt, mit recht neuen Band wie Job For A Cowboy auf Tour seid, und dann vor ihnen spielen müsst?
Alexandre: Nein, ich bin kein bisschen neidisch, dass sind allesamt sehr nette und sympathische Kerle die ihren Erfolg auch verdient haben. Drüben in den USA gibt es allerdings viele Neider, weil JFAC in so kurzer Zeit so groß geworden sind. Wir haben zwar schon dreimal so viel getourt wie sie, aber ok, so lange sie keine Rockstar Allüren bekommen ist das schon in Ordnung.
Dosenmusik: Kommen wir zu eurem neuen Album, für das ihr mit Andy Sneap zusammen gearbeitet habt...
Alexandre: Wir sind große Fans seiner Produktionen bzw. der Bands die er produziert hat. Wir sind stilistisch schon etwas anders als das was er sonst macht. Mit tiefen Growls hatte er bislang nicht so gearbeitet, aber durch uns mag er jetzt sogar die typischen Pig Squeals. Die neue Platte klingt einfach gut, was will man mehr!
Dosenmusik: Wie habt ihr euch auf der neuen Platte musikalisch weiter entwickelt?
Alexandre: Also wir haben keine größeren Experimente gemacht, es gibt keinen cleanen Gesang oder so etwas, wir haben unser Konzept beibehalten, haben aber alles noch mal eine Stufe höher gestellt als auf “The Healing Process“. Die Strukturen sind ausgereifter und die Songs klingen unterschiedlicher, es ist nicht mehr so, dass wir quasi 12 mal das gleiche Lied auf einer Platte eingespielt hätten. Die Blastbeast-Parts sind länger geworden, es gibt mehr Growls, insgesamt ist das Album etwas mehr Deathmetal als der Vorgänger würde ich sagen. Es gibt aber auch Gitarrensolos und es gibt Gang Vocals, bei denen wir uns mit 14 Mann in die Gesangskabine gequetscht haben!
Dosenmusik: Ihr seid momentan eine der wenigen Bands, die wirklich mit zwei Shoutern arbeiten. War das immer so geplant?
Alexandre: Ja, ich denke schon, wir waren schon von Anfang an zu zweit am Mic. Und wir haben beide stimmlich einen ganz verschiedenen Tonumfang, weshalb das gut zusammen geht. Ich denk schon auch, dass es uns einen gewissen Wiedererkennungswert gibt, klar, wir sind zwar nicht die einzigen Band mit zwei Frontmännern, aber andererseits hat das auch nicht jede Band. Und da wir damit zu sechst auf der Bühne sind, ist auch immer für genug Action gesorgt.
Dosenmusik: Um noch mal auf eure Herkunft zu sprechen zu kommen: hat man es als kanadische Band schwerer als US-Bands?
Alexandre: Ja, ich denke schon. Vor 2-3 Jahren war die Szene noch sehr, sehr klein. Es war schwierig außerhalb unserer französischen Provinz zu spielen, noch schwieriger ganz Kanada zu betouren, und fast unmöglich in den USA zu spielen. Aber es werden immer mehr kanadische Bands von Labels gesigned, Beneath the Massacre, Ion Dissonance, Comeback Kid, Liferuiner, etc. Es ist dadurch leichter geworden in den USA zu spielen. Aber das große Problem dabei ist, dass wir dafür auch immer eine Arbeitserlaubnis brauchen, um überhaupt einreisen zu können. Und allein die kostet uns pro Kopf 3000$ im Jahr.
Dosenmusik: Wow, wie ist das mit Europa?
Alexandre: Wir brauchten auch eine spezielle Erlaubnis für Groß Britannien, aber sonst nirgends, ist alles easy gewesen.
Dosenmusik: In wie fern könnt ihr den Metalcore Trend für euch nutzen? Werden dadurch nicht viele Leute offener gegenüber noch extremeren Bands, wie z.B. euch?
Alexandre: Ich denk wir haben unsere Fans in zwei Lagern. Wir haben sowohl reine Deathmetal Shows mit Suffocation, auf der anderen Seite Hardcore/Metalcore Konzerte mit Hatebreed oder eben jetzt Unearth gespielt. Der Trend hilft uns sicher etwas, aber wir versuchen nicht zwingend im Trend zu liegen. Es gibt momentan viele Leute die für mehr als nur einen Stil offen sind, und deswegen läuft es für uns gut.
Dosenmusik: Und wie siehst du die Zukunft für die extremen Metalsubgenres? Wie werden Bands im Jahr 2027 klingen?
Alexandre: Das ist wirklich schwer zu sagen. Vor 10 Jahren haben Cryptosy mit unglaublichen Blastbeats angefangen, die damals niemand anders hatte, es gibt heute aber wirklich viele Bands, die so was technisch hinkriegen. Hm, andererseits, wenn man das mit Sportlern vergleicht, die schaffen es auch immer schneller, stärker etc zu werden, obwohl viele Denken, dass Limit sei bereits erreicht. Andererseits pushen wir es schon bis ans Limit, und ich kann mir kaum vorstellen wie man sich da noch steigern soll.
Dosenmusik: Ist die höher-schneller-weiter Dynamik also ein Sackgasse?
Alexandre: Ich weiß es nicht, bislang kam immer etwas, dass im Vergleich zu allem bisherigem extremer klang, ich denke das wird irgendwann auch wieder passieren, aber ich weiß nicht, wie das konkret aussehen wird. Vielleicht wirklich nur noch purer Lärm?
Dosenmusik: Wie sehen die eure Pläne für die absehbare Zukunft aus?
Alexandre: Mit der neuen Platte hoffe ich dass, wir erstmals weltweit Fuß fassen können. Und dass bedeutet natürlich auch viel touren! Wir sind hier in Deutschland jetzt bei Avocado Booking unter Vertrag, und wie es aussieht, sind wir dann im September wieder hier bei euch.
Dosenmusik: Fein, darauf darf man sich freuen!


Alexandre Erian - vocals
Steve Marois - vocals
Eric Jarrin - guitar
Al Glassman - guitar
Sebastien Piche - bass
Alex Pelletier - drums

www.despisedicon.com

autor: Vorstadtkind | 22.05.2007
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