Interview mit Cataract
E-Mail Interview mit Schlagzeuger Ricky Dürst am 26.05.2008 Blastbeats und atmospherische Klänge heben uns vom Metalcore ab!
Cataract Es gibt mal wieder wieder auf die zwölf aus Schweizer Landen! Wie dem einen oder anderen Freund des gepflegten Metalcore schon sicher zu Ohren gekommen ist, existiert ein neues Album der Band Cataract, mit dem schlichten und einprägsamen Namen "Cataract". Drummer Ricky stand uns kurz vor Album Release für ein E-Mail Interview zur Verfügung. Also: Lesen, kaufen, Nackenmuskelkater bekommen! Äußerst gut hörbar!!!

Dosenmusik: Vor kurzem erschien euer neues Album Cataract - Cataract! Warum sollte man es eurer Meinung nach kaufen? Mach mal ein bißchen Werbung für das gute neue Stück!
Ricky: Lass mich überlegen... weil es unser bestes ist?! Das ist ne knifflige Frage, da kommt man ums Phrasendreschen fast nicht rum! Ganz ehrlich, ich denke es ist unser stärkstes Album bisher, stilistisch das vielfältigste und offenste, aber gleichzeitig auch das kurzweiligste. Ich bin auch weiterhin der Meinung, dass wir uns angenehm vom Rest der ganzen Metalcore Schublade abheben, wer auch immer da nun reingehört. Also, hopp dreimal klicken und den Warenkorb füllen!
Dosenmusik: Seht Ihr die neue Scheibe als deutliche Weiterentwicklung zu euren letzten Werken?
Ricky: Es ist alles relativ. Wenn du dir "Great Days" anhörst, dann wirst du da Elemente erkennen, die wir auch auf "Cataract" benutzt haben. Blastbeats, atmosphärische Spielereien, sogar Keyboards – solche Sachen gingen bei den letzten Alben komplett unter, zugunsten eines immens hohen Energielevels. Aber noch mal so eine Platte machen kam für uns nicht in Frage. Wir wollten einen Schritt vorwärts machen, und die Wechsel im Line up und das zahnjährige Jubiläum waren der Ideale Anlass, Nägel mit Köpfen zu machen. Ich denke auch, dass die nächste Session die eingeschlagene Entwicklung noch n gutes Stück weiterführen wird – Tom ist erst ein Jahr in der Band und musste erst mal den Durchblick kriegen bei unserem Sound Ich denke ab der nächsten Session wird er sich noch mehr einbringen können.
Dosenmusik: Mir scheint, Ihr habt einiges an Arbeit in die neuen Songs gesteckt, sie wirken sehr ausgefeilt. Erzählt uns etwas darüber!
Ricky: Die Sessions im Proberaum verliefen äußerst kreativ, ich und wohl auch die Anderen waren sehr positiv überrascht, wie schnell und gut es vorwärts ging! Greg brachte zu fast allen Songs das Fundament, das er zuerst mit Tom zusammen weiter ausgearbeitet hat und danach haben wirs im Proberaum angeguckt, gejammt und geguckt ob's rockt. Ich würde nicht mal sagen, dass wir besonders daran rumgefeilt haben – wir wollten keinen der Songs in ein Schema kloppen, sie sollten sich selbst entwickeln und das hat sehr gut geklappt.
Dosenmusik: Ihr kassiert als eine der wenigen europäischen Bands eures Genres Höchstwertungen für Cataract in allen namhaften Metalmagazinen! Wie erklärt Ihr euch diesen unglaublichen Erfolg?
Ricky: Meiner Meinung nach haben die Leute erkannt, dass sich was getan hat bei uns und dass nach wie vor mit uns zu rechnen ist. Und auch wenns wieder nach Phrasendrescherei klingt, es IST unser stärkstes Album bisher! Ich habe mir das Ding schon so oft angehört und es läuft immer bis zum Ende durch, es ist kurzweilig und bleibt bis zum Ende spannend. Es ist aber schon so, dass Kritiken immer relativ sind, was mich am meisten freut ist wenn die Scheibe in nem Soundcheck gut abschneidet.
Dosenmusik: Für die Textsüchtigen unter euren Fans: Worauf bezieht Ihr euch da? Ihr reißt ja verschiedene gesellschaftliche Themen an, manches scheint auch wieder eher persönlich zu sein? Ich denke da an Songs wie Choke Down oder Blackest Hour vom neuen Album!
Ricky: Für uns sind die texte wichtiges Mittel um den Songs mehr Aussagekraft zu verleihen. Ich meine, was soll ein Moshpart wenn zugleich einer über seine verflossene Liebe jammert… Die Musik ist für uns ein Ventil, um Dampf abzulassen und genau so verhält es sich mit den Texten. Fedi lässt sich über Dinge aus, die ihn stören, ihn aufregen. Blackest Hour liegt uns am Herzen, ich kann zwar nicht die Hand ins Feuer legen, aber der Text wurde u.a. davon inspiriert, dass unsere letzten CDs -wie auch immer- bei rechten Vertrieben im Programm gelandet sind. Und ich weiss nicht, was wir da sollen – unsere Band besteht aus Kanaken, Zigeunern und Mischlingen! "Blackest Hour" richtet sich gegen das Vergessen dieser historischen Ereignisse, der falschen Philosophie dahinter und allem was dazu geführt hat, dass ein solches System überhaupt an die Macht kommen konnte. Das ist nicht nur auf Deutschland bezogen! Auch wenn sie bald hundert Jahre zurückliegen, wir sollten unsere Lehren daraus gezogen haben!
Dosenmusik: Gebt uns mal einen Einblick hinter die Kulissen: Was ging ab während der Recordings zu Cataract - Cataract! Da gibt es doch sicher einige markante Stories zu erzählen!
Ricky: Haha, wir hatten wirklich keine großartigen Probleme. Einmal war's brenzlig, da hat sich der Mac von Tue verabschiedet, ging also komplett hopps und fertig war mit Aufnehmen. Wenn dann nen ganzen Tag nichts geht hat man schon mal etwas Zeitdruck und wird latent nervös… Es hat sich aber glücklicherweise "nur" als verbratenes Netzteil erwiesen und das konnte dann schnell ausgetauscht werden. Aber sonst… ein paar hitzige Diskussionen, die aber meistens vor der Tür geregelt werden konnten haha!
Dosenmusik: Das beste Erlebnis mit der Band seit es euch gibt?
Ricky: Phua, da gibt es viele, grade wenn man an die Shows denkt… Besonders einprägsam war aber die Rückfahrt von einer Show in Österreich, grade als die Fussball WM stattfand, es war das Finale Frankreich – Italien. Wir haben ja zwei Itakker (ich darf das sagen) in der Band, da war die Spannung natürlich gross. Wir sassen also alle in der ollen 100km/h Kiste und verfolgten den Match auf dem Radio. Der Empfang ging dauernd verloren, das Gebrüll war Ohrenbetäubend wenn irgendwas geschah, und die Fahrt sehr unruhig - man bedenke, dass unser grösster Italien Hooligan am Steuer saß. Beim Vorfall Zidane/Mazzerati gings beinahe in's Tal runter und beim Elfmeterschiessen mussten wir die Karre anhalten – und den Fahrer wechseln, da Fedi seine gesamte Verwandtschaft anrufen musste und irgendwas ins Telefon brüllen.
Dosenmusik: Was hört Ihr momentan privat für Musik und inwiefern beeinflußt das euer Songwriting?
Ricky: Das geht quer durch das ganze Musikspektrum. Bei Tom und Greg kriege ich am meisten mit, die ziehen sich haufenweise Death, Thrash und anderes Gemetzel rein, Nico liegt auch in der Schiene und Fedi mags gern etwas old schoolig. Wir gucken aber auch sehr gerne über den Zaun, so Sachen wie Justice (F), M.I.A., The Whip, MGMT, Goose, Army of the Pharao's und andere stehen hoch im Kurs bei uns – haben aber noch keinen grossen Einfluss auf unser Songwriting. Ich selbst höre mir nebst dem genannten viel Black Metal an und als Ausgleich dazu drum'n'bass, uk garage und was auch immer mir grade gefällt.
Dosenmusik: Hab Ihr vor irgendwann mal mit der Band aufzuhören und wieder in eure alten Jobs zurückzukehren? Oder steht sowas noch nicht zur Diskussion?
Ricky: Hahahaha – wir haben unsere Jobs alle noch, wir haben die nie hingeschmissen! In der Schweiz ist das Leben abseits der Brücken und Obdachlosenasyls ziemlich teuer und solange wir Slayer mit den Verkäufen nicht überrunden werden wir auch weiterhin zur Maloche gehen. Wir machen also eigentlich alle zwei Jobs im Moment, das ist zwar meist sehr stressig, aber es klappt eigentlich ganz gut.
Dosenmusik: Was habt Ihr überhaupt getrieben, bevor Cataract so eingeschlagen hat?
Ricky: Ich war mit Simon zusammen schon in anderen Bands tätig (Mine und Damage ID), wobei vor allem erstere recht Erfolgreich waren für die damaligen Verhältnisse. Wir hatten u.a. eine LP/CD auf Common Cause records und Great American Steak records draussen und wären beim Crowbar Label Pavement gelandet wenn just zu dem Zeitpunkt unser Sänger den Bettel nicht hingeschmissen hätte. Greg war bei Cease tätig und Fedi hat bei Dark Day Dungeon gesungen, bevor er bei uns eingestiegen ist. Wir waren also schon alle sehr aktiv in der Szene. Tom und Nico zähl ich mal nicht auf, die kamen so gesehen ins gemachte Nest.
Dosenmusik: Wie kommt man auf die Idee Musik zu schreiben die voll auf die zwölf geht? Ist ja sonst recht idylisch und ruhig in der Schweiz!
Ricky: Ach, dass dies alles vor allem Fassade ist kannst du dir sicher denken. Natürlich geht’s der Schweiz wirtschaftlich gesehen gut, aber überall wo jemand Kohle scheffelt gibt’s ein paar andere denen die Kohle genommen wird. In der Schweiz ist das sehr ausgeprägt. Wir haben Horden von kleinen geldgeilen Bürgern, die den ganzen Tag damit beschäftigt sind, überall noch irgendjemandem ein paar Fränkli abzujagen, da noch einen Schein machen, dort was abzustauben. Und so ist auch die Mentalität hier, jeder hat Schiss, das ihm was weggenommen wird. Wir haben lauter Schäfchen aber keine Wölfe. Und wenn man das realisiert, dann haste echt bock mal richtig krach zu machen.
Dosenmusik: Über die Szene bei euch da unten weiß ich sehr wenig! Was habt Ihr darüber zu erzählen?
Ricky: Die Schweizer Szene führt leider ein Schattendasein, das Land ist zu klein um eine Band hier so gross werden zu lassen, dass auch im Ausland davon Kenntnis genommen wird. Das ist schade, denn der Underground ist sehr lebendig, es gibt unzählige Bands in allen Spektren, viele coole Clubs und entsprechend Shows wo sich meist eine sehr bunt gemischte Menge vergnügt. Wir haben die Klassierung in Sparten zum glück noch nicht so weit wie andernorts. Ich darf aber nicht nur jammern, es gibt auch die eine oder andere Band, die mittlerweile über die grenzen hinaus was reissen (Requiem, Disparaged, Vale Tudo, Eluveitie, Kruger, Mumakil, Zatokrev u.a.) einen oder andern Event, der sich nen Namen gemacht hat, wie z.b. das Mountains of Death Open Air.
Dosenmusik: Was möchtet Ihr den Leuten und Fans sagen, die euch dahin gebracht habe wo Ihr heute seid?
Ricky: Unser Dank gehört euch allen, für das Vertrauen und die Unterstützung und natürlich die Treue während es bei uns etwas drunter und drüber ging. Wir selbst haben nie an der Band gezweifelt und es ehrt uns, dass es da draussen tausende von Leuten gibt, die das auch nicht gemacht haben.
Dosenmusik: Was Du auch immer noch wichtiges loswerden wollt, hier ist der Platz für die famous last words!
Ricky: Danke Dir für das Interview und den Support!

Greg Mäder - Guitar
Nico Schläpfer - Bass
Federico Carminitana - Vocals
Ricky Dürst - Drums
Tom Kuzmic - guitar

www.cataract.cc

Autor: Shavo | 09.06.2008
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