Interview mit Caliban
Interview mit Marc im Mai 2007 Diesmal ist das schon wesentlich durchdachter
Caliban Dosenmusik: Hi Marc! Lass uns doch gleich mit ein paar unangenehmen Fragen beginnen... Caliban-Bashing erfreut sich ja momentan in diversen Internetforen großer Beliebtheit. Inwiefern kriegt ihr so was mit, und wie geht es euch damit?
Marc: Hm, also erstens kriege ich dass nicht wirklich mit, weil ich nicht mehr in solchen Foren unterwegs bin, und zweitens ist mir das auch ziemlich egal, weil ich mich schon daran gewöhnt habe. Und ich sehe ja auch die andere Seite: unsere Konzerte sind voll und die Leute haben Spass! Also kann das so schlimm ja nicht sein.
Dosenmusik: Bezieh doch trotzdem mal Stellung zu den Sell-Out Vorwürfen, den Bemerkungen, wie profitgeil Roadrunner ist, etc.
Marc: Das mit dem Sell-Out Kommentarn sind wir seit der "Opposite from Within" gewöhnt, aber die kamen auch schon zu "Shadow Hearts" Zeiten als wir noch bei Lifeforce waren. Als wir dann zu Roadrunner sind hat sich das natürlich nochmals gesteigert, aber über Killswitch Engage oder Machine Head meckert auch keiner, also wo ist da bitte der Unterschied?
Dosenmusik: Wie empfindest du denn das Dasein als Berufsmusiker? Traumjob oder harte Arbeit?
Marc: Es ist schon anstrengend, aber andererseits ging damit natürlich auch ein Traum in Erfüllung, weil man einfach ganz besondere Dinge tun kann und nicht wie andere früh aufstehen, und dann zur Arbeit muss. Das beste daran ist, dass man sich ganz auf die Musik konzentrieren kann. Es ist schon wesentlich entspannter, wenn man zwischen Songwriting und Shows nicht noch arbeiten gehen muss. Aber zu leicht darf man sich das auch nicht vorstellen, viele unterschätzen dass, es ist nicht so das man ein paar Konzerte spielt, ein bisschen Musik macht und es dann damit getan wäre. Aber es ist auf jeden Fall dass, was wir wollten: die Welt sehen und von der Musik leben können. Wir werden damit zwar nicht reich und wir haben auch nicht bis ans Lebensende ausgesorgt, aber wir können zumindest momentan davon leben. Insgesamt ist es einfacher geworden, wir müssen z.B. auch nicht mehr nach Ersatzmusikern suchen, weil irgendwer gerade mal keinen Urlaub für eine Tour gekriegt hat.
Dosenmusik: Beeinflusst dich das nicht auch beim Songwriting? Hat man da nicht manchmal auch Gedanken, wie gut sich etwas verkaufen lässt?
Marc: Nein, das ist uns egal, wenn wir so denken würden, dann hätten wir vor allem das neue Album nicht so gemacht, wie wir es gemacht haben!
Dosenmusik: In Deutschland werdet ihr sehr kritisch beäugt, wie ist das im Ausland?
Marc: Also in USA und England läuft es gut für uns, eigentlich fällt mir kein Land ein, wo es nicht laufen würde. Skandinavin ist vielleicht etwas schwierig, weil wir da noch nicht so oft waren, genauso in Frankreich. Die Reaktionen schwanken natürlich etwas von Land zu Land, aber insgesamt werden wir überall gut aufgenommen.
Dosenmusik: Kommen wir zum neuen Album. Als "The Awakening" angekündigt wurde, war ich doch etwas überrascht, weil der Vorgänger ja erst knapp ein Jahr alt war. Warum so schnell ein neues Album? Unzufriedenheit mit dem Letzten, oder hattet ihr einfach eine extrem kreative Phase?
Marc: Wir waren einfach fertig mit dem Album. Unsere Alben entstehen immer sehr schnell und exzessiv. Bei uns läuft es nicht so, dass wir über Jahre hinweg mal hier mal dort ein Lied schreiben. Ich arbeitete meist für 2 Monate konstant, manchmal bis zu 18 Stunden täglich, an den Songs, bis ich zufrieden bin. Dabei bin ich sehr fokussiert und achte auch immer darauf, dass ich einen roten Faden habe. So sind übrigens alle Alben von uns entstanden, auch "Vent", wir schreiben also insgesamt sehr schnell. Wir könnten theoretisch auch in 6 Monate wieder ein Album rausbringen, ich müsste mich nur hinsetzen und daran arbeiten, aber nur rein theoretisch natürlich...
Dosenmusik: Ihr habt angekündigt, dass ihr euch auch wieder stärker an eurem älterem Material orientieren wollt. Also Rückentwicklung als Schritt nach vorne?
Marc: Ich denke wir haben einfach das Beste aus den letzten vier Alben genommen und dann in eins gepackt. Wir haben auch ein paar neue Sachen ausprobiert, mal mehr, mal weniger melodisch, wir haben uns insgesamt einfach auf unsere stärksten Seiten konzentriert. Insgesamt ist das neue meiner Meinung nach härter und schneller als das letzte Album. Es gibt schnelle Parts, Melodien, dann wieder mehr metallisches, es ist einfach insgesamt abwechslungsreicher.
Dosenmusik: Nachdem ihr die letzten Platten mit recht namhaften Producern aufgenommen habt, habt ihr diesmal mit Benny Richter, der bislang wohl eher ein No-Name ist, zusammengearbeitet. Wie kam es dazu?
Marc: Benny ist ein Freund von mir und hatte bereits für die letzte Platte ein paar Samples und Keyboards gemacht. Er ist musikalisch einfach unglaublich begabt, ist Studiomusiker und hat auch einen extrem weit gefächerten Musikgeschmack. Zuerst war nur geplant, dass er wieder die Keyboard Parts macht, aber weil es so gut lief, hat sich daraus dann mehr entwickelt. Meist kommt man mit dem Produzenten ja erst ein paar Tage vor der Aufnahme in Kontakt, und Benny war halt schon die ganze Zeit über in den kreativen Prozess involviert. Ich hab bin meistens mit ein paar Songs zu ihm, und wir haben diese dann gemeinsam besprochen und rumexperimentiert, bis feststand: so muss der Song sein, und nicht anders. Diesen Luxus hat man nicht immer. Das läuft sonst nicht so ab, meist hat man einen Song, hat eine grobe Vorstellung wie er funktionieren soll, überarbeitet das ganze evtl. leicht, dann nimmt ihn irgendwann auf und 3 Monate später denkt man sich, dass man es anders hätte doch besser machen können. Diesmal ist das schon wesentlich durchdachter.
Dosenmusik: Also quasi ein 6. Band Mitglied?
Marc: Ja, das kann man durchaus so sagen. Ich hab ihn stellenweise echt angerufen, wenn ich mal nicht weitergekommen bin, und hab ihm dann einfach die Noten per Telefon durchgegeben, und ohne dass er es selbst gehört hat, konnte er mir dann sofort sagen, was ich mal ausprobieren könnte. Das war schon phänomenal. Eben weil wir dann an den Gitarrenmelodien sehr gefeilt haben, haben wir uns dann dazu entschlossen, weniger cleane Vocals aufzunehmen, insgesamt nur bei 4 Songs, aber wir haben da dann wirklich aufs Detail geachtet. Und wir haben diesmal auch Andy mehr machen lassen, es gibt Parts da sind die Gitarren sehr melodisch, aber Andy schreit eben drüber, was dann sehr sphärisch klingt. Ich denk das ist ein nettes, kleines neues Element für uns auf dieser Platte. Ich glaube auch, dass wir damit viele Kritiker zufrieden stellen können. Vielleicht nicht unbedingt die Leute, die ein 2. "A Small Boy..." wollten, aber eben Leute, die die "Shadow Hearts" gemocht haben, aber die letzte eben nicht.
Dosenmusik: Allen kann man es sowieso nie recht machen...
Marc: Genau! Ich denke vor allem, dass diese Platte etwas langlebiger geworden ist. Ich kenn das ja von mir, manche Alben findet man auf Anhieb spitze, aber nach mehreren Hörduchgängen ist man doch gelangweilt. Und das kann ich auch als Kritikpunkt am letzten Album sehen. Da haben zwar viele Songs auf Anhieb gezündet, aber auf Dauer fehlte dann vielleicht etwas die Substanz. Diesmal haben wir schon viele Kleinigkeiten mit dabei, die man nicht direkt hört, so dass man das Album nach und nach entdecken kann.
Dosenmusik: Du wirst ja in den Album Credits auch als Co-Produzent angeführt. Was war da deine Aufgabe?
Marc: Ich habe eben nicht nur alle Songs geschrieben, sondern war auch wirklich die ganze Zeit bei den Aufnahmen dabei. Ich habe z.B. auch viele Ideen fürs Schlagzeug geliefert. Und letzten Endes habe ich immer mit Benny gemeinsam entschieden, was gut ist, was nicht, und damit welche Takes letzten Endes aufs Album kommen. Wichtig dabei war auch, dass Benny uns als Band mag, also auch Fan ist. Er wollte uns nicht umpolen, sondern hat einfach dabei geholfen, das beste aus uns heraus zu holen. Offene und kritische Ohren sind wichtig, aber das Bild, das wir als Band von uns selbst haben sollte natürlich nicht verfälscht werden. Und das hat Benny sehr gut hingekriegt.
Dosenmusik: Wie war das, wenn es mal nicht so lief? Steckst du da nicht in einem Konflikt? Wie kritisch darfst du als Co-Produzent gegenüber den anderen Bandmitgliedern sein?
Marc: Also über so was stehen wir eigentlich drüber, aber wenn dann wirklich mal kritische Worte ansagt waren, weil jemand grad schlecht gespielt hat, hab ich dass dann Benny machen lassen..(lacht)...aber eigentlich stehen wir da drüber, und das hört meist auch jeder selbst. Ich hab zum Beispiel auch probiert Dennis an der Gitarre zu entlasten, damit er sich mehr auf den Gesang konzentrieren konnte. Gerade bei den schnelleren Parts, die komplizierter einzuspielen sind, war das für mich auch einfacher, weil ich die Songs eben geschrieben habe, und deshalb total drinne stckte. Dennis hat da zum Glück auch kein Ego Problem, sondern war ganz froh, dass er sich dann eben mehr auf die Gesangslinien konzentrieren konnte. Das gleiche gilt auch für die Bassparts. Das einzige was wichtig war, war das Endergebnis, und nicht wer jetzt welchen Part eingespielt hat.
Dosenmusik: Ihr habt schon große Tourneen hinter euch, aber welche Orte würden euch noch mal besonders reizen?
Marc: Malaysia, weil da waren wir noch nicht. Und Island. Heaven Shall Burn waren schon zwei mal dort und Mike hat mir ganz tolle Dinge von dort erzählt. Halt nicht nur wegen der Show, sondern auch das Land, bzw. die Landschaft an sich müssen fantastisch sein. Unsere nächste Tour führt uns auch wieder nach Brasilien, da waren wir zwar schon mal, aber ich freue mich trotzdem schon wieder sehr darauf.
Dosenmusik: 10 Jahre Caliban liegen jetzt schon hinter euch, was bringen die nächsten 10?
Marc: Hm, also hoffentlich noch viel Tourneen... hm, einfach mal sehen was die Zukunft bringt. Wir gucken halt immer, dass wir im Moment Spass haben und zufrieden sind mit dem was wir machen. Das ist für uns das wichtigste, konkrete Pläne gibt’s aber noch nicht.
Dosenmusik: Du hattest vorhin schon angedeutet, dass die Karriere als Musiker wohl auch irgendwann vorbei gehen wird. Hast du Angst vor dem Tag oder arbeitest du schon an einer 2. Karriere?
Marc: Ich könnte mir so was im Bereich Booking vorstellen, das habe ich ja auch früher schon gemacht. Also auf jeden Fall wieder etwas in der Musik Branche. Und ich hab ja auch noch eine andere Band, mit Mike von Heaven Shall Burn. Das ist aber was ganz anderes, aber dazu sag ich jetzt nicht mehr, das wird man dann ja hören wenn es dann irgendwann demnächst fertig ist.
Dosenmusik: Deine letzten Worte an unsere Leser?
Marc: Danke an alle da draußen für eure Unterstützung.
Dosenmusik: Wie, kein Aufruf an alle euer neues Album zu kaufen?
Marc: Ach nö, dass können die Leute ja selber entscheiden. Ich will mich an dieser Stelle einfach bei euch für das Interview und den Leuten für ihren Support danken!
Dosenmusik: Das ist doch ein schönes Schlusswort!
Marc: Ja, bis demnächst dann auf irgendeiner Show!


Andy Dörner - Vocals
Marc Görtz - Guitar
Denis Schmidt - Guitar
Marco Schaller - Bass
Patrick Grün - Drums

www.calibanmetal.com

autor: Vorstadtkind | 21.05.2007
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