Interview mit Born From Pain
E-Mail Interview mit Gitarrist Karl am 20.10.2006 Man braucht definitiv Spass und Freude wenn man so viel mit den gleichen Leuten zusammen macht.
Born From Pain Dosenmusik: Hallo! Stell doch zunächst dich und deine Band vor!
Karl: Mein Name ist Karl und ich spiele in Born From Pain Gitarre. Wir sind gerade kurz vor der Veröffentlichung unseres 4. Albums "War", welches am 20. November erscheinen wird. Wir sind eine Hardcore Band aus Holland, aber wir haben auch Mitglieder aus Deutschland und England. Uns gibt es seit 1997 und wir spielen aggressive Musik mit Einflüssen aus Metal und Hardcore. Wir sind praktisch schon einmal um die Welt getourt und haben schon auf fast allen großen europäischen Festivals gespielt, unter anderem mit Bands wie Hatebreed, Terror und Six Feet Under. Wir lieben einfach was wir tun.
Dosenmusik: Ihr seid kurz davor wieder 2 Monate auf Tour zu gehen. Welche Dinge könntest du auf keinen Fall zu Hause zurück lassen?
Karl: Ha, das ist einfach, meine Gitarre und den Verstärker...nee, Spass beiseite, meinen mp3- Player, auf dem fast alle Platten sind die ich besitze, meinen Laptop und Kleidung. Das wäre es dann auch schon. Wenn wir dann unterwegs sind kauf ich mir ab und an ein Buch oder eine Gitarrenzeitschrift, aber sonst kann ich mit dem Minimum gut leben, solange diese 3 essentiellen Dinge mit dabei sind. Die kommende Tour mit Napalm Death wird auf jeden Fall der Hammer, vor uns liegen gute Zeiten! Die Konzerte werden sicher abgehen.
Dosenmusik: Born From Pain gibt es ja schon länger, wie wichtig sind sind euch Kategorisierungen wie Metal oder Hardcore noch? Machen diese Kategorien heute überhaupt noch Sinn?
Karl: Schwer zu sagen, wie wichtig mir es ist in ein bestimmtes Genre gepresst zu werden, vor allem weil wir Konzerte mit Bands aus beiden Genres spielen. In unsere Musik gibt es Element die sehr "metal" sind, aber manche sind auch sehr "hardcore". Aber wir kommen eigentlich aus der Hardcore Szene, wir haben auch die üblichen Ideale der Anfangstage. Aber solange sich Leute, die uns nicht kennen, einfach vorurteilsfrei anhören, ist es mir egal in welches Genre man uns steckt. Ich glaube auch nicht dass es heute noch groß darauf ankommt, in welchem Genre du spielst oder welcher Szene du angehörst. Ok, manche achten da schon noch drauf und beschäftigen sich nur mit irgendwelchen kleinen Subgenres, aber für uns ist wichtig offen für vieles zu sein. Wir haben auch alle einen breitgefächerten Musikgeschmack, da kommt es wirklich nicht auf Genres an.
Dosenmusik: Ihr sagt von euch, dass ihr sowohl in Holland, als auch in Deutschland zu Hause seid. Was für Unterschiede gibt es zwischen der Szene der beiden Länder?
Karl: Ehrlich gesagt gibt es für mich keinen, sie liegen ja auch nicht wirklich weit auseinander. Für mich gibt es eigentlich weltweit kaum Unterschiede in der Hardcore Szene. Ich sollte das vielleicht nicht verallgemeinern, weil wir an manchen Orten vielleicht erst einmal gespielt haben, aber so scheint es. Überhaupt liegen Hardcore, Metal und Alternative Szene nicht so weit auseinander. Die Leute wollen eine gute Band sehen, in der Musik aufgehen und einfach Spaß haben, letzten Endes lässt sich das doch alles auf einen Nenner bringen. Sozial und Kulturell gibt es schon Unterschiede von Land zu Land, aber dass schlägt sich nicht auf die Szene der du angehörst aus. Dosenmusik: Ihr habt "War", wie bereits den Vorgänger, zusammen mit Tue Madsen, einem der Top Producer in Europa aufgenommen. Erzähl uns wie es ist mit ihm zu arbeiten!
Karl: Der ganze Aufnahme Prozess war einfach purer Spaß und es war wie immer eine Freude mit Tue zusammen zu arbeiten. Er hat einfach ein Ohr dafür den bestmöglichen Sound zu bekommen. Und es geht immer darum, was wir wollen, nicht was er will! Er sagt dir, wenn er denkt, das kleinere Änderung notwendig sind, aber sonst setzt er sein Wissen ein, um dir den Sound zu geben, den du haben möchtest. Am Ende kam dann dabei ein Killer Album heraus, dass 100% Born From Pain ist. Manche Leute fragen warum wir immer zurück zu Tue kommen, aber die Antwort ist ganz offensichtlich: er bekommt einfach immer einen Hammer Sound hin. Es ist rundherum eine Freude mit ihm zu arbeiten.
Dosenmusik: Ihr habt diverse Gastauftritte auf "War", unter anderem Jan Chris (Gorefest), Lou von "Sick Of It All" und Hatesphere Gitarristen Pepe. In welchem Bezug steht ihr mit all diesen Leuten und was haben sie zu den Songs beigetragen?
Karl: Ja, wir haben ein paar tolle Gäste auf diesem Album, unter anderem auch noch Barney von Napalm Death. Alle Sänger kennen wir von gemeinsamen Touren und die Stimme jedes einzelnen hat etwas, dass wir lieben und von dem wir dachten, dass es gut zu einem bestimmten Song oder Text passt. Es ist eine Ehre diese Leute auf unserer Platte zu haben, wir haben von manchen jahrelang Musik gehört und ihr Texte mitgesungen, deshalb ist es besonders schön für uns, dass sie jetzt ein Teil von unserer Musik sind. Sie haben alle Top Performance hingelegt, ich für meinen Teil bin mehr als zufrieden mit dem Resultat. Pepe von Hatesphere, bzw. Hatesphere an sich, sind gute Freunde von uns, wir haben viele Shows zusammen gespielt Er ist ein wahnsinnig guter Gitarrist und wir waren uns sicher, dass er zu einem der Songs ein überragendes Solo beisteuern könnte. Und genau das hat er auch getan! Was auch praktisch daran war wieder bei Tue im Antfarm Studio in Aarhus aufzunehmen, ist das Hatesphere aus eben diesem Ort kommen. Es war wirklich cool Freunde mal wiederzutreffen ohne gemeinsam Konzerte zu spielen. Schade dass die anderen Gäste nicht auch dort vorbeikommen konnten, sie haben ihr Zeug in Studios in ihrer Heimat aufgenommen. Aber egal, das Endresultat ist perfekt!
Dosenmusik: Ihr habt gesagt, dass ihr auf "War" neue Elemente einbringen und auch zeigen wollt, dass ihr euch als Musiker weiterentwickelt. Was können wir erwarten?
Karl: Also für uns ist jeder Song auf "War" anders, bis auf den Fakt das alle heavey sind. Es gibt schnelle Parts, Breakdowns, groovy Passagen, so in etwa dieses New Orleans Ding, melodische und wirklich brutale Parts, aber auch etwas subtilere Teilstücke. Wir haben probiert viele verschiedene Elemente einzubringen, jedoch ohne den Fokus zu verlieren. "War" ist ein sehr fokussiertes Album, ist gibt ein musikalisches und emotionales Auf und Ab, dass das Interesse des Zuhörers fesseln wird. Es ist aber trotzdem ein Born From Pain Album, mit dem sich auch alle bisherigen Fans von uns identifizieren können, manche Elemente betonen wir nur etwas stärker als früher. Ihr könnt euch auf ein pulsierendes Album freuen, das lebt und atmet, aggressiv und intensiv vom ersten bis zum letzten Ton, aber zugleich mit subtilen Nuancen, die alle Aggressionen ausbalancieren.
Dosenmusik: Was ist euch am wichtigsten wenn ihr einen neuen Song schreibt?
Karl: Das Hauptaugenmerk liegt immer auf dem Song selbst. Es bringt nichts wenn man einen tollen Refrain, Break Down oder Sing-a-long hat, der Rest des Songs aber nicht auf dem selben Level ist. Also konzentrieren wir uns darauf einen auf allen Ebenen starken Song zu schreiben. Auf "War" haben wir das meiner Meinung nach sehr gut hingekriegt, die elf Songs sind individuell gesehen sehr stark, passen aber auch gut im Kontext eines Albums zusammen.
Dosenmusik: Mit dem neuen Album wollt ihr euch mehr sozial kritischen Themen widmen. Was ist euer Anliegen, bzw. welche Probleme sollten mehr in das Bewusstein der Leute rücken?
Karl: Es geht nicht nur um Krieg im herkömmlichen Sinne des Wortes, sondern viel mehr um das, was gerade auf der Welt abgeht. Untern anderem natürlich doch um Krieg, aber auch um beschissene Regierungen, Umweltverschmutzung, Krankheiten, soziale Probleme und viele andere Dinge, die jeden von uns beeinflussen. Wir wollen wirklich über diese Themen reden und sie nicht unter den Teppich kehren. Wir wollen dass die Leute sich nicht mit ihren Problemen alleine gelassen fühlen, stattdessen suchen wir den Schulterschluss mit ihnen. Wir wollen ihnen etwas geben, mit dem sie sich identifizieren können, wir wollen ihnen und der Welt, in der sie leben, Hoffnung geben, denn es ist noch lange nicht alles verloren. Genau darauf wollen wir die Leute aufmerksam machen und hoffentlich so andere inspirieren, das selbe zu tun.
Dosenmusik: Auf welchem Label seid ihr momentan eigentlich? Die Informationen dazu ja etwas verwirrend....
Karl: Haha, ja, wie du sicher bemerkt habt arbeiten wir mit verschiedenen Labels zusammen. Unser Haupt Label, ist Metal Blade, bei ihnen ist " In Love With The End" erschienen und bei ihnen veröffentlichen wir auch "War". Bei unserem früherem Label GSR, die uns bis heute unterstützen, bekommt man die beiden Vorgänger Alben, "Reclaiming The Crown" und "Sands Of Time". Bei Hollowman Records, welches ein Sublabel von Hypertension kommen am 15. Oktober die Vinyl Versionen von "In Love With The End" und "War" heraus. Haha, alles klar?!
Dosenmusik: Was bedeutet euch denn Vinyl noch im Zeitalter von mp3s?
Karl: Also für mich ist Vinyl noch ein wichtiges Format, auch wenn ich mir selbst kaum noch was kaufe, außer vielleicht eine alte Metallica Platte...ich denke aber es ist immer noch sehr wichtig Vinyl anzubieten, da viele Leute es aus gewissen Gründen lieben. Ich mag es auch, aber es ist für mich nicht mehr wirklich praktisch. Manche sammeln Vinyl, weil sie meinen es klingt besser, weil es cool aussieht, oder einfach weil sie alle Formate haben wollen. Was auch immer für Vinyl spricht, ich hoffe dass es nie ganz verschwinden wird, und ich denke dass wird es auch nicht
Dosenmusik: Wie steht ihr Band gegenüber mit denen ihr gemeinsam auf Tour geht? Sind das Freunde oder vielleicht auch eher Gegner in einem gewissen Wettbewerb?
Karl: Ehrlich gesagt denke ich dass es ein gesunder Wettbewerb für uns ist. Wir schauen uns gerne gute Shows von anderen Bands an, weil uns das selbst motiviert alles zu geben. Aber ich würde natürlich lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich will das die Leute sagen Born From Pain war die beste Band des Abends. Wir wollen einfach immer unser Bestes geben. Wenn wir mit Freunden auf Tour gehen ist das aber auch spitze, geklappt hat das z.B. auch schon mit Maroon, Hatesphere oder Zero Mentality. Oft entwickelt sich auch während der Tour eine Freundschaft. Es gibt natürlich immer einen Wettbewerb, aber keine Rivalitäten. Alles auf freundschaftlicher Ebene, ich würde mir nie wünschen, dass eine andere Band eine schlechte Show hat.
Dosenmusik: Was ist die beste und was die schlechteste Erinnerung an eure Tourneen?
Karl: Das kann dir aus zwei Gründen unmöglich beantworten. Zum einen gibt es einfach zu viele gute Erinnerungen an verschiedene Leute, Orte und Konzerte, dass es einfach nicht möglich ist, die beste Erinnerung zu benennen. Die schlechteste kann ich auch nicht wirklich benennen, weil wir kaum schlechte Erfahrungen gemacht haben. Natürlich gab es lange, nervige Autofahrten, manche Streitigkeiten oder mal schlechtes Essen, aber so was passiert eben, ganz unabhängig ob du mit einer Band auf Tour bist oder nicht. Bislang hatten wir weder einen schweren Unfall mit dem Bus noch ist uns unser Equipment geklaut worden, also ist nichts wirklich schlimmes passiert, bislang war eigentlich alles positiv.
Dosenmusik: Habt ihr irgendwelche Rituale bevor ihr auf die Bühne geht? Hast du manchmal noch Lampenfieber?
Karl: Nicht wirklich. Natürlich mache ich ein kleines Warm-up am Instrument, aber das ist nicht wirklich ein Ritual, ich will nur sicher gehen, dass ich so gut wie möglich spielen werde. Ich trag auch nicht vor jedem Konzert die gleichen Socken, auch wenn die anderen Jungs da anderer Meinung sein könnten...haha. Nervös bin ich auch nicht mehr, ich habe schon so oft live gespielt, vor viel und vor wenig Publikum, da werde ich einfach nicht mehr nervös. Ich freue mich einfach nur darauf rauszugehen und zu spielen.
Dosenmusik: Nenn uns drei Adjektive, die Born From Pain treffend beschreiben!
Karl: Ok, ich geb euch welche die offensichtlich sind, und welche die es weniger sind.
Aggressiv - wir sind definitiv eine aggressive Band, aber nicht in dem Sinne das wir uns mit jedem prügeln wollen. Wir sind da fokussiert, wir wollen dich zerstören wenn wir spielen und ich denke dafür braucht man Aggressionen.
Engagiert - ohne Engagement würde diese Band nicht funktionieren. Wir stimmen in allen Ansichten überein, wir wissen was es bedeutet in dieser Band zu sein und was man tun muss, damit alles funktioniert.
Spaßig - das ist wohl etwas was die meisten Leute nicht von uns denken, denn wir machen auf der Bühne nicht gerade viele Späßchen. Aber man braucht definitiv Spass und Freude wenn man so viel mit den gleichen Leuten zusammen macht, bzw. man muss Spaß haben um es tun zu können. Spaßig ist deswegen durchaus zutreffend für uns, auch wenn es vielleicht nicht so offensichtlich ist.
Dosenmusik: Habt ihr es halbwegs überwunden das Holland nicht Fußball Weltmeister geworden ist?
Karl: Haha, ich habe dem holländischen Team sicherlich nicht nachgeweint, denn ich bin Engländer! Aber die waren ja auch nicht wirklich berauschend...naja, Holland war immerhin meine zweite Wahl. Aber egal, die nächste WM kommt bestimmt!
Dosenmusik: Deine letzten Worte an unsere Leser?
Karl: Danke fürs lesen, wir hoffen euch in Zukunft auf einem Konzert von uns zu treffen, egal ob es das erste oder das zehnte Mal ist, dass ihr uns sieht. Wir freuen uns über jede Unterstützung! Unsere Musik ist für jeden, egal ob du hardcore, metal oder punk bist, denn bei Born From Pain Konzerten ist jeder willkommen. Hört euch unser neues Album "War” an, es erscheint am 20. November. Vielen Dank für dieses Interview, wir wissen es zu schätzen!


Che – vocals
Dominik – guitar
Karl – guitar
Roel – drums
Rob – bass

www.bornfrompain.com

autor: Vorstadtkind | 22.10.2006
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