Interview mit Caliban
Interview mit Andy am 19.08.2004 Große Schritte statt kleine Sprünge
Caliban Dosenmusik: Für alle die euch noch nicht so gut kennen, wie ist die Band entstanden, bzw, wie lange gibt es Caliban schon, und hattet ihr vor Caliban bereits Erfahrungen in anderen Bands sammeln können?
Andy: Die Band als solche gibt es bereits seit etwa 1996. Das ganze entstand um eine Schulband herum, die damals viele Coverversionen von Bands gespielt hat die den Mitgliedern damals gefielen. Ab 1997 entwickelte sich das ganze hin zu einer ernsthaften Band, ab da kann man davon sprechen das "Caliban" so wie sie jetzt sind entstanden sind.
Ich selbst habe zwar vor Caliban in einem Projekt musiziert, sehe aber Caliban als meine erste "richtige" Band.
Dosenmusik: Wie seid ihr auf eueren speziellen Sound gekommen, war das Zufall oder eher ein zusammenkommen von verschiedenen Einflüssen?
Andy: Anfangs wurde natürlich viel experimentiert, und auf Einflüsse anderer Bands zurückgegriffen, jedoch merkte man mit der Zeit das sich schon so etwas wie ein eigener Stil entwickelte, den man auch von Platte zu Platte besser nachvollziehen konnte. Heute würde ich schon sagen das die Band konsequent ihren eigenen Stil verfolgt.
Dosenmusik: Ihr scheint sehr von der HC Szene beeinflusst zu sein, auf eueren Konzerten sieht man vermehrt HC Kids, allerdings sprecht ihr auch ein gewisses Metal Publikum an. Unterstützt ihr dieses "Szene" denken, oder wollt ihr euch mit der neuen Platte einem breiteren Publikum vorstellen?
Andy: Generell finden wir es gut, wenn dieses "Szenedenken" aufweicht und eine grosse gemeinsame Szene entsteht. Was früher niemals möglich gewesen wäre, z.b. ein "Metaller" geht zu einem Hardcorekonzert oder umgekehrt ist heute kein Problem mehr. Die Szene sollte sich nicht danach definieren wie ein Mensch aussieht oder welche Bands er gerne hört. Ohne Metal hätte es vermutlich keinen Hardcore gegeben, und der Hardcore von heute lebt ja auch viel von Metalelementen. Also ich finde ein "Szenedenken" auch im Hardcore selbst (Emo/Metalcore/Old School usw.) völlig sinnlos. Gut wenn das wegfällt. Es geht doch eigentlich um die Musik, die man für sich selbst entweder als gut oder schlecht befindet, sonst nichts.
Dosenmusik: Nach durchhören der Promo zu "The opposite from within" fielen mir sofort große Parallelen zu Killswitch Engage auf. Euer "Trademark Sound" wurde sehr stark überarbeitet und durch melodische Elemente ergänzt. War das ein gewollter Schritt um den momentan anhaltenden "Metalcore boom" zu nutzen oder hat sich das im Studio einfach so ergeben?
Andy: Dazu muss ich zunächst sagen das die Songs an sich bereits fertig geschrieben waren als die Killswitch Engage Platte erschien. Wir konnten also rein zeitlich garnicht von deren speziellen neuen Platte (The end of heartache) beeinflusst worden sein. Allerdings ist es schon richtig, das wir bewust einen Schritt dahin gemacht haben, die Songs eingängiger und von der Struktur her auch simpler zu gestalten. Wenn man sich im Vergleich zu "The opposite from within" einmal "Shadow Hearts" anhört, fällt das auch sicherlich jedem auf. Unsere generelle Herangegensweise ans Songwriting hat sich sicherlich auch verändert. Die "Cleanen" und melodiösen Parts sind natürlich beabsichtigt, sowas passiert nicht einfach so aus Zufall.
Auch die Wahl unseres Produzenten (Anders Frien / Sänger von In Flames) und des Mischers (Andy Sneap, u.A. Machine Head; Killswitch Engage) hatte sicherlich Auswirkungen auf den Sound, da diese Leute eben auch ihre "Trademarks" haben was Sound und Mix angeht, aber generell sind die Songs auf "The opposite from within" das was wir als Band erreichen wollten und sind nicht auf irgendwelche Trends abgezielt.
Dosenmusik: Wie wirkte sich die Zusammenarbeit mit euerem neuen Label "Roadrunner" auf die Entstehung der neuen Platte aus, und welche Vorteile erhofft ihr euch von "Roadrunner" die "Lifeforce" euch nicht bieten konnte?
Andy: Die Platte war schon komplett geschrieben, bevor der Deal mit Roadrunner überhaupt zustande gekommen ist, von daher waren die Erwartungen an das Album noch eng mit LIfeforce verknüpft, die allerdings natürlich kein so grosses Budget für Promo usw. haben. Von daher erwarten wir schon mehr von dem neuen Deal. Man merkt auch bereits das alles in viel professionelleren Bahnen läuft, das kann man schon sagen, auch das Touren wird sicherlich viel mehr werden.
Wir haben aber mit Lifeforce nach wie vor eine gute Beziehung, denn auch von deren Seite hatte man eingesehen, daß man alles dort mögliche für die Band getan hat und der Wechsel zu einem größeren Label ein nötiger und wichtiger Schritt war.
Dosenmusik: Macht ihr neben der Band noch was anderes oder hat der Schritt zum größeren Label in letzter Konsequenz zu bedeuten dass ihr nun alle komplett von der Musik leben werdet?
Andy: Im Moment konzentrieren wir uns voll auf die Band, d.h. keiner macht noch irgendwas nebenbei. Ob man davon leben kann wird sich zeigen, die Platte erscheint ja erst noch. Ich persönlich arbeitete bis vor kurzem noch als Drucker, das ist aber zur Zeit auch nicht mehr so. Ich werde mich allerdings demnächst wieder nach einem "Job" umsehen, aber die Band steht auch bei mir ganz klar an erster Stelle.
Dosenmusik: Wie war die gerade absolvierte Tour durch die USA? Wie groß waren die Hallen dort und mit wem habt ihr dort getourt?
Andy: Die Tour war ok, wir waren unter anderem mit "Evergreen Terrace" als Co-Headliner unterwegs. Die sprangen dann allerdings nach zwei Wochen von der Tour ab, weil sie andere Verpflichtungen hatten. Danach sind wir als Headliner mit u.A. "I killed the prom queen" unterwegs gewesen. Die Tour bewegte sich im Rahmen von etwa durchschnittlich 400 Zuschauern pro Abend, und war, wie das in den USA meist so ist, an der Ost und Westküste sehr erfolgreich, während man sich zwischen den Küsten eher mit kleineren Zuschauerzahlen zufrieden geben musste. Ein absolutes Highlight war das Hellfest, das ist wirklich SUPER gewesen.
Dosenmusik: Erhofft ihr euch, nun mit dem neuen Label auch international durchzustarten und wie schätzt ihr euere Chancen ein im Ausland ähnliche Erfolge zu haben wie andere "Roadrunner" Bands?
Andy: Natürlich kann man jetzt durch den neuen Deal hoffen das es in den meissten grösseren Ländern ausserhalb der BRD auch demnächst besser läuft (in den USA werden Caliban für "The opposite from within" nicht von Roadrunner sondern einem Unterlabel von Century Media vertreten), allerdings kann man das jetzt noch garnicht absehen, da die Promotion für die neue Platte ja jetzt erst anläuft und die Platte auch noch garnicht offiziell erschienen ist. Wir allerdings sind sehr zufrieden mit der momentanen Situation und werden das uns mögliche tun um die Band auch international bekannter zu machen.
Dosenmusik: Was hat der Titel "The opposite within" für euch zu bedeuten?
Andy: Eigentlich wollten wir die Platte "The enemy inside" nennen, was soviel bedeuten soll wie das man nicht immer das tut/sagt was man eigentlich wirklich meint, oder nicht wirklich so sein kann wie man gerne möchte. Meine Texte beschäftigen sich sehr mit persönlichen Erfahrungen, und hierbei im speziellen mit dieser "Dualität". Dieser innere Konflikt, eigentlich anders sein zu wollen als man sich gibt, das fasst den Titel glaube ich ganz gut zusammen.
Dosenmusik: Beschreibe doch bitte einmal wie ein typischer Caliban Song entsteht. Muss man sich das als eher eine lockere Session vorstellen oder hat einer von euch immer eine konkrete Idee die ihr dann zusammen zu Ende verfolgt? Macht ihr vor Studiosessions schon Demos oder schreibt ihr komplett im Studio?
Andy: Also unser Hauptsongschreiber ist ganz klar Mark (Gitarrist). Er macht sich die Arbeit und denkt sich Zuhause Riffs und fertige Songideen aus, die er dann aufnimmt und mit in den Proberaum bringt. Dort arbeiten wir dann die Arrangements aus und jeder bringt sich gleichberechtigt ein. Ich füge dann wenn die Musik fertig ist meine Texte hinzu (die ich oft aus einer Reihe von Texten die ich bereits vorher verfasst habe auswähle und dann entsprechend passend zur Musik abändere). Fertig ist das neue Stück.
Bisher klappt das ganz gut so, allerdings werden wir durch das viele Touren in Zukunft auch probieren müssen auf Tour zu schreiben, was wir bisher noch nie gemacht haben.
Dosenmusik: Ich habe euch kürzlich auf dem Pressure Festival in Herne gesehen. Dort fiel mir auf, wie sehr diese ganze HC Szene mittlerweile zum "Trenddenken" übergegangen ist. Wo es früher im HC stark um politische Inhalte und Aussagen ging zählt jetzt scheinbar nur noch das schönste Tattoo oder der fieseste Nietengürtel. Wie sieht das für euch als Band aus? Was haltet ihr davon das die "Fans" immer unkritischer werden, und das die Musik letztlich auch nur noch als Produkt verkauft wird das meist ohne jede kritische Aussage dasteht und im Plattenregal oft direkt neben den neuesten Massenproduktionen der Plattenindustrie steht?
Andy: Dazu muss ich sagen, das es uns bei Caliban noch nie um den transport von irgendwelchem politischen Gedankengut ging. Wir sehen uns nicht als "Prediger", weil wir selbst auch ganz normale Menschen sind, die sich dazu garnicht in der Position sehen. Was den "unkritischen" Fan angeht, so finde ich ist es besser wenn jemand zu unseren Konzerten kommt und uns damit indirekt unterstützt als wenn die selbe Person nur "normale" Musik mag und uns zu "extrem" findet.
Was allerdings Bands angeht die bestimmte Trends (in der HC Szene z.B. "Straight Edge") für sich nutzen wollen um so schnell bekannt zu werden...... Ich glaube nicht das sowas auf lange Sicht funktionieren kann. Man muss ehrlich mit sich selbst und der Musik sein, dann merken die "Fans" auch das man es Ernst meint und sich nicht verkauft.
Dosenmusik: In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage wie ihr mit der Tatsache umgeht, das viele Kids sich euere Musik im Internet kostenlos herunterladen. Befürwortet ihr so was oder steht ihr dem eher ablehnend gegenüber?
Andy: Ich sehe das Internet als zweischneidiges Schwert. Zum einen ist es natürlich für mich als Musiker toll wenn ein Mensch der noch nie etwas von meiner Band gehört hat in eine Suchmaschine "Caliban" eingibt und dann ewig viele Einträge und Downloadmöglichkeiten angezeigt kriegt. Dieser Mensch denkt sich doch dann "wenn die SO viele Einträge haben, dann muss die Band ja gut sein". Wenn die selbe Person sich dann allerdings alle Alben von uns aus dem Netz zieht, so entgehen der Band wichtige Einnahmen, die auch das Label u.A. zur weiteren Promo der Band verwendet hätte. Generell finde ich es nicht schlimm, wenn ein Fan sich unsere Sachen aus dem Netz zieht, allerdings sollte er dann auch so fair sein die CD zu kaufen oder die Band wenigstens auf Konzerten zu unterstützen und / oder Merchandise kaufen. Doof ist auch wenn (wie in unserem Falle jetzt gerade aktuell) die CD schon lange vor Veröffentlichung als Promo im Netz rumschwirrt, das ist dann schon sehr ärgerlich, aber da kann man wohl nichts dagegen machen.
Dosenmusik: Wenn du auf euere bisherige Karriere zurückblickst, was denkst du war der entscheidende Schritt der die Band dorthin gebracht hat wo sie heute ist, und wie groß denkst du, kann Caliban noch werden?
Andy: Entscheidend war für mich der Fakt das wir immer kontinuierlich einen Schritt weiter gegangen sind. Wir haben noch nie ein Konzert ausgelassen, auch wenn wir am Ende draufzahlen mussten, so war es doch immer den Spass und die Mundpropaganda wert. Auch die stete Veröffentlichung von Platten und Ep´s ist wohl ein wichtiger Schritt, denn so können Fans die Entwicklung einer Band am besten verfolgen. Wie gross die Band noch werden kann, das wird die Zukunft zeigen.
Dosenmusik: Zu guter letzt, gibt es eine Frage die du schon immer einmal beantworten wolltest, die dir aber noch nie in einem Interview gestellt wurde? Wenn ja, hier ist deine Chance…
Andy: Oh je... Da fällt mir auf die schnelle nix ein. Ich wurde schon so viele Sachen gefragt, das ich eigentlich keinerlei Geheimnisse mehr habe.....


Andy Dörner - vocals
Denis Schmidt - guitar
Marc Görtz - guitar
Marco Schaller - bass
Patrick Grün - drums

www.calibanmetal.com

autor: mylocaljoe | 19.08.2005
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