Interview mit Daturah
Email-Interview mit Gitarrist Mathias im Mai 2008 Man kann ja nicht im Proberaum sitzen und tolle Songs schreiben und dann warten bis irgendwer kommt und einen zum Rockstar beruft.
Daturah Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit, bis Daturah uns nicht mehr für ein Interview entkommen konnten - eine Frankfurter Band, mit zwei wirklich guten Veröffentlichungen musste ja irgendwann ihren Weg zu uns finden. In diesem E-Mail Interview stand uns Gitarrist Mathias Rede und Antwort, und erzählte uns unter anderem von seiner Verbindung zur Frankfurter Musik-Szene, Live Shows und dem Schreib-Prozess der Band.
Dosenmusik: Könnt ihr in ein paar Sätzen zuerst einmal die Band-Geschichte und was es mit eurem Namen auf sich hat zusammenfassen?
Mathias: Uns gibt's seit ca. 2003. Angefangen hat es als reine Proberaum-Abhängerei und -Rumdudelei von Ralf und mir. Zusätzlich hab ich angefangen zuhause am Computer die ersten konkreten Songideen zusammen zu basteln. Nach und nach kam dann auch der Rest der Truppe zusammen. Benni und Flo, welche vorher bei APNOE gespielt haben und deren Proberaum auch unsere Ausgangbasis war, und Patrick, mit dem ich vor 15 Jahren schon mal zusammen bei CRUSHED gespielt habe und der später bei DREADLINE und BURST OF FIRE aktiv war. 2004 haben wir dann angefangen unseren Erstling aufzunehmen, der eigentlich ursprünglich mal als Demo gedacht war und daraufhin jede Menge live gespielt. 2006 haben wir dann schon mit den Aufnahmen zu "Reverie" begonnen und kurz darauf hat uns Ralf dann aus zeitlichen Gründen leider verlassen und für ihn kan dann Sebastian dazu, der nun auch teilweise zusätzlich zur Elektronik eine dritte Gitarre übernimmt. Ende 2007 hatten wir dann "Reverie" endlich fertig gestellt und nun sind wir gerade von einer kleinen Tour wieder zurück und sitz ich hier und beantworte eure Fragen. Der Name Daturah ist die botanische Bezeichnung für die Engelstrompete (auch als Stechapfel) bekannt und anders als viele Leute vielleicht vermuten war nicht der Drogenaspekt dieser Pflanze ausschlagengebend für die Nameswahl. Uns gefiel vor allem der Klang des Wortes und dass er kurz und einprägsam ist. Zudem fanden wir es auch ganz passend dass mit "Engelstrompete" auch ein musikalischer Aspekt in dem Namen enthalten ist. That's it.
Dosenmusik: Woher nehmt ihr eure Inspiration und was beeinflusst euch am meisten wenn ihr neue Lieder schreibt?
Mathias: Da gibt es keine bestimmte zu benennende Inspiration. Jeder von uns hat seine alltäglichen Einflüsse und Inpirationen, die bestimmt auch irgendwie ihren Weg in die Songs finden, das Leben ansich ist ja voll davon. Uns geht es vor allem darum dass sich die Songs für uns gut und richtig beim spielen im Proberaum anfühlen.
Dosenmusik: Wie würdet ihr eure Musik für jemanden beschreiben, der sie bisher noch nicht gehört hat?
Mathias: Ich sag immer Rockmusik, instrumentaler Rock mit ziemlich langen Songs, mal sanft und leise, mal ziemlich krachig, und mit einem melancholischen Touch, und live mit Video-Projektionen
Dosenmusik: Gibt es bestimmte Dinge, die ihr dem Hörer mit eurer Musik vermitteln wollt oder ist es euch lieber, wenn man eure Stücke frei interpretiert?
Mathias: Wir wollen definitiv keine konkrete Botschaft oder so etwas mit unserer Musik vermitteln. Uns geht es vor allem darum mit Tönen, Harmonien und Dynamik Emotionen zu transportieren die weitaus universeller sind als irgendwelche vorgegebenen Messages oder Thematiken. Wir wissen ja selbst wie schon erwähnt oftmals nicht was das alles zu bedeuten hat, aber es bewegt uns halt irgendwie. Es geht wohl vor allem um die emotionale Kraft von akustischen Wellen. Die daraus resultierenden Empfindungen können bei jedem Zuhörer völlig unterschiedlich sein und das ist auch gut so. Wir haben z.B. schon öfters von Zuschauern nach Konzerten zu hören bekommen dass unsere Musik sie traurig gestimmt hat, sie sich aber auch irgendwie gut dabei gefühlt haben.
Dosenmusik: Ihr kümmert euch um die meisten Dinge, welche die Band betreffen selbst, ist das etwas das ihr auch weiterhin beibehalten wollt oder könntet ihr euch vorstellen die Verantwortung an jemand anderen zu übergeben?
Mathias: Naja, so haben wir auf jeden Fall angefangen, was bleibt einem auch anders übrig. Man kann ja nicht im Proberaum sitzen und tolle Songs schreiben und dann warten bis irgendwer kommt und einen zum Rockstar beruft. Das ist leider scheinbar eine immer noch weit verbreitete Illusion bei einigen jungen Bands. Aber wenn man mit seiner Musik irgendwie raus gehen will, Konzerte spielen und Platten veröffentlichen. Inzwischen ist das ja aber auch nicht mehr ganz so bei uns. Wir haben zwei Labels, eins in Deutschland und eins in Amerika, die sich um viele organisatorische Sachen wie Tonträgerproduktion und Promotion kümmern, und einen Booker, der uns bei Touren unter die Arme greift. Das ist auch völlig ok und gut so, denn das sind auf jeden Fall Sachen die unheimlich viel Zeit fressen. Denoch kümmern wir uns klar nach wie vor um viele Sachen selbst, was wir bei bestimmten Sachen wie z.b. Aufnahmen oder Artworks auch gar nicht anders handhaben wollen, da wir gerne selber die Kontrolle und somit auch die Verantwortung behalten möchten.
Dosenmusik: Mathias, ich habe gelesen das du nebenbei auch noch Konzerte veranstaltest, wie kommst du mit der Doppelbelastung klar und schaffst es, noch Zeit für dich zu finden?
Mathias: Gutes Timing mit der Frage. Ich habe letzte Woche mein vorerst letztes Konzert veranstaltet und nun beschlossen erstmal damit aufzuhören. Zum einen natürlich auch damit ich mehr Zeit für die eigene Band habe, aber vor allem da ich im Laufe des letzten Jahres immer mehr denn Eindruck gewonnen habe das funktioniert eigentlich gar nicht mehr in Frankfurt, die Leute interessieren sich überhaupt nicht mehr für tolle, kleine Undergroundbands. Das ist zwar sehr schade, aber für mich war es dann einfach die logische Konsequenz es erstmal gut sein zu lassen, da das Ganze doch ziemlich viel Zeit und Energie, und auf Grund der geringen Zuschauerzahlen leider auch Geld kostete. In der Beziehung ist Frankfurt echt ziemlich FuckedUp. Ich hab keine Ahnung was die Leute eigentlich wollen? Scheinbar vor allem sich Wochendends in irgendwelchen IndieElectroClash-Schuppen bis zur besinnungslosigkeit zudröhnen und nach Möglichkeit noch jemanden für die Nacht abschleppen. Zeit für mich? Die Band ist doch unter anderem Zeit für mich!
Dosenmusik: Ihr begleitet eure Konzerte immer mit Video-Projektionen und scheint allgemein auch sehr viel Wert auf die visuellen Aspekte zu legen- wie würdet ihr euch, wenn Geld keine Rolle spielen würde, euer perfektes Konzert vorstellen?
Mathias: Schwierige Frage, haben wir uns bisher nicht wirklich Gedanken drüber gemacht. Was ich ganz interessant finde ist die Projektionen nicht nur auf den Bühnenhintergrund zu beschränken, sondern den kompletten Konzertraum, und somit die Zuschauer, mit Hilfe von Lichtinstallationen und Video-oder Dia-Projektionen ein Teil des Ganzen werden zu lassen.
Dosenmusik: Bei welchem Song habt ihr am längsten gebraucht, um ihn entgültig fertig zu bekommen und wie kann man sich den Schreib-Prozess bei euch vorstellen?
Mathias: Uh, das kann ich dir jetzt gar nicht so genau beantworten. Ich glaube fast an "9" haben wir am längesten rumgetüftelt. Das Songwriting funktioniert bei uns ganz unterschiedlich. Manchmal kommt einer von uns mit einem Riff, einem Sound, einer Idee in den Proberaum und wir spielen ein bisschen damit herum, bis sich irgendwas daraus entwickelt. Manchmal habe ich auch schon komplett arrangierte Songs oder Parts zuhause aufgenommen, die wir dann versuchen im Proberaum umzusetzen, wobei dann manchmal auch wieder ganz andere neue Ideen hinzukommen und sich die urspüngliche Idee ganz anders entwickeln kann.
Dosenmusik: Welcher Song hat bei euch untereinander bisher zu den größten Diskussionen geführt?
Mathias: Kann ich auch nicht genau sagen. Das sind die Songs die wir vielleicht einmal live gespielt haben und die dann wieder aus dem Programm rausgeflogen sind, weil wir gemerkt haben daß sie irgendwie doch nicht funktioniert haben für uns als Ganzes, obwohl vielleicht einige wirklich schöne Parts enthalten waren. Eigentlich diskutieren wir auch nicht so viel über die Songs. Wir probieren manchmal zig verschiedene Varianten aus beim schreiben, aber irgendwie kommen wir beim Endresultat doch immer ganz gut zu einer einheitlichen Entscheidung. Das macht auch nur Sinn für uns wenn sich jeder mit dem Song gut fühlt.
Dosenmusik: Käme es für euch in Frage, in Zukunft auch Musik mit Gesang aufzunehmen?
Mathias: Wir sind da völlig unvoreingenommen dem gegenüber und wollen das überhaupt nicht ausschließen für zukünftige Songs, aber wir haben das jetzt auch nicht konkret geplant. Wir werden bestimmt früher oder später auch mal damit experimentieren wenn uns danach ist.
Dosenmusik: Euer neues Album hat (was Reviews angeht) wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als der Vorgänger, wie geht ihr mit dem um, was ihr darüber lest?
Mathias: Erstmal ist es natürlich schön etwas mehr präsent zu sein und mehr Leute zu erreichen. Es ist schon interessant was andere Menschen da so rein interpretieren können, wo wir uns vieleicht gar nicht so den Kopf drum machen. Wir lassen uns jetzt davon aber nicht in der Art beeinflussen daß wir bei tollen Reviews einen Überflieger bekommen oder bei negativen uns zutiefst gekränkt und missverstanden fühlen. Wir schreiben und machen die Musik ja vor allem für uns, und sind bestimmt auch selbst unsere härtesten Kritiker. Was wir allerdings als etwas erschreckende Tendenz feststellen müssten daß meist die Reviews in etwas größeren etablierten Magazinen doch ziemlich oberflächlich und einfallslos ausgefallen sind, und in den zahlreichen kleine Indie-Webzines wesentlich mehr Enthusiasmus und Leidenschaft mit drin ist. Da fragt man sich schon manchmal wofür manche "Profi"-Musikjournalisten eigentlich bezahlt werden? Um den Infosheet abzuschreiben und noch ein bisschen Namedropping zu betreiben? Und lustige Geschichte passieren natürlich auch, so wurden wir in einem Review z.b. als Industrial-Band bezeichnet!? Im Endeffekt machen wir uns da aber nicht allzu viele Gedanken drum, wobei es logischerweise auch immer gut tut etwas postives Feedback zu bekommen.
Dosenmusik: Wie steht ihr zu Seiten wie last.fm und Myspace?
Mathias: Das sind beides Internet-Netzwerke von denen wir definitiv profitiert haben und schon viele für uns hilfreiche Kontakte knüpfen konnten. Wir sind da aber nicht ständig auf der Suche nach neuen "Freunden" und wollen die Leute auch nicht nerven mit ständigen bildschirmfüllenden Werbepostings zu unserer neuen Platte oder sowas. Beide bieten einfach manigfaltige Möglichkeiten der Kommunikation und Vernetzung, wobei es natürlich auch erschreckend ist wie viele Leute in diesen Plattformen quasi leben und sich ausschließlich darüber definieren. Aber gut, es muß jeder selbst wissen wie er seine Zeit verbringen möchte.


Mathias - guitar
Benni - bass
Patrick - drums
Flo - guitar
Seb - synth, samples, guitar
Raul - stage visuals


www.daturah.de

Autor: Jerseydevil | 15.05.2007
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