Interview mit Callejon
E-Mail Interview mit Callejon Ende 2006 Bei uns spielt dieser "Szene"-Aspekt kaum eine Rolle.
Callejon Dosenmusik: Danke an Callejon das Ihr euch Zeit nehmt für das Interview. Mein Name ist Helmi und erscheinen wird das Interview bei Dosenmusik. Dosenmusik ist eine Online Community, die den Club O25 in Frankfurt angehört. Hier geht's natürlich um Guten Hardcore und Metalcore und daher freut es uns sehr, dass wir die Chance haben mit Euch zu sprechen.
Die erste Frage, wie üblich, wie ist die Band Callejon entstanden?
Callejon: Das ist so etwa vier Jahre her, wir kannten uns damals alle von der Schule, und hatten gar keine Erfahrung, was das Musizieren in einer Band angeht, sondern einfach nur die Idee, man könnte ja mal was starten. Das ganze hat sich dann immer mehr zu etwas Ensthafterem entwickelt, wir haben ein Demo aufgenommen, es gab Besetzungswechsel, die "Chronos EP" folgte 2005, dann diesen Sommer das aktuelle Album, danach gab es wieder Änderungen im Line-Up, und jetzt sind wir endlich wieder startklar.
Dosenmusik: Wie seid Ihr auf den Namen Callejon gekommen? Habt ihr einen besonderen Bezug zu Spanien?
Callejon: Callejon kommt aus dem Spanischen und bedeutet soviel wie Sackgasse oder auch kleine Straße. Wir haben uns für diesen Namen entschieden, weil wir nichts ganz so Gewöhnliches wollten, auch was die Phonetik betrifft, und uns die Mehrdeutigkeit des Wortes gefiel. Ein spezieller Bezug zu Spanien besteht ansonsten nicht.
Dosenmusik: Ihr kommt ja aus Düsseldorf, denkt Ihr das man im Pott schneller einen Plattenvertrag bekommt als woanders? Immerhin ist die Hardcoreszene dort ja besonders groß.
Callejon: Ich glaube, dass es heute für Labels kaum noch einen Unterschied macht, ob eine Band aus dem Pott, aus Bayern, aus dem hohen Norden oder aus dem Osten kommt, gerade durch das Medium Internet sind die Wege was das angeht sehr viel kürzer geworden. Und das mit der riesigen Hardcore-Szene im Ruhrpott mag mal so gewesen sein, aber mittlerweile muss man das, denke ich, einfach relativieren, weil es heute überall ziemlich viele Bands gibt, ob man das jetzt gut oder schlecht findet.
Dosenmusik: Im umgekehrten Fall, wie stark ist die Konkurrenz im Pott?
Callejon: Konkret kann ich dazu nicht so viel sagen, weil Düsseldorf ja eigentlich gar nicht im Ruhrpott liegt, und Callejon mit dieser ganzen Szene nie so viel zu tun hatte. Ein ausgeprägtes Konkurrenzdenken ist uns aber fremd, und aus meiner Sicht auch nicht förderlich für eine Band. Wir machen aus anderen Gründen Musik, und sind auch fast immer für uns geblieben.
Dosenmusik: Ist es durch Euren selbst bezeichneten ‚Screamo-Metal' einfacher aus der Masse raus zustechen?
Callejon: Als Mitglied der Band bin ich wahrscheinlich zu nah dran, um das selber beurteilen zu können. Es steht jedenfalls fest, dass auch wir das Rad nicht neu erfinden, schnelle Musik mit verzerrten Gitarren und größtenteils geschrieenen Vocals gibt es schon relativ lange. Das Wort "Screamo-Metal" sagt ja an sich schon aus, dass die Hauptbestandteile unserer Musik irgendwas mit Metal, Hardcore und Screamo zu tun haben, und innerhalb dieses Rahmens versuchen wir, etwas Originelles zu machen.
Dosenmusik: Woher kommen Eure musikalischen und textlichen Einflüsse immerhin zitiert Ihr ja He-Man?
Callejon: Musikalisch sind wir recht breit gefächert, wobei die meisten Dinge, die tatsächlich einen Einfluss auf uns haben, wohl auch im Bereich Hardcore, Metal und Emo/Screamo, etc. liegen. Unser Sänger Basti ist für die Texte verantwortlich, die meistens recht düster und teilweise zynisch ausfallen. Die Sache mit ‚Snake Maountain' war eher ein spontaner Einfall, wir wollten mal einen Song machen, der sich selbst nicht so bierernst nimmt.
Dosenmusik: Auf der neuen Platte geht's ja ordentlich vorwärts, wie muss man sich die Entstehung eines Songs bei euch so vorstellen?
Callejon: Meistens bringen die Gitarristen einige Grundideen mit in den Proberaum. Die werden dann allen vorgespielt und verfeinert, und so erarbeiten wir zusammen die Struktur des Songs. Parallel dazu entstehen die Bass- und Schlagzeugparts, und wenn das alles steht, kommt der Gesang bzw. das Geschrei dazu. Zu diesem Zeitpunkt existiert meistens noch kein kompletter Text. Entweder gibt es schon ein Grundgerüst, das an die Struktur des Stücks angepasst wird, oder es entsteht etwas ganz Neues. Aber auch, wenn ein Song eigentlich schon fertig ist, werkeln und feilen wir noch daran herum, bis jeder von uns zu 100% zufrieden ist.
Dosenmusik: Wo war bisher Euer geilstes Konzert?
Callejon: Als wir das erste mal in Ostdeutschland gespielt haben, hat uns die Reaktion der Leute doch schon ziemlich aus den Socken gehauen. Dort herrscht eine ganz andere Atmosphäre als hier bei uns in der Ecke, die Leute sind richtig heiß auf Konzerte, aber ich kann nicht sagen, woran das liegt. Ich denke da an unsere erste Tour, das war 2005, und wir haben in Forst gespielt, das liegt direkt an der polnischen Grenze. Wir waren alle krank, aber die Leute da sind so ausgeflippt, dass wir alles gegeben haben. Das war so ziemlich der geilste Gig, an den ich mich erinnern kann, und danach ging es uns noch viel dreckiger, aber es hat auch unglaublich viel Spaß gemacht.
Dosenmusik: Wie ist die Zusammenarbeit mit My Favorite Toy und wie kam der Kontakt zum Label zustande?
Callejon: Die Zusammenarbeit läuft in allen Aspekten positiv, wir schätzen es sehr, Freiheiten zu haben, die viele große Labels ihren Bands nicht einräumen. Der Kontakt war eher zufällig, My Favourite Toy saßen damals noch in Düsseldorf, und Dirk, dem das Label gehört, bekam irgndwie unsere Aufnahmen von der "Chronos EP" zu hören. Eigentlich hatten wir vor, diese selber rauszubringen. Aber ihm haben die Songs so gut gefallen, dass er uns dann spontan fragte, ob wir sie nicht bei ihm veröffentlichen wollen, und da haben wir uns nicht lange bitten lassen.
Dosenmusik: Ihr habt ja zum Glück schnell einen neuen Bassisten gefunden. Wie macht sich der neue Mann? Und wie bekommt Euch die Rückkehr nach Köln?
Callejon: Nicht nur unser Bassist Thorsten ist neu dabei, auch an der Gitarre haben wir mit Buschy neuen Mann, und wir sind heilfroh, jetzt endlich die richtigen Leute mit an Bord zu haben. Das aktuelle Line-Up ist definitiv das stärkste, das Callejon je hatten, und wir freuen uns schon tierisch auf die anstehenden Live-Aktivitäten.
Für uns ist der Umzug nach Köln ja eigentlich keine Rückkehr, wir haben vorher immer In Düsseldorf geprobt und uns als Düsseldorfer Band gesehen. Mit dem Wechsel nach Köln haben wir jetzt für uns auch eine Zäsur gesetzt, um nach den ganzen Umwälzungen für die Band die nächste Phase einzuleiten, und wir füheln uns hier sehr wohl. Dosenmusik: Deutschsprachiger Gesang im Hardcore/Metalcore Bereich ist ja noch immer sehr selten, geht der Trend aber dahin?
Callejon: Ich kann nicht prophezeien, ob der Trend dahin geht, und für uns ist das auch nicht ausschlaggebend. Ich denke, gerade im Bereich Metalcore ist es eher die Ausnahme, Narziss werden da meistens genannt, aber da gibt es in der Screamo/Hardcore Ecke doch ein paar Bands mehr, etwa Angstzustand, Escapado, Kill Kim Novak, oder auch die schon verblichenen Eaves.
Dosenmusik: Gibt's jetzt nach der CD eine Tour oder werdet Ihr erstmal nur Lokal den Pott Leerfegen?
Callejon: Wir machen im Februar/März 2007 definitv eine dreiwöchige Tour durch Deutschland, die Dates gibt's auf unserer gerade wiederauferstandenen Homepage www.callejon.de. Dabei werden wir aber auch lokal bei uns gut unterwegs sein.
Dosenmusik: Neben der vielen Musikalischen Arbeit bleibt da noch Zeit für Jobs und Privatleben?
Callejon: Einige von uns studieren und haben dazu noch Nebenjobs, die anderen sind schon komplett im Beruf, unser Sänger Basti entwirft die ganzen Designs für CDs, Shirts, Homepage, etc., wir kümmern uns selbst um Merchandise und Booking, und natürlich müssen und wollen wir live spielen, Proben und Songs schreiben.
Das alles unter einen Hut zu bekommen ist teilweise schon sehr stressig, und natürlich haben wir dadurch wenig Freizeit.
Dosenmusik: Bei soviel Einsatz und Engerie fragt man sich: Woher nehmt Ihr das? Habt Ihr eine starke Lokale Szene, die Euch pusht, oder ist es einfach der innere Drang Musik zu machen?
Callejon: Wie ich schon angedeutet habe, spielt bei uns dieser "Szene"-Aspekt kaum eine Rolle. Wir waren nie so sehr in eine Szene involviert, dass sich das auf unser Verhalten als Band ausgewirkt hätte. Vielmehr ist es wirklich so, dass wir so was wie einen inneren Drang haben, der uns antreibt. Wir stecken sehr viel Energie, Zeit und Herzblut in diese Band, weil wir es lieben, Musik zu machen, Konzerte zu spielen, unterwegs zu sein, weil wir das gar nicht mehr ausunserem Leben wegdenken könnten. Außerdem verbindet uns alle eine enge Freundschaft. Für uns war und bleibt immer wichtig, so Musik zu machen, dass wir Spaß daran haben.
Dosenmusik: Zu zum guten Schluss, Famous Last Words? Callejon: Ja, heißen Dank für das Interview, schaut mal auf unserer Homepage vorbei, und noch viel wichtiger: Besucht uns auf einer Show, wir werden alles dafür tun, dass ihr es nicht bereut.
Dosenmusik: Nochmal Danke an Euch für dieses kurze Interview. Hoffentlich können wir Euch bald live in Frankfurt oder Umgebung erleben und ordentlich rocken. Bis dahin viel Erfolg und lasst es krachen.


Bastian Sobtzick - Gesang
Thomas Buschhausen - Gitarre
Bernhard Horn - Gitarre
Thorsten Becker - Bass
Sven Wasel - Schlagzeug

www.callejon.de

autor: CUBTB | 10.01.2007
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