Interview mit Defeater
Interview mit Gitarrist Jay „Ich beschreibe unsere Musik am liebsten mit einem Wort: ehrlich!“
Defeater Defeater sind eine Offenbarung am trüben Hardcore-Himmel. Um kurz vor den ersten Shows in Deutschland Werbung für diese grandiose Band zu machen, hab ich mich mit Jay über dies und jenes und den ganzen Rest unterhalten.

Dosenmusik: Um das Interview ins Rollen zu bringen, stell Dich und Deine Band einfach mal vor!
Jay: Ich bin Jay and spiele Gitarre und übernehme die Backup Vocals. Die anderen Jungs sind: Derek - Vocals, Gus - Gitarre, Mike - Bass und Andy - Drums.
Dosenmusik: Was kannst Du uns zur Geschichte von Defeater erzählen?
Jay: Wir kommen alle aus der Region Boston und waren dort seit unserer Jugendzeit in unzähligen Bands zugange, bevor wir vor ca. 1 1/2 Jahren Defeater gegründet haben. Wir kannten uns alle vorher aus anderen Projekten. Das Lineup war eigentlich immer das gleiche, nur zu Beginn hatten wir für kurze Zeit mal einen anderen Bassisten, aber Mike hatte keine Probleme sich bei uns einzugliedern, da er ein langjähriger Freund ist.
Dosenmusik: Ich weiß, diese Frage ist nicht immer gern gesehen, doch es gehört nunmal dazu, damit sich Leute, die euch nicht kennen, ein Bild von Defeater machen können. Also, versuch mal eure Musik zu beschreiben, vielleicht im Sinne von Genre, vergleichbare Acts, Einflüsse etc.!
Jay: Die Frage muss nicht sein, aber Du hast ja recht. Ich beschreibe unsere Musik am liebsten mit einem Wort: ehrlich! Manche vergleichen uns mit Modern Life Is War, aber bei uns geht’s auf jeden Fall mehr ab. Unsere Einflüsse sind so vielfältig, genauso wie die Liste mit unseren Lieblingsbands. Ich liebe Fugazi, Gus steht auf die Smashing Pumpkins, Andy mag die Chili Peppers aus irgendeinem Grund und Derek hört wahrscheinlich grad irgendwas von einem komischen Typen, der im Keller auf der Akustik-Gitarre spielt.
Dosenmusik: Beende diesen Satz: Ihr habt euren Namen von Sluts zu Defeater geändert, weil...
Jay: ...weil Sluts nur ein Projekt für ein halbes Jahr sein sollte und er Name offensichtlich scheisse ist.
Dosenmusik: Ihr habt ein Album mit dem Titel „Travels“ veröffentlicht. Was sind eure Erwartungen für die Platte?
Jay: Um ehrlich zu sein keine. Ich habe ein Studio hier in Boston und wir haben einfach ein Album gemacht, worauf wir stolz waren. Eigentlich ist alles, was ich will, nur Kunst zu erschaffen und ein Glückliches Leben zu führen. Auch wenn die Leute nicht gut finden, was wir machen, würde ich es trotzdem veröffentlichen. Ich finde das Genre ist in einem furchtbaren Zustand. Es geht nur um Breakdowns und rare Nike Schuhe. Es scheint so, als dreht sich diese Sache wieder um mit ein paar cleveren, mehr musik-orientierten Releases in der letzten Zeit. Zumindest hoffe ich das.
Dosenmusik: Habt ihr es in irgendeiner Form auf kommerziellen Erfolg abgesehen oder geht es bei euch tatsächlich nur um den Spaß?
Jay: Es klingt fast so, als würdest Du behaupten, mit Hardcore Musik kann man wirklich Geld verdienen. Wir wollen eigentlich nur kein Geld verlieren. Diese Band ist ein kreatives Ventil für alle, die dabei sind. Wenn die Welt entscheidet, dass Defeater erfolgreich sind, dann ist das super, auch weil wir natürlich so viele Menschen wie möglich mit unserer Musik erreichen wollen. Du kannst allerdings auf uns zählen, immer nur die Musik zu machen, die wir machen wollen. Das Leben ist zu kurz, um ein Blender und Betrüger zu sein.
Dosenmusik: Kannst Du uns das Konzept des Albums kurz beschreiben?
Jay: Dem Konzept liegt eine Geschichte zugrunde. Sie spielt an der Küste von New Jersey nach dem zweiten Weltkrieg. Die Themen sind Religion, Alkoholismus, Missbrauch, Drogenabhängigkeit, Liebe, Leid und Angst. „Travels“ handelt von einem Hauptcharakter, der jüngere von zwei Söhnen, und wie er mit einem kaputten Zuhause umgeht.
Dosenmusik: Kommen bei dieser Geschichte persönliche Erlebnisse zum tragen?
Jay: Das Konzept ist tatsächlich eine Zusammenstellung von Einzelteilen unseres Lebens, neu erzählt durch fiktionale Charaktere. Zuallererst ist und bleibt es eine Geschichte, also gibt es Teile, die wir verschönern, aber eben auch Passagen, bei denen wir uns mehr oder weniger an die Fakten halten. Ich war noch nie gut darin, fröhliche Musik zu schreiben und „Travels“ ist da kaum eine Ausnahme.
Dosenmusik: Wie seid ihr auf das Konzept gekommen?
Jay: Von Beginn an wollte ich mit Defeater eine Vision verwirklichen. Dieses Konzept umzusetzen, war schon sehr lange meine Absicht, aber ich hatte nie das Gefühl, die richtige Band dafür zu haben. Als ich dann Derek getroffen hab und sein Songwriting-Stil kannte, dachte ich mir, es wäre ein Versuch wert. Ich hab ihm meine Idee also vorgeschlagen und er war sofort begeistert.
Dosenmusik: Wie vereinbart ihr eure unterschiedlichen Ansätze?
Jay: Das Original-Konzept war meins, aber Derek und ich haben es komplett zusammen überarbeitet. Derek schreibt alle wichtigen Texte. Manchmal verändere ich etwas oder ergänze eine Zeile, aber grundsätzlich ist das seine Aufgabe. Er ist da auch viel besser als ich.
Dosenmusik: Erzähl mal etwas zu den Aufnahmen!
Jay: Ich hab das Album bei mir im eigenen Studio aufgenommen (www.thegetawaygroup.com) Ich kümmere mich nahezu allein um das ganze Songwriting, aber Gus und Andy sorgen dafür, dass am Ende alles glänzt. Das Mastering hat Nick Z bei New Alliance East in Cambridge übernommen. Er ist ein toller Typ und hat immer meine permanenten Änderungswünsche beachtet.
Dosenmusik: Ein paar Fragen zum Touring. Zuerst, kommt ihr mal nach Deutschland?
Jay: Wir sind im Juli mit Comeback Kid in Europa und spielen auch ein paar Konzerte in Deutschland.
Dosenmusik: Bands spielen auf Tour meist Setlists, die sich nicht an den Tracks auf dem Album orientieren. Wie regelt ihr das bei euren Konzerten?
Jay: Wir spielen sie auch nicht in der Reihenfolge, in der sie auf der Platte sind. Damit haben wir zwar angefangen, doch was für das Album gut ist, muss nicht auch live funktionieren. Aber ich würde das gern wieder machen. Grundsätzlich ist die Geschichte des Albums auf der Bühne ja nicht wichtig, sondern die Musik.
Dosenmusik: Was macht ihr zwischen den Shows und wenn ihr Pausen habt?
Jay: Wir hängen einfach rum. Wir hören viel Musik und reden über Gott und die Welt. Schön ist es, wenn wir Zeit für einen Kaffee haben, Skaten können oder einfach Zeit haben, um uns zu entspannen.
Dosenmusik: Ok, zum Abschluss noch ein bisschen Trivia! Was war das letzte Album, welches Du Dir gekauft hast?
Jay: „Tail Swallower And Dove“ von These Arms Are Snakes
Dosenmusik: Was ist Dein persönliches Konzert-Highlight?
Jay: Fugazi, 1995 in Durham, New Hampshire.
Dosenmusik: Was war der letzte Film, den Du gesehen hast?
Jay: „Sunshine“. Derek meinte der sei toll. Das war er nicht.
Dosenmusik: Und das letzte Buch, was Du gelesen hast?
Jay: „Richest Man in Babylon“ von George Samuel Clason.
Dosenmusik: Zeit für Deine letzten Worte!
Jay: „Andy, Cornell called, they think you suck. And you're gayer than Oscar. Boom. Roasted.“
Dosenmusik: In diesem Sinne, vielen Dank!

Defeater

Derek - Vocals
Jay - Gitarre, Backup Vocals
Gus - Gitarre
Mike - Bass
Andy - Drums

myspace.com/defeater

Autor: coney (Simon Damm) | 07.07.2009
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