Interview mit By Night
Interview mit Andre Gonzales und Henrik Persson am 22.10.2006 Musik wie ich sie sein soll! Ein toller Abend in Köln.
by night Das Interview wurde mit der schwedischen Band By Night anlässlich des letzten Konzerts ihrer Europatournee in Köln geführt, das aktuelle Album ist "A New Shape Of Desperation".

dosenmusik: das erste mal als ich euch per mail interviewte, 2005, (» hier nachzulesen), habt ihr noch ausschliesslich in schweden getourt, jetzt habt ihr ganz europa bereist und heute ist euer letzter tag der tour. wie geht es euch?
andre: es ist gut, wieder zurück zu sein hier im mtc in köln, weil das unser allererster club war, wo wir ausserhalb schwedens gespielt haben. eine art nostalgieabend also auch.
dosenmusik: beim ersten interview hab ich euch nach üblichen sachen gefragt. zum einfluss von bands wie meshuggah, euren werdegang, pläne etc.
diesmal hatte ich mir vorgenommen v.a. von euch musikern etwas zu euren songs des letzten albums SHAPE OF DESPERATION zu hören. Zuerst würde mich allerdings auch interessieren, wie ihr eigendlich lebt mit solchen tourvepflichtungen und dem status den ihr ja auch praktisch mitlerweile habt als vielreisende musiker, die bei einem innovativen label unter vertrag sind und allerlei verpflichtungen erfüllen müssen. lebt ihr von der musik?
henrik: dies ist die erste tour bei der wir geld verdienen, bei den letzten mussten wir investieren und drauflegen. es fühlt sich sehr gut an und ist auch nötig wenn du soviele verpflichtungen hast. ein album aufzunehmen und zu promoten und wochenlang nicht zu hause sein und all dies. wir sind auch sehr stolz, unsere erste headliner-tour zu machen, nicht vielen bands unserer art ist dies vergönnt. das hat sich auch gelohnt, weil wir eine so gute resonanz auf unsere musik vom publikum bekamen. prag war unser schönstes erlebnis. volles haus und alle waren in verdammt guter stimmung!
dosenmusik: interessant ist, wie ihr nacher auf der bühne klingen werdet, eigendlich macht ihr musik für grosse orte finde ich, das mtc ist ein wirklich kleiner club. das letzte album SHAPE OF DESPERATION ist ja auch sehr sorgfältig aufgenommen und technisch bearbeitet, bin gespannt wie das live umgesetzt wird!
andre: im gegensatz zum ersten album?
dosenmusik: ja auch.
andre: natürlich haben wir das neue album sorgfältiger produziert und sind sehr detailliert zu werke gegeangen. beim ersten album hatten wir nicht soviel zeit.
henrik: bei THE SHAPE OF DESPERATION haben wir einen monat täglich aufgenommen, 8 stunden mit genauem zeitsheet und auch tageszielen, die wir uns gesetzt hatten. wir lebten fast im studio.
dosenmusik: waren die kompositionen schon fertig als ihr ins studio gegangen seit?
henrik: ja im prinzip schon, allerdings konnten wir bei den aufnahmen noch an den arrangements feilen.
dosenmusik: die sind besonders interessant. ein patchwork aus sovielen musikalischen einflüssen! kompositorisch lasst ihr euch so viel einfallen an melodik, rhythmik und auch die harmonischen wendungen, die sind gewagt und dramatisch und auch sehr übrraschend immer!
wie komponiert ihr eigendlich eure musik?
henrik: bei proben, meistens haben wir gitarristen eine idee - wir machen ja auch eine sehr gitarrenlastige musik - und stellen diese idee vor, es gibt nicht wirklich komplett vorgefertigte songs.manchmal legt der drummer auch einen groove vor. wir arbeiten wie die meisten bands unserer art gemeinsam an den stücken.allerdings haben wir uns doch angewöhnt, selbst wenn wir soviele unterschiedliche musikalische teile zusammenlegen in einem stück im prinzip zu beginn eine art basis-struktur schon vor augen zu haben, nach der wir uns meistens richten können. wir bereiten die songs zunächst erst instrumental vor und dann kommt der sänger dazu und im prozess des ausfeilens kommen auch noch ideen von ihm dazu.
dosenmusik: denkt ihr beim songwriten darüber nach, ob ein song im studio genauso funktioniert wie auf der bühne, denkt ihr den song dann auch als lifesituation? spielt ihr im studio genauso wie life bzw. bemüht ihr euch diese songs live spielbar zu machen?
andre: die meisten songs werden schon so durchdacht, dass sie auch life machbar sind. studioarbeit empfinden wir eigendlich auch als lifesituation. natürlich kann man schön mit multitracking und effekten arbeiten, wir verlieren aber die lifesituation nicht aus dem auge.
dosenmusik: bin wirklich gespannt wie das hier heute umgesetzt wird, weil eben das album so ausgefeilt produziert ist.
...lass uns mal genauer eure songs beleuchten:
warum habt ihr die intro gemacht, die ja der anfang des zweiten "The Truth Is Sold" aber eigendlich ersten richtigen songs ist?
andre: wir wollten eben eine intro haben und der anfang dieses songs ist für sich ja ein guter einstieg oder nicht?
dosenmusik: die dritte Nummer "People Like You" ist schon in dieser sehr romantischen art wie ihr viele teile eurer stücke macht. bei allem brachialgroove und der ständigen wechsel und dem kollossalen sound, steckt ja auch immer eine art romantik in der melodie und und den kadenzen. denkt ihr nach über changes und skalen?
andre: das kommt beim jammen, jeder hat ja unterschiedliche musikalische ausbildung.
henrik: ich kenne ja auch einigen jazz z.b.
dosenmusik: ja, ich höre gelegendlich ein paar jazzchanges in euren kompositionen, bzw. man hört doch eine musiklaisch bildung über den rocktellerrand heraus.
andre: aber wir denken kompositorisch nicht drüber nach, wir setzen unser wissen halt einfach praktisch ein.
dosenmusik: wie probt ihr eigendlich z.a. die schwierigen rhytmischen parts? üben bass und drum manchmal auch ohne euch?
henrik: nein wir machen das immer alle zusammen. allerdings lebt der gegenwärtige bassist in einer anderen stadt, das ist terminlich alles nicht so leicht. ich selbst habe parts des bass auf dem neuen album aufgenommen.
dosenmusik: oha, hast du den mittelteilriff mit bass und drum im siebten stück "Walls "Of Insecure" gespielt?
(ich singe den riff an, sie stimmen ein)
henrik: ja
dosemusik: cool! und die off-beats im zweiten stück "The Truth Is Sold" wie übt ihr das? Wird da gezählt oder drüber nachgedacht?
andre: eben gemeinsam erarbeitet.
dosenmusik: das album is eigendlich recht schlüssig aufgebaut, steigert sich langsam und im fündten song "Same Old Story" klingt die band wirklich wie eine maschine, die sich richtig warmgelaufen hat. dann gibt es diese ruhepunkte direkt drauf, das sechste stück "Dead Eyes See No Future" kommt mir vor wie eigendlich ein instrumental.
andre: ja es war auch erst eins, wir haben dann die stimme mit effekten belegt bzw. wollten diese flüstern mal einsetzen und der stimme eine besondere farbe geben, fast instrumental auch die hohen schreie.
dosenmusik: ich spring mal eben: das letzte stück "Time Is Running Out" scheint mir nicht wirklich im konzept zu passen, es wirkt fast klischeehaft hymnisch. ich gebe zu, es wirkt auf mich drangehängt ein bisschen. wer hat da klavier gespielt?
henrik: ich.
dosenmusik: hast du eine klavierausbildung?
henrik: ja, ich spiele seit dem neunten lebensjahr klavier. dann bin ich halt zur gitarre gekommen.
dosenmusik: hattest du probleme dich zu entscheiden zwischen den instrumenten?
henrik: ja ein bisschen habe ich das klavier vernachlässigt, seit ich gitarre spiele, aber ich spiele und improvisiere nach wie vor am klavier zur entspannung.
andre: wir wollten mit dem letzten song so eine art zeichen setzen, es sollte klingen als sei es ein nie endendes stück musik.
dosenmusik: ich finde es auch gut für leute die noch nie andere musik gehört haben und dann sagen: "ah! es gibt ja auch noch klavier auf der welt!"
andre: aber der ist doch auch sehr powerfull der song. er lässt ausklingen aber mit viel kraft. bei der songzusammenstellung ging es uns auch um den titel des albums: A SHAPE OF DESPERATION. im grunde ist das ende auch mit dem lange ausklingenden gitarrensound eine nie enden wollende desperation vielleicht.
dosenmusik: dann gibt es noch diesen punkartigen song mittendrin "Idiot" klingt wie punk auf speed.
henrik: das punkfeeling kommt von den gitarren, wir hatten früher eine andere band, die so klang. und das drum konterkariert ja. diese groove ist auch sehr stark.
dosenmusik: im vierten stück gibt es einen derart funkigen lauf wie ich ihn von keiner anderen band kenne, die musik wie ihr macht (ich singe den lauf an, die beiden stimmen wieder ein). ich erinnere mich, dass ihr im ersten interview auch unter anderem den einfluss von funk der 70er erwähnt habt. besser kann man seine musikalischen erfahrungen nicht einsetzen, es passt sogar auch der sound ist fast original und grooved ausserordendlich.
andre: ja nun es ist halt das übliche, wir wollen gar nicht in eine bestimmte ecke gedrängt werden. natürlich haben wir starke hardcore-elemente und das label (lifeforce) was uns gesinged hat, ist genau richtig, um eben nicht ausschliesslich für eingleisigen hardcore zu stehen, wenn auch unsere musik und die musik, die lifeforce vetreibt generell schon sehr hart ist. aber es geht auch um da überschreiten von grenzen.
dosenmusik: diese einstellung erinnert mich an das amerikanische label hydrahead. kennt ihr das? bands wie botch, breach etc. sind durch hydra bekannt geworden. ..eine frage muss ich immer beim interview an die musiker richten: welche musik habt ihr am heutigen tag gehört oder hört ihr zur zeit?
henrik: muse
dosenmusik: da wird ja auch viel klavier gespielt.
andre: und muw(?) aus dänemark.
(beide buchstabieren durcheinander als ich rückfrage, auch auf dem band leider nicht zu verstehen)
dosenmusik: welche art musik istas?
andre: progressive pop.
dosenmusik: kennt ihr scamp? auch eine sehr meshuggah-beeinflusste band.
(wir fallen ein und witzeln darüber, dass sie doch eigendlich so gar nicht mit meshuggah verglichen werden wollen und dann ists natürlich auch wieder ehrenhaft irgendwie)
dosenmusik: meahuggah ist düsterer und mit verlaub noch entwickelter als eure musik. wie alt seit ihr?
andre: 22
henrik: 22
dosenmusik: irre!!! ich bin gespannt wie ihr mit 30 klingen werdet, wenn ihr jetzt schon so weit seit!
henrik: wenn wir da noch unsere musik machen.
dosenmusik: ist das tourleben so hart, dass ihr daren zweifelt?
(jetzt beginnt ohren- und gesprächsbetäubender soundcheck des schlagzeugs)
...als das drum auf unseren wunsch fünf minuten pausiert, plänkeln wir noch, es geht um junge menschen, die in schweden selbstmord begehen, obwohl in afrika die leute reihenweise unfreiwillig sterben, um das albumcover, darum, dass sie sich sehr freuen über ihre musik im detail zu sprechen, das käme eher selten bei interviews vor.
dosenmusik: jetzt machen wir aber einen break, ich danke für das nette gespräch wünsche euch einen schönen letzten tourauftritt und gute erholung daheim.

das hierauf folgende konzert war der hammer!
der sänger adrian westin ist ein mann von kleiner eher zarter gestalt, mit der power einer dampfwalze, einer klaren kontrollierten stimme und einer ebenso klaren freundlichen performance.
alle übrigen musiker machten ihren job ebenso hervorragend, mannmannmann, die band hatte eine energie nach wochen des tourens, nicht abgeschlissen, sehr routiniert und doch engeagiert.
musikalisch setzten sie alles, was ich vom album kenne, trotz nicht ganz so einfacher soundverhältnisse erstaunlich authentisch um und ich und mein kollege oli zappelten was das zeug hält und auf der rückfahrt nach frankfurt waren wir erfüllt und ausserordendlich zufrieden.

Also nun, freunde der guten mukke, anhören die band!

eine live-eindruck könnt ihr euch im netz schonmal machen, allerdings ist die musikqualität nicht besonders. hört lieber vorher auch mal musik auf ihrer myspace-seite oder kauft halt das album.
Hier noch für den persönlichen Eindruck ein » Live-Video!


Adrian Westin - vocals
André Gonzales - guitar
Simon Wien - guitar
Henrik Persson - bass
Per Qvarnström - drums

www.bynightonline.com

autoren: att, dasOZ, 25.10.2006
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