Interview mit Converge
Interview mit Kurt von Converge am 16.06.2007 Mit Converge gibt es kein festgelegtes Ziel...
Converge Summer Blast 2007, wir dürfen Converge interviewen und werden in den Tourbus geladen. Drinnen ist es angenehm klimatisiert und Kurt Ballou sitzt recht entspannt am Tisch und grinst uns an als wir reinkommen. Wir stellen uns kurz vor uns schon beginnt das mit viel Herzklopfen, auf Helmis Seite, erwartete interview.

Helmi: Wie gefällt euch denn die Tour bisher?
Kurt: Die Tour hat ja grade erste begonnen, heute ist ja erst der dritte Tag, aber bisher ist es großartig. Jeder Tag stellt ein neues Abendteuer dar. Es gibt einige Dinge die schief laufen aber auch genügen Momente die man genießen kann. Besonders mit den großartigen Band die wir mit auf Tour haben.
Helmi: Gut das es euch so viel Spass macht, denn immerhin habt ihr euch ein Hammerprogramm aufgestellt.
Kurt: Ja das stimmt die längste Tour die wir je gemacht haben. Wir sind über einen Monat lang, ich glaube genau 6 Wochen, jeden Tag unterwegs. Einen Tag haben wir wohl mal frei aber das war es dann auch schon.
Simon: Was macht ihr denn um euch zwischen den Gigs zu entspannen?
Kurt: Wir geben Interviews (lacht) und hängen im Tourbus ab. Ja was man halt so macht, wir spielen dann Karten und schauen uns die anderen Bands an. Sprechen mit Leuten und haben eine gute Zeit.
Helmi: Nach so einer Tour, legt ihr dann die Instrumente erstmal beiseite und lasst die Musik, Musik sein?
Kurt: Nun es ist nicht so das wir einen festgelegten Plan haben, was wir wann machen. Wenn wir von so einer Tour zurückkommen, tauchen wir wieder in unsere normalen Leben ab. Mir gehört ja ein Aufnahmestudio und wenn wir mir dieser Tour hier fertig sind, beginnen schon die nächsten Aufnahmen. So ein Ablauf ist eher typisch für mich.
Helmi: Wie bewerben sich neue Band beim Deathwish Inc. Label? Sucht ihr euch die Bands aus, nachdem ihr sie live gesehen habt oder kommen sie auf euch zu?
Kurt: Deathwish Inc. gehört ja Jacob Bannon. Ich bin da nicht sehr stark involviert. Normalerweise kennt Jacob die meisten schon persönlich oder die Bands senden einfach ein Demotape zu. So kommt der Stein dann ins rollen. Zum Beispiel hier auf der Tour sieht man dann ja auch neue Band und kommt so mit denen ins Gespräch. Solche Kontakte ergeben sich dann einfach. Da geht’s dann meistens auch nur darum persönliche Beziehungen aufzubauen.
Simon: So du produzierst eine Menge anderer Bands und zusätzlich noch alle Converge Alben?
Kurt: Ja ich produziere ne Menge anderer Bands und war bei den letzten 3, na ja eigentlich 4 Alben von Converge stark beteiligt.
Simon: Kannst du da Unterschiede feststellen zwischen einem Converge Album von dir produziert und dem einer anderen Band?
Kurt: Ja schon, hmm, ich glaub da muss man erstmal sagen, dass ich die Bands und Converge ja nicht produziere ich nehme sie ja nur auf. Das bedeutet bei vielen Bands mit denen ich arbeite, die haben kein großes Budget, dass ich da nicht an allem arbeiten kann, weil wir nicht genügend Zeit haben. Ich fange da einfach mehr den Sound der Band ein.
Wenn also eine Band auf mich zukommt, kann ich mir deren Songs anhören als Zuhörer. Ich höre den Song so, wie die Band ihn fertig gestellt hat. Das ist was ganz anderes als wenn ich in den Entstehungsprozess mit einbezogen bin. Ich kann da wirklich nur Zuhören. Die ganze Zeit und Energie die die Band in den Song rein gesteckt hat, habe ich nicht als Referenz. Wenn ich z.B. an einem Riff für ein Converge Album arbeite dann ist das was komplett anderes. Je mehr Zeit und Energie ich in ein Riff gesteckt habe umso wichtiger wird es mir natürlich und ich will es auch benutzen. Da kann es dann manchmal schon passieren, dass ich nicht mehr Objektiv sagen kann, das Riff ist gut oder schlecht. Darum schaut sich Nate auch noch mal alles an was ich geschrieben hab, einfach um drüberzuschauen ob es gut genug ist. Ich mache das gleiche dann auch bei seinen Sachen. Wohingegen das bei anderen Bands dann nicht mehr so ist, ihr Einsatz tangiert mich nicht. Ich kann ihnen gleich sagen ob es gut oder schlecht ist und kann sofort Lösungen anbieten. Ich kann daher andere Bands besser produzieren als Converge.
Aber Converge ist meine Band da hängt mein Herz viel stärker dran als bei anderen Sachen. Und natürlich hab ich mehr Zeit und gebe mir da auch extra viel Mühe. Außerdem wenn man in einer Band spielt, dann tritt man förmlich vor seinen anderen Bandmitgliedern auf, man ist auf dem gleichen Level. Wenn man dagegen jemand anderen produziert ist man das nicht. Von daher ist es schon schwierig sich da beide Stiefel anzuziehen. Aber ich denke halt auch das es niemand besseren gibt der Converge so produzieren könnte, wie wir das selber machen.
Simon: Da kommen wir auch gleich zu meiner nächsten Frage. Hab ihr schon mal daran gedacht euch von jemand anderem produzieren zu lassen?
Kurt: Ja klar, das letzte Album ist eigentlich erst das einzige was wirklich nur bei uns intern entstanden ist. Vorher hatten wir schon immer andere Produzenten, aufgenommen haben wir es aber immer alles selbst. Außerdem denke ich nicht, dass noch jemand, der wieder etwas anders denkt als wir, dem Aufnahmeprozess wirklich voranbringen würde. Immerhin haben wir innerhalb der Band schon genügen Gesprächsstoff was das angeht.
Helmi: Also lässt euch auch euer Label Epitaph da auch freie Hand?
Kurt: Ja absolut sie kümmern sich dafür um andere Sachen. Wenn wir was benötigen dann besorgen sie das oder kümmern sich darum. Aber mit dem richtigen Geschäft haben sie nicht viel am Hut, also was Touren wir machen sollen und wen wir da mitnehmen. Oder wie viel Geld wir für ein Album haben. Sie sagen da eher hier habt ihr Kohle was ihr braucht, braucht ihr was nicht das können wir woanders unterbringen.
Helmi: Also ihr macht eigentlich alles selbst.
Kurt: Ja (lacht).
Simon: Ich habe gehört "You Fail Me" wurde in einem Live Setting eingespielt, ist das korrekt?
Kurt: Naja, wir haben einige Song auf der Tour geschrieben und im Studio dann gejamt aber live... Helmi: ...nein wir meinten, es war ja das Ziel dieses Album so roh wie möglich zu halten. Also das Live Image der Band rüberzubringen.
Kurt: Achso ja klar, die letzten 3 Alben hatten immer als Ziel, sich so anzufühlen und so zu klingen wie wir uns Live anhören und anfühlen. Wir versuchen also nicht viel auf dem Album zu verarbeiten was wir live dann nicht bieten oder spielen können. Das heißt jetzt nicht, dass wir so ein Album dann in nur drei Wochen einspielen. Sondern es geht uns dann halt einfach darum das es so klingt wie eine kleine sehr intime Converge Live Show.
Helmi: Kann man daraus dann schließen, dass euch die kleinen Shows mehr am Herzen liegen, als wie heute ein größeres Festival?
Kurt: Also ich bevorzuge kleine Shows. Am besten wo es keine Bühne oder zumindest keine Absperrungen gibt. Ich mag eher Shows wo das Lineup und die Größe der Veranstaltung der Publikumsresonanz entsprechen. Das heißt ich will nicht auf einer Stage spielen vor der 2000 Leute platz hätten aber nur 400 gekommen sind. Ich will ja nicht, dass die dadurch abgeschreckt werden. Für mich soll es immer so sein das möglichst nichts zwischen der Band und dem Publikum ist. Immerhin ist es Hardcore und da geht es nun mal um Community und das sollte auch bei einer Live Show zu spüren sein.
Helmi: Das heißt gestern die Show in der Räucherkammer im Schlachthof hat euch besonders zugesagt?!
Kurt: Gestern was richtig gut. Wart ihr beide da?
Helmi & Simon: Nein leider nicht, obwohl es sogar in der Nähe von uns war. Aber wir haben uns gedacht wir treffen und sehen euch heute. Aber wir haben gehört es war großartig.
Kurt: Ja gestern was gut, aber wir hatten zwar eine Menge technischer Probleme aber so ist das halt. Es war sehr, sehr eng und ich hatte nicht viel Platz mich zu bewegen. Ich hatte eine Stange über mir und bin ständig mit meiner Hand und meiner Gitarre dagegen gehauen. Auf Dauer ist das dann schon frustrierend. Das wir halt heute auf der großen Bühne nicht passieren. Aber gestern war es dann doch schon eher so eine kleine sehr rohe Converge Show. Es war vielleicht nicht perfekt aber es stellt so die Essenz dar, das ist Converge. Aber wie gesagt heuten können wir noch besser spielen, wegen der Bühne da krachen keine Leute in uns hinein und wir haben am Anfang ein schönes Intro... (lacht und schaut zu Nate rüber)
Helmi: Wie sieht es denn mit neuen Sachen aus. Arbeitet ihr zurzeit an neuen Stücken oder wollt ihr jetzt erstmal die Tour hinter euch bringen?
Kurt: Nein, momentan noch nicht. Natürlich haben wir schon wieder eine Menge neuer Ideen aber noch nichts Konkretes.
Simon: Das heißt ihr schreib Songs auf der Tour?
Kurt: Manchmal, wir versuchen halt viel im Tourbus zu schreiben, ich weiß halt noch nicht ob das passieren wird. Beim letzten Album hatten wir die Songs circa einen Monat vor dem Aufnahmebeginn geschrieben. Ich versuche halt immer das ursprüngliche Gefühl beim schreiben mit in die Songs zu nehmen. Das heißt es darf nicht so viel Zeit dazwischen liegen, sondern die Emotionen müssen noch frisch sein. Ich finde die besten Songs sind die, zu denen man noch eine starke emotionale Bindung hat.
Helmi: Früher ging es ja vorwiegend um Beziehungsprobleme die Jacob in den Songs verarbeitet hat. Mit "You Fail Me" wurde das Spektrum ein wenig weiter, wo es dann mehr um das Thema "versagen" im Allgemeinen ging. Habt ihr auf dem neuen Album alles etwas zu den Lyrics beigetragen?
Kurt: Nein nicht wirklich. Wir teilen zwar viele Ansichten innerhalb der Band aber die Lyrics sind dann doch mehr Sache von Jacob. Er trägt halt nicht viel zur Musik bei, daher lassen wir ihm da freie Hand was die Lyrics angeht. Klar geben wir hinweise wenns um das Timing der Lyrics geht usw. aber ansonsten überlassen wir das alles ihm, genauso wie die künstlerische Geschichte wenns um die Cover geht.
Simon: Aber wenn Jacon für die Lyrics verantwortlich ist und ihr euch da nicht mit einbringt, müsst ihr doch trotzdem etwas beim spielen fühlen? Ihr wollt doch die Emotionen auch zum Publikum rüberbringen? Oder spielt ihr dann nur um der Musik willen und die Lyrics sind Nebensache?
Kurt: Vieles über das Jacob singt oder schreit, kennen wir natürlich auch. Wir haben ja auch schon einiges zusammen erlebt. Immerhin wissen wir wo er herkommt und was er schon alles miterlebt hat. Daher verstehen wir die Lyrics schon recht gut und können natürlich auch eine Beziehung dazu aufbauen.
Simon: Mit Grimm Heart/Black Rose habt ihr ja ein eher ruhigeres Stück auf "No Heros". Was auch ein wenig an Black Sabbath erinnert, wenn auch etwas schwerer und härter, war das beabsichtigt?
Kurt: Nein wir wollen eigentlich keinen Bezug auf Black Sabbath nehmen. Natürlich hatte Black Sabbath auf mich persönlich einen großen Einfluss.
Helmi: Habt ihr deswegen auch den Song "Snowblind" für ein Black Sabbath Tribute Album eingespielt?
Kurt: Echt haben wir, ja ich glaub das ist schon so 10 Jahre her. Aber ich denke nicht das "Snowblind" mein Lieblingssong ist, da gibt es andere. Aber entweder wollten die anderen nicht oder was auch immer, und wir wollten auch einen eher unbekannteren Song nehmen. Also nicht so was wie "Paranoid" oder "War Pigs" was ja nun schon Millionen male gecovert wurde.
Helmi: Ich habe in einem anderen Interview ein Statement von Nate gelesen, indem es hieß, dass der Hardcore immer mehr verkommerzialisiert wird? Das war im Jahre 2005, denkt ihr heute noch immer so darüber?
Kurt: Also ich nehme zwischen damals und heute eigentlich keinen so großen Unterschied war. Ich meine nimm 2005 und jetzt 2007, Hardcore ist mittlerweile so Kommerziell, das ist kein Vergleich mehr zu den Zeiten wie damals in die Szene gekommen sind. Von daher denke ich auch, dass das Publikum ein ganz anderes ist als vor 15 – 20 Jahren als wir damit angefangen haben. Natürlich haben damals die Leute dann auch schon gesagt, dass der Hardcore früher viel besser gewesen ist. Ich mein das kann gut sein, nur habe ich das damals auch nicht so gesehen. Heute weiß ich, oder habe zumindest eine gute Vorstellung davon was den Hardcore verändert hat. Aber worauf es ankommt ist, dass es mir noch immer eine Menge bedeutet und noch immer genügend Antrieb für mich darstellt weiter zu machen.
Helmi: Nach 16 Jahren Converge, habt ihr da noch immer Träume?
Kurt: Einfach das wir weiterhin gute und unterhaltsame Alben raus bringen. Wir haben da eigentlich kein ultimatives Ziel auf das wir hinarbeiten. Ich finde es gibt immer noch Städte und Ländern in denen man spielen kann. Es gibt noch immer neue Alben die man produzieren möchte. Mit Converge gibt es kein festgelegtes Ziel, die Reise ist das Ziel und auf der will ich noch eine ganze Weile verbleiben.
Simon: Wenn man sich die Musikvideos von euch anschaut, fragen wir uns ob Jacob oder der Regisseur mit den Ideen ankommt?
Kurt: Normalerweise macht das der Regisseur. Natürlich pendeln die Ideen zwischen Band und Regisseur, nur finde ich das Musikvideos so lächerlich teuer sind, das ist schon nicht mehr schön. Ich meine die haben immer so ein straffes Budget und da müssen wir uns auch oft nach dem Regisseur richten, denn sonst wird’s einfach noch teurer. Ich würde da gerne anders arbeiten, ich würde es gerne billiger und vor allen dingen über uns laufen lassen. So das wir die Kamera in die Hand nehmen und alles drehen. Ich meine die Videos sind schon alle cool, aber im Grunde sind sie doch nur teure Werbung. So denke ich darüber. Ich meine ich hasse unsere Video nicht aber ich finde sie auch nicht sehr künstlerisch. Ich hoffe einfach, dass wir dann in Zukunft einfach mehr persönlich ins Geschehen eingreifen können. Oder Freunde die ein eher Low-Budget Video für uns drehen. Immerhin, man muss sich das mal überlegen so ein Musikvideo kostet mehr als das Produzieren eines Albums. So that is that!
Simon: Um dann langsam zum Ende zu kommen. Nach 16 Jahren Bandgeschichte gibt es da einen Moment der aus der Geschichte herausstricht?
Kurt: Man das ist hart, ich meine ich bin mein halbes Leben mit dieser Band unterwegs. Seit April 1991 gibt es uns nun schon, von daher…. Selbst wenn mir jetzt was einfallen würde. Würde ich das ungern in einem Interview publik machen. (lacht)
Simon: Was wird nach Converge passieren?
Kurt: Nach Converge, ...Na ich hoffe ich kann weiterhin in irgendeiner Form Musik machen. Produzieren will ich ja auch weiterhin.
Simon: Gibt es noch andere Musik an der du interessiert bist, komplett andere Musik als die mit Converge?
Kurt: Klar gibt es das, ich kann in einer Ska Band, Calypso Band oder Swing Band mitspielen, aber ich denke nicht, dass ich da besonders gut wäre. Converge ist schon genau die Musik die ich machen will. Von daher wird auch zukünftiges nie weit davon abweichen.
Helmi: Ich hab gelesen, dass du häufig eine Instrument, Theremin, verwendest. Wie kommt man auf ein solch eher ungewöhnliches Instrument?
Kurt: Nein das ist es eigentlich nicht. Das ist ziemlich bekannt und berühm in so der 60ier Jahre Musik. Eine Menge Bands haben das damals benutzt. Auch in den alten Horrorfilmen wurde das verwendet. Live hab ich es das erstmal bei den ‚Cocktails’ gesehen. Die Band ist echt spitze bei Live Shows rotieren die an den Instrumenten, das ist schon echt cool. Zusätzlich bin ich noch an allem was alt klingt interessiert und so ein Theremin wirkt schon eher antik. Ich meine wenn du dir echt mal die alten 50ier und 60ier Filme anschaust da kommt das ständig vor. Damals was das die Zukunft und heute ist es eher Retro.
Simon: Gibt es denn heute Bands die du dir gerne anschauen willst?
Kurt: Ja "Architects", die spielen gerade.
Simon: Oh, da halten wir dich also gerade auf?! Dann danken wir dir für die Zeit und wünschen dir und der Band weiterhin viel Erfolg.
Kurt: Vielen Dank an euch fürs Interview.


Jacob Bannon - Vocals, lyrics, visuals
Kurt Ballou - Guitar, electronics, backing vocals
Nate Newton - Bass, backing vocals
Ben Koller - Drums

www.convergecult.com

autoren: Coney, CUBTB 10.08.2007
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